Technische Problemfrage beim Komprimieren

Erstellt 12 Antworten13 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo,
ich bin zur Zeit auf der Suche nach einem neuen Kompressor. Und dazu habe ich eine grundlegende technische Frage:
Was ist der Vorteil, wenn man einen Multi-Band Kompressor hat?
Gibt es nicht Normalband-Kompressoren, die so gut sind, dass man eine Multiband-Technologie erst gar nicht braucht?
Auf was muss ich beim Kauf eines Single-Band Kompressors also achten, dass selbst bei der höchsten Komprimierung keine Dämpfung stattfindet?

Gruß,
Jan
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Antwort#2
Was ist der Vorteil, wenn man einen Multi-Band Kompressor hat?
Gibt es nicht Normalband-Kompressoren, die so gut sind, dass man eine Multiband-Technologie erst gar nicht braucht?
Auf was muss ich beim Kauf eines Single-Band Kompressors also achten, dass selbst bei der höchsten Komprimierung keine Dämpfung stattfindet?
Das man verschiedene Frequenzbereiche unterscheidlich bearbeiten kann.
Das sind zwei verschiedene Sachen.
Es gibt teilweise Kompressoren die einen Filter im Keysignal haben und dann z.B. weniger auf Bässe reagieren. Aber dass kann man wie gesagt auch mit einem EQ im Sidechain nachbilden.
Jedenfalls ist es auch was anderes als Multibandkompression.
Was für Dämpfung?
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Antwort#3
Hallo Thomas,
entschuldige für die vielleicht komplizierte Fragestellung. Ich hoffe, dass es mit der folgenden besser verständlich ist:
Mir geht es vor allem darum, warum die Multi-Band Kompression besser klingt als die "einfache" Kompression. Nämlich weil bei starker Komprimierung der so genannte "Nachmaskierungseffekt" auftritt: beim starken Komprimieren entstehen Höhendämpfungen und Basspumpen, was zu Nebeneffekten führt.
Gibt es also kein "normaler" Kompressor der also selbst bei stärkster Komprimierung im Bassbereich keine Höhendämpfungen zulässt?
Oder muss man dann doch zu einem Multi-Band Kompressor greifen, da hier der Bass und die Höhen ja extra bearbeitet werden?
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Antwort#4
Hallo Jan,
dass eine Multi-Band-Compression "besser" klingt als eine "einfache" Compression ist nicht der Fall, denn das hängt immer von der Musik ab und von der "gekonnten" Einstellung des "Bedieners".
Die Optimod-Pegelmacher bei den Radiosendern sind immer auch Multi-Band-Compressoren. Und wie die manchmal schrecklich klingen, hat jeder schon mal gehört. Auch die Compressoren bei Classic-Radio verändern manchmal den Sound bis zur "Unkenntlichkeit".
Also, um es mal einfach auszudrücken: Ein Multi-Band Compressor ist wie mehrere getrennte Einzel-Compressoren, bei denen jeder nur ein ganz bestimmtes Frequenzband unabhängig (!) von den anderen bearbeitet. Kommt bei einer Musik z.B. ein sehr lauter Triangel-Schlag, dann würde ein "einfacher" Compressor das bemerken und den Pegel runterregeln und das wird man schnell hören, weil dadurch alle (!) Frequenzen im Pegel wie ein Schluckauf weggehen und dann wiederkommen. Bei dem Multiband-Compressor wird dabei nur das eine Frequenzband, in dem die hohen Frequenzen der Triangel liegen, kurz weggeregelt und alle anderen Frequenzen bleiben ungeregelt. Und das ist viel weniger hörbar. Ein Multi-Band-Compressor kann den Sound noch "dichter" und damit lauter machen - nur geht das nicht automatisch, man muss schon probieren und viel hören (!), damit daraus kein Klang wie ein "Brett" wird, denn ohne Dynamik klingt alles langweilig und drucklos.
Gruß
ebs
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Antwort#5
Moin!
Also erstmal kommt es natürlich stark auf das zu komprimierende Signal an (für was soll der Kompressor bei Dir hauptsächlich dienen?).
Für ein Mastering der Summe eignet sich ein Multibandkompressor in vielen Fällen vielleicht mehr als ein Breitbandkompressor, allerdings möchte ich die Nutzung eines MBkompressors für Einzelsignale wie z.B. Stimme einfach mal vorsichtig in Frage stellen. Ich persönlich hielt diesen Einsatz bisher für unnötig.
Du sprichst weiterhin von hohen Kompressionsraten... um wieviel dB handelt es sich denn?
Bei minderwertigen Geräten ist mir eine Dämpfung der Höhen auch mal aufgefallen, doch bei guten Kompressoren und nicht zu starker Dämpfung, habe ich dieses Problem eigentlich nie.
Soll es eigentlich ein digitaler oder Kompressor sein? Wär auch mal eine interessante Frage, da analoge Multibandkompressoren zwar existieren, aber eigentlich eher selten zu finden sind.
Grüße
Markus


