Thomann-TA besser als Neumann ???

Erstellt 9 Antworten10 Beiträge
Startbeitrag#1
Konzertaufzeichnung Flügel+Violine. Konzerthalle, toller Klang ohne Zuschauer, da Generalprobe. Pianist prüft den Klang seines Flügels, der aus meinen Roland-Monis widerhallt (Klein-AB am tail + Mini-ORTF an der Beuge) und findet ihn prima. Soweit ok. Der Violinenkünstler aber (29, Musikstudent, JUMU-Preisträger, Fönfrisur mit Dauerwelle, macht selber Tonaufnahmen mit MD+PC, benutzt seit Jahren Cubase und hat Tonabnehmer für Geigen) begutachtet Violine negativ. (Erster Versuch war TLM-103 bzw. 193, danach KM184 - jeweils in allen erdenklichen Postionen)
Da Geigerhansi nicht zufrieden, packt dieser kurzerhand seinen Tonabnehmer aus und stopft ihn an die Fidel. Nach meinem Empfinden klingt die Vio stumpf und dröhnt- er hingegen nennt es "durchsetzungsfähig" und will den Sound so auf die CD wandern sehen. "So! klingt die Geige natürlich". Was ist zu tun? Soll ich ihm seinen Willen lassen?
Nach eigenem Bekunden stammt der TA von Thomann, Preis unter ?100,- - Typ unbekannt. Sind die Thomannmikros DOCH besser als Neumannmikros ?
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Antwort#2
Hallo Jürgen,

laß ihm seinen Willen - denn sei Wille ist sein Himmelreich - er wird es spätestens von seinen Kunden erfahren (müssen) daß "seine" Geige nicht wie eine Geige klingt, sondern wie eine Säge. Solche Leute sind mit Belehrungen - und seien sie noch so sachlich und plausibel - nicht zu überzeugen, man muß sie einfach auflaufen lassen.
Grüße
Rainer
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Antwort#3
noch eine kleine taktische Anmerkung
Der Empfehlung von Rainer kann ich grundsätzlich zustimmen. Aus der Erfahrung heraus weiß ich aber, dass sich einige Leute später beim Abhören des Ergebnisses nicht mehr an die Vorgänge während der Aufnahme erinnern können (Alzheimer?) Das Problem kann dann schnell eskalieren, wenn keine gute Aufnahme des Instrumentes verfügbar ist.
Mein Tipp ist also: Lass ihm seinen Abnehmer, weil er sich möglicherweise an dessen Klang gewöhnt hat, aber nimm bitte mit Deiner Ausstattung das Instrument zusätzlich ab.
Beim Abhören mit dem Kunden stell ihm bitte die Aufnahme mit seinem Abnehmer vor. Irgendwann wird er sich vergewissern wollen, dass es tatsächlich sein Abnehmer ist, und deshalb auch die Variante mit Deiner Ausstattung hören wollen. Dafür solltest Du fertig vorbereitete Spuren und Einstellungen haben, damit er hören kann, wie es dann klingt. Wenn er dann immer noch auf seinem Abnehmer besteht, dann lass ihn. Falls er es sich plötzlich anders überlegt, ist nicht die ganze Aufnahme weg.
Viele Grüße
Wolfgang
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Antwort#4
Hi!
Da stimme ich Wolfgangs Idee zu.
Habe selber letztens gerade ein Violine per Tonabnehmer aufnehmen müssen. Glücklicher Weise war das nur ein Guide Track und die richtige Aufnahme habe ich dann mit einem Neumann (frontal, ca. 1 m schräg über der Violine) durchgeführt.
Mit dem Ergebnis war das Ensemble zufrieden und ich auch...
Also mach es am besten, wie Wolfgang gesagt hat:
Nimm beide Signale auf und entscheide später beim Mischen. Du kannst dem Violinisten Deine Mikrofonaufnahme ja mal als seinen Tonabnehmer verkaufen... mal sehen, was er sagt...
Gruß
Markus


marcoustic audio
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Antwort#5
"Du kannst dem Violinisten Deine Mikrofonaufnahme ja mal als seinen Tonabnehmer verkaufen... mal sehen, was er sagt..."

