Kompressoren mal andersrum

Erstellt 17 Antworten18 Beiträge
Startbeitrag#1
Gibt es eigl. Kompressoren, die andersrum arbeiten?
D.h. nicht lautes über dem Threshold leiser machen, sondern leises unterhalb des Threshholds lauter machen. D.h. die lauten Spitzen nicht beeinflusst aber die leisen Stellen anhebt.
Welche Kompressoren sind das z.B. Mir fällt spontan keiner ein.
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Antwort#2
Hi Thomas,

Das kannst Du sehr gut realisieren mit dem DirectX-Plug-In "Graphic Dynamics" von Sonicfoundry. Da kann man sich die Kennlinie auf den Bildschirm zeichnen wie man sie braucht.
Wenns nicht so genau drauf ankommt: Nimm den Kompressorteil eines Telcom-C4 !

Grüße
Rainer
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Antwort#3
Der RCL von Waves bietet auch die Möglichkeit, negative Ratios einzustellen. Das sollte dann wohl genau so arbeiten.
Janko
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Antwort#4
die invertierte ratio
wäre die funktion eines expanders, nur das mit dem threshold ist unlogisch. das geht nicht wie beim gate als ducker.
je leiser die signale wären, umso lauter würde das grundrauschen werden.
was willst du eigendlich machen ?
gruß racker
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Antwort#5
Nein, die statische Kennlinie soll gleich bleiben! Es soll sich lediglich die Arbeitsweise umkehren. Auch negative Ratios wären nicht das was ich meine, denn die würden lautes noch leiser machen.
Kompressoren machen ja im Prinzip lautes etwas leiser und leises etwas lauter.
Nun abeiten aber alle Kompressoren, die ich kenn so, dass sie lediglich lautes leiser machen und über die Outputverstärkung ("gain makup") indirekt die leisen Pegel anheben. Das leise Signal also nur verstärken. Ohne jegliche Attack und Realease-Zeiten, denn diese wirken nur auf die lauten Signalspitzen.
Ich möchte aber die lauten Spitzen überhalb des Threshholdes unbeeinflusst lassen und stattdessen die leisen verstärken. D.h. die "dynamischen Artefakte" sollen in den leisen Stellen auftreten. Ich hoffe es ist klar geworden.
Aber eine Idee habe ich schon. Man schalte zum Originalsignal einen Expander parallel und addiere das expandierte Signal invertiert zum Originalsignal.
Natürlich muss das Originalsignal lauter sein, ansonsten würde sich ja im Nichtregelfall da Signal ganz auslöschen. Wird das Signal leiser, arbeitet der Expander und das Signal wird weniger gedämpft. Es ist zwar immer noch so, dass lautes leiser gemacht wird, aber der Regelvorgang wirkt jetzt bei den leisen Signalen unterhalb des Threshholds. Spitzen bleiben unbeeinflusst.
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Antwort#6
Zur Zeit ist die Frage theoretisch. Übrigens im Dickreiter ist die Funktion eines Kompressors genau so beschrieben....
Aber folgendes ist mir auch schon passiert:
Bassdrumsound (z.B.) ideal. Aber stellenweise zu leise. Um diese leisen Stellen anzuheben, wird mir der Attack der lauten (und guten) Anschläge verschlechtert.
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Antwort#7
Hallo Thomas T,
was Du dynamisch möchtest habe ich verstanden. Im Prinzip das, was ein Dolby A macht, also etwa Pegel -10 dB unter Vollaussteuerung bis zur Volaussteuerung nicht beeinflussen, aber leise Pegel unter - 10 dB und tiefer sollen angehoben werden. Um mit einem Bild zu kommen: Bei der Landschaft sollen nicht alle Bergspitzen abgehobelt werden, sondern die Bergspitzen sollen schön bleiben wie sie sind, aber die tiefen Täler sollen aufgeschüttet werden.
Das ist besonders für klassische Aufnahmen zu empfehlen. Jeder Dirigent und jeder Tenor hört, wenn bei "seiner" Musik "oben" ein Deckel draufgepresst wurde, also die Orchesterspitzen oder die Gesangsausbrüche abgewürgt wurden. Bleiben aber die impulsiven Spitzen - wenn kein Compressor mit Attack und Release dran rum-eiert - dann klingt das sehr natürlich und das Auffüllen der Täler, wenn man von einem "lauten" Berg kommt, fällt dynamisch nicht auf. Das habe ich auch bei großen Schostakowitsch-Symphonien ausprobiert.
Also so geht es: Du lässt das Originalsignal über ein Analog-Mischpult und eine Gruppe laufen, zweigst das gleiche Signal gleich vorne ab und gibst es auf einen Compressor (keinen digitalen (!) - der hat Time-Delay) und den Ausgang auf eine zweite Gruppe. Jetzt hast Du mit den beiden Gruppen das unkomprimierte und das komprimierte Signal in der Hand und kannst das Verhältnis bestimmen.
Der Compressor sollte sogar als Begrenzer (Limiter) gefahren werden und sollte sogar bei lauten Stellen 15dB (!) "Gain Reduction" anzeigen. Das macht man sonst nicht. Und wenn man jetzt mit dem komprimierten Signal mit seinem maximalen Pegel ca. 10 dB unter dem des unkomprimierten Signals bleibt, dann wird bei lauten Musikteilen der Pegel des zugemischten Compressors zurückbleiben und immer weniger am Summensignal beteiligt sein - je lauter desto weniger. Aber er wird die "Täler vollmachen". Vielleicht verstehst Du mich. Wenn nicht - frage nach und ich male Dir eine Begrenzer-Zeichnung mit dem Pegel dieser "Side-Chain"-Anordnung. Diesen Trick habe ich sogar angewendet bei Personen, die mich furchteinflößend beschwörten: "aber nur ja keinen Begrenzer einsetzen", sonst... Todesstrafe :-(
Aber wie Du an meinem Schreiben siehst, lebe ich noch.
Gruß
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik:
http://www.sengpielaudio.com

