Übersetzung von XY-Signalen in MS-Signale

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Startbeitrag#1
Sehr geehrtes Forum,
ich lese gerade in einer Diplomarbeit über die theoretischen Grundlagen der Stereomikrophontechnik im Kapitel zum MS-Aufnahmeverfahren in einer Randbemerkung, daß mittels einer entsprechenden MS-Matrix eine Übersetzung von XY-Signalen in MS-Signale möglich ist.
Das hört sich für mich als Amateur erst einmal erstaunlich an. Wie kann man aus der Ausrichtung der Mikrophone in XY-Positionierung ein Mittensignal generieren?
Hat jemand so etwas schon einmal ausprobiert und kann mir seiner Erfahrungen mitteilen? Wann und bei welchem Ausgangsmaterial bietet sich eine solche Transformation an?
Ich habe soeben ein preiswertes Phonik MM 1002 Kleinmischpult erworben um erste Versuche mit MS-Mikrophonierung zu starten. Dieses Gerät verfügt über eine automatische MS-Matrix die eine MS-Mikrophonierung mit lediglich zwei Eingangskanälen erlaubt. Ist eine Transformation von zweispurigen DAT-Aufnahmen in XY auf MS mit einem solchen Gerät möglich?-Ich werde es in den nächsten Tagen einmal probieren.
Wie gesagt: Meinungen, Erfahrungen und Hinweise zu diesem Thema würden mich sehr interessieren.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Sp.
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Antwort#2
Hallo Thomas S.
ganz bin ich mir nicht sicher, ob du das mit der M/S Wandlung auf L/R verstanden hast. Es ist üblich, auf DAT oder sonst wohin nur L und R, also Stereo aufzunehmen. Hast du ein M-Signal von einem Mikrofon Kugel, Acht oder Niere, das nach vorne auf die Mitte deiner Schallquelle gerichtet ist und ein S-Signal, was immer aus einem dicht dabei liegenden Achter-Mikrofon kommt, das seitwärts zeigt (Hauptrichtung nach links), dann muss daraus L und R gemacht werden, damit du normales Stereo bekommst.
Dass diese Wandlung M/S zu L/R teilweise auch mit jetzt X/Y genannten Mikrofonen auch ohne Wandlung geht, zeigen die Bilder:
http://www.sengpielaudio.com/Koinzidenz1XYNiere-Niere.pdf
http://www.sengpielaudio.com/Koinzidenz2XYAcht-Acht.pdf
http://www.sengpielaudio.com/Koinzidenz3MSKugel-Acht.pdf
http://www.sengpielaudio.com/Koinzidenz4MSNiere-Acht.pdf
http://www.sengpielaudio.com/Koinzidenz5XY90.pdf
http://www.sengpielaudio.com/Koinzidenz6XY120.pdf
Schaue dir in Ruhe mal die X/Y- und die M/S-Richtcharakteristiken an, die mathematisch immer übereinstimmen.
M = X + Y und S = X - Y oder X = M + S und R = X - Y.
Interessant sind ganz rechts auch die jeweiligen Aufnahmebereiche, die so ein Stereo-Mikrofonsystem dann breit in Stereo von Lautsprecher zu Lautsprecher aufnimmt.
Wenn du dazu Fragen hast, frage weiter.
Gruß
Woldemar
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Antwort#3
Hallo Thomas,
prinzipiell ist eine Umsetzung der DAT-Signale auf MS mit Deinem Mischpult möglich. Du mußt nur darauf achten, daß aufgrund des hohen Pegels des DAT-Gerätes der Mischpulteingang nicht übersteuert wird.
Was aber willst Du damit erreichen? Die Wiedergabe eines Stereosignals im MS-Format ist über eine L/R-Lautsprecheranordnung nicht möglich.
MS-Signale sind nur bei Mikrofonen üblich und sollten sobald als möglich in L/R-Signale umgesetzt werden, weil sie sehr empfindlich sind auf Phasenfehler! Phasenfehler in L/R-Kanälen sind bis 15°el. kaum hörbar, aber in MS-Kanälen führen diese zu erheblichem Übersprechen.

MfG
Rainer
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Antwort#4
Hallo Woldemar,
vielen Dank für die schnelle Rückantwort. Mir war theoretisch schon klar, daß aus den MS-Mikrophonsignalen erst ein Stero bzw. L- und R-Signal generiert wird und man nicht etwa M- und S-Signale direkt aufnimmt.
Ich habe wie gesagt selbst noch keine MS-Mikrophonaufnahmen gemacht, weil mir bisher die entsprechende Matrix und ein Mikrophon mit Achtercharakteristik nicht zur Verfügung stand. Wenn ich die Sache richtig verstanden habe, kommt das Stereosignal durch die Summierung des M-Signals mit dem phasenrichtigen S-Signal und durch Differenzbildung des phasengedrehten S-Signals mit dem M-Signal zustande.
Wenn ich weiterhin alles richtig verstanden habe besteht der große Vorteil dieser Technik gegenüber allen anderen Stereomikrophontechniken darin, daß man die Stereobreite auch im nachhinein noch verändern kann.
Vor diesem Hintergrund wird meine Frage vielleicht etwas verständlicher. Meine Idee war, eine bereits existierende Stereoaufnahme (XY) sozusagen in MS-Signale "Rückzuübersetzen" um dann die Stereobreite dieser Aufnahme nachträglich noch verändern zu können.
Ist die Überlegung völlig unsinnig?
Gruß
Thomas
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Antwort#5
Thomas S,
Deine Überlegungen sind auf dem richtigen Wege.
Bei einer Aufnahme mit einem (!) Koinzidenzmikrofon lässt sich im Nachhinein, egal ob der Ursprung M/S oder X/Y war, die Einstellung der Basisbreite der Schallquelle auf der Stereobasis in geringem Maße noch verändern.
Wenn man zu viel S-Signal dabei nimmt, fängt es an auf den Ohren verpolt zu drücken.
Es wurde viel Unsinn mit solchen Matrizen gemacht, indem man AB-Laufzeitstereofonie damit verarbeitete. Zum Beispiel nahm man ein Mikrofon an den Höhen des Klaviers als M-Signal und ein zweites Mikrofon am Fußende des Flügels als S-Signal.
Das Achtermikrofon mit der Pluskeule (+) wirkt zuammen mit dem M-Signal als Addition für das linke Signal und die Minuskeule (-) des Achtermikrofons wirkt mit dem M-Signal als Subtraktion für das rechte Signal.
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