Radio Sende-Ton

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Startbeitrag#1
Frage an die Radio-Jungs unter euch:
War heute mal wieder länger im Auto unterwegs, da fiel mir wiederholt die stark schwankende Soundqualität zwischen den verschiedenen Stationen auf:
Bayern 3: absolut sauberer, angenehmer Sound, klingt wie es meines Erachtens klingen muß.Bei Moderationen ebenfalls sehr angenehm. Ziemlich vergleichbarer Sound auch bei SWR 3, welcher Nachts auf der Bayern3 Frequenz übertragen wird.
Antenne Bayern: agressiverer Klang, eindeutig zu vernehmende subharmonische Musik-Anteile, Moderatoren wesentlich penetranter im Ohr
Antenne Thüringen und Landeswelle irgendwas absolut nerviger Moderatoren-Sound.

Meine Fragen:
Was machen die jeweiligen Sender anders? Nutzen sie den max FM Frequenzhub aus und Bayern 3 nicht(Limiter??)?
Ist der Sound aus Marketingsicht Absicht?
Weiss jemand zufällig welches Gerät Antenne Bayern für die Subfrequenzerzeugung verwendet?
Grüße Leitwolf
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Antwort#2
Hi Leitwolfi,
es ist leider so, daß man bei den Hitradios einen sehr "harten, total aggressiven, so laut wie es nur irgendwie geht" Sound anlegen muss.
Man sagt, daß die Hörer kurzfristig dich öfters einschalten und als mehr Party blasülz dich ansehen ( quasi der Umschalteffekt:" Boah sind die laut; dadurch geil), als wenn du mit einem angenehmen ( dadruch auch leiseren ) Sound daher kommst.
Hierbei geht man an die absolute MPX- und HUBgrenze. Deswegen sind in den neuesten Kompressoren schon einen MPX Limiter ( "Omnia 6fm" ; "Orban Optimod 8400" wahlweise auch nur mpx Limiter "Jünger mpx01" )nur um auch noch das letzte bisschen Lautheit ohne Überschreitung der Richtlinien zu erreichen.
Das dies natürlich nicht unbedingt alles super klingt ist auch kalr; sind ja eh auch nur 15 Kilos.
Was meinst du genau mit subharmonischen Musikanteilen; daß was ein Exciter macht??
Dann ist es vielleicht ein HÖF Exiter oder ein Aphex 204 oder irgendsowas in die Richtung.



die lautesten ;-))
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Antwort#3
Hallo,
das gleiche Phänomen fällt mir schon länger bei unserem Lokalsender auf.
Es sind hier mehrere Problematiken im Spiel:
1. Es gab mal die Vorgabe, dass ein UKW-Sender mit 50 kHz Hub betrieben werden sollte. Als mit der Häufung der Privatsender dieses amerikanische Lautstärkegehabe aufkam, meinten ein paar ganz Schlaue, mit Erhöhen des Hubs (bis 75 kHz) stellen wir alle anderen in den Schaltten. Das funktioniert bedingt, denn nicht alle Empfänger können diesen Hub vertragen und fangen an zu verzerren.
2. Ebenso wurde und wird noch immer versucht, mangelnde Sendeleistung mit hoher Kompression zu kompensieren. Das funktioniert auch, wenn man nur die Lautstärke in Betracht zieht. Dass dabei die Dynamik und das Klangverhalten auf der Strecke bleiben, kann man deutlich hören.
3. Zum Einen aus Budget-Gründen, zum Anderen aus Bequemlichkeit gehen immer mehr Moderatoren bzw. Sender dazu über, anstatt eines hochwertigen Mikrofons ein mehr oder weniger ordentliches Headset zu verwenden, dessen Mikrofonausrichtung dann eher dem Zufallsprinzip folgt.
Was das zur Folge hat, braucht hier wohl nicht zu diskutiert werden.
Nun stelle man sich die Summe aller angeführten "Dilettantereinen" vor, und man hat den Sound eines modernen "druckvollen" Privatsenders.
Anmerkung:
Meine Ausführungen dürfen nicht als pauschale Behauptung angesehen werden, sondern nur als Möglichkeit!
