Stereo aus Mono erhalten

Erstellt 13 Antworten14 Beiträge
Startbeitrag#1
Nachdem wir nun wissen, wie man aus Stereo einen Monoanteil erzeugt frage ich nun umgekehrt: Was unternimmt man, um aus einer Monoaufnahme eine Stereomischung zu erhalten?
ZitierenPost melden
Antwort#2
a) das geht nicht!
b) Was du meinst ist Pseudostereofonie, also das Monosignal quasi breitschmieren. Hall, unterscheidler EQ, Phasenverschiebungen, Kammfiltereffekte(durch addition mit verzögerten Pseudo-S signal mit dem Monosignal)
ZitierenPost melden
Antwort#3
Hallo Jürgen (?),
Diese "ehrenvolle" Aufgabe hatte ich auch schon! Vor längerer Zeit habe ich dazu mal geschrieben. Stichwort: "Lauridsen-Schodder"-Verfahren.
Guck mal weiter in der Suchmaschine des Forums nach.

Grüße
Rainer


Lauridsen-Schodder
ZitierenPost melden
Antwort#4
Hallo,
ich zitiere mal der Einfachheit halber aus Rainers Beitrag vom 09.01.2002:
"Das Prinzip Lauridsen/Schodder:
Das Signal wird einmal direkt auf beide Kanäle gegeben. Zusätzlich erzeugt man ein verzögertes Signal und mischt dieses gegenphasig auf beide Kanäle. Vergleichbar mit einer M/S-Stereofonie, bei der das direkte Signal das "M" darstellt und das verzögerte das "S". Bei einer Verzögerungszeit im Bereich zwischen 10...30 ms erzielt man dadurch einen derart frappierenden Stereoeindruck, der bei oberflächlichem Hinhören kaum von einem echten Stereo zu unterscheiden ist. Als ich das zum ersten mal ausprobierte, habe ich unwillkürlich nach Fehlern gesucht, ob ich nich doch ein echtes Stereosignal übertragen hatte (zumal ich kein echtes Mono hatte sondern mir erst ein Monosignal durch Addition von L+R bilden mußte). Mit der Pegeldifferenz des verzögerten Signals zum Haupsignal läßt sich dann die Basisbreite verändern."
Abhängig vom zu bearbeiteten Material kann es hilfreich sein, die Verzögerungszeit sanft zu modulieren (Periodendauer einige Sekunden). Der Effekt ist dann nicht so statisch und fällt noch weniger auf.
Beste Grüße
Jörg
ZitierenPost melden
Antwort#5
Anzumerken wäre bei dieser Pseudo-Stereoerzeugung mit verzögertem S-Signal aus dem Monosignal: Für statistische Geräusche, wie Beifall, Wind, Meereswellen, Hubschraubergeräusche u.s.w. geht das ganz prima.
Bei einem breitbandigen Mono-Symphonieorchester ist die erzeugte Stereobreite zwar etwas zu bemerken, aber da die wirkliche Richtung der Instrumente fehlt, wirkt das Hörereignis auffallend unecht.
Die Idee von Jörg DJ ist prima: Abhängig vom zu bearbeiteten Material kann es hilfreich sein, die Verzögerungszeit sanft zu modulieren.
Gruß
Didi
ZitierenPost melden
Antwort#6
Hallo Didi,
Es ist klar, daß bei einem Sinfonieorchester eine Stereofonisierung nach Lauridsen-Schodder kein befriedigendes Ergebnis bringt. Überhaupt: Es ist immer ein PSEUDO-Stereo!. Dagegen kann bei monauralen Orgelaufnahmen eine Stereofonisierung durchaus Vorteile bringen, da eine Richtungszuordnung bei Orgel nicht notwendig ist. Das sog. "Pfeifenspringen" wie es bei Orgeln oft vorkommt wegen der Staffelung von C- und Cis-Seite entfällt dann sogar.
Generell bringt eine Stereofonisierung alter Monoaufnahmen nicht unbedingt Vorteile. Man muß im Einzelfall abwägen, ob es sinnvoll ist oder nicht.

