Eine Frage zur AB Technik

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Startbeitrag#1
Was die Basiseinstellung eine AB-Systems angeht, findet man in der Literatur Widersprüchliches. Es geht um die Laufzeitdifferenz zwischen den beiden Kapseln, die nötig ist, um ein Signal später extrem links bzw. rechts zu orten.
Zur Berechnung werden, je nach Quelle, Werte zwischen 0,8 und 1,5 ms hergenommen. Dementsprechend variieren auch die Ergebnisse zur Einstellung der Mikrofonbasis bei gleichem aufzunehmenden Ausdehnungsbereich.
Mit welchen Werten rechnet ihr?
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Antwort#2
Einen sehr guten Artikel zum Thema Äquivalenzstereofonie mit wertvollen Diagrammen, die sogar die perspektivische Verzerrung einbeziehen und auch die AB-Technik berücksichtigen findest Du unter
http://www.microphone-data.com/pdfs/Stereo%20zoom.pdf
Auch die Seiten von Eberhard Sengpiel sind sehr zu empfehlen:
http://www.sengpielaudio.com/TheorieGrundlaLaufzeit.pdf
und speziell für Laufzeitstereofonie:
http://www.sengpielaudio.com/TheorieGrundlaLaufzeit.pdf
Ich persönlich verwende bei Laufzeitstereofonie tendenzweise kleinere Werte als berechnet und habe dadurch eine etwas gleichmässigere Abbildung der Schallquellen in der Mitte, allerdings mit der Folge, dass der Gesamtschallkörper dann nicht 100% der Lautsprecherbasis ausfüllt.
Grüsse
Hermann
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Antwort#3
Das Problem bei Laufzeitstereofonie ist, den "genauen" Wert für Delta t bei der Lokalisation ganz außen aus der Richtung eines Lautsprechers anzugeben.
Der "schwammige" Wert hängt von vielen Parametern ab; zum Beispiel von der Art des Impulses und der Frequenzzusammensetzung des Signals. Hochfrequente Knacke kriegt man schon mit einer Laufzeitdifferenz von 1 ms in die Richtung eines Lautsprechers und ein tieffrequenter gestrichener Cello-Ton braucht dazu schon eher 2 ms. Das ist eine ganz schön breite Toleranz, mit der wir leben müssen. Suche dir dazwischen deinen ganz privaten Laufzeitwert aus.
Dass Forscher im schalltoten Raum bei Dirac-Stößen auch Werte von 0,6 ms finden, ist sensationell; nur besteht unsere Musik nicht aus solchen Klicks und man geht lieber in einen Regieraum mit einer üblichen Nachhallzeit um 0,3 Sekunden. Auch Manger-Lautsprechern sagt man kürzere Laufzeitdifferenzen nach und es soll bei den Menschen auch unterschiedlich langsames "Zeitverhalten" geben, was wir "lange Leitung" nennen.
http://www.sengpielaudio.com/HoerereignRichtungDt.pdf
Dieses wirst du sicher kennen:
http://www.sengpielaudio.com/TheorieGrundlaLaufzeit.pdf
Deine Probleme und deren Lösung sind hier beschrieben:
http://www.sengpielaudio.com/LaufzStereoProbleme.pdf
So schwierig ist eine Punktschallquelle in der Nähe der Lautsprecher zu lokalisieren:
http://www.sengpielaudio.com/StereoAbbildungLokalisationsschaerfe.pdf
Jens-Uwe
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Antwort#4
Hallo,
im allgemeinen sind die in der "Literatur" genannten Werte zu klein.
Ich persönlich berechne nie Basisbreiten o.ä. Wer nur dies tut, versteht den eigentlichen Sinn und Zweck von Musikaufnahmen nicht.
Gruss,
Dirk
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Antwort#5
Aber etwas Theorie, um die Vorgänge in der Praxis besser einschätzen zu können kann doch nicht schaden, oder ? :-)
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Antwort#6
Natürlich schadet das nicht, ist sogar sehr gut. Bloss können Laufzeitwerte sehr oft zu irreführenden Ergebnissen führen, da sie nicht in jeder Akustik gleich sind und es weit mehr Faktoren gibt, die einem Laufzeitsystem seine charakteristischen Klang- und Abbildungseigenschaften verleihen.
Gr.
Dirk
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Antwort#7
Hallo Dirk F,
Im allgemeinen sind die in der "Literatur" genannten Laufzeitdifferenz-Werte zu klein.
Cornelis van der Gragt postet uns dazu im Surround-Sound Forum:
Sengpiel gibt in seinen "Skripten zur Vorlesung" an der UdK-Berlin drei unterschiedliche Kurven an:
1. Den Mittelwert von 1,5 ms;
2. Eine Kurve für "träge" und tieffrequente Signale (2 ms) und
3. eine für perkussive Signale (1 ms).
Interessant ist, dass die letzte Kurve fast genau mit der Williams-Kurve übereinstimmt, die vom dänischen Forscher Simonsen stammt. Einiges könnte dann auch stimmen, weil Simonsen für seine Untersuchungen nur Sprache und perkussives (!) Material, d.h. Maracas benutzte. Daraus und auch durch praktische Erfahrungen war mein Argwohn gegen diese als allgemein heilig erklärten Williams-Kurve geboren. Mit dem Werkzeug "Tonmeister Survival Kit" von der SRT machen wir zur Zeit Aufnahmen von z.B. Symphonieorchestern, die mit dieser Scheibe immer als "zu schmal" empfunden werden.

Dieses bestätigt deine Meinung.

Welche zu kleinen Laufzeitdifferenzwerte kannst du inklusive der Signalart aus der Literatur angeben?
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Antwort#9
Wenn die perkussiven Signale bzw. hochfrequenten Signale weniger Laufdifferenz brauchen, könnte man dann einfach 2 AB-Systeme überlagern, die per Equalizer getrennt sind? Das AB für die Höhen stellt man einfach doppelt so breit auf.
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Antwort#10
Hallo Mitleser3,
das ist wirklich einer der besten Postings, die ich seit langem gelesen habe.
Wenn ich mich nicht irre, schlägt schon Alan Blumlein solch ein System vor. Hierbei handelte es sich dachte ich um den Gedanken, ein "kleines" AB-paar zu kombinieren mit sich an beiden Seiten befindenden 'Outriggers', welche durch Filtern einen 'grossen' AB formen.
Die Idee war, das Mittelpaar mittels Hochpass (meinetwegen Tiefensperre) zu bearbeiten, den 'grossen' AB umgekehrt.
Habe ein ähnliches System verwendet und dementsprechend gefiltert - mit wenig wirklichem "Erfolg". Ohne es nochmals versucht zu haben konnte ich mir jedoch vorstellen, dass dies mal praktisch sein könnte.
Habe noch viele Mehrspurbänder liegen, werde diese mal wieder auspacken und in Kürze, wenn Interesse besteht, berichten.
Grüsse,
DIrk
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