Martin
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Antwort#4
Bei Round-Table-Gesprächen von Tagungen und Veranstaltungen des VDT kamen Senderverantwortliche zu Wort. Da wurde eindeutig erklärt, dass der schreckliche Sound allein Marketing-Sicht ist, weil der Sender nur penetrant und bohrend laut zu sein hat, egal ob dabei eklig und bissig.
Man warf sich auch gegenseitig die Überschreitung der zugelassenen Normgrenzen vor, wobei es zu Überreichweiten kommt, die andere Sender ärgern und stören. Da gibt es heftiges Hauen und Stechen.
Es wird alles versucht, um noch mehr "Klebeeffekt" zu erreichen, wenn man mal die Radioskala durchdreht. Laut ist angesagt. Da werden sogar Versuche gemacht, den Sprecher leicht zu verhallen. Alle Register werden gezogen, von künstlichen Unter- und Überfrequenzen, sprich Verzerrungen und Verdichtungen (Multiband-Compressoren aller Art. Es geht allein um die wichtigen Werbeeinnahmen. Wer normalen Ton hat, der verliert. Heiß muss es sein. Nerven muss es, wie ein Jahrmarktschreier mit Megaphon, denn nur da hört man hin. Die Psychoakustik kann hier auch nicht mehr helfen. Man versucht "bissig" (nervfetzend, muntermachend, kauflustanheizend) und gleichzeitig "warm" (lieb und intim einschmeichelnd) zu sein, was immer man sich darunter vorstellen mag.
Was jeder Sender genau macht, ist natürlich strengstens geheim und kann nachträglich nicht herausgemessen und festgestellt werden, aber den "Orban" scheinen zusätzlich alle zu haben.
Eingesetzt werden zur Zeit:
Orban Optimod 8200
Orban Optimod 8300
Orban Optimod FM 8400
Orban Optimod 6200 DAB
Orban Optimod 8282 TV
Es wurden auch schon zwei Orbans hintereinander geschaltet. Hat noch jemand Ideen?
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Antwort#5
Besonders schlimm war Jump. Die hatten nicht nur komprimiert auf Teufel komm raus, sondern auch noch die Bässe angehoben.
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Antwort#6
Hi,
ich finde dieses "Sounddesign" in der Radiobranche auch furchtbar, was bei mir persönlich dazu geführt hat, dass ich all diese Sender nicht mehr höre! Gerade auch auf hochwertigen Anlagen ist es eine Qual. Zum Glück gibt es auch immer noch ein paar ganz wenige Sender, die sich um Qualität bemühen und nur behutsam einen Limiter einsetzen, damit die Spitzen begrenzt werden. Das ist ja auch sinnvoll.
Was ich schade finde, dass sich auch öffentlich-rechtliche Sender an diesen Zug ranhängen, denn sie hätten ja durch die GEZ-Gebühren gewisse Freiheitsgrade.
Ich finde, diese pararitäre "Mastering" ist auch unter künstlerischen Aspekten her betrachtet eine gewisse Missachtung des Musikwerkes, da ja nicht der Klang akzeptiert wird, so wie er von den Produzenten hergestellt wurde.
Holger
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Antwort#7
Juhu,
Tja, aber dazu muss ich sagen, daß was so alles produziert wird dabei ist auch ziemlich viel Müll . Höre die mal die ganzen Charts an, das ganze Gewummere und gestanze auf 2 Pfoten, wenn ich da manchmal den Sound höre, denke ich mir auch, das der Produzent taub ist.
Aber so ist es nunmal, ich freue mich manchmal so doll darauf zuhause anzukommen, um mir einfach mal ein paar gute alte Scheiben aufzulegen um mal wieder richtig zu hören.
Bis denne
Maini
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Antwort#8
Ah tach auch,
die meisten oder mittlerweile alle Vorträge und Roundtables der letzten TMT gibt es als Streaming auf der Homepage des VDT.
Schaut einfach mal nach:
www.tonmeister.de
Gruß
Markus P.
