Welche Vor- und Nachteile haben Eingangsüberträger bei Preamps? Wann spielen sie Vorteile aus? Ein andere Frage fällt mir auch noch grad ein: bringt es wirklich was die OP-Amps in Preamps auszutauschen? Gerade Burr Brown wird da oft genannt.
Hallo Thomas, Lies mal meinen Artikel über Mikrofonverstärker im "Stage-Aid"-Magazin von soundgalerie.de. Dort bin ich auf die Fragen nach den ÜT eingegangen. Wenn der Verstärker rauschmäßig optimiert ist (im Rauschminimum liegt), lohnt sich der Austausch von OP's nicht.
Hallo Rainer! (den Artikel hatte ich - natürlich - gelesen. Nur ist dort lediglich von Symmetrie und Spannungsübersetzung die Rede. Ich meinte eigl. den Sound. Daher nähere Erklärungen zu folgender Aussage: Das technische Geheimnis hinter dem guten Sound ist der hochohmige Eingangsübertrager (5kOhm). Durch die hohe Eingangsimpedanz ist er in der Lage, alle (meistens im Hochtonbereich) auftretenden Impedanzspitzen einzufangen. Deshalb klingen Mikrofone frischer und näher. Ein Übertrager passt generell am besten zu Mikrofonen, ist aber aber selten in Preamps zu finden da ein Übertrager erstens sehr teuer ist, und zweitens auch Nachteile (Pasenverzerrungen am Rand des übertragenen Frequenz-Spektrums) mit sich bringt. Dank des weiten Frequenzgangs bis 127kHz liegen diese "Nachteile" bei dem im $PREAMP eingesetzten Übertrager im unhörbaren Bereich. Desweiteren meinte ich auch bei den OP-Amps nicht das Rauschen sondern auch den Sound. Vorallem da für den Sytek den ich habe, eine "Burr Brown option" mit Aufpreis besteht. Angeblich anderer ("wärmerer") Klangcharakter.
Hallo, ein Preamp soll gar nicht klingen, sondern nur verstärken. Was die OP´s angeht, so klingen auch die nicht, es sei denn, in deren Außenbeschaltung liegen frequenzbestimmende Bauteile, und auch dann hängt der Klang der Verstärkerstufe eben von diesen Bauteilen ab. Ein Beispiel aus eigener Erfahrung dazu: Ich habe eine altes Studiomaster Mischpult (16into4), welches pro Kanalzug ca. 8 Stück µA 741 sein Eigen nennt. Aus Neugierde ersetzte ich diese mal bei einem Zug durch NE 5534. Das Ergebnis: Es rauschte ein gaaaanz kleines bißchen weniger, kaum hörbar. Der "Sound" des Kanalzugs war absolut nicht von dem der anderen zu unterscheiden. Ich führte den Hörtest übrigens mit mehreren Personen durch. Eine Ausnahme bildet die Abnahme von hochohmigen, nichtlinearen Quellen wie z.B. einem Gitarrentonabnehmer. Dort kann sich die Eingangsimpedanz eines OP´s durchaus klangmitbestimmend auswirken. Was die Trafos angeht, unterhätst Du Dich besser mit Rainer, er ist in diese Materie wesentlich weiter eingestiegen als ich. Gruß Martin
