Es spricht ein Linguist und Elektrodepp (war: Sturm über Dtl.; Hoch-/Tiefpaß)

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Startbeitrag#1
Servus,
nur weil's (mich) interessiert und es (mir) nicht schadet, darübernachzudenken:
ebs schrieb:
Mit diesen seltsamen Widersprüchen und Wortungenauigkeiten scheinen wir leben zu müssen.
Beim Pflaumenkuchen und beim Kirsch- oder Apfelkuchen ist mir sofort klar,
was da auf dem Kuchen ist.
Was ist denn auf dem Hundekuchen?
Also:
Im Deutschen können wir neue Worte (u.a.) durch Zusammensetzen bilden. Hier haben wir den Fall, daß Hauptworte (wie in den meisten Fällen) aus Bestimmungswort und Grundwort zusammengefügt werden. Diese zusammengesetzten Worte können/müssen aufgelöst werden:
z.B. "Aluminiumkuchenblech" -> Kuchenblech _aus_ Aluminium -> Blech _für_ Kuchen (bestimmt)
z.B. "Blechkuchenrezept" -> Rezept _für_ Blechkuchen -> Kuchen _auf_einem_ Blech (gebacken)
1. Auflösung durch Genitiv
z.B. Kuchengeruch -> Geruch _des_ Kuchens (_der_ Kuchen riecht [selber])
z.B. Kuchenherstellung -> Herstellung _des_ Kuchens (_jemand_ stellt _den_ Kuchen her)
z.B. Bäckerhose -> Hose _des_ Bäckers (der Bäcker _hat/trägt_ die Hose)
z.B. Kuchenmenge -> Menge _des_ Kuchens (der Kuchen _ist/bildet_ eine Menge [eigentlich: die Menge _besteht_aus_ Kuchen])
2. Auflösung durch Präpositionen
z.B. Kirschkuchen -> Kuchen _mit_ Kirschen (Bestandteile)
z.B. Ölkuchen -> Kuchen _aus_ Öl(-Preßrückständen)
z.B. Sandkuchen -> Kuchen (ähnlich [hoffentlich nicht genauso]) _wie_ Sand (Art und Weise)
z.B. Geburtstagskuchen -> Kuchen _am_ Geburtstag (Zeit)
z.B. Napfkuchen -> Kuchen _mit/aus_dem_ Napf (Bestandteile, Herkunft)
z.B. Kuchennapf -> Napf _für_ den Kuchen (Zweck)
z.B. Hundekuchen -> Kuchen _für_ den Hund (auch Zweck)
3. ... und was ist das:
z.B. Mutterkuchen -> ???
z.B. Lebkuchen -> ???
So, und was ist jetzt also:
z.B. Tiefpaß -> Paß _f_ü_r_ Tiefe(n) = ZWECK
oder
z.B. Tiefpaß -> Paß _g_e_g_e_n Tiefe(n) = ZWECK (so wie Hustenbonbon -> Bonbon _gegen_ Husten)
Das Mißverständnis bei "Tief-/Hochpaß" kommt imho (mit) daher, daß bei der Wortbildung diesen Zusammensetzungen sicherlich der Zweck bzw. das Motiv dessen zugrunde liegt, was man machen möchte, nämlich Tiefen/Höhen zu begrenzen/abzuschneiden. Nun kann der Sinnzusammenhang zwischen Grund- (= Paß) und Bestimmungswort (= z.B. Tief) sprachlich sowohl mit "_für_" als auch mit "_gegen_" aufgelöst werden. Die Auflösung mit "_gegen_" ("Paß gegen Tiefen") entspricht dem, was gewollt wird, also setze ich einen Tiefpaß ein, um Tiefen abzuschneiden. -> FALSCH!
Dann also anders:
Ich will Tiefen begrenzen, deshalb brauche ich etwas dafür, also einen "Paß _für_ Tiefen(-Begrenzung)". -> wieder FALSCH!
Diesen Streich spielen uns:
1. Das Grundwort "Paß"
Für das, was wir_*) tun (und ausdrücken) wollen, ist nicht das Grundwort wichtig, sondern das Bestimmungswort ist der entscheidende Begriff: Tiefen/Höhen (absperren).
2. Die _konkrete_ Vorstellung, die wir_*) mit "Paß" verbinden
Ein Paß (in diesem Sinne) ist ein Gebirgsübergang, also eine niedrigere Stelle, an der ein Gebirge leichter überquert werden kann. Bei einem Hochpaß (im elektronischen Sinn) stimmt diese konkrete Erfahrung mit der technischen Bedeutung überein: Die tieferen (= niedrigeren) Frequenzen (= Wellen-Berge) werden vom Paß "zurückgehalten", die höheren Frequenzen sind "größer" und können den Paß überqueren.
Für den Tiefpaß (im elektronischen Sinn) funktioniert diese konkrete Vorstellung nicht.
*) Die Techniker und alle, die nicht so denken (müssen/können/wollen), mögen mir das "wir" verzeihen.