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Antwort#9
""Man sagt, daß die Hörer kurzfristig dich öfters einschalten und als mehr Party blasülz dich ansehen ( quasi der Umschalteffekt:" Boah sind die laut; dadurch geil),""
Und genau da liegt m.E. das Problem: Solange die KONSUMENTEN (!) - ich sage bewußt nicht "Hörer" und schon gar nicht "Musikhörer" - so blöd sind und sich nur von den lautesten Schreihälsen beeindrucken lassen, verwundert mich diese Haltung der Sendeanstalten nicht, ganz gleich ob privat- oder öffentlich rechtlich. Solange die Leute nur gedankenlos konsumieren anstatt "musikalischen Genuß" im künstlerischen Sinne zu erleben, wird das so bleiben oder gar noch schlimmer werden. Und ich meine: Den Deppen die nur konsumieren geschieht es recht. Man sollte dann noch viel mehr komprimieren. Solange bis es den Konsumenten selbst zuwider ist. Erst dann wenn die Rfk-Anstalten merken, daß keiner diesen Mist mehr hören will.
Anders dagegen sind die Kulturprogramme der öffentlich rechtlichen. Dort wird solch eine Verunstaltung nicht vorgenommen.
Was die Verwendung von Begrenzern angeht, so ist ein "Sendebegrenzer" sogar Vorschrift, damit sichergestellt ist, daß der max. zulässige Frequenzhub auf keinen Fall überschritten wird. Sonst stören sich nämlich die Sender gegenseitig.
MfG
Rainer
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Antwort#10
"Was die Verwendung von Begrenzern angeht, so ist ein "Sendebegrenzer" sogar Vorschrift, damit sichergestellt ist, daß der max. zulässige Frequenzhub auf keinen Fall überschritten wird. Sonst stören sich nämlich die Sender gegenseitig."

aha, und warum hab ich dann hier in berlin im deutschland radio entweder 88,8 oder BBC world?
in berlin pankow sind laut meiner signalstärkenanzeige übrigens radio paradiso und metropol FM am hubigsten/lautesten. nicht RTL (zahlen die eigentlich immer noch braf jedes jahr ein hubüberschreitungs busgeld?).

grüße
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Antwort#11
Hallo Jeff,
ich kenne die Situation in B nicht, aber es ist ohne weiteres möglich, daß es hin und wieder zu sog. "Überreichweiten" kommt. Die Signalstärkeanzeige zeigt nicht den Hub an, sondern die Feldstärke des Signals. Den Hub zu messen ist mit keinem konventionellen Empfänger möglich, da dies recht aufwendig ist. Die Sendeanlagen der Privaten werden ja nicht von denen selbst betrieben sondern von der Telekom und die stört sich nicht selbst.
Die internationalen Auflagen für die Einhaltung der Parameter sind da sehr streng, da tanzt keiner aus der Reihe.
Wenn Du diese Probleme wiederholt hast, wende Dich doch mal an den Funkstörungsmeßdienst der Regulierungsbehörde, dann wird der Sache nachgegangen.
Grüße
Rainer
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Antwort#12
Hi Rainer,
wie ich glaube ich meine kommst du irgendwo aus dem südlichen Teil von Deutschland.
Dort sind die Werte, wie ich immer gemessen habe, hauptsächlich ganz o.k.
Aber in dem Restteil der Republik intessiert es keinen so doll, da wirdd z.t. ordentlich überschritten.
Soweit keiner zu doll aus der Reihe tritt interssiert es auch keinen.
Die ITU412 Richtlinie ist sowiso nur sowas für so einen Beamten und Bürokratenstaat indem wir leben. Wir sind die einzigen die diese Regel haben. Einer der unsinnigsten Regeln die es gibt, aber dafür ist unser Staat ja auch berühmt.
Naja, hauptsache ist man hält sich ansatzweise dran.
Tja, nun zu dem Marktschreierthema.
Ja es ist nervig, aber leider ist die MA (Medienaanalyse) auch nervig. Dort werden Leute angerufen, die Ihren Lieblingssender sagen sollen. Als erstes werden die Sender natürlich gesagt, die einem eingebläut wurden und an die man sich natürlich direkt dran erinnern kann; in diesem erwiesen, die die so laut herumhupen.
