EQ-Tips für FOH aus 7 Büchern (svT=sehr viel Text)

Erstellt 4 Antworten5 Beiträge
Startbeitrag#1
Es ist doch etwas viel geworden, und wenn ich das so lese, bin ich am Zweifeln, ob das denn überhaupt nützlich ist.
Bitte: nur zur Orientierung verwenden.
Und: Vielleicht ergibt sich da noch eine Diskussion über die vorgestellten Tips.
Also:
Zusammenstellung von FOH/EQ-Tips
1. Kruse-Joachim, Günther und Andreas Migura: Ein praktischer Ratgeber für die technische Ausrüstung von Popgruppen (= Franzis Einführung). München 1989.
Viele, grundsätzliche allgemeine Tips, zum allerersten Einstieg o.k., vielleicht hat's ja die Stadtbücherei ...
z.B. S. 102: Wichtig ist, "daß jeder Eingangskanal des Mischpults separat eingepegelt werden muß [...] zur genaueren Überprüfung PFL/Solo-Tasten [...]" drücken. Dabei bleiben "die PA-Verstärkung abgeschaltet bzw. die Masterregler runtergedreht" und vorher wurden "alle Equalizerstellungen [...] auf 0 dB" gesetzt.
S. 103: "Alle Einzelsounds bilden den Gesamtsound. Erst dabei, also im gesamten Klangbild [...] lassen sich die Einzelsounds akustisch angenehm miteinander verbinden. [...] Hört man jetzt", also nach dem Gesamtsoundcheck, einzelne Kanäle ab, "so klingen sie teilweise sehr unecht." [...]
"Bei der Baßgitarre ist darauf zu achten, daß sie nicht im selben Frequenzbereich wie die Baßdrum arbeitet."
S. 104: "Oft hören sich Gesangsstimmen beim Einzelsoundcheck toll an, beim Gesamtsoundcheck sind sie dann kaum noch zu hören. Ein Grund dafür liegt darin, daß die Stimmen zu voluminös eingestellt sind und im Gesamtsound dort die hörbaren Frequenzbereiche der Stimme nicht zum Tragen kommen. Gerade für laute Gesangsparts oder Musikstücke, bei denen es insbesondere auf die Textverständlichkeit ankommt, ist es besser, den Baßbereich der Stimme herauszufiltern und die Präsenz (obere Mitten und Höhen) etwas anzuheben. Bei ruhigeren Stücken, in denen auch der Sänger einen etwas größeren Mikrofonabstand wählt, verleiht allerdings der Baßbereich um 300 Hz der Stimme Wärme und Fülle."

2: Zantis, Franz-Peter: Technik für Bands. Handbuch für den Bandtechniker (= Elektor). Aachen 1991.
"Richtiges" Buch, taugt zum Einstieg in die Grundlagen, ist dreimal so dick wie 1) aber Rezepte werden auch hier (leider) keine verraten.

3. Henle, Hubert: Das Tonstudiobuch. Praktische Einführung in die professionelle Aufnahmetechnik (= Factfinder-Serie, Hrsg.: Gunther Carstensen). 3. Auflage, München 1993.
Hier wird's noch etwas ausführlicher, als Zitat folgen die Rezeptseiten 189 ff:
"Bassdrum
Anhebung von 60...80 Hz erhöht den Druck der Bassdrum, eine Absenkung von 250...350 Hz beseitigt den holzigen Klang. 2...4 Hz bringen mehr Kick.
Snare
Die Anhebung des Bereiches von 140...260 Hz läßt eine Snare fetter erscheinen, eine Absenkung von 300...500 Hz weicher. Den typischen Snare-Sound erzielt man mit einer Anhebung bei 5...6 kHz.
Floor-Tom
Den vollen Ton bringt eine Anhebung von 80...120 Hz, eine Absenkung von 300...500 Hz macht den Ton weicher. Den Anschlag bringt eine Anhebung von 4...6 kHz.
Baß-Gitarre
Eine Anhebung von 60...80 Hz verleiht dem Baß Fülle, klarer und deutlicher wird er durch eine Anhebung von 500...8000 Hz. Die Saitengeräusche (Slap) bringen 2...3 kHz.
E-Gitarre
Ein vollerer Ton wird durch eine Anhebung von 200...300 Hz erreicht. Mehr Biß bringen 2...3 kHz. Ist der Klang zu schrill, wird dieser Bereich eher abgesenkt.
Akustik-Gitarre
80...120 Hz verstärken die tiefen Saiten. 200...300 Hz lassen die Gitarre insgesamt voller klingen. 2...6 kHz bringen Brillianz und Anschlaggeräusche.
Klavier und Flügel
Satte Tiefen im Bereich von 80...160 Hz, Brillianz und Anschlag bei 2...7 kHz. Eine schmalbandige Anhebung bei ca. 2,5 kHz bringt den typischen 'Honky Tonk'-Sound.
Blasinstrumente
Eine Anhebung von 100...300 Hz läßt den Klang voller wirken, die Schärfe bringen 4...8 kHz.
Streicher
Den vollen Streicherklang erzielt man durch Anhebung von 200...300 Hz, Anstrich und Brillianz bei 7...11 kHz
Sprechstimme
Schlanker wird die Stimme durch eine Absenkung bei 180...3000 Hz, mehr Sprachverständlichkeit erreicht man durch eine Anhebung bei 2...4 kHz.
Singstimme
Einen volleren Sound bringen 100...140 Hz, eine Absenkung bei 200...400 Hz erzeugt mehr Klarheit. Deutlicher wird die Stimme durch eine Anhebung bei 4...5 kHz, die Zischlaute liegen bei 7...11 kHz.
Der Entzerrer kann nie eine ungünstige Mikrofonaufstellung oder einen mäßigen Klang eines Instrumentes wettmachen. Er sollte nur der Korrektur des Klanges und der Anpassung eines Instrumentes an das gesamte Klangbild dienen."

