110 Ohm Kabel?!?

Erstellt 6 Antworten7 Beiträge
Startbeitrag#1
hallo!
Digital audio kabel sind ja irgendwie 110 ohm kabel (aes/ebu).
Fragen:
*Wo* sind diese 110 Ohm (konnte ich nicht messen, die verstecken sich vor mir)?
*Weshalb* 110 Ohm?
Kann ich solche "digitalkabel" auch als mikrokabel verwenden und umgekehrt? warum nicht?
Danke,
Hermann
ZitierenPost melden
Antwort#2
Hi,
Gemeint ist hier wohl der Wellenwiderstend. Also der Widerstand der dem eigentlichen Signal im Wege steht. Der sollte aber doch- wenn ich mich recht erinnere- 75 Ohm sein- oder??.
Man hat sich jedenfalls auf einen Wellenwiderstand geeinigt.
Digitale Überspielungen funktionieren dann wohl am besten um Jitter zu vermeiden,also damit die Bits und Nonbits nicht durcheinander geraten.
Gruß Stefan

http://www.analog-island.de
ZitierenPost melden
Antwort#4
Liebe Leute !
Zunächst einmal ist es so, dass es sich hier um den Wellenwiderstand im Kabel handelt. 110 Ohm sind richtig für AES/EBU Format (und DMX, richtig...), 75 Ohm sind für S/PDIF geeignet.
Man kann für kurze Kabelstrecken durchaus auch Mikro bzw. Linekabel verwenden, das wird aber bei den maximalen Kabellängen (ca. 100m AES/ EBU, ca. 10m S/PDIF)nichtz funktionieren, d.h. da braucht man dann ein entsprechendes Kabel mit geeignetem Widerstand.
Gruß
Martin
ZitierenPost melden
Antwort#5
Hallo Hermann,
Wie Dir die anderen Kollegen schon sagten, muß bei der AES/EBU-Schnittstelle der Anpassungswiderstand 110 Ohm betragen.
Der Begriff "Wellenwiderstand" ist vielen Technikern etwas schleierhaftes und geheimnisvolles.
Die Definition findet sich in der Leitungstheorie. Der Wellenwiderstand einer Leitung ist der Widerstand den eine Leitung am Eingang einem Signal zeigt, wenn die Leitungslänge gegen unendlich geht. Dabei spielt es keine Rolle was auf der anderen Seite der Leitung für eine Last hängt: Leerlauf oder Kurzschluß spielt keine Rolle. Das gilt nur , solange die Leitung sehr lang ist gegen die Wellenlänge ("unendlich lang" gibt es ja in Wirklichkeit nicht).
Die mathematische Definition des Wellenwiderstandes errechnet sich nach folgender Formel:
sqrt [(R'+jwL')/(G'+jwC')]. Wobei gilt:
R' = Widerstand pro Längeneinheit
G' = Ableitung pro Längeneinheit
L '= Induktivität pro Längeneinheit
C' = Kapazität pro Längeneinheit.
"w" steht als Ersatz für den griechischen Buchstaben "omega" und ist die Kreisfrequenz 2*Pi*f.
Man nennt diese Größen auch "Beläge" also Widertstandsbelag, Induktivitätsbelag etc.
Da sich die Länge in Zähler und Nenner ausklammern läßt, kürzt sie sich heraus, und somit ist die Größe des Wellenwiderstandes unabhängig von der Länge der Leitung. Nur ist die Wirkung des Wellenwiderstandes erst maßgebend, wenn die Leitungslänge groß ist gegen die Wellenlänge. Eine Leitung die kürzer ist als eine Viertelwellenlänge (Lambda/4) wirkt immer kapazititv. Bei AES/EBU-Schnittstellen kann man bis zu einer Länge von ca. 20 Metern ein normales Mikrofonkabel verwenden. Erst bei größeren Längen sollte der Wellenwiderstand des Kabels der Schnittstellenimpedanz entsprechen.
Wird eine Leitung die groß gegen die Wellenlänge ist mit dem Wellenwiderstand abgeschlossen, verhält sie sich so, als wäre sie unendlich lang. Bei einer Fehlanpassung (also Abschluß mit einem anderen Widerstand als den Wellenwiderstand) tritt eine Reflexion des Singals auf die umso stärker ist, je größer die Abweichung vom Wellenwiderstand ist.
Diese Reflexion belastet zusätzlich die Quelle und kann im Extremfall zu Datenfehlern führen.
Die Messung des Wellenwiderstandes ist nicht ganz einfach und muß mit einem Netzwerkanalysator vorgenommen werden.
Man kann sich ganz einfach merken: Der Wellenwiderstand einer Leitung ist der Widerstand mit dem die Leitung reflexionsfrei abgeschlossen ist. Das gilt sowohl für den Anfang als auch für das Ende der Leitung.
Du kannst solche "Digitalkabel" durchaus als Mikrofonkabel nehmen, wenn die Abschirmung gut genug ist.
MfG
Rainer
ZitierenPost melden
Antwort#6
Hallo
Sehr informative Antwort. Ich wußte es nicht mehr ganz genau. Aber ich habe definitiv etwas im Bezug auf digitale Überspielungen im Kopf von 75 Ohm.
Gilt das vielleicht für die SP/ DIF Schnittstelle?
Gruß Stefan
ZitierenPost melden
Antwort#7
Hallo Stefan,
Die SPDIF-Schnittstelle benutzt unsymmetrisches Koaxkabel mit 75 Ohm, die AES/EBU-Schnittstelle arbeitet mit symmetrischer Leitung von 110 Ohm.
Grüße
Rainer
ZitierenPost melden

Deine Antwort

Du kannst ohne Anmeldung schreiben.