Also Leute, dass würde ich nicht machen! Wenn das rauskommt, glaubt Euch keiner mehr etwas. Außerdem: Man stelle sich mal vor, der glaubt nachher wirklich, dass sein Abnehmer besser ist als das Neumann-Mikro, und zieht das Studio als Beweis heran. Nein, macht das lieber nicht. Man trifft die Leute immer zweimal.
Ich würde knallhart die Tonabnehmeraufnahme verwenden und anbieten. Es kommen meist automatisch aus reinem Interesse (Neugier) die Fragen nach den anderen "Neumann"-Spuren auf. Dann wartet einfach ab, was passiert. Ich habe es breits erlebt, dass die Leute, wenn sie selbst nachfragen, dem Ergebnis viel aufgeschlossener gegenüber stehen.
Also einfach Ruhe bewahren ...
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Antwort#6
Die Hauptfrage ist doch: Wer bezahlt?
Wenn es das Duo ist gilt: "Wessen Brot ich ess dessen Lied ich sing.."
(oder so ähnlich).
Ist es ein dritter, dann bist Du der Entscheidungsträger und hast dann
einen mäßigen Sound zu verantworten - da fragt später keiner mehr warum die Geige mies klingt sondern demnächst macht es jemand anders. So läuft das.
Also keine Diskussion mit Besserwissern.
Aber: Wer sagt denn, das eine "Kombination" aus PU & Mikro nicht
(zumindest "nach aussen") ein gutes Ergebniss bringt?
Den PU EQst Du ordentlich, bis er nicht mehr dröhnt, das Mikro liefert
dann den Rest - so zwischen 70-100% ;-)
Im Ernst: Wenn der Geiger diesen seinen "individuellen" Sound bevorzugt, dann
ist das halbwegs legitim, denn vielleicht gehört das zu seinem "künstlerischen
Gesamtkonzept", vielleicht will er einfach anders (=schlechter?) klingen,
vielleicht sieht er sich als Avandgarde-Künstler. Solche Fragen würde ich ihm (und seinem Begleiter) dann mal ernsthaft stellen.
Gibt es es überhaupt DEN Violinensound? Nein, zum Glück!
Gruß,
Christopher



http://www.hafibeat.de
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Antwort#7
Also ich weiß nicht, es wundert mich wenig, dass ein Geiger einen anderen Klang als "natürlich" empfindet, als jemand der den Klang der Geige nur von CD oder aus einer gewissen Entfernung kennt. Viel geht wohl über die Knochenleitung und Bogengeräusche sind sicherlich auch nicht unhörbar für den Musiker (ich selber spiele nicht Violine). Ein Pick-up gibt Ihm das. Die Frage ist, kann man Ihn davon überzeugen, dass andere Hörer großteils einen anderen Klang gewohnt sind.
Und das "gewohnt sein" bestimmt sehr stark unseren Geschmack.
Ist die Aufnahme für Ihn...Pickup
ist die Aufnahme für x-beliebige Klavier-Geige-Konzert-Hörer...mit ihm reden (das allerdings sagt sich immer leicht und funktioniert fast nie wirklich)
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Antwort#8
Ruhe bewahren ist immer gut.
Wenn Klavier mit Geige klassische Werke spielen, dann wird ein abgenommener Ton (natürlich mit einem "Tonabnehmer") an der Geige niemals zum gewünschten Klang führen, auch wenn man noch so wild am EQ schraubt.
Es gibt genügend CDs als Klangvorbild, die dann ganz offen zeigen, wie gut eine mit Mikrofonen aufgenommene Geige im Vergleich klingen kann.
Gehören die Stücke mit Geige und Klavier zur Unterhaltungsmusik, wie "The Entertainer", oder auch Tangos, dann ist alles erlaubt. Auch wenn das Klavier (Flügel) unsinnergerweise verstärkt wird, ist eine Effekt-Geige, deren Klang mit einem Tonabnehmer abgenommen wird, genau dazu passend.
Ein "richtiger" Geigenton entwickelt sich etwa erst in einer akustischen Entfernung von einem Meter vom Geigen-Klangkörper. Auch dann muss man noch den richtigen Punkt für die Mikrofonaufnahme finden.
Der synthetische unnatürliche Ton einer Effekt-Geige wird direkt am Steg oder am F-Loch mit einem Tonabnehmer abgenommen und weiter elektronisch verfremdet, so wie das auch bei den Gitarren-Brettern üblich ist.
Hier kann man gut unterscheiden, zwischen eine Synthi-Geige die abgenommen wird und einer Akustik-Geige, die aufgenommen wird.
Das sind eben zwei Welten.
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Antwort#9
Hm, dies habe ich so noch nicht gesehen. Der Ta könnte in der Tat ihm "sein" Klanggefühl vermitteln. Mal sehen, ich habe ja noch die Spuren zu Mischen. Vielleicht kann ich ihn überzeugen.
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Antwort#10
So mache ich es. Das Problem ist auch eher psychischer Natur, weil ER ja angeboten hatte, das Duo (und möglichst auch den Rest des Konzertes) aufzuzeichnen. Man hätte ihn ja machen lassen können, aber das Konzert war mir (und anderen :-) ) zu wichtig um Auszuprobieren, ob er es hinkriegt. Zur Verfügung standen MD- und Shuremikrofone :-)
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