Hallo Thomas, Zu den ÜT's: Einem Übertrager einen bestimmten "Sound" anzudichten entbehrt genauso jeglicher physikalischer Grundlage wie wenn einer etwas über "Klangunterschiede" von Kabeln erzählt, wie es ja im täglichen Götzendienst der Hifi-Gurus üblich ist. Das A und O bei übertragergekoppelten Verbindungen ist, daß der Übertrager auf den speziellen Zweck berechnet wurde. Die Behauptung, ein Mikrofon klinge bei ÜT-Eingängen "frischer" (was immer man auch unter diesem Terminus versteht) rührt daher, daß durch die induktive Komponente und der Leitungskapazität ein resonazfähiges System gebildet wird, was im ungünstigsten Fall (sehr lange Leitungen) zu Resonanzüberhöhungen führt die im hörbaren Bereich liegen. Weiterhin gibt es bei ÜT's gewaltige Qualitätsunterschiede hinsichtlich des Kernmaterials und der Ausführungsqualität der Wicklung. Das Kernmaterial wirkt sich dann auf den Klirrfaktor aus und die Wicklungsausführung auf den Frequenzgang. Die Behauptung, ein ÜT passe am besten zu Mikrofonen ist ebenfalls völlig unbegründet. (Nebenbei: es würde mich mal interessieren aus welcher Quelle Du die Aussage hast die Du in Deinem Posting angeführt hast). Ein Übertrager ist immer dann sinnvoll, wenn es darum geht, unterschiedliche Schnittstellenparameter (Pegel und Impedanzen) ohne Leistungsverlust (und damit ohne Erhöhung des Rauschens) anzupassen und überall da, wo galvanische Trennung und Gleichstromfreiheit unbedingt erforderlich ist (z.B. auf Fernmeldeleitungen des Telefonnetzes). Die panische Angst der Hifideliker und Haiendfreaks gegen Übertrager rührt - und das ist auch meine Erfahrung bei Studenten - von einem falschen oder magelhaften physikalischen Verständnis der Vierpoltheorie und der Tatsache, daß ÜT's die man beim "Elektronikshop um die Ecke" kaufen kann entweder von minderwertiger Qualtität sind oder für den vorgesehenen Einsatzzweck ungeeignet (oder beides). Richtig berechnet und richtig angepaßt wird ein Übertrager keine hörbaren Artefakte oder Qualitätseinschränkungen verursachen.
Hallo Martin und auch Rainer! Danke dass ihr meine Vermutungen nochmal bestätigt habt. Aber zu wissen dass etwas falsch ist ist noch lange nicht dasselbe wie die Begründung dafür.
Dort kann sich die Eingangsimpedanz eines OP´s durchaus klangmitbestimmend auswirken.
Die sollte doch gegen unendlich gehen. Oder zumindest sehr gross sein. Sollten sich da Unterscheide doch noch bemwerkbar machen? Die Impedanzen von Tonabnehmern sind doch im kOhm und die der OP-Amps im MOhm bereich.
Hallo! In der ct 20-02 (glaube ich) wurde ein Mic-Preamp vorgestellt, in der letzten dann die verbesserte Version mit Platine. In dem Zusammenhang wurde erwähnt, dass der Übertrager zur Verbesserung des Rauschabstandes genommen wurde. Kann ein Übertrager überhaupt dazu beitragen? Wenn ein Signal doch z.B. 1:5 übertragen wird, wird das Rauschen doch im gleichen Verhältnis übertragen. Oder? Filter
"Filter" fragt, ob (und wie) denn ein Übertrager den Rauschabstand verbessern kann, da doch das Rauschen im gleichen Verhältnis übertragen wird. AW: Das gilt so nur für das Rauschen der eigentlichen Signalquelle (Mikrofon). Der grössere Beitrag zum Rauschen aber kommt aus der ersten Verstärkerstufe (Röhre oder Transistor). Ein Eingangsübertrager erhöht nun die Signalspannung des Mikrofons mit dem Faktor des Übersetzungsverhältnisses, womit dann der "Störabstand" (gegenüber dem Verstärkerrauschen) entsprechend vergrößert werden kann.