marcoustic audio
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Antwort#6
Hallo Markus und Ebs,
danke für eure so schnelle Reaktionen.
Ja, das mit der Kompression ist schon sehr kompliziert. Vor allem wenn man einen so guten Kompressor sucht, der selbst bei stärkster Mastering-Kompression keine Nebeneffekte erzeugen soll.
Nochmal zur meiner Frage: Gibt es einen so guten Single-Band Kompressor überhaupt, der selbst bei -20 dB keine Nebeneffekte und Einschränkungen aufweist? Oder brauch man da einfach Multi-Band?
Jedenfalls heißt der Effekt beim Komprimieren ja Nachmaskierungseffekt (SPL): "Nachmaskierungseffekte entstehen, wenn beispielsweise eine Bass-Drum komprimiert wird und kurze Zeit später z. B. eine Hi-Hat noch durch die (zu lange) Release-Zeit mitbearbeitet wird.
Dadurch klingt die Hi-Hat anfangs dumpf und bekommt erst mit auslaufender Release-Zeit die originale Klangfarbe wieder."
Kann man das nicht durch einen sehr schnellen und guten Breitband-Kompressor nicht verhindern? (das war eigentlich meine Frage)

Gruß,
Florian
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Antwort#7
Jan-Florian fragt: Gibt es denn keinen Kompressor, der selbst bei stärkster Mastering-Kompression keine Nebeneffekte erzeugt?
Gute Mastering-Ingenieure setzen möglichst keinen (!) Compressor ein.
Lies mal dazu den guten Artikel von Bob Katz, Digital Domain unter:
http://www.digido.com/compression.html
Du fragst: Kann man nicht durch einen sehr schnellen Breitband-Kompressor Klang-Nebeneffekte verhindern?
Zu kurze Attack-Zeiten müssen bei tiefen Frequenzen immer Nebeneffekte geben. Wir haben gerade gehört, wie es bei den Gates immer knackt.
Deine Wunsch-Vorstellungen von so etwa "20 dB Begrenzung" zeigen, dass du noch ein wenig lernen musst. Aber das wirst du schon.
Lies mal etwas über OVER-Compression unter:
http://www.digido.com/compressionletters.html
Und Allgemeines über die Compression:
http://www.inetarena.com/~alfredot/compressor.html
Du hoffst, dass sich deine Probleme durch einen "Multibandkompressor" im Gegensatz zu einem einem "Breitband-Kompressor" leichter lösen lassen. Das ist sicher nicht der Fall. Falsch eingesetzte Dynamik-Geräte können leider mehr kaputtmachen als retten - aber das scheinst du ja zu wissen.
Viele Grüße
ebs
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Antwort#8
Da kann ich mich ebs nur anschliessen,
ueberkompression an sich ist schon haesslich genug, aber grade mit Mb-Compressoren kann man es leicht uebertreiben..
nach dem plaetten aller Frequenzbaender wird es schwer bis unmoeglich die einzelnen baender wieder ausgewogen zusammenzumischen..
von artefakten mal ganz zu schweigen,,
ich sehe mb-comps eher als tool zum klangdesign oder zur schadensbegrenzung eines schlechten mixes, weniger zum lautmachen.
Vielleicht moechtest Du Deinen mix lieber mit komprimierten subgruppen verdichten (Bass + Drums, Vocals + Rhythm)..
Ans ende einen guten limiter schalten und fertig.
-Das Hihat-problem aus Deinem beispiel laesst sich mit laengerer attack und kuerzerer release-zeit loesen..
Have Fun,
Daniel
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Antwort#9
Vor allem wenn man einen so guten Kompressor sucht, der selbst bei
Gibt es einen so guten Single-Band Kompressor überhaupt, der selbst bei -20 dB keine Nebeneffekte und Einschränkungen aufweist?
stärkster Mastering-Kompression keine Nebeneffekte erzeugen soll.
Jeder Kompressor erzeugt Nebeneffekte, das liegt in der Natur der Sache. Wenn du keine Nebeneffekte willst, benutze keinen Kompressor.