Also, ausserdem ich sage immer die Bild ist auch kacke jeder buhlt drauf und trotzdem wird sie am meisten gelesen, weil es genauso einfache Kost ist wie das private Hitradio.
Und genau das ist es was man verstehen muss.
Bis denne
Maini
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Antwort#13
Hallo Mani,
Daß wir in einem verbürokratisierten Beamtenstaat leben ist ja hinreichend bekannt. Andererseits aber sehe ich diese ITU-Richtlinien schon als sinnvoll an. Du siehst ja selbst welches Chaos entsteht wenn sich nicht daran gehalten wird. Und wir wissen auch alle, welches Chaos in Amerika herrscht bei Telefonanlagen, wo sich keiner an irgendwelche Normen hält. Normen sind schon sinnvoll, wenn sie sicher stellen sollen, daß bestimmte technische Richtlinien eingehalten werden um nicht irgendwelche chaotischen Zustände herbei zu führen.
Habe kürzlich in unserer Hochschulbibliothek ein Exemplar des "Bundesgesetzblatt" in der Hand gehabt. Dort ging es um die "Kartoffelstärkeverordnung"... Solchen Schwachsinn brauchen wir gewiß nicht.
Solange sich die Eurokraten über den Krümmungsradius von Bananen streiten und dann noch solche Früchte vernichten die dies nicht einhalten, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Ob sie sich demnächst noch darüber streiten welche Penislänge der Europäische Norm-Mann zu haben hat oder welchen Brustumfang die Europäische Norm-Frau ? Mich würde nichts mehr wundern... :-))
Aber Festlegungen über Hubbegrenzungen im UKW-Rundfunk halte ich durchaus schon für sinnvoll.
Übrigens: Ich komme aus Mittelhessen, so ziemlich auf dem Schnittpunkt Frankfurt-Kassel und Gießen-Fulda.

Grüße
Rainer
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Antwort#14
Mensch Rainer,
ein bisschen hast du schon recht, wenn man die REgeln nicht hätte würden ganz schön die Antennen glühen.
Was ich aber auch zu penibel finde, ist wenn man die Richtlinien so hart nimmt, so kein bisschen mehr als 0 db, bääh Bußgeld.
Ich sage mal, soweit man nicht alles zu stark überschreitet ist es o.k.
Im Süden wird es alles meist ziemlich genau genommen, aber im Osten und im Norden, gehen die Werte ziemlich nach oben.
Aber dies soll o.k. sein, soweit nicht alle zu stark überschreiten.
Wegen deinem Wohnort; ich wollte nur mal nachfragen, hatten wir nicht mal über goldene Kontakte bei XLR, ARD- Pflichtenheft und Arbeit bei den Öffentlichen vor ein paar Monaten diskutiert???
Du hattest doch früher die Ü-Wagen für die Öffis gebaut, oder???
Bis denne
Maini
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Antwort#15
Hi Jeff,
ein Hubüberschreitungsbußgeld gab es glaube ich das letzte mal im Jahre 99 oder so.
Wenn man "Hubüberschreitungsgeld" ( witziges Wort ) in Berlin wieder einsetzen würde müssten von 26 sendern min. 10 dieses Geld verrichten (würde schätzen auf 15 ).
ALso, am witzigsten war Radio Russki die aus welchen Gründen auch immer glaube ich mit einem Hub von 120 khz aus Versehen gesendet haben, dementsprechend mit einer MPX von ich schätze mal 8db gebruzzelt haben.
Soviel zu "Sendebegrenzern" und "Norm" einhalten.
Mfg aus Prenzlberg
Maini
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Antwort#16
Hallo Maini,
Richtig, das mit den Projektierungen von Ü-Wagen für die öffis stimmt. Dazu war ich damals in Süddeutschland (Lawo, Rastatt).
Zu der ganzen Problematik der Sender:
Man muß sich dazu mal die Topologie unseres Landes ansehen. Diese erfordert sehr viele UKW-Sender, und gerade im Süden ist dies problematischer als im Norden, weil im Süden die Abschattung durch Berge viel größer ist. In Schleswig Holstein z.B. ist dies wesentlich günstiger, weil alles sehr flach ist und dadurch können Lückenfüllsender weitestgehend weniger aufgestellt werden. Guck mal, was alleine der Bayrische Rundfunk für eine riesige Anzahl Sender (Grundnetz und Lückenfüllsender) hat. Es sind bestimmt ein paar 100.
