Hallo, ich soll aus 'Gefälligkeit' eine Gruppe von 10 Parforce-Horn-Bläsern aufnehmen (das ist so eine Art Jagdhorn, der Schallaustritt geht allerdings nach hinten weg!). Wo und wie mache ich das ohne großen Aufwand? An einem neutral klingenden Ort und den 'Raum' danach synthetisch erzeugen? Oder z.B. in einer gut klingenden Kirche mit zusätzlichen Raum-Mikros? Die Haupt-Mikrofone vor das Ensemble stellen oder doch lieber dahinter? Ich habe max. 8 Spuren HD-R zur Verfügung. 2 Großmembrankondenser, Grenzflächen, Stäbchen, Mischpult, Peripherie etc. wäre alles vorhanden . . . Vielen Dank für nützliche Tipps!
Hallo Kollege, Ist das evtl. die Hubertusmesse von Reinhold Stief? Ich habe dieses Werk mit Parforcehörnern auch schon aufgenommen. Am besten, Du gehst damit in eine Kirche, die hinter dem Altarraum eine stark reflektierende Wand hat und stellst Dein Stereohauptsystem VOR die Bläsergruppe. Erst wenn die Präsenz des Klanges noch zu wünschen übrig läßt, kannst Du hinter die PfH Stützmikrofone stellen. Welche Mikrofone (ob groß- oder kleinmembranig) Du verwendest, hängt von Deinem persönlichen Geschmack ab. Evtl. kannst Du in den Raum noch 2 Grenzflächenmikrofone installieren für den Raumschall.
Hallo MegaStatic, eine Aufnahme von 10 Parforce-Horn-Bläsern wird hart, besonders wegen der vielen Takes, die man machen muss, bis alles einigermaßen ohne falsche Töne, Kiekser und Geräusche eingefangen ist. Man braucht sehr viel Geduld dabei auch beim späteren Editieren. Die Gruppe sollte man schon in eine Kirche stellen, aber die Mikrofone sollten nur von vorne aufnehmen und Raummikrofone wird man dabei nicht brauchen und auch keine 8-Spur. Mikrofoaufstellung A/B mit Kugeln 40 bis 80 cm Mikrofonbasis oder mit zwei ORTF-Nieren, 110° Achsenwinkel und 17 cm Mikrofonbasis. Mikrofonhöhe etwa Kopfhöhe eines stehenden Menschen. Die Hörner in einem angedeuteten Kreisbogen aufstellen. Müssen wichtige Stimmen etwas mehr heraustreten, dann sollten diese Spieler etwas näher zum Mikrofon stehen. Diese Hörner von hinten zu stützen ist unsinnig. Als Hauptmikrofone, wie in diesem Falle - würde ich immer (!) Kleinmembranmikrofone einsetzen. Wenn nötig kann man die Schalltrichter auch etwas gegen eine Kirchenwand blasen lassen und die dann nach vorne geworfenen Reflexionen ausnutzen. Viele Grüße ebs Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik http://www.sengpielaudio.com
Die Hinweise von ebs sind mehr als nur beherzigenswert. Eine Frage allerdings blieb offen, auch von deiner Seite: Wie spielen die Herrschaften? Spielen sie in französischer Manier Trompe oder 'deutsch' ein 'Fürst-Pless-Horn'? Die klanglichen Unterschiede sind dramatisch, denn die Trompe-Spieler legen ein Forté vor, dass es nicht nur dem Hörer den Hut wegbläst, sondern auch Jörg Wuttkes MK2(s) mitunter eine Vordämpfung zwischen Kapsel und Verstärker aufzwingt. Die verwendeten, scharfrandigen Mundstücke der frz. Trompes gestatten den Spielern auch nicht, beliebig oft zu wiederholen, weil die Lippen der Bläser mit den entsprechenden klanglichen Folgen da nicht lange mittun. Damit die strahlende Schärfe des Forté auf der Aufnahme nicht klingt, "wie auf dem Kamm geblasen", ist bei Trompebläsern eine sehr (!) große Kirche mit weit abliegenden Begrenzungsflächen gerade richtig. Die besten Erfahrungen habe auch ich hier mit einer Kombination aus einem ORTF bzw. NOS und einem AB gemacht, eine Mikrogruppe von vorne und die andere von hinten aufs Ensemble gerichtet, da die Trompe-Bläser gerne in Pfeilform stehen und satztechnisch keineswegs in konstanter Stimmführung pro Bläser spielen. Zudem müssen die Pedaltöne des Basses sowohl knattern als auch Substanz in der Tiefe erhalten. Hier ist je nach Raum zu experimentieren, ob das AB oder das ORTF/NOS vor den Bläsern und die korrespondierende Gruppe dahinter zu stehen hat. An das Bläser-Vibrato/Tremolo muss man sich sowieso gewöhnen. Die Radoux-Passagen (piano, extrem weich) sollte man vollständig separat