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Antwort#8
Hi EBS,
das gleiche mache ich schon seit vielen Jahren auch live, bei Bands ist das für mich oft der einzige Grund für eine Vocalgruppe. Was auch gut geht, ist Baß und Baßdrum zusammen einerseits unkomprimiert zu fahren und andererseits zusammen über einen gemeinsamen Kompressor.
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Antwort#9
Moin!
Die von Herrn Sengpiel beschriebene Methode finde ich sehr interessant.
Werde ich gleich mal ausprobieren.
Doch eines wurmt mich:
Wenn das Signal des Kompressors nur ca. 10 dB unterhalb des unbearbeiteten Signals liegt, hört man dann nicht doch die Regelvorgänge, gerade wenn der Kompressor als starker Begrenzer eingesetzt wird?
Grüße
Markus

marcoustic audio
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Antwort#10
Hallo Jörg,
gibt das keine Probleme, wenn man Signale gleichzeitig über einen Kanalzug und eine Gruppe auf den Master legt? Ich hab das manchmal gemacht, bis der studio-erfahrene Bandleader mir wegen möglicher Auslöschungen davon abriet, weil beide Signale nicht wirklich gleichzeitig an der Summe ankommen. Aber das dürfte doch wirklich nur im minimalsten Bereich liegen, oder? Naja, deutlich hörbare Beeinträchtigungen konnte ich jedenfalls nicht feststellen. Was sagst Du zu der Behauptung?
Gruß,
Jochen
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Antwort#11
Hallo Jochen,
idealerweise ist das jeweils leisere Signal so weit "unter" dem lauteren, daß keine hörbare Beeinflussung stattfindet (Pegelunterschied >10dB). Die Laufzeitproblematik besteht natürlich, allerdings wohl vorrangig bei digitalen Signalketten. Natürlich ist ein Signal das erst noch einen DSP (wie z.B. Kompressor) durchläuft mit einer höheren Laufzeit behaftet als eines, daß direkt auf die Summe geroutet wird ("ohne Aufenthalt"). Im Zweifel muß man das Processing-Delay des DSPs / PlugIns ermitteln und das andere Signal entsprechend verzögern. Im Livebetrieb mit analogem Gerät bezweifle ich allerdings stark, daß jemand das hören kann.
MfG
Janko
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Antwort#12
Hallo Marco,
Es ist interessant, ein "sauberes" Signal und ein von einem "schlecht eingestellten" Compressor "vergurktes" Signal zusammenzumischen. Das mit Attack und Release verbogene Ein- und Ausschwingen ist beim Zusammenmischen doch nur ein geringer Teil vom Ganzen. Bei meinem freien Vorschlag, das "beackerte" Signal mit -10 dB zum Original hinzuzumischen heißt doch, dass der Anteil des "unsauberen" Signals nur 30% des sauberen Signals ist - also die Attack-Flanken weiterhin recht scharf bleiben. Selbst beim 1:1 Mischen der beiden Signale hat man noch hörbar einen Gewinn. Man sollte ruhig mal übertrieben den Compressor anfahren (Schnellste Attack und schnellste Release und 20 dB Gain Reduction). Als ich mal einen Analog-Limiter von EMT - er hieß glaube ich PDM 156 verwendete - ging das alles nicht. Ich hörte Verluste in den Höhen, weil PDM = Pulsdauermodulation eben intern digitale Verarbeitung war. Also Urei- (Transistor) und Fairchild- (Röhren) Compressoren haben in keinem Bereich Phasenunterschiede, darum klappt die Addition mit dem Direktsignal so wunderbar unhörbar - auch bei fast gleichem Pegel von Direkt zu Effekt.