Laut der "Wittsmoor-Liste" des NDR haben wir in Deutschland (einschl. Ex-DDR) weit über 10000 UKW- und FS-Sender. Und dafür steht nur der Bereich von 87 - 108 MHz zur Verfügung und dann mit einem Kanalraster von 100 kHz. Das Stereomultiplexsignal erfordert aber schon 256 kHz Bandbreite. Und wenn man bedenkt, daß die FM ein Spektrum hat, das theoretisch unendlich breit ist, das aber dann zwangsläufig bandbegrenzt wird, indem man die Reihe (gehorcht Besselfunktionen) abbricht, dann wird es bei diesen dichten Sendernetz schon sehr problematisch wenn da Hubüberschreitungen entstehen. Wenn dann noch wetterbedingt Überreichweiten entstehen, kann man sich vorstellen was für ein Chaos entstehen kann. Dann kommen die Sender sich schon gegenseitig ins Gehege. Anders sieht es in Amerika aus. Dort kann man sich aufgrund der Topologie schon eher solche "Vergehen" erlauben.
MfG
Rainer
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Antwort#17
Letztendlich ist das alles eine Geschmacksfrage. Ich beispielsweise habe nichts gegen (auch intensivere) Komprimierung und Limitierung, solange es dem Audio-Material nützt. Und das tut es meines Erachtens sehr oft. Ich möchte keine unkomprimierte und ungemasterte CD hören. Die Dynamik muß aus der musikalischen Struktur des Songs entstehen, und nicht über Lautheits-/Lautstärke-Schwankungen!
Die meisten Radio-Sender werden von Ihren Hörern nebenbei gehört, z.B. beim Frühstücken, bei der Arbeit oder im Auto. Dabei muß sich das Radio-Programm gegen eine Vielzahl von Nebengeräuschen behaupten, während sich der Hörer auf andere Dinge konzentriert. Somit wird deutlich, daß ein Durchschnitts-Sender weder audiophilen Gesichtspunkten gerecht werden muß noch fette Inhalte zu transportieren braucht. Bei vielen Sender ist bekannt, daß der Zuhörer nach rund 90 Sekunden reinem Textbeitrag (natürlich mit Musikbett) am schlappmachen ist. Auch Interviews haben eine ziemlich feste Länge, auch wenn noch weit mehr über das Thema gesagt werden könnte.
Zum Sound hier einige (unvollständige) Beobachtungen zu berliner Sendern meinerseits:
Der RBB-Sender Fritz ist ein langjährig etablierter Sender und klingt einigermaßen neutral bei mäßiger Limitierung
Der RBB-Sender Radio1 hingegen existiert erst rund 6 Jahre und hat ganz eigenartige EQ-Einstellungen für die Sprecher und die Musik, man erkennt aber schon am Klang, wo man sich befindet (ich finde es gut).
r.s.2 und BB-Radio haben eine ausgeprägte Mitten- und Präsentsanhebung die die Musik (vor allem den Gesang) laut und frisch erscheinen läßt. r.s.2 hat zudem eine starke Stereoverbreiterung außerdem ist der Limiter so eingestellt, daß - im Gegensatz zu anderen Sendern ? Passagen, die ausdrücklich leise sein sollen, trotzdem max. laut gespielt werden. BB-Radio limitiert genauso stark, dennoch werden kürzere leise Passagen (wie eine Bridge im Song etc.) zugelassen. Bei r.s.2 pumpt der Limiter extrem, wenn ?Killing me softly? gespielt wird (was häufig der fall ist).
Energy benutzt ebenfalls einen Stereo-Verbreiterer. Dieser klingt aber weniger gut als bei r.s.2, der Sound wird matschig und der Gesang rückt nach hinten. Massive Höhen- und Präsentsanhebung, die aber ziemlich unbrilliant herüberkommt. Außerdem sendet Energy (wahrscheinlich unabsichtlich) links/rechts verkehrt.