RICHTIG und eigentlich einfach:
Die Sprachregelung bezieht sich darauf, daß ein Tiefpaß die Tiefen und ein Hochpaß die Höhen "passieren" (d.h. vorbei- bzw. durch-) läßt, was gleichzeitig bedeuted, daß der Tiefpaß (abhängig von der Grenzfrequenz) die Höhen und der Hochpaß die Tiefen "zurückhält". Will ich also Tiefen begrenzen, brauche ich einen _HOCH_Paß.
So, das, glaub ich, hab also ich _jetzt_ auch verstanden. Falls ich hier einen Denkfehler gemacht haben sollte, bitte ich um Antwort. Ansonsten hat _das_ hier (auch) dazu gedient, mir selber über die _Sprach_Regelung klarzuwerden.
Wie das elektronisch funktioniert und zusammenhängt ist eine gaanz andere Sache ...
redi, Linguist
ps
Johannes Webers spricht in seinem Handbuch der Tonstudiotechnik von Baß- bzw. Höhensperre. Das klingt imho schöner als die direkte Übersetzung von bass- bzw. treble-cut.
pps
Sind die prinzipiellen Verhältnisse auf der Seite unten richtig dargestellt? Kann/möchte mir das jemand erklären, so daß auch _ich_ (*schäm*) das _verstehen_ kann?
Vielleicht kann mir auch jemand einen Tip geben, wo ich Elektronik für ABSOLUTE Dummies (schon wieder Englisch!) erklärt bekomme?
redi, Elektrodepp (, der in der Schule in Physik _selten_ aufgepaßt hat)


Hier werden Sie geholfen (ich - noch? - nicht) ...
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Antwort#2
Redi rrbth schrieb nett und sehr ausführlich über die Zusammensetzung deutscher Wörter und deren wechselnde Bedeutung. Das ist wirklich etwas zum Nachdenken.
Nachdem der Apotheker gerade Abführtabletten verkauft hatte und "Gute Abführung" wünschte, brauchte der nächste Kunde Kopfschmerztableten und bekam glatt den Wunsch "und gute Kopfschmerzen" mit auf den Weg.
Wir Tontechniker stehen vor dem Pult und haben so eine Filtereinheit vor uns. Wir kennen uns aus. Oben kann man mit den Höhen spielen - also Höhen reindrehen oder rausdrehen. Und unten liegen die Tiefen, die man anheben oder absenken kann. Alles was wir tun, können wir immer in zwei Richtungen machen. Wir können in der Mitte bei 8 kHz die S-Laute mit einem Präsenzfilter reindrehen, das heißt verstärken oder auch rausdrehen, das heißt eben mildern. Alles ist übersichtlich und klar. Wir denken, was ein Filter oben, unten oder in der Mitte unserem Klang antun soll. Alles geht in zwei Richtungen, nach + oder nach -. Es gibt keine andere Denkungsart für den Praktiker.
Jetzt kommt die völlig andere Lehre der Elektrotechnik, die RC-Glieder erklären will. Da sind keine klangeinstellenden Tontechniker dabei. Uns wird theoretisch erklärt, dass mit so einer RC-Tiefpass-Schaltung die Tiefen durchgelassen werden - die dürfen passieren. Und bei einem CR-Hochpass-Schaltung werden die Höhen durchgelassen. Das ist "einseitig", denn es werden nur die Höhen abgesenkt oder es werden nur die Tiefen abgesenkt. Fragen sie mal einen Professor, wie denn das passive Filter die Höhen und die Tiefen anhebt und wie denn so ein Filter heißt! Bei der Antwort wird er sich seltsamerweise schwertun - denn das kennt er nicht. Er kennt nur die "einseitigen" (!) durchlassenden Filter Hochpass und Tiefpass, die für die Tontechniker wirklich nicht praktikabel sind. Wir brauchen gleichzeitig immer die Möglichkeit der Frequenz-Absenkung und der -Anhebung - also die Zweiseitigkeit. Die einseitigen Worte Hochpass und Tiefpass gehören nicht zum praktischen Tätigkeitsgebiet eines Tontechnikers. Vergessen wir Hoch- und Tiefpass, denn wir wollen nicht überkreuz denken: Ein Filter, das die Tiefen absenkt ist ein Hochpass und ein Filter, das die Höhen absenkt ist ein Tiefpass. Diese theoretischen einseitigen Filter brauchen wir nicht bei unserer Arbeit.