MfG
Rainer
ZitierenPost melden
Antwort#7
Vor der an der Schwelle zur Stereofonie gern angewendeten Umsetzung von Mono nach "Stereo" durch Ausnutzung "Spektraldifferenzen" muss ich warnen; das ist also eine Frequenzverteilung auf der Stereobasis. Z.B. links sind die Höhen und rechts die Tiefen. Das geht ganz einfach: Man gibt ein Monosignal auf zwei Kanäle, pannt den einen nach links L und den anderen nach rechts R. Dann stellt man das linke EQ-Filter ein bei 10 kHz auf plus 6 dB und 100 Hz auf minus 6 dB. Und das rechte Filter bekommt bei 10 kHz minus 6 dB und 100 Hz plus 6 dB.
Das gibt eine Pseudo-Verbreiterung auf der Lautsprecherbasis.
Wenn man dann die Mono-Originalaufnahme wegwirft, weil wir es ja angeblich besser in Stero haben, dann ist der Klang der Originalaufnahme für immer verloren. Ein Drücken der Abhörtaste "Mono-Kompatibel" zeigt, wie gemein dieser Klang dann auf Mono ist.
Viele Aufnahmen wurden damals auf diese Art unwiederbringlich kaputt gemacht, weil der technisch nicht versierte Chef gesagt hat, die Originale brauchen wir nicht mehr.
Dagegen ist die M/S-Matrizierung mit dem verzögerten S-Signal harmlos. Das Original-Signal bleibt als L + R immer erhalten. Auch die beliebte L/R-Stereo-Verhallung sollte gut überlegt werden, denn die verdirbt auch. Ein Hall allein im S-Signal ist eine gangbare Lösung.
Gruß
Johnny
ZitierenPost melden
Antwort#8
Hallo Jonny,

Der Hall alleine im S-Signal ist keine gute Lösung, weil er nur als gegenphasige Komponente in beiden Kanälen auftritt aber im Grunde genommen in beiden Kanälen korreliert ist. Die Folge wird sein, daß aufgrund der Gegenphasigkeit der bekannte "Druck auf die Ohren" entsteht.

