Lieber Rainer,
auch wenn Deine Einschätzung über die Aufgabenbereiche des nichtstudierten
Tontechnikers
("steht an der Kaffemaschine und mischt Kaffe, holt Brötchen, schleppt Mikrofonständer herum und abends nach der Produktion wickelt er Kabel auf und kehrt das Studio aus...")
recht amüsant sind und bestens geeignet, blauäugig nervige Anfängerfragen abzufangen, ist sie grundlegend falsch und auch ein wenig hochnäsig.
Vielleicht war dies noch vor 25-30 Jahren so.
Aber es gibt seit langem eine ganze Reihe Kollegen, die sehr erfolgreich ihren
Lebensunterhalt in diesem Genre bestreiten (so auch ich), speziell in der
"modernen" Musik und beim großen Thema PA/Beschallung, vielleicht sogar ohne den Unterschied zwischen einer kleines und großen Terz fundiert erklären zu können.
Ich habe großen Respekt vor allen Studierten (auch wenn schon viel Müll von ihnen produziert wurde - aber irren ist ja menschlich).
Gleichwohl glaube ich, daß ihr leider eine aussterbende Spezies seit. Das liegt an den (z.T. nachvollziehbaren) Einsparmechanismen der (auch öffentlich-rechtlichen) Arbeitgeber, dem Verschwinden des Qualitätsanspruchs in allen Medien schlechthin, dem Aussterben der sogennanten E-Musik (es sei denn man subventioniert sie bis zum Erbrechen),
und vielleicht auch schon an den überhöhten Anforderungen einer Aufnahmeprüfung.
Ich sagte bewußt "leider", weil hier ja auch Kulturgut ausstirbt. Aber das gilt auch für viele andere, vielleicht oberflächlich profanere, aber dennoch wichtigere Dinge wie z.B. Kochen.
Ich möchte jedem Raten diesen Sachzwängen mit Bewußtsein und Offenheit zu begegnen, nicht mit elitärem Gedankengut.
Hoffentlich ein Auftakt zu einer neuen, aufreibenden Kontroverse ;-)
Grüße,
Christopher
http://www.hafibeat.de