Hallo, ich befasse mich schon einige Zeit mit Verstärker Simulationen, Software- als auch Hardwarebasierend, nun interessiert es mich sehr, wie solch eine Simulation von verschiedensten Verstärker funktioniert. Funktioniert das Amp-Modeling wie ein Faltungshall, so das dem cleanen Gitarren-Signal die "Hallfahne" aufgerechnet wird? Kennt sich jemand mit diesem Thema aus und kann mir Internetlinks, Bücher oder Quellen sagen die sich mit Amp-Modeling auseinandersetzen? Für weiterführende Links wäre ich sehr dankbar! Viele Grüße, Björn
Wenn software-basiert (also auch in Hardware-Geräten auf DSP-Basis), dann wird i.d.R. "physical modeling" verwendet, also eine Simulation der soundformenden physikalischen Prozesse in der Gesamtkombination Gitarre-Amp-Box. Also etwa Pickup-/Kabel-/Verstärkereingangsimpedanzen, Röhrensättigung, Netzteil-"sättigung", Resonanzverhalten der verschiedenen Bauteile und Schaltkreise, Trägheit des Lautsprechers etc.pp. Das natürlich nie exakt, sondern im bestmöglichen Kompromiss zwischen Rechenzeit (respektive Latenz) und Qualität. Richtige Hardwarelösungen arbeiten mit Transistorschaltungen, die ähnliche Kennlinien haben wie die originalen Röhrenschaltungen. Zu der Theorie hinter den (softwarebasierten) Simulationen gibt es unter dem Link unten (http://www.simulanalog.org/articles.htm) einige interessante Artikel. Jens
Hallo Björn, was die pure simulation der Box angeht ist eine Faltung durchaus möglich. Ist ja auch klar, denn einen Lautsprecher kann man als Filter ansehen. Nimmt man die Impulsantwort von ihm, und faltet sie mit einem anderen Signal, so wird das andere Signal gefiltert. Problem an der Sache ist, man kann eine normale Faltung nicht in realtime durchführen. Man kann aber auch ein IIR-Filter so designen, daß es dem Klang einer Box entspricht. Wurde bei Guitar-Rig zum Beispiel so gemacht.
Moin Björn... "was die pure simulation der Box angeht ist eine Faltung durchaus möglich. Ist ja auch klar, denn einen Lautsprecher kann man als Filter ansehen. Nimmt man die Impulsantwort von ihm, und faltet sie mit einem anderen Signal, so wird das andere Signal gefiltert." Wenn es rein um den Frequenzgang geht, hast du recht - wobei es da ein "stinknormaler" Equalizer auf welcher Basis (Algorithmus) auch immer erstmal genauso tut. Ein Lautsprecher, speziell im "Betriebsmodus" einer Gitarrenbox (wo ja z.B. 12"-Speaker gerne für Frequenzen "missbraucht" werden, die eigentlich jenseits von Gut und Böse sind), ist aber ein nichtlineares Bauteil. Der Faltungsansatz (genau wie der "normale" Equalizer) beruht aber auf der Annahme der Gültigkeit des Superpositionsprinzips, was bei merklichen Nichtlinearitäten nicht mehr gilt. So ist z.B. die Impulsantwort eines Lautsprechers abhängig von Intensität des Pulses und der Anfangsauslenkung der Membran - da versagt der Faltungsansatz gründlich. Dass es sich bei den Auftretenden Nichtlinearitäten im Übrigen nicht nur um vernachlässigbare Nebeneffekte handelt, zeigt schon das Beispiel der Power-Compression (wobei die schon nur implizit nichtlinear ist)... Jens
Vielen Dank für die Infos! Jens, hast Du noch weitere Artikel oder Buchempfehlungen über Amp-Modeling? Ich überlege nämlich ob ich über dieses Thema eine Arbeit schreiben soll und da wäre es äußerst hilfreich wenn ich noch mehr Material zum Nachschlagen hätte. Vielen Dank schonmal und Grüße, Björn