Abgesehen davon, dass mir nicht ganz klar ist, weshalb du eine so grosse Verstärkungsverminderung brauchst, hängt dies eher von den Einstellungen (Ratio, Attack, Release), bzw. der zugrunde liegenden Automatikschaltung ab und nicht in erster Linie davon, ob du einen MB oder einen S-Kompressor oder ein bestimmtes Modell verwendest.
Um eine Nachmaskierung nach der von dir beschriebenen Methode zu verhindern, wirst du aber nicht um einen MB herumnkommen, ausgenommen, du kannst dies mit entsprechenden Release-Zeiten umgehen (was IMHO aber in vielen Fällen nicht möglich ist).
Trench
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Antwort#10
Gute Mastering-Ingenieure setzen möglichst keinen (!) Compressor ein.
Lies mal dazu den guten Artikel von Bob Katz, Digital Domain unter:
http://www.digido.com/compression.html
Ohne den Text gelesen zu haben, bezweifle ich sehr, dass Bob Katz schreibt, er würde keine Kompressoren verwenden - weil er dann nämlich schlichtweg lügen würde, was ich wiederum nicht glaube.
Tatsächlich ist Multibandkompression (aber eine mit Mass und der nötigen Erfahrung vollzogene) der wichtigste Bearbeitungspunkt überhaupt, den es in einem Masteringstudio gibt. Ich spreche hier nicht primär von Klassik-Produktion, obschon auch hier mehr komprimiert wird, als man in diesen Kreisen zuzugeben pflegt! Bei "modernen" Musikstilen läuft ohne abschliessende MB-Kompression gar nichts.
Trench
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Antwort#11
Hallo Compressor-Freunde,
bemerkenswert fand ich mal einen Rat an einen Anfänger: "Wenn dein Sound schon nicht klingt, dann mache ihn wenigstens laut". Dieser Rat wird ohne weiters Nachdenken herzlich gerne angenommen.
Jedem, der glaubt im Compressor/Limmiter ein Allheilmittel für die Verbesseung seines Sounds gefunden zu haben, empfehle ich den englischen Artikel von Bob Katz über "Compression beim Mastering" zu lesen und zu überdenken.
Dort werden unter anderem folgende Themen behandelt: Technische Richtlinien zur Anwendung von Compressor/Limiter. Regel #1: Es gibt keine Regeln. Wenn du Compressor/Limiter brauchst, dann tue es. Regel #2: Bist du im Zweifel, dann lass' es bleiben. Wie weißt du eigentlich, wann die Compression genug ist. Technische Gründe, um eine "Über-Alles"-Compression bei Produktionen zu vermeiden.
Also die Adresse zum Thema "Compression beim Mastering": Siehe den Link unten.
http://www.digido.com/compression.html
Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich benutze auch Compression.
Viele Grüße
ebs


Compression beim Mastering
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Antwort#12
"Wenn dein Sound schon nicht klingt, dann mache ihn wenigstens laut".
So falsch ist der Rat nicht! Denn der Kunde(die Musiker) will es oft so.
Was nützt es dir wenn der Sound top ist, die Musiker anfänglich begeistert und dann sagen "Na so richtig professionell klingts es ja nicht, ist ja viel leiser als professionelle CDs."
Deswegen "Master" ich auch immer CDs von denen ich weiss, dass sie ansonsten nicht gemastert werden. Wenigstens den L1 mal drüberlaufen lassen.
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Antwort#13
Hallo
Regel #1:
Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich benutze auch Compression.
Es gibt keine Regeln. Wenn du Compressor/Limiter brauchst, dann tue es. Regel #2: Bist du im Zweifel, dann lass' es bleiben.
Wie wahr, wie wahr! Leider meinen viele, mit einem Kompressor liesse sich alles geradebiegen.
Danke, DAS wollte ich hören ;-)
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