Unser guter Götz Corinth hat sich auch dieser Sache mit der ihm eigenen Geradlinigkeit angenommen und einen so gut erreich- wie lesbaren Text verfasst. Wen's interessiert: Corinth, Götz, Gestaltung der Eingangsstufe hochwertiger Mikrophonverstärker, in: Dickreiter, Michael (Hg.), Bericht 16. Tonmeistertagung Karlsruhe 1990. München-London 1991, S. 594-607. Das ist noch immer aktuell und war hier auch schpon mehrfach in der Diskussion. Ich habe den Aufsatz schon vor langer Zeit 'gepdft' und auf dem Rechner; wer zum damaligen TMT-Bericht keinen Zugang hat, Mail an mich. Gruß an alle Leser! Hans-Joachim
Ach ja, wo ich mich gerade schon (wieder) als Bibliothekar vom Dienst geoutet habe, vergesslich bin ich auch noch: Im Umfeld des Erscheinens der Studer-Reihe 961/962 publizierte Paul Zwicky aus der Regensdorfer Kompetenzschmiede im Swiss Sound einen schönen Aufsatz zu den Eingängen jener transportablen Pulte, für deren Schaltung er auch ein Patent erhielt. Diese Schaltung betrachtet Übertrager und Verstärker konsequent als unauflösliche Einheit, weshalb die Übertragerwicklungen nicht nur vor dem Verstärkereingang, sondern auch im Gegenkopplungszweig auftauchen. Zwicky war es dadurch möglich, auf die für einen perfekten Tiefenfrequenzgang (bei niedrigstem Klirrfaktor...) nötigen großen Übertragermassen zu verzichten, und zudem die Abschlüsse der Sekundärseiten der Übertrager 'optimal' zu gestalten. Leider ist mein entsprechender Swiss Sound derzeit böse zugeräumt; die bibliografischen Daten bekäme ich aber wohl her; daher also nochmal: Wen's interessiert ....
Hallo Hans-Joachim, kann es sein, daß ich genau DAS in einer Production-Partner von 1995 im Zusammenhang mit der Neuvorstellung eines Studer-Pultes (908 o.ä.) gelesen habe? Übertrager mit Mittelanzapfung usw. Dann hätte ich darauf Zugriff (allerdings nur in Papierform). Martin
Hallo , Wie kln schon schrieb, ist das Kriterium die Eingangsstufe. Bei hoher Verstärkung dominiert das Quellenrauschen (also das des Mikrofons) und bei niedriger Verstärkung dominiert das Verstärkerrauschen. Es gilt nun, einen günstigen Kompromiß zu finden, bei dem beide Rauschen ein Minimum haben. Dies ist in der Schaltung von Dr.Corinth realisiert worden.
Lieber Martin, das Ansichtsmaterial ist ja schon in deinen Händen; du wirst mit fachmännischem Blick sofort übersehen, was inwieweit dasselbe ist. Es gibt ja doch grundsätzlich nicht so viel neues unter der Sonne. Mit freubndlichem Gruß Hans-Joachim
Hans-Joachim schreibt zum Studer 980 und dem Zwicky-Patent: "Es gibt ja doch grundsätzlich nicht so viel neues unter der Sonne." Das Studer 980 Analog(!)-Pult ist wunderbar auch für Surround-Sound-Aufnahmen zu verwenden. Wir haben uns dieses Pult transportabel in zwei Einheiten bauen lassen - mit einer Multipin-Steckverbindung. Im praktischen Betrieb ist es vorteilhaft, schnell handeln zu können und da kommt kein Digitalpult mit. Auch ein Klangvergleich bei einer Mischung über dieses Analogpult mit einer Mischung über ein digitales Yamaha O2R zeigt deutliche Unterschiede zugunsten des Analogpultes. Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik: http://www.sengpielaudio.com
Lieber Eberhard, Den Vergleich von 980 mit dem O2R mag ich da nicht so sehr stehen lassen - es sind doch 2 komplett unterschiedliche Preisklassen (was kostet ein 980?) , wie Opel und Rolls Royce. Interessant wäre der Vergleich mit einer Vista 7 (siehe Bild, ab 200.000 Euro) oder der neuen Vista 6, oder auch dem D950, das allerdings sicherlich in Punkto ergonomie von den Vistas geschlagen wird... (Alles Pulte von denen ich leider nur träumen darf) Herzlichen Gruß, Georg
Tonzauber - endlich geht auch die Mischpultautomation!
Hallo Hans-Joachim, vielen Dank für die prompte Bedienung, ich werde mir die Sachen mal in Ruhe "geben", momentan geht´s bei mir etwas hektisch zu. Gruß aus dem Allgäu Martin