Phono-Entzerrer

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Startbeitrag#1
Hi Leut!
was macht eigentlich so ein phonoentzerrer, und muss man das ding auch bei einem professionellen mischpult vorschalten?
ich denke, dass es eine pegelanpassung und eventuell ein EQ-fixpreset enth?lt. das alles schaff ich doch mit einem mischpult auch, wieso muss man das ding bei einspielungen von schallplatten trotzdem vorschalten?
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Antwort#2
Hallo Christian,
Du mußt auf jeden Fall den Phonoentzerrer vorschalten. Der Grund: Die Schallplatte ist ja nicht frequenzlinear geschnitten, sondern die Tiefen sind nach einer ganz bestimmten Kennlinie abgeschwächt, sonst würde man zu viel Platz benötigen. Denn: Der Schneidstichel wird ja elektromagnetisch angetrieben und gemäßt dem Induktionsgesetz wird der Strom mit niedriger werdender Frequenz größer. Da die Auslenkung des Stichels dem STROM proportional ist, würde zu tieferen Frequenzen hin die Auslenkung immer größer und somit Platz auf der Platte beanspruchen. Deshalb senkt man die Tiefen aa und die Höhen hebt man an.
Bei der Wiedergabe muß nun diese Kennlinie rückgängig gemacht werden und das geschieht im Phonoentzerrer. Die Tiefen werden wieder angehoben und die Höhen abgesenkt. Mit der Höhenabsenkung senkt man aber auch gleichzeitig das Rauschen ab. Man schlägt also damit gleich 2 Fliegen mit einer Klappe.
Außerdem macht der Phonoentzerrer gleich noch eine Vorverstärkung des Signals.
Bei professionellen Plattenspielern (EMT9xx-Serie, etc.) ist dieser schon im Gerät eingebaut und man kommt da mit dem üblichen Studiopegel von 6 dBu raus.
Wie gesagt: Wenn Du einen Hifi-Plattenspieler hast, brauchst Du in jedem Fall den Entzerrverstärker mit dem Du dann auf einen Line-Eingang eines Mischpult gehst. Wenn der Mikrofonverstärker genügend Eingangspegel verträgt, kannst Du auch diesen als Eingang benutzen. Professionelle Mischpulte haben keinen phonoentzerrten Eingang, weil man im Pro-Audio-Bereich davon ausgeht, daß die Entzerrung wie beschrieben im Plattenspieler vorgenommen wird.

Grüße
Rainer G.
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Antwort#3
Hallo,
ist ja alles recht interessant. Mir ist dabei wieder eine Frage gekommen, die ich mir schon mal vor langer Zeit gestellt habe, der ich aber nie nachgegangen bin. (klingt vielleicht schon bloed, da sie fuer Euch ganz einfach zu beantworten ist, sowas wie "Was Kinder schon immer wissen wollten!" :-) )
Wie kann man denn mit einer einzelnen Nadel ein Stereo Signal abnahmen? Das Signal muss doch auf irgendeine Weise interleaved sein. Wie funktioniert das aber mit analoger Technik (digital ist das ja noch verstaendlich), ist das mit Quartztechnik verbunden? Wenn ja, wie stellt man die genau Trennung beider Signale (rechts und links) her? So dass also keine Ungenauigkeiten entstehen und somit das aufgenommene Stereo-Signal auch "massstabsgetreu" wiedergegeben wird.
(Noch was an Rainer: Du sagtest professionelle 6dBu? Gibt es einen Bereich, indem das Signal als pro angesehen wird, denn mir sind nur die +4dBu bekannt, oder hast Du Dich nur vertan?)
Gruss,

