Leslie aufnehmen (n/t)

Erstellt 7 Antworten8 Beiträge
Startbeitrag#1
Hi Gary,
ein Leslie ist kein Hi-Fi-Gerät. Die Leslie-Cabinets sind lieblos zusammengenagelte Kisten mit schlechten Lautsprechern. Üblich ist es mit drei Nierenmikrofonen den Klang aufzunehmen. Oben zwei Mikrofone zeigen auf die gegenüberliegenden Seiten und unten nimmt man ein Mikrofon. Die oberen zwei Mikofone werden hart L und R gepannt und der Tiefton-Leslie kommt natürlich ins Center.
Da dieses ein Effektgerät ist, erwartet man auch keine "natürliche" Aufnahme mit einen "natürlichen" Klang. Da kann man schon mit EQ und Compressor kräftig rangehen.
Der Wind der Tröten macht manchmal den Mikrofonen ganz schöne Probleme.
Wie man einen Leslie abnimmt oder auseinandernimmt, hängt von seiner Bauart ab und wie die Schrauben angebracht sind.
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Antwort#2
Moin...
ein Leslie ist kein Hi-Fi-Gerät. Die Leslie-Cabinets sind lieblos
zusammengenagelte Kisten mit schlechten Lautsprechern.
Üblich ist es mit drei Nierenmikrofonen den Klang aufzunehmen. Oben zwei
Mikrofone zeigen auf die gegenüberliegenden Seiten und unten nimmt man ein
Mikrofon. Die oberen zwei Mikofone werden hart L und R gepannt und der
Tiefton-Leslie kommt natürlich ins Center.
Da dieses ein Effektgerät ist, erwartet man auch keine "natürliche" Aufnahme > mit einen "natürlichen" Klang. Da kann man schon mit EQ und Compressor
kräftig rangehen.
Der Wind der Tröten macht manchmal den Mikrofonen ganz schöne Probleme.
Hifi soll es ja auch nicht sein. Aber das andere lasse ich mal unkommentiert stehen - fest steht nur: mit DER Einstellung wird man ein Leslie nicht vernünftig aufnehmen können. Das wird genauso lieblos und schlecht klingen, wie du die Kisten beschreibst.
Das ist eine von vielen Arten, den Leslie-Klang einzufangen. Als "üblich" würde ich das, insbesondere das harte Panning, nicht bezeichnen.
Üblich (hauptsächlich live!) ist eigentlich eher eine Nahmikrofonierung des Horns in einem Winkel von 90 oder 120°, also nicht an gegenüberliegenden Seiten, sondern eher an benachbarten Ecken des Geräts. Dabei gilt: Man kann umso härter pannen, je kleiner der Winkel zwischen den Achsen ist. Bei 180° würde ich nur ganz leicht pannen...
Im Studio würde ich - je nach Musikrichtung - eher dazu tendieren, eine "schöne" Ecke für das Leslie in einem lebendigen Raum zu finden und aus einiger Entfernung zu Stereofonieren. Die Nahmikrofonieruing ist für Rock u.ä. sicher die bessere Wahl (und live geht es meist gar nicht anders wg. Übersprechen), aber bei Jazz sollte schon ein (echter) Raum um das Leslie entstehen, sonst klingt es tot.
Nachträglich per Hall einen Raum zu erzeugen, funktioniert beim Leslie wegen der inhomogenen Schallabstrahlung und der (gewollten) Überlagerung vieler räumlicher Effekte nicht so gut.
Hör dir mal eine Aufnahme von Barbara Dennerlein an und sag den Satz nochmal.
Deswegen geht man
a) nicht ZU dicht ran
b) nimmt die Vorderfront des Leslies statt der meist offenen Rückseite
c) richtet die Mikros u.U. nicht auf das Center, sondern entlang der Kanten
...oder spart sich die ganzen Probleme mit der oben angesprochenen Distanzmikrofonierung.
Jens



http://www.prymates.de
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Antwort#3
Hier sieht man eine Möglichkeit, wie man zwei Mikrofone an den Leslie stellen kann. Das obere Mikro steht dort, wo am wenigsten Wind zu erwarten ist und das untere Mikrofon soll auch etwas von dem Tiefen-Leslie mitbekommen.
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Antwort#4
...Einsprechrichtung seitlich, nehme ich an (kann es leider nicht so genau erkennen)? Sonst wäre das eine sehr ungewöhnliche Art...
Aber wenn's klingt ;)
Jens
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Antwort#5
Bekannt sein sollte, dass ein Nierenmikrofon von der Seiteneinsprechrichtung her etwas weniger windempfindlich ist, weil aus dieser Richtung der in den tiefen Frequenzen bei Wind stärker störende "Druckgradient" quasi Null ist.
Einleuchtende Erklärung mit Abbildung bei ebs: Nahbesprechungseffekt und Schalleinfallswinkel.
Jede Niere ist zusammengesetzt vorstellbar als eine Kugel und eine Acht in bestimmter Lage.