RTL hat auch eine klare Gesangs-Mitten-Presents-Höhen-betonung, die den Sender äußerst laut aber auch frisch erscheinen lassen, dazu äußerste Limitierung. Das ganze aber recht gelungen meiner Meinung nach. Der Klang kommt druckvoll, der Gesang steht deutlich vorne. Dafür jedoch nicht ganz so breit wie z.B. r.s.2, obwohl RTL Autofahrer anspricht. Im direkten Vergleich klingt RTL aber noch auf andere Art und Weise frischer als andere Sender. Des Rätsels Lösung: RTL spielt die Songs ein bißchen schneller. Somit wird das Tempo der Songs flotter und der Sound wird ganz leicht nach oben gepitcht. Das Ergebnis ist wohl ein unterbewußt positiveres Feeling (bei mir jedenfalls). Viel Zeit spart sich RTL aber nicht ein, ein Song ist am ende nur 3-4 Sekunden kürzer, als bei anderen Sendern.
Star FM hat eine deutliche Mittenabsenkung und Präsentsanhebung. Soll wohl rockig klingen. Der Gesang rutscht nach hinten, die Becken werden aufdringlich. Der Klang kommt in meinen Ohren muffig und gleichzeitig schepperig, klingt irgentwie nach EQ-Preset ?Rock? einer Kompaktanlage (es stehen noch ?Pop?, ?Jazz? und ?Klassik? zur Verfügung...)
Diese Punkte sind übrigens keine(!) Anklagepunkte, im Gegenteil, ich finde alles ziemlich ok, manches ist halt nur weniger gelungen. Wenn ich einen Radiosender aufmachen würde, würde ich da bestimmt nicht den Puristen raushängen lassen und ich würde definitiv bei RTL abgucken und ein bißchen Pitch-Shiften.
Allerdings muß ich sagen, daß beim genauen Anhören kein Sender annähernd so klingt, wie von CD. Ausnahmen bestätigen die Regel: Bei Aha´s ?Take on me? wabern im Original irgendwelche Synthies im Vordergrund, während der Gesang im Hintergrund versinkt. Dieser Song wird gerne von r.s.2 gespielt und klingt hier besser als im Original-Sound. Geschmackssache, versteht sich.
Was ich aber wirklich schlimm finde, ist, wenn bei der CD-Produktion schon dermaßen gepfuscht wird, das man sie nicht mehr in Ruhe genießen kann. Paradebeispiel hierfür ist ?Californication? von den RedHotChiliPeppers. Zum einen ist der Gesang derartig überlimitiert, daß er völlig gequetscht klingt. Weitaus krasser ist aber das Summenlimiting. In der Wellendarstellung sieht man die unzähligen gekappten oberen Wellenhälften. Für den DA-Wandler kommt das einer Rechteckwelle gleich (oder ähnlich), und das ganze bei 0dB. Das ist für die analoge Ausgangsstufe eines normalsterblichen DA-Wandlers einfach zuviel. Und sobald der bedauerswerte Sänger anfängt zu singen, geht das unsäglich nerv- und songtötende Gebrizzel los. Einige wirklich gute Songs fürs Archiv produziert....
Und was ich ebenfalls ganz schlimm finde, sind die derzeitigen Jingles eines(!) berliner Senders, in denen die Stationvoices an der tatsächlich schweren Aufgabe scheitern, sich aus dem Stehgreif schlappzulachen. Folgendermaßen sieht die Praxis aus: Wir hören einen melancholischen Song, wie z.B. ?Mad World?. Das Ende des Songs wird vom Jingle beschnitten, mitten im Takt fängt plötzlich eine Gruppe Menschen undefinierbaren Alters an zu lachen und es ist eindeutig zu hören, daß es überhauptgarnichts zu lachen gibt. In dieses gruselige Lachen hinein gackert eine Frau, daß Sender XY ja bescheuert sein müsse, da sie den GANZEN Tag IMMER nur die NEUSTEN Songs spielen. Es wird noch mal gelacht (ha ha ha) und dann kommt Dido mit ?White Flag?. ?White Flag? wurde bei diesem Sender mindestens 6 Monate lang stündlich gespielt, in den letzten 3 Monaten immerhin noch zwei- oder dreistündlich. Nach Dido werden sich die armen Station-Voices wieder schlapplachen. Dabei sind sie schon vorher ganz ganz schlapp gewesen....
