Hallo, ständig hört man von der Möglichkeit, rauscharme Medien durch Kompression-Aufzeichnung-Expansion des aufzuzeichnenden Signals im Dynamikbereich zu erweitern, was ja dbx und Co auch seit etlichen Jahrzehnten so machen. Nun aber mal ne vielleicht etwas blöde Frage: Ist nicht in dem Moment, wo man ein Signal mit z.B. Dynamikumfang 100 mit 1:2 komprimiert, die Hälfte der Information verloren? Man hätte also nur noch 50 - und wie soll ich dann z.B. bei der Expansion wissen, welchen Wert z.B. die 25 vor der Kompression hatte: 50 oder 51?!? Versteht Ihr das Problem? Also doch verlustbehaftet? Danke und schöne Grüße Rolf
Es ist im Prinzip eine Datenreduktion. (aber nur als Sideeffekt) Die Informationen (Kurvenläufe) werden in ihrer Dynamik eingeschränkt. D.h. lautes leiser, leises lauter. damit gibt es natürlich weniger Zwischenstufen. Und auch Tonbänder haben Zwischenstufen und sind nicht 100%ig kontinuierlich. (weniger Informationen, Rundungsfehler) Zwei subtil unterschiedlich laute Töne werden gleichlaut.
Natürlich. Die Dynamik solcher Kompandersysteme erfährt Artefakte, die sich besonders bei sprunghaften Lautstärkeänderungen bemerkbar machen. Die Information des Signals liegt aber auch zu einem großen Teil in der Frequenzinformation, und diese wird nahezu unverfälscht erhalten, von 50%tigem Datenverlust kann kaum die Rede sein. Praktisch wird meist mit festen Kompressionsraten und festen Thresholdwerten gearbeitetet. Die Anfälligkeit solcher Systeme wird im Konsumerbereich aber auch bei vielen günstigen Funksystemen leider sehr deutlich: Es rauscht zwar weniger, aber die Dynamik entspricht nicht dem Original und es kommt sogar zu zusätzlichen Obertönen durch zu schnell arbeitende Regelverstärker. Außerdem macht ein Expander Fehler im Übertragungsweg (dropouts) sehr viel deutlicher hörbar, als dies ohne ihn der Fall wäre. Wie immer eine Abwägung: Akzeptiere ich mehr Rauschen und gestatte mir eine natürliche Dynamik, oder arbeite ich rauschfreier und akzeptiere Unregelmäßigkeiten in der Dynamik. Bei den meisten heutigen Anwendungen ist die natürliche Dynamik weder live noch auf Aufnahmen erwünscht, sodass Expandersysteme tolerabel erscheinen. Puristen werden lieber Rauschen hören, als ein Kompressorsystem, das sich "verpumpt". Aber eigentlich gehören diese Kandidaten ins unverstärkte Konzert, wo man leider oft feststellen muss, dass selbst die klassische Besetzung eines großen Orchesters unverstärkt nicht die von "natürlichen" Aufnahmen gewohnte "musikalisch erwünschte" Dynamik an Tag legt. Ich war schockiert, wie schlecht ein solches Orchester akustisch funktionieren kann, einfach zu laute Bläser usw. Erschütternd, aber es soll auch da Ausnahmen geben. schöne Grüße Opi