Nahbesprechungseffekt und Schalleinfallswinkel
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Antwort#6
Moin...
Bekannt sein sollte, dass ein Nierenmikrofon von der Seiteneinsprechrichtung
her etwas weniger windempfindlich ist, weil aus dieser Richtung der in den
tiefen Frequenzen bei Wind stärker störende "Druckgradient" quasi Null ist.
Ja, das ist bekannt.
Was ich meinte, war: Wo liegt bei den gezeigten Mikrofonen die Haupteinsprechrichtung, also die 0°-Achse? So, wie du es jetzt beschreibst, scheint es mir so zu sein, dass bei dem einen Mikro tatsächlich die Hauptachse nach unten zeigt, richtig? Das meinte ich mit "ungewöhnlich".
Denn bei meinem Vorschlag, die Hauptachse horizontal entlang der Gehäusekanten ausrichten, wird die Winempfindlichkeit auch (wenn auch nicht so stark) reduziert, man bekommt aber auf dem (den) für den Hornrotor "zuständigen" Mikro(s) nicht soviele Bässe drauf, wie ich das bei deiner Abbildung vermuten würde.
Ausserdem bekommt man mit einer Wand in der Nähe (hier erwünschte) Überlagerungen verschiedener Doppleranteile des rotierenden Horns, einmal als "Quasi-Direktschall", und einmal in Reflexion.
Die Philosophie hinter der Aufstellung des unten schräg stehenden Mikros ist mir auch nicht so ganz klar.
Ich habe den Eindruck, dass jedes der beiden Mikros von der Haupteinsprechrichtung her genau den anderen Teil (Horn/Bass) einfängt als durch den "Kugelanteil" durch die Nähe zum jeweiligen Kompartment stärker 'reinkommt... Ist das so beabsichtigt, oder deute ich das Foto falsch?
Soll keine Kritik sein, sondern eine Interessefrage. Gibt es von einem so aufgenommenen Leslie eine (möglichst sonst unbearbeitete) Hörprobe?
Jens
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Antwort#7
Ok, habe gerade anhand der URL des Bildes die Mikros als Royer R-121 unten bzw. SF-12 oben identifiziert. Dort gibt es auch Hörproben und die Erläuterung dazu.
Also doch Einsprechrichtung seitlich, und Hauptachse entlang der Kante (sieht man auf dem größeren Foto), wie von mir vorgeschlagen...
Fragen sind damit beantwortet bzw. haben sich erledigt ;)
Jens


Royer
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Antwort#8
Moin...
nochmal ein Nachtrag betreffend EQ und Kompressor bei der Leslie-Aufnahme.
Jörgi schrieb: "Da kann man schon mit EQ und Compressor kräftig rangehen.
"
EQ: Wer beim Leslie massiv mit dem EQ eingreifen muss, hat wahrscheinlich die Mikros falsch gestellt und/oder greift stark in die Intention des Organisten ein.
Die Orgel als Registerinstrument bietet ja schon von sich aus einen "EQ" in Form der Zugriegel. Gehen wir davon aus, dass der Organist sein Fach beherrscht, sollte man den Sound so einfangen, wie er ist und nicht übermäßig "verbiegen".
Einzige Ausnahmen: Ein Bass-Rolloff, wenn die Orgel in einem kompakten (Rock-)Mix zu sehr dröhnt bzw. eine vorsichtige Korrektur der Höhen, wenn mit viel Verzerrung gearbeitet wird. Da kommt bei naher Mikrofonierung schonmal gerne zuviel des Guten an Obertönen rein, die der Organist aus ein paar m Entfernung so nicht mitbekommt und deshalb die oberen Züge etwas zu großzügig bedenkt.
Ersteres (zuviele Bässe) kommt schonmal vor, wenn es keine zweimanualige Orgel ist und deshalb der 16' so gezogen wird, wie es die Mittellage erfordert, das ist im Bass dann oft zuviel. Ein guter Organist wird bei einer zweimanualigen Orgel den 16' im Untermanual so gut wie nie ziehen, ebenso den 5 3/4'.
Kompressor: Hat bei einer Orgel IMHO gar nichts verloren. Erstens macht ein Kompressor _hinter_ dem Leslie einen Großteil des Leslieeffektes kaputt (wir erinnern uns: Leslie macht Amplituden-, Frequenz- und "Filter"-Modulation). Wenn überhaupt darf nur die Stereosumme per gelinktem Komp bearbeitet werden...
Zweitens ist die Dynamik einer Hammond ohnehin schon nicht besonders groß. Denn die explizite Dynamik (Schweller) wird durch den Röhrenverstärker der Orgel/des Leslies schon mächtig eingeschränkt, und die implizite (Registrierung und Zahl der gleichzeitig gedrückten Tasten) erfährt durch den "Volume-Stealing"-Effekt eine starke Begrenzung.
Dieser Effekt kommt dadurch zustande, dass es für alle Tasten und Register zusammen nur 96 Tongeneratoren gibt, die jeweils nur einmal erklingen können, auch wenn sie mehrfach "angesprochen" werden, z.B. c 8' und c' 16'.
Beispiel: werden alle Register voll gezogen und das c gespielt, sind 9 Generatoren am Werk. Wird nun noch das c' gegriffen, kommt nur 4 Generatoren mehr dazu, die anderen 5 erklingen bereits.
Gleiches gilt, wenn eine feste Anzahl Tasten gedrückt sind und ein zusätzliches Register gezogen wird.
Die Rechnung "ein Register mehr = +3dB" (ungefähr) wie bei der Pfeifenorgel gilt also hier nicht.

Jens
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