4. Beckmann, R.:Handbuch der PA-Technik. Grundlagen - Komponenten - Praxis (=Elektor). 3. Auflage 1993.
Interessant sind hier vor allem die Einstiegshinweise zum Bühnenaufbau (S. 167 ff) und zur Mikrofonierung. EQ-Rezepte werden keine gegeben, aber auf S. 189 f eine
"Checkliste für das Einstellen eines PA-Systems
1. 'Gain-Regler' auf Minimum stellen.
2. Klangregelung in neutrale Stellung bringen.
3. Monitorregler in Nullstellung bringen.
4. Effektregler in Nullstellung bringen
5. Panoramaregler in Mittelstellung bringen
6. Lautstärke der Masterkanäle nach Wunsch einstellen
7. Musiktitel oder Testsignal über die Eingangskanäle wiedergeben.
8. Frequenzverlauf der PA mit Equalizer korrigieren, nach Möglichkeit mit einem Analysator.
9. Vorverstärkung und Klangregelung der Schlagzeugkanäle einstellen; Aussteuerung mit Hilfe der Übersteuerungs-LED und der PFL kontrollieren.
10. Lautstärkeverhältnis der Schlagzeugkanäle einstellen; Fader aufgezogen lassen.
11. Vorverstärkung und Klangregelung von Baß, Gitarren, Keyboards, Blasinstrumente und Gesang einstellen.
12. Lautstärkeverhältnis der Kanäle untereinander und zu den Schlagzeugkanälen einstellen.
13. Mit den Monitorreglern der Eingangskanäle die Monitormischung einstellen.
14. Mit dem Monitormaster die Gesamtlautstärke des Monitors einstellen.
15. Mit den Effekt-Send-Reglern der Eingangskanäle die Effektintensitäten einstellen.
16. Über den Effekt-Return-Regler die Gesamtlautstärke des bzw. der Effekte einstellen.
17. Mit den Pan-Reglern die Einzelsignale auf die Stereobreite verteilen.
18. Einstellungen überprüfen.
19. Gegebenenfalls Korrekturen vornehmen und Mikrofon- und Lautsprecheraufstellungen verändern."

5. Webers, Johannes: Handbuch der Tonstudiotechnik. Analoges und digitales Audio Recording bei Fernsehen, Film und Rundfunk (= Franzis'). 6., neu bearbeitete Auflage, Poing 1994.
Das ist ein dicker Wälzer (über 700 Seiten) für Leute, die es schon etwas genauer wissen möchten mit einem Schwerpunkt auf Aufnahmetechnik. Die erste Auflage war 1968, was man dem Buch auch teilweise anmerkt - so heißt z.B. der Equalizer eben noch Entzerrer. Die technischen und physikalischen Grundlagen sind aber immer noch die gleichen.
Auf S. 99 "sind die Frequenzbereiche der wichtigsten Musikinstrumente, der menschlichen Stimme und einiger Geräusche dargestellt" (S. 98). Das beginnt beim tiefsten Grundton und geht über die Obertöne bis zu evtl. vorhandenen Geräuschanteilen.

6. Eisner, Uli: Mixing Workshop. Leitfaden für Beschallung und Home-Recording (= Ein Sound Check Buch). Bergkirchen 1997.
So, und hier wird's (wieder) ganz praktisch, völlig ohne Theorie und etwas flapsig. Dafür gib's auf 2 CDs die Beispiele, die im Buch beschrieben sind, zum Anhören. Mit konkreten Rezepten hält sich der Autor allerdings auch zurück, weil es "allgemeingültige Regeln" (S: 131) nicht gibt.