Grüße
Rainer
ZitierenPost melden
Antwort#9
Der Hall alleine im S-Signal ist keine gute Lösung, weil er nur als
gegenphasige Komponente in beiden Kanälen auftritt aber im Grunde genommen
in beiden Kanälen korreliert ist. Die Folge wird sein, daß aufgrund der
Gegenphasigkeit der bekannte "Druck auf die Ohren" entsteht.
Im Prinzip hast du Recht Rainer, nur kommt es auf den Pegel des S-Nachhalls an. Bei geringem Zumischpegel und nicht zu großem Predelay ist noch kein Ohrendruck zu verspüren.
Jedenfalls ist das zum Erhalt des Monosignals besser, als das übliche Zumischen des L/R-Stereohalls.
Grüße
Johnny
ZitierenPost melden
Antwort#10
Was unternimmt man, um aus einer Monoaufnahme eine Stereomischung zu erhalten?
Vor 2 Jahren hatte ich das mal nach Drängen von Interessenten gemacht, denen ich das nicht ausreden konnte. An sich wollte ich mit möglichst geringem Aufwand nur zeigen, dass man kein akzeptables Ergebnis bekommt.
Ausgangsmaterial waren Monoaufnahmen einer Gesangsgruppe (8 Mitwirkende, 2 Gitarren), die in den frühen 60er Jahren damals aktuelle Hits bei öffentlichen Veranstaltungen vorgetragen hatten. Recherchiert nach Fotos und Notizen wurde mit einem Einzelmikro MD 421 auf Magnetophon KL 85 aufgenommen, meist mit
9,5 cm/s.
Bei der Überspielung hatte ich das Monosignal parallel auf die L,R Eingänge gegeben und so zwei identische Spuren erzeugt. In einem ersten Schritt hatte ich nur mit ganz wenig EQ gearbeitet, der Pegel war bereits beim Überspielen korrekt ausgesteuert.
Als einziger weiterer Schritt wurde dann in CoolEdit Reverb (gewählt "Medium Auditorium" mit den vorgegebenen Standardeinstellungen) hinzugefügt.
Das Ergebnis hat die "Kunden" hellauf begeistert und mein Ziel, zu zeigen, dass es nichts wird, war damit nicht erfüllt. Der Eindruck war durchaus "stereotypisch", allerdings konnten natürlich die beiden Gitarren nicht räumlich getrennt lokalisiert werden.
Im Gonioskop ergab das keinen schönen runden Wollknäul, aber eine Figur etwa zwischen Zigarre und Zeppelin. Abgelesener Korrelationsgrad: +0,4 ... +0,8.
Zwei Stücke daraus wurden dann sogar im Rundfunk übertragen, wobei das dort wohl eingesetzte Optimod (oder was auch immer) sogar hier noch als weitere Verbesserung wirkte.
MfG -kln
ZitierenPost melden
Antwort#11
Naja, logisch geht das nicht aber die Frage ist eben, was man mit einer Karaokespur macht, die der Kunde anschleppt: Viele dieser CD haben ja den GEsang auf einer Spur und die andere, gesangfreie ist dann nur Momo. Nimmt man den Sänger dann auf, so klingt das aeusserst matt, wenn man den Track in Mono belässt.
Was ich auch oft mache: Per EQ einzelne enge Bänder herausziehen, per Expander bestimte Pegel isolieren , diese dann Verhallen und per Autopan hin und herwerfen. Damit kommen Reflexion zufällig vpn überall her. Gibt zwar viel Matsch aber belebt.
ZitierenPost melden
Antwort#12
Hallo -kln,
wenn es unwichtiges Mono-Getingel ist, dann steht dem nichts im Wege, darauf einfach Stereo-Nachhall zu mischen. Da kann man dann anschließend auch das Mono-Original wegwerfen. Es ist nicht schade drum.
Mir sind nur versaute Pseudostereoaufnahmen von Mono-Tonbändern bekannt geworden, die geschichtliche Dokumente von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald waren. Das ist sehr schade drum.
Natürlich kann man jetzt alte Mono-Platten finden und diese wiederum digital entrauschen und entknacken. Nur wird durch diese Prozedur der Klang niemals besser als das ursprüngliche Mono-Tonband.
Nur darum ging es mir.
Gruß
Johnny
ZitierenPost melden
Antwort#13
[...]
Natürlich kann man jetzt alte Mono-Platten finden und diese wiederum digital entrauschen und entknacken. Nur wird durch diese Prozedur der Klang niemals besser als das ursprüngliche Mono-Tonband.
Das genau ist auch meine Überzeugung (und Erfahrung).
Ein Kollege hatte mal Lichttonspuren aus alten Filmen mit Mitteln der digitalen Bildverarbeitung optisch (!) restauriert. Zwar waren Rauschen, Knacken, Prasseln etc. weitgehend verschwunden, aber nach meinem Eindruck fehlten danach auch wesentliche Elemente, z.B. erschienen alle Endsilben bei Sprache sehr hart abgeschnitten.
Aber nach meinem Beispiel (Mono -> Stereo) musste ich gegen meine eigene Haltung schliesslich klein beigeben: "Erlaubt ist, was gefällt".
MfG -kln
ZitierenPost melden
Antwort#14
"Erlaubt ist, was gefällt".
Tja, so isses. Nur muss der "Geldgeber" als wichtigster Mensch das auch so sehen. Was man als Technikr tut, meint und denkt, kommt wohl erst weit dahinter.
Micha
ZitierenPost melden

Deine Antwort

Du kannst ohne Anmeldung schreiben.