HaJo
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Antwort#4
Hallo,
ist ja alles recht interessant. Mir ist dabei wieder eine Frage gekommen, die ich mir schon mal vor langer Zeit gestellt habe, der ich aber nie nachgegangen bin. (klingt vielleicht schon bloed, da sie fuer Euch ganz einfach zu beantworten ist, sowas wie "Was Kinder schon immer wissen wollten!" :-) )
Wie kann man denn mit einer einzelnen Nadel ein Stereo Signal abnahmen? Das Signal muss doch auf irgendeine Weise interleaved sein. Wie funktioniert das aber mit analoger Technik (digital ist das ja noch verstaendlich), ist das mit Quartztechnik verbunden? Wenn ja, wie stellt man die genau Trennung beider Signale (rechts und links) her? So dass also keine Ungenauigkeiten entstehen und somit das aufgenommene Stereo-Signal auch "massstabsgetreu" wiedergegeben wird.
(Noch was an Rainer: Du sagtest professionelle 6dBu? Gibt es einen Bereich, indem das Signal als pro angesehen wird, denn mir sind nur die +4dBu bekannt, oder hast Du Dich nur vertan?)
Gruss,

Hallo HaJo,
bin zwar kein "Nadelexperte" aber soviel ich weiss sind Nadeln beidseitig beschliffen und somit gehe ich mal davon aus das sie damit Stereo Signal abtasten können. Dreht man beim 1210 das Anti-Skating zu weit, so das der Tonarm nicht von alleine wieder zurückkommt wenn er gelifftet ist, hat man ein unproportionales Stereosignal. Deshalb denke ich, hat die Rille links und rechts ihres Randes Signal und das würde somit Stereo ergeben.
Aber wie gesagt bin mir nicht sicher außerdem weiss ich nicht ob das jetzt so verständlich war.
Gruss Heiko H.
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Antwort#5
Hallo HaJo,
Zu Deinen Fragen:
Zunächst mit den Pegeln +6dBu und +4 dBu.
Die deutschen Studioanlagen die nach dem IRT-Pflichtenheft 3/5 erstellt wurden arbeiten mit +6dBu. Das ist bei sämtlichen Rundfunkanstalten der Fall. Der Wert rührt ursprünglich aus der Zeit wo noch mit 600-Ohm-Technik gearbeitet wurde und der Leistungsbezugspegel von 1 mWatt üblich war. Dieser Pegel wurde mit "dBm" bezeichnet und 0 dBm (entspr. 1 mW) ergab an einem Widerstand von 600 Ohm einen Spannungspegel von 775 mV. Da man mit Leistungsanpassung gearbeitet hat, mußte die Quelle im Leerlauf die doppelte Spannung liefern und dies waren dann 1,55 Volt -entsprechend +6dBm. Später als man bei moderneren Anlagen von der 600-Ohm-Technik und damit von der Leistungsanpassung abging hat man die Spannungspegel beibehalten. Lange Zeit hielt sich für Spannungspegel noch fälschlicherweise das "dBm". In 1985 hat der CCIR festgelegt, daß für Spannungspegel die sich auf 775 mV beziehen nicht mehr die Bezeichnung "dBm" sondern "dBu" zu benutzen ist, weil das dBm nach wie vor ausschließlich für Leistungen benutzt werden soll. Es gibt nämlich Applikationen wo das dBm ebenfalls benutzt wird aber keine elektrische Energie übertragen wird, z.B. Die Übertragung von Licht auf Lichtwellenleitern. Die Lichleistung wird dabei ebenfalls in dBm angegeben. Hier sieht man, daß eine Spannugsangabe keinen Sinn machen würde.
Die +4dBu sind vorwiegend bei Geräten in amerikanischen und japanischen Studioanlagen zu finden. Ich weiß allerdings nicht woher die Zahl dabei rührt. Vermutlich eine willkürliche Festlegung. +4dBu entsprechen 1,23 Volt.
Es ist leztendlich nicht von Bedeutung ob man mit 6- oder mit 4 dBu arbeitet, man muß sich nur auf einen Wert festlegen. Allerdings ist die gemischte Verwendung von Geräten mit +6 und +4dBu-Kalibrierung nicht problematisch. Wenn es kritisch ist, muß man mit Anpassungsübertragern arbeiten.