Trotzdem folgen hier ein paar Tips (S. 132 f):
"Bass
[...] Schwierigkeit für viele Mischer [...] zwar dumpfes Gewummere, aber [man] kann nicht hören, welche Töne der Bass spielt. Der Grund: Weil das Instrument so heißt, meinen manche, seine musikalische Information spiele sich im Baß ab und drehen entsprechend reichlich davon rein [...] Die meisten Töne und Obertonreihen liegen um einiges höher, nämlich im unteren Mittenbereich. Also, irgendwo zwischen 400 Hz und 1 kHz featuren, dann wird's schlagartig klarer [...]
Schlagzeug
Die Bassdrum wiederum sollte man ca. 300 Hz herum ruhig kräftig beschneiden, um Platz für den Bass zu machen, dafür unten so um 80 Hz anheben (Druck), ebenfalls zwischen 2 und 4 kHz anheben (Klack), und ein paar Höhen können auc nicht schaden.
[Die Snare] irgendwo zwischen 8 - 12 kHz anheben kommt aber immer gut.
Mit Toms ist es wie mit der Snare, schwierig, schwierig. Zwischen 2 und 8 kHz anheben macht jedenfalls den Anschlag gut hörbar.
Gitarren und Keyboards
E-Gitarren(-Speaker) haben oft sehr starke Peaks bei 2 - 3 kHz, muß man meistens etwas rausdrehen [...] Wärme bei 300 Hz reindrehen [...]
Die meisten elektro-akustischen Gitarren klingen bei 2 kHz etwas blechern [...] fast immer etwas wegnehmen. [Aber es gibt] gewaltige Klangunterschiede.
Das gilt auch für Keyboards aller Coleur, allerdings sind oft die Tiefbässe zu fett. Rausdrehn, für die Abteilung sind Bass und Bassdrum zuständig.
Gesang
Die Hauptinformation der Stimme liegt so zwischen 1 und 2 kHz, also [...] freihalten, eventuell. bei Gitarren und Keyboards ein wenig rausdrehen. Die Sprachverständlichkeit liegt bei ca. 4 - 6 kHz [...] feedbackanfälliger Bereich [...] Höhen bei 10 - 12 kHz [...] Trittschallfilter [...]"
Ps: Also mich hat beim Lesen die schludrige Sprache etwas gestört.

7. Raven, Ingo: Das eigene Musikstudio. Grundlagen und Techniken des Homerecording (= Wizoo Basics). Bremen 2001.
Zwar dreht es sich in diesem Buch (auch mit Beispiel-CD) nicht um Live-Musik, doch sind die Informationen zum Aufnehmen, Mischen und Mastern gut übertragbar.
Die folgenden Tips ("+" bedeutet Anhebung, "-" Absenkung) zur Klangbearbeitung (S. 193 ff) zitiere ich jetzt nicht mehr korrekt, deshalb folgen nun auch keine Anführungszeichen ...
Baßdrum:
Subbässe evtl. absenken (abhängig von PA), Präsenz und Transparenz: bis ca. 5 kHz +, Fülle: 100 Hz +, Punch: 400 Hz -, Kick deutlicher: 1 kHz +, Prägnanz: 2 bis 3 kHz +, Dröhnfrequenzen: schmalbandig -
Snare:
fett: Baßbereich breitbandig +, Transparenz: Höhen +, Volumen: Grundton schmalbandig +, hart und trocken: obere Mitten +
Hängetoms:
Übersprechen von Baß-/Standtom: Bässe -, Übersprechen von Becken: Höhen -, Schlaggeräusch und Transparenz: obere Mitten bzw. untere Höhen +
Becken und HiHat:
evtl. Tiefen - und Höhen + (gleichzeitig Lautstärke -)
Baß:
Mitten sind wichtig, auf Frequenzüberlagerungen achten mit z.B. BD, Git, Keyb.
E-Gitarren:
Dröhnen: untere Mitten -, Durchsetzungsvermögen: 2 bis 5 kHz +, bei verzerrten Git. evtl. obere Höhen -, direkt ins Pult: 3 bis 5 kHz + und > 6 kHz --
Akustikgitarren:
breitbandiger bearbeiten, Rhythmusgitarre: 100 Hz -
Klavier und Keyboards:
auf Verdeckungen achten, evtl. Baß/Mitten -
Gesang:
breitbandig bearbeiten, Bässe/Höhen

Puh,
redi
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Antwort#2
Mit Toms ist es wie mit der Snare, schwierig, schwierig. Zwischen 2 und 8 kHz anheben macht jedenfalls den Anschlag gut hörbar.
etc....

aha
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Antwort#3
Hi rrbth,
na, das ist schon einiges. Danke schonmal für die Arbeit.
ferb, kleine Erklärung für dein "aha"??? Gut oder schlecht???
Gruß
Andreas
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Antwort#4
Anhaltspunkte um mit experimentieren anzufangen.
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Antwort#5
Servus,
wenn ich koche, und das kann ich (_viel_) besser als Ton-Mischen, dann halte ich mich auch nicht "genau" an ein "Rezept". Vor allem Gerichte, die man kann und die man kennt, kocht/mischt man halt "eben so". Je nach dem, was da ist (Equipment/Zutaten) ...
_Neue_, d.h. _unbekannte_ Gerichte sollte/muß/müßte man "genau" nachkochen - - -
Das ist ein Anfang, auf dem man aufbauen kann - später wird's besser ...
Beim Ton-Mischen ist's genauso, nur bin ich da nicht souverän, da hab ich Rezeptanleitungen ganz gerne ...
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