Hallo, ich höre immer wieder viel über die "legendären" Aufnahmen und Methoden des Denon Labels, das es ja nicht mehr gibt. Wer kann hier meine Wissenslücke füllen? Was war an diesen Aufnahmen so legendär? Es soll 2 Veröffentlichungs-Varianten gegeben haben. Eine nur mit Hauptmikrofon (One Point) und eine "wie gewohnt" mit zusätzlichen Stützen. Auch soll es schon sehr früh Mehrkanal (mehr als 2:-) ) Aufnahmen gegeben haben. Mehr finde ich nicht heraus.... Beim Hören dieser Aufnahmen kann ich die exorbitante Lobhudelei jedenfalls nicht ganz verstehen Sie klingen gut, aber nicht außergewöhnlich.... Gruß Hendrik
Hallo Hendrik, du kannst zu Recht die Lobhudelei zu den Denon Onepoint-Reordings nicht ganz verstehen. Die Aufnahmen klingen gut, aber nicht außergewöhnlich. Siehe http://f11.parsimony.net/forum16949/messages/17680.htm und http://f11.parsimony.net/forum16949/messages/16993.htm Die primitive audiophile Idee ist: Wir haben zwei Stereo-Lautsprecher, wir haben zwei Ohren, also brauchen wir nur zwei Mikrofone und keins mehr. Nur gibt es bei einem größeren linear aufgebauten Klangkörper das Problem, dass ein Mikrofonsystem polarorientiert (kreisförmig) aufnimmt. Dieses Mikrofonsystem hinter und über dem Dirigenten nimmt die nahen Instrumente zu laut auf und ergibt ein starkes Stereocenter. Dahintersitzende Instrumente werden klanglich leicht verdeckt. Das wusste auch Denon. Darum haben sie zur Sicherheit weitere zwei Dutzend Mikrofone zusätzlich eingesetzt. Man verglich in Japan hinter verschlossenen Türen die audiophile Onepoint-Recording mit einer Multimikrofonmischung in Stereo. Das Ergebnis wurde nicht bekanntgegeben, aber irgenwie muss da mal etwas vertauscht worden sein und man hört zum Beispiel eine wunderschön klar gestützte Harfe. Den Journalisten und den Audiophielen hat man ihren Glauben nicht genommen (warum auch - Werbung ist gut) und der Jubel war damals groß, auch wenn keiner wusste, was denn da zu hören war. Vilko
Hi, danke erst einmal. Also das Für bzw. eher Wider einer "One Point" Aufnahme ist mir wohl bekannt. Es geht mir aber nicht um eine Diskussion über reine Hauptmikrofonierung. Die Probleme sind mir theoretisch aber vor allem auch praktisch klar. Es geht um die Aufnahme-Methoden des Denon Labels. Aus Deinem Text lese ich heraus, dass das Denon Label mit der One Point Methode geworben hat, dies aber tatsächlich variierte? Richtig interpretiert? Gruß Hendrik
Hallo Vilko, ich habe jetzt auch mal die von Dir geposteten Links gelesen. Hätte ich mal eher machen sollen. Dachte es gehe darin um die alleinige Hauptmikrofon Technik und nicht um Denon.... Also mal genauer gefragt: Beschränkt sich das "Besondere" an diesem Denon Label auf die One Point Aufnahmetechnik, die - wie Du und auch Eberhard in einem von Dir geposteten Link sagtet - noch nicht mal immer eine ist? Wenn zusätzlich Stützen aufgenommen wurden, impliziert das doch eine gewisse Unsicherheit bzgl. ihrer eigenen Aufnahme-Philosophie (zu recht...:-)).... Geschweigedenn, wenn diese Stützen dann auch noch den Weg in das Master fanden... Gruß Hendrik
