Zurück zur analogen 'Wärme'

Erstellt 84 Antworten85 Beiträge
Antwort#81
Hi Jens,
natürlich ändert sich der Amplitudenverlauf der Teiltöne auch nach dem ersten, eigenblichen Einsatz, und in der Natur ist es oft wesentlich unübersichtlicher als das bei den Steuerfunktionen von Oszillatoren möglich ist. Mir ist das durchaus bekannt.
Doch halte ich daran fest, dass die meisten Instrumente ohne den Charakteristischen Ansatz nur sehr schwer zu erkennen sind - eins einfacher vielleicht, als das andere, ok.
Wir haben das während dem Studium mit verschiedenen Aufnahmen durchgeführt und auch Mitstudenten aufgenommen und diese Bänder bearbeitet, und immer wieder tat man sich schwer mit dem Erkennen ohne Transient.
Sicherlich spielt da die jeweilige Erfahrung des Hörers auch eine grosse Rolle.
Interessant ist übrigens, wie Du auch bestätigst, dass das Thema Transienten so wenig behandelt wird in diesem Zusammenhang. Alleine der Vergleich der "Trägheit" bestimmter Mikrofontypen zeigt, dass eine korrekte Repräsentation verschiedener Instrumente nicht immer möglich ist. So reagieren Mikros unterschiedlicher Hersteller nicht immer gleich schnell.
Dass all dies ein gewünschter Effekt sein kann, sei dahingestellt. Bewusst sein sollte man sich von dieser Gegebenheit jedoch schon, vor allem bei Diskussionen über analog vs. digital etc.
Freundliche Grüsse,
Dirk
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Antwort#82
Hallo Jens, Heinrich, Rackerlui u. andere:
Mal zur Klarstellung: Ich will keinem hier seine künstlerischen Gepflogenheiten ausreden. Jeder soll auch in der Tontechnik nach seiner Fasson selig werden. Ich möchte nur mal anregen, über Sachverhalte nachzudenken, die man seit Jahren unverändert so handhabt und zu überdenken, ob es nicht längst an der Zeit ist, neue Wege zu gehen. Jürg Jecklin schreibt in einem seiner Bücher: "Wer seine Arbeit einer 'Philosophie' unterordnet, muß damit rechnen, daß seine Produkte eines Tages nicht mehr marktgerecht sind". Damit gebe ich ihm recht, wenngleich ich auch vieles, sehr vieles was er schreibt sehr kritisch betrachte.
Wenn ich mir meine heutigen Aufnahmen anhöre und sie mit denen vergleiche die ich vor 20...25 Jahren gemacht habe, stelle ich da einen gewaltigen Unterschied fest, egal ob diese noch anlog oder schon digital aufgenommen waren.
Ich selbst brauche keine gekrümmten Röhrenkennlinien oder kubische Bandverzerrungen um einen Sound darzustellen, sondern bediene mich linearer Geräte. Und wenn ich einen bestimmten Sound darstellen will - und auch im klassischen Musikbereich, den ich vertrete - ist dies durchaus legitim, dann bediene ich mich eben geeigneter Effektgeräte oder Pug-Ins, aber ich nutze nicht die physikalischen Unzulänglichkeiten der Technik dazu aus. Jörg Wuttke (Fa. Schoeps) ist da übrigens der gleichen Meinung wie ich.
Und es wird eines Tages so weit sein, daß es keine Röhren mehr gibt und kaum noch analoge Geräte. Dann werden viele zwangsläufig umdenken müssen, denn die Nachbildung von Röhrenkennlinien ist - egal ob Sofwaremäßig oder Hardware - immer aufwendig. Außerdem ist es bei den Röhrenvestärkern nich die Röhrenkennlinie alleine, sondern auch die Belastungskennlinie des betreffenden Netzteils.
Ich habe da jedenfalls keine Schwierigkeiten mit diesem Umdenken. Nach meiner Erfahrung kann ich nur sagen, daß ich heilfroh war als ich mit den Digitalaufnahmen keine Bandsättigungsverzerrungen mehr hatte und die Analogbandtypischen Dreckeffekte los war und auch die Artefakte die ein Telcom C4 (so gut wie dieses System auch ist) verursacht.
Was das Obertonspektrum - in Deinem Beispeil die Geige - betrifft: Jedes Instrument hat charakteristische Spektralbereiche. Auf dem Oszilloskop wird man kaum den Unterschied erkennen können zwischen einer Stradivari und einer Billiggeige, dazu sind die Zeitstrukturen zu fein. Aber auf dem Spektrumanalysator auf jeden Fall. Was den Einschwingvorgang betrifft (siehe DirkF's Postings) muß berücksichtigt werden, daß der Zeitverlauf des Spektrums unterschiedlich ist und was oft nicht berücksichtigt wird ist das Phasenspektrum.
Die Transienten sind ja nichts anderers als die nichtstationären Vorgänge. Denn bei der Fourieranalyse betrachten wird ja (fälschlicherweise) immer nur den eingeschwungenen Zustand.
Grüße
Rainer
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Antwort#83
Hallo Rainer.
So wie ich das sehe, ist dann offensichtlich hier einiges durcheinandergegangen. In der Tontechnik und im Hifi-Bereich gebe ich dir recht, dass Röhrentechnik sicher ein Auslaufmodell ist und man bei nüchterner Betrachtung einsieht, dass man mit Halbleiter- oder Digitaltechnik immer näher an die gewünschten Effekte herankommt und dabei die gewollten von den nicht gewollten Artefakten präziser trennen und dann auch zielgerichteter einsetzen kann.
Bei den Gitarrenverstärkern (Stichwort AC/DC), die ich weniger als Teil der Aufnahmekette, sondern eigentlich ausschließlich als Teil des Instruments sehe, glaube ich persönlich, dass sich die Röhrentechnik noch eine ganze Weile halten wird. Zum einen, weil die Unzulänglichkeiten gerade beim Spielgefühl _während_ der Aufnahme noch lange nicht gelöst sind, zum anderen deshalb, weil sich gerade Gitarristen ungern von Gewohntem trennen (und da ist in der Tat auch einiges Voodoo, anderes ist aber einfach auch begründet). Bezüglich der Versorgung mit Röhren habe ich überhaupt keine Bedenken; der Markt ist riesig, allein bei den Millionen E-Gitarristen aus allen Sparten - dazu kommt noch, dass auch (Instrumental- wie auch Studio-)Effektgeräte mit Röhren ja in den letzten Jahren eine Renaissance erleben. Ob nun begründet oder nicht: der Markt dafür ist da, und solange das so ist, werden die wenigen Standardtypen wohl auch produziert und profitabel verkauft.
Jens
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Antwort#84
... oder zu gut Amerikanisch:
BULLS***!
Gleiten wir nun in die Metaphysik ab?
Gruss
Micha
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Antwort#85
okidoki,
das habe ich verstanden.
besten gruß
racker
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