Auch kann man die Schlagzeugspuren fetter machen, indem die Overheads voll in die Compressor-Sättigung gefahren werden und man dieses "flache Brett" in einem bestimmten Verhältnis zusammen mit der unbegrenzten Rest-Schlagzeugmischung zusammenzumischt, möchte ich erwähnen. Schönen Gruß an die Hit Factory New York.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
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Antwort#13
An alle Mitleser,
da einige Nachfragen von besonders Interessierten zum "Limiter/Compressor im Sidechain" über meine E-Mailadresse kamen, habe ich eine PDF-Erklärungs-Seite auf meiner Homepage unter "Vorlesungs-Unterlagen 7" dazu eingerichtet - mit dem Titel: "Unhörbare Regelwirkung des Limiters (Compressors) im Sidechain". Es gibt das Pegeldiagramm der Addition des "reinen" Signals und dem Limiter-Signal zum Summen-Signal und das Prinzipschaltbild vom Limiter/Compressor im Sidechain.
Zu finden unter:
http://www.sengpielaudio.com/Unterlagen07.htm
Siehe auch den Link unten: Für Tontechniker Forum. Einfach drücken!
Viele Grüße
ebs
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Für Tontechniker Forum
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Antwort#14
Bis jetzt hatte ich mit analogen Geräten noch keine Probleme
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Antwort#16
Overheads
Genau das ist ein schönes Beispiel.
Aber es sollte auch mit reiner digitaler Verarbeitung fuktionieren, da die Delays ausgeglichen werden sollten.
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Antwort#17
hi,
wenn die stellen nur zu leise sind, warum normaliesierst du sie dann nicht ?
du kannst sie auch extrahieren, auf eine separate spur legen und entweder destructiv oder non- destructiv bearbeiten.
oder eben nur die besagten stellen durch einen kompressor schicken.
gruß
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Antwort#18
Weil das bei einzelnen Silben und oder einzelnen Trommelschlägen zu aufwändig ist. Hab ich zwar schon gemacht, aber muss nicht sein...
Aber die Kompression von Overheads sind ein gutes Beispiel. Mit leichter Kompression kommt z.B. das HiHat besser, der Raumklang und ein Grossteil des gesamten Sets. Klingt viel natürlicher als nur die (vielleicht noch gegateten) Miks direkt an den Trommeln. Leider sind oft die Becken zu laut. Komprimiert man nun klingen die Attacks von Becken/Bassdrum abgewürgt. Manchmal kriegt man es hin manchmal kann man an den Zeiten drehen und es will nicht klingen. Dabei will ich aber nur die "Hintergrundgeräusche" lauter haben. Die Becken selbst nicht beeinflussen (ausser indirekt beim Ausklingen).
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