Hallo Hendrik, wenn du von einer Denon-One-Point-Recording gehört hast, die ja mit zwei Mikrofonen an zwei Punkten aufgenommen wurde und du zu deiner nächsten großen Mahler-Sinfonie lässig pfeifend mit zwei Kugelmikrofonen von DPA antrabst, weil man dir erklärt hat, dass damit wunderbar audiophil selbst riesige breit und tief sitzende Orchester aufzunehmen sind, dann wirst du ganz schlimm damit auf den Bauch fallen. Denon wurde von bekannten Aufnahmeleitern mit großen Ohren eindringlich befragt, ob die Aufnahmen allein mit zwei Mikrofonen gemacht wurden, weil man da wohl einige Stützmikrofone mit Sicherheit hören könne. Da musste man ganz vorsichtig zugeben, dass die Möglichkeit bestünde, dass einige Bänder beim Probehören vertauscht worden sein könnten, was man aber nicht gleich bemerkte und jetzt nicht mehr feststellen kann. Wer selbst Aufnahmen macht und Hörerfahrung hat, kann leicht heraushören, welche der großen Symphonien versehentlich nicht als One-Point-Recording veröffentlicht wurde. Die Denon-Aufnahmephilosophie wollte es den Audiophilen Recht machen. Aus der wirklich begründeteten Unsicherheit heraus (und weil so einen Aufnahme recht teuer ist) wurde immer auch zusätzlich in Multimikrofonie aufgenommen. Die Welt ist doch völlig in Ordnung: Die Audiophilen haben ihren Glauben behalten, dass man große Werke nur mit zwei Mikrofonen (One-Point) richtig aufnimmt und die alten Hasen wissen, dass das wirklich nicht geht und man darum die Stützmikrofone bei großen Orchestern unbedingt braucht. Das ist schon durch die Nähe des Hauptmikrofons im Zentrum der Orchesterlinie nicht anders möglich. Vergiss nicht, dass das polare Mikrofonsystem stark perspektivisch verzerrt in dieser Nähe aufnehmen muss. Der Pegel fällt im Direktfeld (Freifeld) mit jeder Verdopplung des Abstands um 6 dB. Nur die Amateure, die von alledem nichts gehört haben, kriechen zu gerne auf den Leim vom "Märchen mit den zwei Mikrofonen", mit denen man ja ganz billig selbst größte Klangkörper aufnehmen könne. Gruß Vilko
Hallo Vilko, Du missverstehst mich ein wenig.... Ich bin keineswegs ein verfechter der One Point Aufnahmen. Im Gegenteil! Ich bin Praktiker und bin immer meinem Ohr gefolgt. Da benötige ich einfach ab einer bestimmten Größe Stützen. Nur weil es vielleicht irgendwie machbar erscheint, muss man es ja nicht machen, nur um es draufschreiben zu können.... Ich hatte einfach nur keine Ahnung, was an den Denon Aufnahmen so besonders sein soll. Konnte keinen Unterschied zu "gängigen" Aufnahmen feststellen. (Habe wohl eine Version gehört mit Stützen.....) Das hast Du mir nun erklärt. Danke dafür.... Gruß Hendrik
Zu ergänzen wäre noch, dass über die "Denon One-Point-Recording" nichts handfestes im Internet zu finden ist. Andere Firmen haben sich des Namens "One-Point-Recording" angenommen und bezeichen damit (anders als die Firma Denon) X/Y- oder M/S-Aufnahmen mit Stereo-Koinzidenzmikrofonsystemen. Bei Denon waren das jedoch zwei Druckempfänger, also Mikrofone mit Richtcharakteristik Kugel im Abstand voneinander (Mikrofonbasis) von etwa 60 cm. Das ist also mittlere AB-Laufzeit-Aufnahmetechnik. Anmerkung: Kugelmikrofone gibt es nicht, außer SM 58, wegen der "kugeligen" Kappe. Über die Denon-Aufnahmetechnik findet man seltsamerweise selbst über Google-Groups nichts. In den Köpfen der Audiophilen hat der Name Denon wegen der einmalig nützlichen Minimalaufnahmetechnik (auch wenn es ein Märchen ist) einen hohen Stellenwert. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Aufnahmen mit dem Dirigenten Inbal in der alten Oper Frankfurt. Vilko
Danke Vilko, ich habe nämlich auch keine Informationen gefunden. Deshalb mein Posting hier... Gruß Hendrik P.S. Doch es gibt ein Kugelmikrofon. Das Schoeps KFM 6...:-) Ist ein Scherz....