Achtet mal darauf, wieviele Leute die Worte Hoch- und Tiefpass verdreht schreiben oder aussprechen. Wir Tontechniker vergessen besser diese komische "Pässe", die wir nicht bei unserer Klanggestaltung brauchen.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik:
http://www.sengpielaudio.com


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Antwort#3
hallo zusammen
ich habe die disskussion über hoch und tiefpässe in den letzten tagen mal mitverfolgt. was mir dabei aufgefallen ist, ist das jeder nur die filter im pult berücksichtigt. dabei kann ich nur zustimmen, dass die worte hoch und tiefpass verwirrend sind. nun denke wir aber mal über unseren kompletten signalweg nach und die aufgaben, die ein tontechniker da noch so hat. da gibt ees dann im amprack der anlage vielleicht noch einen prozessor, womit ich bestimmte perameter verändern kann, oder es gibt in boxen die frequenzweichen. bezogen auf diese fälle sollten wir tontechniker uns mit bestimmten filtern und gliedern aus der elektrotechnik auch etwas beschäftigen und auskennen, da wir mit ihnen doch auch ständig arbeiten.
es sollte nicht alles nur auf die arbeit hinter dem pult bezogen werden, da dies nicht alleine unseren sound ausmacht.
grüße
martin
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Antwort#4
Tag,
der Hochpass lässt hohe Töne passieren, der Tiefpass tiefe.
Einfach, und am Mischpult ausgesprochen nützlich.
viele Grüße,
t
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Antwort#5
Hallo Martin the Pager und klein t,
es ist doch kein Problem bei Lautsprecherfrequenzweichen bei Hochpass und Tiefpass zu bleiben - und Frequenzen eben passieren zu lassen. Die Weichen sollen da auch schön drinbleiben, ich fasse keine an. Sicher sollten wir Tontechniker uns mit bestimmten Filtern und Gliedern aus der Elektrotechnik auskennen.
Zugegeben, Klanggestaltung ist ein Teil unserer Aufgabe - aber ein ganz wesentlicher. Beim Nachdenken wurde mir klar, dass Hoch- und Tiefpass nur "einseitig absenken" und damit kein für uns brauchbares Filter darstellen, das wir klangestalterisch für zwei Seiten, für + und - anwenden können. Ich habe erkannt, dass Hoch-und Tiefpass nicht zur Klanggestaltungswelt gehören, was mir vorher nicht so klar war. Wozu doch eine Diskussion hier gut ist.
Viele Grüße
ebs
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Antwort#6
Lieber ebs
Als Tontechniker der nicht nur Tonaufnahmen macht, sondern auch Beschallungsaufgaben wahrnimmt, möchte ich folgende Aeusserung anbringen:
Da sich dann in der Live-Tontechnik nicht alles um Klanggestaltung dreht (leider), sondern oft um die Minimierung von Problemen,
sind die - vorallem Hoch - Pässe schon oft sehr nützlich. Wenn sie dann noch durchstimmbar sind, um so besser.
Wenn ich also ein z.B. Cello verstärken darf, dann filtere ich alles unter 65 Herz rein präventiv raus. Was aus dem Signal draussen ist, kann mir dann auch keine Probleme mehr bereiten.
Liebe Grüsse
Thomas
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Antwort#7
Lieber Thomas,
wenn Du also ein "tiefes" Cello bearbeitest, dann freue ich mich mit Dir, dass du dazu einen theoretischen "Hoch"-Pass nimmst. Damit habe ich als Theoretiker kein Problem, denn ein "Hoch"-Pass lässt ja die "Höhen" passieren. Ein dreimal Hoch den Höhen!
Viel lieber nehme ich jedoch beim "tiefen" Cello unnötige "Tiefen" unter 60 Hz raus - und diese "Bass"-Absenkung ("Low"-Cut-Filter) verstehen alle Praktiker ohne nachzudenken.
Auch bei Tonaufnahmen muss neben der Klanggestaltung auch auf akustische Umweltstörungen, auf akustische Störungen des Saals und auf Klangstörungen der Instrumente mit Filtern eingegangen werden, um alle diese Störungen zu minimieren.
Viele Grüße
ebs
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Antwort#8
Lieber ebs
Da sind wir ja grundsätzlich gleicher Meinung und ich kann sehr gut mit den treffenderen, englischen Ausdrücken leben.
Ich wollte nur die Wichtigkeit des Lo-cuts in der Beschallungstechnik unterstreichen.
Liebe Grüsse
Thomas Bruderer
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Antwort#9
Servus,
und wie wärs mit Baß- btw. Tiefensperre oder Höhensperre?
redi, der nicht den "Zerknalltreibling" (aber überhaupt nicht!) wiedereinführen möchte.
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Antwort#10
Redi/rrbth schrieb:" ...und wie wärs mit Tiefensperre oder Höhensperre?"
Für Sound Designer oder besser Klanggestalter sind die Wörter Tiefen- und Höhensperre einmalig klar und gut. Daran sollte man festhalten.
Ich erkenne aber, dass ein Lautsprecher-Entwickler mit seinem Tiefpass als Filter für seinen woofer = Basslautsprecher und mit Hochpass als Filter für seinen tweeter = Hochtonlautsprecher sehr gut und geradeaus zurechtkommt. Die Entwickler sollen ja ihre dafür passenden Begriffe Hoch- und Tiefpass anwenden.
Nur die Tongestalter nehmen eben dafür Tiefensperre und Höhensperre, weil die Ausdrücke genau passend sind.
Viele Grüße
ebs
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