Lautheitsmaximierer (ja, schon wieder...)

Erstellt 14 Antworten15 Beiträge
Startbeitrag#1
In http://www.f11.parsimony.net/forum16949/messages/21026.htm vermutet juergen, dass das Fernsehen eine neue Klangverbesserungs-Wunderwaffe einsetzt. Das bringt mich auf die alte Sache mit dem Lautstärke-Krieg etc. pp.
In Bob Katz' Buch "Mastering Audio" ist hinten ein Abschnitt drin, der von zwei Entwicklern geschrieben ist, von denen die heute in den meisten Rundfunkanstalten und Radiosendern verwendeten finalen Lautmacher stammen.
Deren Versuche haben ergeben, dass es lautstärkemäßig nach Verlassen des Gerätes keinen Unterschied bedeutet, ein Programm mit hohem oder niedrigem Crest-Faktor, das ist das Verhältnis von Peak zu Durchschnitt, hinein zu schicken.
Man hört aber doch einen Unterschied: Material, dass schon "heiß" gemastert ist wird deutlich mehr durch die Geräte verzerrt als Gemäßigtes.
Mir gefällt, dass das die *Hersteller* der Geräte sagen. Wer hat dann die Mär in die Welt gesetzt, Musik müsste auf Anschlag komprimiert sein, DAMIT sie sich im Radio durchsetzt?
Übrigens ein recht empfehlenswertes Buch, wie ich finde.
Cheers
Yoda
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Antwort#2
Ich hatte es mal in rec.audio.pro gefragt. Schon lange her.
Ob es besser sei für Radio stark zu limitieren/komprimieren damit der Radio-Limiter nix mehr versauen kann, da keine Dynamik mehr da. So dass ich die volle Kontrolle habe. Oder ob man besser sehr gemässigt Limiteren soll weil ja der Radio-Compressor/Limiter eh alles glattbügel. Und je mehr Dynamik rein desto mehr Klang bleibt übrigt.
Eindeutiger Tenor war: wenig beim mastern limitieren damit es im Radio besser klingt.
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Antwort#3
Dies würde ich auch so sehen, da inzwischen in jeder Rundfunkanstalt ein Aufpäppel- und Lautmach- Device seine Arbeit verrichtet. Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, daß die dort eingesetzten Geräte in der Lage sein muessten, das Material soweit zu analysieren, daß ein stark auskomprimiertes Signal nicht mehr wesentlich geändert wird. Selbiges gilt für Klangverbesserer, die noch Oberwellen reinbacken : Ein FFT-Blick auf das relevante Spektrum sollte doch reichen, um festzustellen, daß aktuell in spitzer Klang , wie z.B. ein "s" vorliegt, in den man nicht noch weitere Oberwellen einmischen muss.
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Antwort#4
Der weltweit am meisten bei Radiostationen verwendete Lautmacher ist der Orban Optimod-FM 8400 mit 5-Band-Prozessor und zeitlicher Vorweg-Abtastung.
Siehe unten den Link.
http://www.audioexport.de/live/orban_792_DEU_AE.html
Dieses Wundergerät tastet zwar "vorher" ab, aber er kümmert sich nicht darum, ob und wie das Signal schon vorher zerquetscht wurde.
Alle loben Bob Katz wegen seiner richtigen Ansichten, aber die Schlacht um das letzte dB geht unbekümmert weiter und wird nie zu Ende sein. Laut ist geil und Klirren und Zerren ist dann eben hinzunehmen. Bei der Frage an den Kunden, ob laut und verzerrt oder leiser und weniger Verzerrungen, wird immer auf laut gepocht. Und oft kommt die Rückfrage warum geht denn nicht laut mit weniger Verzerrungen?
Gruß
Maya


Orban Optimod-FM 8400
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Antwort#5
Mittlerweile konnte ich nachsehen:
Der genannte Abschnitt wurde von Bob Orban und Frank Foti geschrieben. Der vielleicht entscheidende Satz (S. 274): "Hypercompressed material does not sound louder on the air. It sounds more distorted, making the radio sound broken in extreme cases."
Siehe auch das Bild unten auf der Webseite :


