Liebe Kollegen, Ich habe die "freudvolle" Aufgabe von zwei Bekannten übertragen bekommen, ihre Aufnahme einer konzertanten Aufführung einer Mozart-Oper abmischen zu dürfen. Leider war meines Erachtens die Mikrofonierung nicht sonderlich durchdacht (s. Zeichnung): - Hauptmikrofon zu nah und zu hoch - Streicherstützen (B&K 4001 Kugeln) an dem Ort ineffizient (klingt extrem schwammig) - Bläserstützen nicht notwendig (durch das überhohe Hauptsystem hört man dieselbigen mehr als deutlich)
Trotzdem ist es mir gelungen, eine halbwegs vernünftige Orchesterbalance herzustellen. Nun habe ich aber das Problem mit den Solisten. Im Hauptsystem sind sie zu leise um sie alleine zu verwenden, aber zu laut um sie zu ignorieren. Die beiden Studenten hatten ursprünglich geplant, die Solisten "in die Mitte" zu pannen - geht nicht, da ich die Solisten ja im HS an ganz anderer Stelle habe, und so jeden Sänger 2fach abgebildet hätte. Wenn ich nun die Solisten so panne, dass sie - so gut es geht- an den original-Stellen stehen, bekomme ich extreme Kammfiltereffekte aufgrund des geringen Abstandes. Verzögern der Solistenspuren bringt nicht sonderlich viel, ausserdem ist die Stereobalance an dieser Position hinüber (links Solisten, rechts Orchester)... Hat jemand eine Idee wie ich diese Aufnahme retten könnte?! Lieben Gruß, Georg
Hallo Tonzauberer, ich hoffe, der Server servt wieder. Ansonsten kann ich Dir wahrscheinlich auch nicht helfen mit deinem Problem, aber ich hätte da so ein paar Gedanken: - Musst Du beide Solisten Mikros verwenden? - Vezögern der Mikrospur hätte ich spontan vorgeschlagen. - Ich würde (als Banause) versuchen, die Stimmen in die Mitte zu panen und die 'doppelung' mit Hall zu übertönen, speziell wenn das Solomikro (ich würde versuchen, nur eins zu nehmen) Zeitlich noch etwas früher kommt, geht es vielleicht dann doch. Nun noch meine Frage: Ich hätte wahrscheinlich das Hauptsystem auch so aufgestellt, weil ich mir eingebildet habe, dass es beim Dirigenten am besten klingen sollte. Oder wo hättest du es hin gestellt? Tomy
Lieber Tomy, Die Platzierung des Hauptsystemes ist vom verwendeten Hauptsystem, dem Raum, der Orchestergrösse und -ausbreitung und tlw. auch dem "Musikstil" (einen Choral nehme ich anders auf als eine Symphonie) abhängig. Es ist richtig dass es meist symmetrisch zum Dirigenten ausgerichtet ist (da dieser meist in der MItte der Orchesterbreite steht). Die ungefähren ABstände die ich zum Orchester haben sollte differieren nun stark - mit nem XY 90° (Aufnahmewinkel annähernd 180°) werde ich sehr nahe ans Orchester rangehen, um die gesamte Basisbreite zu nützen - mit einem ORTF werde ich ein Stück weitergehen(Aufnahmewinkel "nur" noch 110°), bei AB wird die sache nun kompliziert, da ich keinen genormten Abstand zwischen den Mikrofonen habe. Bei meinem angegeben HS mit 50cm Abstand zwischen den beiden Kugelmikrofonen habe ich nur noch einen AUfnahmewinkel von 100° (alle Winkel nach Williams)... Ein weiteres Problem in der angeführten Situation ist, dass das Mikrofon sehr hoch über dem Orchester steht, sodass ich die Bläser zu stark und die Streicher zu wenig (im Vergleich) drinnen habe - das rührt daher dass die Laufzeitdifferenz zwischen den Signalen geringer ist als bei einem tieferen HS. (was sich allerdings durch die Stützen ausgleichen lässt). Leider das Verzögern der Solistenspuren nützte bisher nichts, und nur ein Mikro verwenden bringt nichts, da ich bis zu 6 Solisten gleichzeitig habe. Garkein Solomikrofon geht auch nicht, da ich sonst die Solisten nicht laut genug habe, resp. sie selbst im reinen HS untergehen.... Lieben Gruß, Georg
Hallo Georg, wenn ich das nun richtig interpretiere, haben die Jungs sozusagen das Orchester und die Solisten getrennt betrachtet, und die Hauptmikros für das Orchester fast richtig (deutlich zu hoch aber sonst okay) aufgestellt. Nur haben sie nicht mit dem deutlichen Übersprechen der Solisten in die Hauptmikros gerechnet und der Abstand Solomikro - Solist ist zu gering (bzw. die Abstandsänderung bezogen auf den Abstand ist zu hoch, d.h. starke Dynamik unterschiede). Was mir noch nicht so ganz klar ist, ist ob die Kammfilter hauptsächlich von Hauptmikros und Solomikro(s) kommt, oder von den Solomikros untereinander (daher die Idee mit nur einem). Tomy
