Nochmals zum u.s. Thread "Phantomspeisung"

Erstellt 12 Antworten13 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo Kollegen,
wie man sieht, wollen die Fragen um die Phantomspeisung nicht verstummen, sooft auch schon Antworten darauf gegeben worden sind.
Empfohlen sei daher der unten stehende Link auf die Mikrofonaufsätze von Jörg Wuttke (Fa. Schoeps). Dort sind viele der Fragen beantwortet.


Die Phantomspeisung und ihre Gesichter
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Antwort#3
Ich hasse es an dieser Stelle eine dumme Frage zu stellen,
aber ich überlege schon eine geraume Zeit lang, warum man uns strengstens verboten hat, Mikrofone bei eingeschalteter Phantonspeisung ein- oder auszustecken. Die stehende Anweisung in unserem Medienlabor lautet "Erst einstecken dann einschalten, beim Abbau das gleiche rückwärts".
Nun bin ich garantiert nicht der einzige, der "im Feld" nicht schon unzählige Male genau das gemacht hat, nämlich Kondesatormikrofone bei eingeschalteter Ph.-Sp. abzuziehen bzw. einzustecken, ohne das diese jemals einen Schaden davongetragen hätten.
Nun also meine Frage speziell an Rainer: Was ist da, wenn überhaupt dran?
Janko
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Antwort#4
In der Bedienungsanleitung des spl "Channel 1", Modell 9945 steht:
WICHTIG: Alle Mikrofone mit symmetrischem, erdfreiem Ausgang, also auch Röhrenmikrofone, können bei eingeschalteter Phantomspeisung betrieben werden. Gehen sie unbedingt wie folgt vor: Zunächst das Mikrofon an den Track One anschließen, dann die Phantomspeisung einschalten ? die Arbeit kann jetzt begonnen werden. Nach Abschluß der Aufnahme zuerst die Phantomspeisung abschalten. Erst nach einer Pause von ca. 30 Sekunden sollte die Verbindung vom Mikrofon zum Track One unterbrochen werden, damit sich Restspannungen entladen können.Die Phantomspeisung nur für Kondensatormikrofone einschalten ? für alle anderen Mikrofontypen ist die Phantomspeisung abzuschalten! Ein unsymmetrisches Mikrofon darf nur bei ausgeschalteter Phantomspeisung betrieben werden!
Dieses ist ärgerlich und leider nicht praxisgerecht. Vermutlich möchte man sich als Firma vor eventuellen Schäden absichern. Besser wäre es, wenn die Entwicklungs-Ingenieure sich etwas besseres einfallen ließen. Es ist nämlich wirklich möglich, die Phantomspeisung ständig anzulassen und die Mikrofone nach Belieben ein- und auszustöpseln.
Slavko
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Antwort#5
Beim Tascam F-1884 steht es etwas milder, aber auch als typische Firmen-Regress-Absicherung:
Wichtig: Wenn Sie die Phantomspeisung einschalten, achten Sie immer darauf, dass mit den XLR-Anschlüssen keine Geräte verbunden sind, die durch eine solche Spannung beschädigt werden können.
Jonas
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Antwort#6
In diesem Falle müssen sich aber die Mikrohersteller etwas einfallen lassen, denn die MICs kriegen ja schlagartig etwas ab, was infolge eines Lastwechsels eines zugesteckten Mikros die Spannung schwankt, bzw das gesteckte Mikro die Spannung schlagartig sieht.
Da die meisten MICs aber auch an der halben Spannung funktionieren, muessen dort Spannungsbegrenzer sitzen. Demzufolge darf den MICs auch bei Spannungsspitzen eigentlich nichts passieren.
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Antwort#7
Hallo Janko,
Ich hasse es an dieser Stelle eine dumme Frage zu stellen,
aber ich überlege schon eine geraume Zeit lang, warum man uns strengstens verboten hat, Mikrofone bei
eingeschalteter Phantonspeisung ein- oder auszustecken. Die stehende Anweisung in unserem Medienlabor
lautet "Erst einstecken dann einschalten, beim Abbau das gleiche rückwärts".
Nun bin ich garantiert nicht der einzige, der "im Feld" nicht schon unzählige Male genau das gemacht hat,
nämlich Kondesatormikrofone bei eingeschalteter Ph.-Sp. abzuziehen bzw. einzustecken, ohne das diese
jemals einen Schaden davongetragen hätten.
Nun also meine Frage speziell an Rainer: Was ist da, wenn überhaupt dran?