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Antwort#18
Wo wir gerade beim Meckern sind... ;-)
Ich höre überhaupt kein Radio, maximal dann und wann ein Feature oder einen Live-Mitschnitt im Deutschlandradio. Und da erinnere ich mich nur zu lebhaft an eine DLF-Aufzeichnung der Kings Singers aus dem Dom zu Halle, bei der mir fast die Tränen kamen (und da war wirklich die Technik NICHT das Problem).
Wollte ich nur mal gesagt haben!
Frank
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Antwort#19
Servus,
zum Rundfunk muß ich auch was los werden.
Früher hab ich öfters in ganz Deutschland herumfahren müssen und dabei auch die Erfahrung gemacht, daß unterwegs Landschaft und Radioprogramm in gleichem Maße flacher geworden sind, je nördlicher ich gekommen bin.
Nun lebe ich in Bayern, und hier gibt es den Bayerischen Rundfunk, und die haben u.a. B2 und B5.
B5 ist ein Nachrichtenkanal, bei dem die wichtigsten Meldungen alle 15 min _aktualisiert_ wiederholt werden. Dazu gibt es Hintergrundberichte, an Wochenenden und Abends Wiederholungen von B2-Sendungen.
B2 ist ein Informationskanal mit Hörspielen - ja, das gibt es (noch) - Magazinsendungen (mit nur _wenig_ Zwischenmusik), über Themen der Wissenschaft, Landwirtschaft, Ökonomie, Volks(!)musik, Ökologie ... und nicht zuletzt Schulfunk.
Da lernt man was! Und das meine ich genauso, wie ich es schreibe.
In Gegenden des Dudelfunks (jenseits von Frankfurt und Fulda) hat mich (leider nicht immer) der Deutschlandfunk gerettet.
Das Gedudel _und_ Gelaber, bei dem aber auch nix ausgespielt und nix fertig gedacht wird, regt mich nur auf.
Und:
Ich glaub es war im NDR, jedenfalls wars irgendwo in der Gegend von Hamburg, Hannover, als ich so vor 15 Jahren das erste mal phasenmodulierte und völlig zukomprimierte Dudel- und Labersendungen gehört habe. Das gibt es inzwischen auch hier, aber hier gibt es auch den Bayerischen Rundfunk, und, was das anbelangt, ist der _die_ Alternative (wobei der natürlich auch Dudel- und Laberprogramme hat).
Und noch was (lustiges):
Ein Studienkollege aus Münster, der mit mir in Würzburg studierte, hat einige Semester gebraucht, bis ihm mal jemand erzählt hat, daß das komische Lied, das zum Sendeschluß vor der Deutschen Nationalhymne gespielt wird, die Bayerische Hymne ist.
Gott mit Dir, Du Land der Bayern ...
redi
ps
Und manchmal hat uns der Bayerische Rundfunk auch vor den zersetzenden, staatsschädigenden Einflüsterungen der Rotfunker und kommunistischen Hildebrandt-Stifter bewahrt. Aber auch da konnte man ja umschalten ...
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Antwort#20
Zitat:
"Und manchmal hat uns der Bayerische Rundfunk auch vor den zersetzenden, staatsschädigenden Einflüsterungen der Rotfunker und kommunistischen Hildebrandt-Stifter bewahrt. Aber auch da konnte man ja umschalten ... "
Ich hoffe für Dich, das Dein P.S. zum ansonsten lesenwerten und richtigen Beitrags ironisch gemeint war! Ansonsten empfehle ich Dir mal einen
Crashkurs in Geschichte und politischer Bildung.
Es könnte sonst noch der Eindruck entstehen, daß alle Bayern reaktionäre,
dumme Ignoranten (oder gar schlimmeres) seien. Und das wollen wir doch nicht, gell?
MfG,
Christopher
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