Lieber Tomy, leider alles nein... Das Hauptsystem steht viel zu nah am Orchester. Die Solistenmikros stehen von ihrer Position zu den Solisten sehr gut, allerdings von der Position zum Hauptsystem schlecht. "Bewegungsprobleme" hab ich kaum, da es sich ja um eine konzertante Aufführung handelt und die Sänger dank Notenpulten sehr ortsstabil sind. Kammfiltereffekte zwischen den beiden Solistenmics treten auch auf, lassen sich aber durch gezieltes anheben/absenken des Pegels einer der beiden Mics beheben (wer singt gerade wo...?). Lieben Gruß, Georg
Hallo Georg, Wirklich: Die Mikrofonanordnung ist sehr unüberlegt. Mit Kugeln als Stützen - das geht schon, aber da kommt es sehr auf den Saal an. Das in die Mitte pannen der Solisten ist absolut aussichtslos, wie Du schon angemerkt hast. Ich habe oftmals derartige Situationen zu meistern wo genau wie in Deinem Fall die Solisten auf der einen oder auf der anderen Seite stehen. Es gibt da den Trick, daß man die Soisten "gegenpanoramisiert", d.h.: das näher zum Dirigenten stehende Mikrofon wird nicht halblinks sonden weit links und das linke Mikrofon dann halblinks panoramisiert, also mit Seitentausch. Denn durch Seitenrichtige Panoramisierung bekommst Du Mehrfachabbildungen: die Teile des Orchesters die vom HS links abgebildet werden, werden ja auch von den Solistenstützen mitgenommen und dann mehr zur Mitte hin abgebildet, was dann unschöne Doppelabbildungen hervorruft. Wenn man gegenpanoramisiert, wird zumindest der dem HS nahestehende Teil des Orchesters richtig abgebildet und die ganz außenstehenden Orchesterteile werden dann zwar mehr in der Mitte abgebildet, das aber stört nicht so sehr, da sie vom HS ohnehin weniger erfaßt werden, als die dem HS nahestehenden Instrumente. Versuche das mal, ich habe in solchen Situationen durch die Gegenpanoramisierung immer ganz gute Ergebnisse bekommen. Wenn die Solisten auf der Stereoabbildung in umgekehrter Aufstellung stehen, stört das nich sonderlich, zumindest dann nicht wenn es ausschließlich Tonaufzeichnungen sind. Anders sieht es dann allerdings bei Videoaufzeichnungen aus... Ob durch die ungünstige Mikrofonanordnung UND -auswahl eine befriedigende Balance des Orchesters erreicht werden kann, bezweifle ich. Die Kammfiltereffekte können durch die distanzierten Solistenmikrofone kommen, weniger durch das akustische Übersprechen der Solisten auf das HS. Ich hatte dieses Problem auch schon. Aus diesem Grunde empfehle ich für Solisten eher eine ORTF-änliche oder gar X/Y-Anordnung. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Versuchs mal mit der Gegenpanoramisierung und berichte mal über das Ergebnis. Vielleicht hat auch ebs noch einen Rat parat.
Hi Georg ! Ich hab mal zugesehen, wie man versucht hat für einen Werbespot ein ähnliches Problem zu lösen. Der Produzent wollte unbedingt die "Athmo" des "geangelten" Mic,s mit dem Mic welches auf der Betacam montiert war zu mischen. Durch die Bewegung der Kameraführung hat das Ganze gephaset dass es nicht zu verwenden war. Der Tontechniker hat im Nuendo(Souround) mit Hilfe eines Plugins von TC (leider weiß ich nicht welches) die Kamerabewegung in einem virtuellen Raum mitgeführt. Das ganze dann Stereokomertibel runtergerechnet und es war wirklich OK. Vieleicht ist das eine mögliche Lösung oder zumindest könnte man da mal ansetzen. Grüße aus Gänserndorf Zifko
Hallo Georg, Rainer nimmt richtig an, dass ich dieses Posting verfolge. Ferndiagnaosen sind schwer und ich habe auch keinen weiteren guten Rat im Ärmel. Das Panorama-Tauschen von Halblinks mit Links ist einen Versuch wert. Leider ist mir das Problem bekannt, wenn man sich ärgerlich auf eine bestimmte unschöne Stelle "eingehört" hat, erkennt man selbst keine richtige Verbesserung mehr, wenn man Delay, EQ und Hall einsetzt. Man hat dann das Gefühl, es klingt immer nur schlimmer. Viele Grüße ebs Es gibt viel zum Lernen - packen wir's an: http://www.sengpielaudio.com
Hallo Georg, mir will es noch nicht so recht einleuchten, warum durch die Verzögerung der Solistenmics der Kammfilter nicht verschwindet. Hast Du mal versucht, die beiden Mics unterschiedlich zu verzögern, d.h. anhand der Abstände (Solistenmik-Hauptmik) die Verzögerungszeiten exakt zu berechnen? Vielleicht hilft das. Martin