Zu der Schallplatte:
Die Codierung von 2 Kanälen in der Rille geschieht dahingehend, daß man beide Rillenflanken mit unterschiedlicher Modulation beschickt. Der linke Kanal wird auf die Innenflanke geschrieben und der rechte auf die Außenflanke. Der Schreibkopf der Plattenschneidmaschine hat zwei um 90° versetzte Triebspulen. Wird nur der linke Kanal moduliert, bewegt sich der Schneidstichel nur in einer Schräge von 45° von rechts oben nach links unten. Bei Modulation des rechten Kanals bewegt er sich von links oben nach rechts unten.
Der Tonabnehmer hat ebenfalls wieder 2 Spulen die um 90° zueinander angeordnet sind. Bei der Bewegung nur in Richtung links/oben nach rechts/unten wird nur eine Spannung in der eine Spule erzeugt, die dem linken Kanal zugeordnet ist. Da die andere Spule um 90° dagegen versetzt ist, wird keine Spannung in ihr induziert. Beim rechten Kanal ist es umgekehrt.
Transferiert man das Stereosignal in ein M/S-Paar, so ist die M-Komponente eine Seitenschrift und die S-Skomponente eine Tiefenschrift. Ein Mono-Tonabnehmer reagiert nur auf die Seitenschrift, nicht aber auf die Tiefenschrift. Daher tastet er die Summe des Stereosignals ab: L+R = Mono. Auf die Tiefenschrift reagiert er nicht, weil sie senkrecht verläuft.
Grüße
Rainer G.
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Antwort#6
hi,
soweit ich weiß haben sämtliche recording studios einen nominalpegel von +4dBu.
die +6 dBu (1,55V) besitzen nur rundfunkstudios.
gruß racker
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Antwort#7
Hallo racker,
nein, das stimmt nicht ganz: Alle Studioanlagen die nach dem IRT-Pflichtenheft gebaut sind arbeiten mit +6 dBu. Das sind auch die Anlagen von Theatern und Filmgesellschaften. U.a. haben z.B. auch die Produktionsstudios der Bundeswehr (jawohl, auch die haben sowas - die machen auch selbst Filme!) diese Normung mit +6dBu. Die +6dBu sind eine deutsche Studionorm, während die +4 dBu außerhalb Deutschlands entstanden ist.
Grüße
Racker
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Antwort#8
hi,
aha, gut zu wissen worauf man sich gefasst machen kann, wenn man filmmusik im musikproduktionsstudio arrangiert und evtl. kompatibel zum film- bzw. rundfunkstudio sein will.
gruß racker
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Antwort#9
Hallo racker,
ich verstehe Dein Problem nicht ganz: Die Pegelung ist doch leztendlich eine rein interne Angelegenheit des Studios. Ob Du nun mit einer Anlage die auf +6, oder +4 dBu kalibriert ist fährst oder einem anderen Pegel - das Ergebnis was Du auf einen TONTRÄGER bringst ist davon unabhängig, denn der Tonträger hat ja seinen eigenen Bezugspegel. Bei digitalen Tonträgern sind es 0 dBfs (also absolute Vollaussteuerung) bei analogen Bändern mit 38 cm/s ist es ein remanenter Bandfuß von 320 nWb/m bei Mono und 514 nWb/m bei Stereo. Und wenn es der Magnetton auf einem Magnetfilm ist, so ist dessen magn. Fluß auch wiederum genormt (wenn mich nicht alles täuscht mit 250 oder mit 160 nWb/m).
Wichtig ist nur, daß man innerhalb einer Anlage mit abgeglichenen Pegeln aller Geräte arbeitet um sich Adaptierungen etc. zu ersparen.

Grüße
Rainer G
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Antwort#10
hi,
genau,
und wenn jemand nicht mit einem tonträger, sondern mit eigenem equipment in´s studio rennt, dann stimmen die meter nicht mehr überein.
das ist doch mist. deswegen sollte man sich in der professionellen audio produktion einigen, wie ja auch geschehen.
gruß racker
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