Spielmannszug aufnehmen

Erstellt 7 Antworten8 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo Leute,
die Suchfunktion hat leider keine Beiträge zum Thema "Spielmannszug" geliefert. Wer kann mir ein paar Tipps geben, wie ich einen Spielmannszug am besten aufnehmen könnte.
==> Welche Eigenschaften sollten der Raum haben, in dem ich einen Spielmannszug aufnehme
==> Sollte ich den Spielmannszug als Ganzes oder in Teilen aufnehmen?
==> Welche Instrumente sind besonders zu beachten (weil z.B. leise, laut, mehr oder weniger durchsetzungsfähig, ...)
ps: Die Frage ist nur theoretischer Natur, weil ich am letzten Wochenende mit anderen darüber diskutiert habe. Und wenn sich zwei treffen, hört man mindestens 3 Meinungen ;-)
Viele Grüße
Wolfgang
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Antwort#2
Hallo Wolfgang,

Spielmannszüge habe ich auch schon mehrmals aufgenommen. Im Prinzip gilt hier das selbe wie bei Orchesteraufnahmen. Ich nehme an, daß Du mit dem Begriff "als Ganzes" meinst, daß Du das ganze Ensemble spielen läßt - also keine Einzelstimmen die dann über Mehrspurmaschine zueinander synchronisiert werden. Dies ist nicht ratsam, denn das Ergebnis wird dadurch musikalisch nicht besser.
Könntest Du vielleicht mal was zu der Besetzung sagen? Wenn Fanfaren dabei sind ist natürlich Vorsicht geboten, daß sie Dir nicht die übrigen Instrumente übertönen. Hier mußt Du mit der Aufstellung der Instrumentengruppen experimentieren.
Nimm einen möglichst großen Raum der aber nicht zu sehr hallig ist - also mit viel Dämmaterial versehen ist.
Ich habe das so praktiziert, daß ich die Holzblasinstrumente als separate Gruppe gestellt habe und das Blech ebenfalls als separate Gruppe und zwar so, daß sie sich gegenüber stehen. Dann stehen die Mikrofone jeweils mit ihrer minimalen Empfindlichkeitsachse (Niere vorausgesetzt) jeweils zu der gegenüberliegenden Gruppe und man hat beste Trennung. Es macht hier wenig Sinn, mit Haupt- und Stützmikrofonen zu arbeiten, sondern am besten jede Gruppe einzeln mikrofonieren. Schlagzeug so stellen, daß es möglichst wenig zu den übrigen Instrumentengruppen überspricht. Aufwendige Mikrofonierung des Schlagzeugs ist - im Gegensatz zu Pop-Aufnahmen - hier nicht notwendig. Ein Mikrofon für die große Trommel und für die übrigen Trommeln und Becken reicht evtl. eine XY-Anordnung. Kesselpauken - falls vorhanden - sollten allerdings extra Mikrofone bekommen, damit sie präzise und nicht diffus abgebildet werden.

MfG
Rainer
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Antwort#3
Wie man an dem Bild im Link sieht, spielt ein Spielmannszug üblicherweise draußen, denn da gehört er hin.
Üblicherweise ist er in marschierender Bewegung, was nicht einfach in Stereo aufzunehmen ist.
Popmäßig erst eine Klickspur, dann das Schlagwerk u.s.w. ist häufig üblich, bringt aber nie Klanggewinn.
Der Zug muss zusammen spielen und auch so aufgenommen werden.