Tardons "What is Hot?"-Experiment
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Antwort#6
... und er führt weiter an, daß im ORBAN Manual eine entprechende Passage gequotet sei, die daruf hindeutet, keine Überkomprimierten CDs anzuliefern. Da habe ich aber Verständnisschwierigkeiten : Im Manual eines Kompressorgerätes wird darauf verwiesen, daß doch bitte die CD-Produzenten darauf Rücksicht nehmen sollen, daß eben genau dieses K-Gerät noch ein bischen mitrühren will ...
Der schwarze Peter liegt also bei den fähigen Produzenten, welche Partout nicht einsehen, daß sie unfertige Mixes abliefern sollen, die einfach deshalb nötig sind, weil ein Gerät exisitert, welches seine Existenzberechtigung daraus zieht, daß auch Mixes von unfähigen Produzenten angenommen werden, und die klingen muessen.
Demnächst düfen die guten Autofahrer nicht mehr voll in eine Kurve einlenken, sodaß sie diese optimal erwischen, weil die Kurven mit einem Schleuderautomatismus versehen sind, welcher die schlechten Autofahrer etwas stärker in die Kurve drückt. Das Ergbnis, miese Autofahrer bleiben auf der Fahrbahn und korrekt lenkende fliegen aus der Bahn.
Sollte man diese Geräte nicht einfach weglassen und den Produzenten eine SPEC an die Hand geben, nach der sie arbeiten muessen, und es damit einfach der Evolution überlassen, welcher Produzent langfrisitg arbeitslos wird, weil er es nicht kapiert und seine Mischungen im Radio nicht klingen ?
Wofür gibt es eigentlich eine Radioversion auf der CD ?
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Antwort#7
Mit Bezug auf Yoda's link : Ich habe mir mal die Demos von dieser Seite angehört - z.B. das Stück "nofutr.mp3 von den MERMEN. Ich finde das offen und klar, kein bischen überkomprimiert, nicht höhenlastig, die Gitarre eventuell einen Tick zu laut gegen das Schlagzeug (?) und wollte ihn gerade loben, da klicke ich auf "Horoscope" von Beluha und denke mir : Zu aufdringlich und auch deutlich lauter im Vergleich. Was denkt ihr ?
"Liar" ist wieder etwas besser, aber auch das ist ein bischen zu kraftvoll angesichts der leicht zurückhaltenden Singweise und der geringen Aktion der Instrumente. Das Ding ist an der Grenze, würde richtig aufgedreht, so wäre kein Reserve. Das dürfte mit dieser Pegelung kaum zur Rest.Cd passen, es sei denn die sind auf der ganzen CD so leise, aber was küpmmert's mich.
Naja, ich suche immer noch nach der Seite mit Klangdemos von einem Masterguru, die mich wirklich umhauen und ich sage : Mann, das haettest Du selber nicht hingekreigt. Vielleich sind wir aber auch schon beim unterschiedlichen Geschmack angelangt.
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Antwort#8
Hallo juergen,
nun ist nicht ganz eindeutig geklärt, ob die Radio-Version auf der CD, diejenige ist, mit mehr Dynamik (weniger heiß), damit der Radio-Orban etwas Arbeit kriegt oder die breitgeklopfte (die heiße), damit der Orban den Rest noch flacher bügelt?
Den Produzenten strenge Richtlinien an die Hand zu geben, nach der sie arbeiten müssen, kann nicht gehen, denn die arbeiten voll nach Gefühl. Dabei kann keine Richtlinie beachtet werden.
Bewertung: Eine Aufnahme ist gut, weil sie viel Dynamik hat? Oder eine Aufnahme ist gut, weil gerade wenig Dynamik hat? Wer kann da Richter sein?
Gruß
Malte
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Antwort#9
gut, aber das Gerät hat ja ein SOLL auf das es hinarbeitet. Und damit macht es einige besser und andere schlechter. Könnte man also auch sein lassen, bzw dem Produzenten definieren. Er weiss besser, als das Gerät, was er zu machen hat, um dahin zu kommen, wo er hinsoll.
Wir brauchen wohl auf der CD neben dem emphasize-bit auch noch ein leave-me-in-peace-bit, daß jeglichem Digital-Equipment signalisiert, nix mehr Böses damit anzustellen.
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Antwort#10
Das LMIP-Bit finde ich Klasse. Mit derart hohem Digitalisierungsgrad der verwendeten Werkzeuge sollte das sogar leicht zu realisieren sein. Allerdings wäre das auch das erste technische Kennzeichen auf einem Aufnahmemedium, das Vorgaben für die künstlerische Gestaltung der Aufführung macht. Genial.
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Antwort#11
Ich habe schon ein wenig Hemmungen, hier die Arbeit anderer zu kritisieren. Andererseits denke ich, wenn wir mehr höhren und kommentieren als schreiben und lesen würden, verstünde ich eure Tipps, Meinungen, Anregungen besser.