aufnehmen. Das Problem sind letztlich die Richteigenschaften der Mikros, die eben frequenzabhängig sind, weshalb dich das Trompe-Ensemble im Forté schier anspringt, im Piano (Radoux) aber irgendwo zu versumpfen droht. Deshalb empfehle ich die Kombination aus AB und Nierenäquivalenzgruppe (Ensembleausdehung in LS-Basis sauber bestimmen und links und rechts beider Mikrogruppen beachten!), mit der man hier vom Pult aus eingreifen kann. Wenn Pless-Hörner Verwendung finden sollen, läuft das eigentlich wie bei den Hörnern in einer Mozart-Sinfonie, die schön im Raum stehen sollen, aber nicht zu direkt klingen dürfen, rund harmonisch etc. pp. Das ist leichter zu überblicken, da geht nicht soviel daneben. Frage deine Musiker, was sie hören wollen/müssen, sie sind mit dem Gegenstand vertraut; dies ist nicht ganz unwensentlich, denn die Vertreter der geschilderten Spiel-'Zünfte' sind einander durchaus nicht 'grün'... Gute Nacht einstweilen
Hallo Hans-Joachim, Ich erinnere mich, daß ich damals (war 1983) auch Fürst-Pless-Hörner dabei hatte. Kann allerdings nicht mehr genau sagen wie ich die Mikrofonierung gemacht habe, auf jeden Fall aber habe ich dabei sogar Bändchenmikrofone (Beyer M 260) benutzt, auch in einer ORTF-ähnlichen Art. Diese Aufnahme erfolgte in einem großen Theatersaal. Ein Teil dieser Produktion haben wir sogar im Wald gemacht! Wie würdet Ihr (H.J.R. und ebs) im Wald mikrofonieren? Habe damals 2 KM 84 in ORTF benutzt. Die Parforce-H. habe ich damals mit 2 U87 in A/B aufgenomen + 1 SM 69 als Raummikrofon mit zwei Nieren mit 180° Versatzwinkel. Wir haben das auch in einer Kirche gemacht wobei ich die Bläser in einem Kreisbogen aufgestellt hatte, und zwar so, daß sie gegen die Wand blasen und der reflektierte Schall dann aufgenommen wird. Stützen hinter den Bläsern brauchte ich nicht. Mit dem Ansatz bei den Bläsern - da hast Du völlig recht - ist das eine ganz heikle Sache. Ich behaupte auch, daß man wegen der Tatsache daß es Instrumente sind die nur die Naturtöne spielen können, gewisse Intonationsmängel nie ganz weg bekommt. Man kann ein solches Werk wie z.B. die Hubertus-Messe nicht an einem Tag aufnehmen. Ich glaube wir hatten damals 4 oder 5 Tage für die ganze Produktion gebraucht. MfG Rainer
"Die klanglichen Unterschiede sind dramatisch, denn die Trompe-Spieler legen ein Forté vor, dass es nicht nur dem Hörer den Hut wegbläst, sondern auch Jörg Wuttkes MK2(s) mitunter eine Vordämpfung zwischen Kapsel und Verstärker aufzwingt." Ich hab zwar keine corni par force vor mir, dafür aber ein Bläserensemble bestehend aus 52 Musikern, das von einem Chor übertönt werden soll(te)... und das ganze in einem akustisch unzulänglichen Raum, wodurch die höhere SPL's verkraftenden DPA-Kugeln leider ausfallen - also mal schau'n wie es die Schoepsen aufs Band bringen.... Georg
Hallo Georg, kann es evtl. sein, daß die DPA-Mikrofone Deinen VV übersteuern? Ich weiß nämlich, daß die nicht nur sehr hohe Schalldrücke verkraften können sondern auch hohe Ausgangspegel abgeben.
Lieber Rainer, ob sie übersteuern oder nicht weiss ich nicht - die akustik des Saales ist so mies, dass ich eigentlich keine Kugeln verwenden will, sondern eigentlich ein M/S-Plane.... Dass die DPAs ordentlich was "raushauen" weiss ich - ich habe die 4006 AE's, die haben 36mV/Pa..... Liebe Grüße Georg
Hallo, ich war zwei Wochen weg, deshalb die verspätete Antwort. Ja, es geht tatsächlich *auch* um die Hubertusmesse von Stief . . . Die Details zu den Instrumenten kläre ich am besten mit dem Leiter des Ensembles. Eine Kirche zu finden wird auch nicht zu schwer sein, die haben nämlich schon viele Kirchenauftritte absolviert. Es soll übrigens keine gepresste CD in großer Stückzahl werden, sondern eher ein 'interner' Tonträger für die Mitglieder und für Bewerbungszwecke. Ergo haben wir auch keine 4-5 Tage zur Verfügung, ich denke (und hoffe) mal einen ganzen Samstag für 8 - 10 Stücke. Mehr nicht. Nochmal vielen Dank für Eure fundierten Tipps! MegaStatic