Das ist ein Spielmannszug
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Antwort#4
Man sollte hier auch ein wenig musikalisch denken: Ich würde sagen, daß der SMZ nicht nur draussen, sondern auch in Bewegung aufgezeichnet werden muss! Man beachte dazu den Nameszusatz "-zug"! Daher sollte man eigentlich ein Stereomikro stellen, und sie dran vorbeiziehen lassen. Für eine umfassende Aufnahme braucht es natürlich eine Wiederkehr der Musiker :-) Da ist eben Kreativität gefragt.
Ich habe mal eine Aufnahme einer Bläsertruppe gemacht, die draussen vor einem kleinen Bachsturz/Wasserfall spielte. Ein nahes ORTF' über der Truppe und ein entfernteres AB vor dem Zug. Das ORTF war mit etwas digitalem Raumklang/Nachall belegt und vielleicht zu einem Drittel gegen das AB eingepeglt. Das brachte ein herrliches Bild: Die Musiker haben sich bei der Aufnahme stets bewegt, was auch gut abgebildet wurde- vor Allem war es nicht ganz so platt und stumpf, wie es draussen nun mal klingt. Die Trittgeräusche im Takt auf dem Schotter waren auch minimal zu hören. Die Aussengeräusche Wasser+Vogelgezwitscher waren ganz breit im Stereobild verteilt, die Gruppe stand kompakt und es gab keine Probleme mit Störgeräuschen: Alles versickerte im Rauschen des Wassers :-)
In einem anderen Fall habe ich eine Jazz-Streetband in einer Turnahlle aufgenommen. Eigentlich sollte es auch draussen sein, aber das Wetter war mies und wir hatten auch innerhalb der Hall noch "Street-Geräusch" genug:-) Ich habe die dann kreisförmig um ein klein-AB-System herumlaufen lassen, das aber in der Tiefe nicht zentrisch stand. So hörten sich die nach links laufenden Musiker immer etwas näher an, als die nach rechts laufenden am hinteren Teil des Kreises. Auch hier war noch ein zusätzliches ORTF' über der gesamten Szene gestellt, das fast am hinteren Teil des Kreises stand, aber in Richtung der Kugelmikros zeigte und damit die vorderen Linksläufer heller aufzeichnete. Diese waren dann etwas klarer, als die Rechtsläufer, die dafür wiederum um einiges lauter im ORTF' waren. Das ORTF war minimal verhallt (hohes PreDelay) und wieder deutlich leiser gepegelt als das AB. Ich würde sagen 3:1 für das AB. Insgesamt ergab sich ein deuliches Bild von zwei Reihen, bei dem die einen klarer und deutlich weiter vorne standen, als die Gegenläufer. Die Gegenläufer hingegen waren räumlicher. Der geringe signaltechnische Lautstärkevorteil der Gegenläufer war durchaus wichtig, damit sie nicht untergingen. Auch die Tatsache, daß das ORTF deutlich overhead (ca 3m) stand, ist für manche Instrumente entscheidend. Die Bläser richteten die Instrumente beim Spielen stark hin und her und konnten so sehr viel Dynamik in den Klang bringen. Die lauten Instrumente wurden angewiesen, nicht direkt in die Mikros zu pusten sondern besonders bei lauten Passagen eher zur Seite in den Raum. Das macht sehr viel aus: Der klang wird dadurch auch leut, räumlich, lässt aber durchaus Platz für leise Flötenklänge.
In beiden Fällen war jeweils KEIN stationäres Schlagzeug beteiligt. In einem derartigen Fall müsste man dies wahrscheinlich recht zentral stellen, die Mikros daran ausrichten und die Musiker zunächst drumherum gruppieren und davon ausgehend, weitere Überlegungen anstellen.


Liveaufnahmen
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Antwort#5
Lieber Kollege Husch,

Als ich den Link angeklickt habe, mußte ich ja beinahe laut lachen!
Wenn DU die CD des Alsfelder Spielmannszuges besitzt, dann gucke mal auf die Inlaycard wer der Toningenieur ist und vergleiche es mal mit dem Namen der jetzt unter diesem Posting hier steht.... Mehr sage ich dazu nicht....

Grüße
Rainer Gutberlet, VDT
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Antwort#6
Lieber Rainer,
ich freue mich, dass ich mit dem Hinweis auf den "Alsfelder Spielmannszug" schön ins Schwarze getroffen habe.
Mir ist klar, dass etliche unserer Midi- und Klick-Techniker, sowie Einzelistrumenten-"Ab"-nehmer :-) kaum eine optische Vorstellung von einem lebendigen Spielmannszug haben. Darum mein Hinweis auf einen ganz typischen Zug.
Da du diesen Alsfelder Spielmannszug aufgenommen hast, weißt du genau, wovon du sprichst, wenn du von einem Hauptmikrofon abrätst, weil man hier eben eine Geschmacks-Balance wünscht, die mit der Wirklichkleit weniger zu tun hat, aber trotzdem "natürlich" klingen soll.
Gruß
Husch
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Antwort#7
Diese verlinkte Webseite des Alsfelder Spielmannszuges offenbar in der Tat einige interessante Tatsachen. Nebst den dort erwähnten Fernsehauftritten findet sich auch eine Deutschlandkarte mit generalstabsmässigen Markierungen aller Auftritte. Interesant: Überall scheinen in allen Bundesländern gleich mehrere gewesen zu sein, nur im heimatlichen Hessenlande findet man kein einziges rotes Pünktchen. Haben die in Hessen keine Termine? (Gfs weil man dort die Musik kennt?)
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