With No Definite Future:
Die Gitarre ist mir zu stereo, d.h. nicht definiert genug. Die Kickdrum passt nicht zur Lautheit des restlichen Sets. Der Raum auf der Gitarre macht alles zu.
My Horoscope...
Refrain: Stimmen könnten deutlicher sein. Mir fehlt die Tiefe. Ungewöhnlich, weil kaum was in der Mitte ist.
Liar
Gefällt mir.
Dilbert
Das Echo-Geraschel ist mir too much, weil es Teile des schönen Schlagzeugs verdeckt.

Was meint Ihr?
Yoda




Hier stehen die Titel zum Download
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Antwort#12
Ich würde eher sagen, es macht Vorgaben für die TECHNISCHE Aufführung - soll aber keine Erbsenzählerei sein. Die Frage ist nur, wie man sowas durchbekommt und ob sich die Geräte dran halten : Das EMPH und das COPY-Bit wird ja auch fleissig ignoriert aus den verschiedensten Gründen. Arbeitet überhaupt jemand jemand dem EMPH ?
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Antwort#13
technisch, ja, aber im Sinne *unserer* Kunst, dem Aufnehmen, Mischen und Mastern nämlich.
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Antwort#14
ach ja richtig, das war ja ein Kunst :-)
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Antwort#15
Tach,
also der meistverwendete ist nicht 8400 sondern der 8200, da der 8400 erst vor ca. einem Jahr erst rausgekommen ist und man 1) in diesen harten Zeiten nicht unbedingt das Geld dazu hat 2) er so ein hohes Delay, das die Mods nicht "Live" abhören können.
Ausserdem finde ich den 8400 klingt ganz nett, aber ein Ticken besser ist die Omnia 6fm, der klingt ein bisserl "wärmer".
So nun zu der Frage warum benutzt man soche superteuren Geräte??
1) Man spielt ja nicht nur Lieder von einem Produzenten, sodern von sehr vielen; dies nicht nur Produktionen aus den 90ern sondern auch aus den mülligen 80ern und 70ern. Diese Geräte bügeln das dann sehr schön aus und nach oben.
2) Sieht es immer noch so aus, das wenn man im Radio herumzappt und man kommt zu einem wesentlich lauteren Sender gibt es unbewusst ein "wow" die geben aber Gas ( wird dadurch positiv empfunden; natürlich nur bei Formatradios im hot ac ).
3) Muss es nicht nur bei uns auf unseren Monitoren klingen, oder auf den Hifi - Anlagen sondern auch auf jedem Kücheradio,etc
ausserdem spielen wir nicht nur Musik sondern auch Jingles, Wortbeiträge etc. damit dies einigermassen gleich klingt, ist so ein 5 - Band Mastercompressor eigentlich genau dasrichtige.
4) Ein guter Grund den 8400 oder die Omnia 6fm zu kaufen ist eigentlich der MPX - Limiter, damit man keinen Ärger mt der RegTP bekommt; aber da hält sich ja eh keiner dran.
So hoffe es dir ein bisschen begreiflich gemacht zu haben.
Bis denne
Maini



so klingt Radio
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