Ich bin zwar nicht Rainer, kann aber auch etwas dazu beitragen.
Das Problem ist, daß du beim An- / Abstecken der Micros nie beide Tonadern gleichzeitig kontaktierst. Und nun stell dir vor, was passiert, wenn beim Anstecken eines phantomgespeisten Mikros die Masseleitung bereits eine Verbindung hat und die erste Tonader eine bekommt. Es bildet sich ein Spannungsteiler von +48V über 6,8k im Mixer, 6,8k im Mikro zu den zu diesen Zeitpunkt noch ungeladenen Elko im Mikro ( = 0V ). An der als erste kontaktierenden Tonader fällt die Phantomspannung also erst einmal auf 24V ab, während an der anderen noch 48V anstehen. Du bekommst also einen kurzen 24V Spannungsimpuls an den Mixereingang, solange, bis beide Adern kontaktieren.
Was bewirkt das nun? Meist nichts, wie die Praxis zeigt. Die meisten Mixereingänge vertragen den Spannungsimpuls am Mikroeingang, die Garantie dafür bekommst du von keinen Hersteller. Und gelegentlich zerlegt es eben auch mal die Eingangsstufe, die für die Verstärkung von Spannungen im mV Bereich vorgesehen ist und nicht für 24V Eingangsspannung. Vor allen dann nicht, wenn zum Zeitpunt des Anschlusses der Vorteiler ( PAD ) nicht eingeschaltet ist.
Schlimmer wird es noch bei Eingängen hochwertiger Mixer, die Eingangsübertrager haben. Hier kann der Spannungsstoß den EÜ in die Sättigung treiben und bleibend magnetisieren, was dann eine Verringerung der Eingangsempfindlichkeit und eine Erhöhung des Klirrfaktors zu Folge haben kann. Außerdem haben diese EÜs meist eine Aufwärtstransformation, bespielweise 1:4, so daß du plötzlich einen 96V Impuls an den Eingangstransistor bekommst ( theoretisch, in der Praxis ist der EÜ dabei schon längst in der Sättigung und übertägt nicht mehr linear ).
Es macht schon einen Sinn, die Ratschläge der Hersteller zu beachten.
Gruß, Gerhard
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Antwort#8
Hallo Janko,
Auch ich stecke die Mikrofone auf und ab unter eingeschalteter P-Spannung. Schäden habe ich bisher noch nie gehabt, weder an Mikrofonen noch an den Eingangsverstärkern des Pultes. Es kommt höchstens gelegentlich vor, daß man mal einen gewischt bekommt, nämlich dann, wenn man das Mikrofon so unglücklich in den Gegenstecker steckt, daß der Massekontakt erst nach dem Schließen der Tonkontakte geschlossen wird. Aber der Schlag ist an sich harmlos, da doch der Strom durch die Speisewiderstände begrenzt ist. Dieses von Dir angeführte Verbot ist daher unbegründet. Man sollte da also nicht päpstlicher als der Papst sein.
Vielmehr sollte man mal hier den Praxisfall untersuchen: Wenn beim Rundfunk während einer Sendung mal schnell was umgebaut werden muß, da kommt in der Hitze des Gefechts keiner auf die Idee, die P-Spannung abzuschalten. Da muß einfach die Betriebssicherheit sowohl der Mikrofone als auch der Vorverstärker gewährleisten, daß keine Schäden auftreten. Denn ebenso in der Hitze des Gefechts könnte es leicht passieren, daß die P-Spannung des jeweiligen Kanals vergessen wird einzuschalten und dann ist das Team am rotieren...

MfG
Rainer
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Antwort#9
Hallo Jürgen,
Der plötzliche Einschaltspannungsstoß macht dem Mikrofon überhaupt nichts. Sieht man sich z.B. mal die Schaltung eine KM 84 an, so sieht man, daß dort eine ganze Reihe Siebglieder in der Stromversorgung des Impedanzwandlers liegen, die die Spannung langsam ansteigen lassen. Bei anderen Mikrofonen ist es ähnlich.

MfG
Rainer
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Antwort#11
... ergibt sich bei Mikrophonen, die einen Ausgangsuebertrager haben und die
Phantomspannung von der Ausgangswicklungsmitte abnehmen.
Wenn beim Stecken die Kontakte 2 und 3 des XLR-Steckers nicht gleichzeitig
greifen, kann es zu Problemen kommen, da dann Strom kurzfristig nur durch
eine Wicklungshaelfte fliesst, was zum Aufmagnetisieren des Trafokernes und
damit zu bleibender Schaedigung desselben fuehren kann - das mu des Kerns
ist permanent veraendert, und der Trafo erreicht nicht mehr seine normalen
Betriebsdaten.
Ich habe auf diese Art und Weise mal einen Beyerdynamik-ATR ruiniert - er
ueberlebte den nachfolgenden Entmagnetisierungsversuch leider nicht...
Gruss
Micha
--
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Antwort#12
Hallo,
soeben habe ich mit Jörg Wuttke von der Fa. Schoeps telefoniert und mich in dieser Sache schlau gemacht.
Das mit der Magnetisierung des Mikrofon-Ausgangsübertragers resp. Mischpult-Eingangsübertragers ist definitiv Fakt, allerdings gibt es nur einen Hersteller, dessen Übertrager diesbezüglich empfindlich sind, nämlich Beyerdynamic. Das hat mit der extrem geringen Baugrösse derselben zu tun. Aber auch diese Ü´s können (natürlich fachmännisch) wieder entmagnetisiert werden. Wie empfindlich sie wirklich sind, werde ich im Laufe der nächsten Tage noch erfragen, der zuständige Spezialist bei Beyer ist noch im Urlaub.
Alle anderen Übertrager, so Herr Wuttke, sind spätestens nach dem ersten Paukenschlag (abnehmendes Wechselfeld) wieder komplett entmagnetisiert und einsatzbereit.
Mehr zu dieser Thematik kann man sich im Kapitel 12 und 13 unter dem folgenden Link besorgen.
Gruß
Martin


Mikrofonaufsätze
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Antwort#13
Herr Wuttke hat NICHT behauptet, dass die Übertrager der Fa. Beyerdynamic grundsätzlich empfindlich bezüglich o.g. Problematik seinen, sondern mir lediglich mitgeteilt, dass dieses Phänomen u.U. auftreten kann, er nannte dabei keinen speziellen Firmennamen!!!
Die Erkenntnis, dass bestimmte Beyer-Übertrager dieser Spezies angehören, beruht auf meinen eigenen Erfahrungen mit Exemplaren älterer Bauart. Durch das besondere, patentierte Herstellungsverfahren von Beyerdynamic, welches sehr geringe Baugrößen ermöglicht, sind deren Kerne generell etwas empfindlicher für starke Gleichfeldmagnetisierung, besonders die Subminiatur-Ausführungen.
Ansonsten kann man den Beyer-Übertragern in keinster Weise irgend etwas negatives anlasten, ich arbeite seit vielen Jahren damit völlig problemlos.
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