Hi! Es ist doch immer wieder überraschend, was auch bei internationalen Topacts manchmal für Stümpereien durchgehen. Anspieltipp: Monstermagnet, Monolithic Baby ! Track 2: Supercruel ca. 1'40 - 1'50 Fassungslos, cII PS: Wäre doch nett, wenn jeder hier ein solches Beispiel wüsste... (Schadenfreude ist die schönste...?) ;-)
Was passiert denn da? Natürlich kennt jeder einige tontechnische Patzer, ich nenne hier John Lennons übersteuerte Stimme auf "I want you (she's so heavy)". Vielleicht war es Alan Parsons, der hier Mist gebaut hat. Wie auch immer: Die Aufnahme war vom spielerischen Aspekt her so gut, daß man über die Übersteuerung hinweggesehen hat. Und geradebiegen konnte man sowas damals noch nicht.
Ja, so Unachtsamkeiten können einem die Freude am Hören solcher Stücke verleiden. Mein Paradebeispiel ist Bobby McFerrin ("don't worry, be happy") auf seinem Album "Circlesongs". Mitten im Circlesong 3 hört man den satten KLACK der Andruckrolle einer startenden Mehrspurbandmaschine .... Jetzt kann ich nicht mehr anders, als beim Hören dieser CD auf den Klack in Nr. 3 zu warten. Viele Grüße Michael H. (der immer wieder versucht, die Baßstimme in Circlesong 6 komplett mitzusingen, auch bis zum ganz tiefen H, zwischen zweiter und dritter Hilfslinie ... geht nur mit Anlauf.)
Deutsche Grammophon, Ravel 2. Daphnis-Suite und Bolero, Philharmonia Orchestra unter Sinopoli: An den lauten Stellen (Blech und Schlagwerk) gnadenlos digital übersteuert. Sieht man im Wave-Editor ganz deutlich, z.B. beim großen Schlußcrescendo von Daphnis: Digital-Null wird schon einige Sekunden vor dem Schlußakkord erreicht, der eigentlich erst den lautesten Punkt darstellt. Hört man aber nicht: Die Verzerrungen gehen einfach im Getöse unter ;-) ... Glück gehabt. Genau wie bei heutiger U-Musik: Komprimieren und dann noch digital übersteuern bis das letzte bisschen Dynamik rausgequetscht ist, auch hier kaum hörbar wegen perkussivem Getöse. Gehört bei E-Musik aber nicht zum feinen Ton, denke ich. Auch wenn Ravel extrem dynamisch ist, würde ich das gerade als Herausforderung sehen, die 96 dB der CD endlich mal annähernd auszureizen.
Hallo Andy: Du schreibst: ""Auch wenn Ravel extrem dynamisch ist, würde ich das gerade als Herausforderung sehen, die 96 dB der CD endlich mal annähernd auszureizen."" Ich muß Dir da widersprechen. 96 dB voll ausschöpfen kann man bei der CD nicht. Nichteinmal bei einem 24-Bi-System macht das Sinn, weil es einfach nicht wiederzugeben ist. Die meisten Menschen machen sich nicht im Entferntesten eine Vorstellung darüber was hinter diesen Zahlen steckt! Ein Dynamik von 70 dB ist für ein Wohnzimmer schon enorm viel! Bei 96 dB hört keiner mehr die leisesten Stellen. Geht man davon aus, daß in einem Wohnzimmer ein ständiger Geräuschpegel zwischen 30 und 50 dBA herrscht, dann müßten die leisesten Stellen ca. 10 dB lauter sein um sich noch vom Zimmergeräuschpegel abzuheben. Das wären dann zwischen 40 und 60 dBA. Zähle 96 dB dazu dann kommst Du auf 136 ... 146 dBA! Das hält keiner mehr als nur wenige Sekunden aus und wenn er das ein paar mal macht, hat er bleibende Hörschäden!. Ganz davon abgesehen, daß diese Schallpegel mit keinem Heimlautsprecher (und auch von keinem Studiolautpsrecher) verzerrungsfrei wiedergegeben werden können. Es hat sich in der Praxis gezeigt, daß eine Dynamik von mehr als 50 dB auf einem Tonträger keinen Sinn macht, wenngleich es auch technisch machbar wäre.
Hallo Rainer, den Vergleich mit dem 24-bit System verstehe ich nicht ganz. Der tatsächliche Dynamikumfang (akustisch) ändert sich doch nicht bei der Wiedergabe mittels einem 24-bit Medium gegenüber einem 16-bit Medium? Die Auflösung ändert sich, nicht aber der akustisch wieder zu entstehende gesamt zu übertragende Dynamikumfang (gut - nach unten hin geht da schon mehr). Daneben hast Du natürlich recht - und sowieso liegt das praktische Eigenrauschen aller Mikrofone über dem des Koverters. Gr. Dirk
Hallo Dirk, Der Vergleich mit dem 24-Bit-System ist so zu verstehen: Das 16-Bit-System hat an der unteren Aussteuerungsgrenze nur noch eine so schlechte Auflösung daß aus einem Sinus nur ein Rechteck reproduziert werden kann, und somit der Bereich unterhalb -70....-80 dBFs nicht mehr nutzbar ist. Wohl aber ist dieser Bereich nutzbar bei einem 24-Bit-System, weil bei -96 dBFs immernoch 8 Bit Auflösung zur Verfügung stehen.
Die leiseste Stelle muß nicht lauter als der Umgebungsgeräuschpegel sein. Jeder Komponist plant die Umgebungsgeräusche, welche in einem gesittetem Konzert das menschliche Atmen, Kleiderrascheln, gelegentliches Räuspern u.Ä. sind, mit ein. Wenn man durch diese Geräusche die Musik gerade noch hindurch hört, ist es gut. Ein System mit -70dB statischem Rauschen kann 80dB nutzbare Dynamik aufweisen. Genauso eins mit -90dB Quantisierungsrauschen. Der Mensch ist selbst in Grenzbereichen analog.
Volle Zustimmung, daß 96 dB verdammt viel sind. Aber: 1. Wer ernsthaft Klassik hört und ein paar Euro mehr ausgibt für eine (zumindest vom Namen her) gute Deutsche-Grammophon-Aufnahme, der sorgt für Umgebungsgeräusche deutlich unter 50 dBA und eine pegelfeste Anlage. Aus diesem Grund kann ich auch keine Erklärung für die deutliche Übersteuerung finden, ein Versehen sicher nicht, es wurde absichtlich der Gesamtpegel angehoben - aber warum? Der durchschnittliche Käufer dieser CD ist bestimmt nicht zu dumm, seinen Lautstärkeregler zu benutzen. Nur Kids mit Ghettoblaster sagen "Das ist aber leise, blöde Musik ey, mach mal anderen Sender oder andere CD". Und Klassik-Radio & Co benutzen gruselige Kompressoren, da muß sich der DG-Tonmeister sowieso keine Gedanken drum machen. Oder gehts um autofahrende Konsumenten? Mal abgesehen davon, daß es meiner Meinung nach etwas wie "Auto-Hifi" schon aufgrund der gesamten Hörsituation nicht geben kann und daß größere Investitionen in dem Bereich höchstens die Unfallgefahr durch Ablenkung des Fahrers erhöht - die dort akzeptable Dynamik wird trotz der Übersteuerung in der genannten Aufnahme deutlich übertroffen. Deswegen macht ja bei den meisten Radiosendern der Optimode alles platt. Als abschreckendes Beispiel fällt mir die jährliche 3-Tage-Hörer-Hitparade eines Popsenders ein (ffn): Jedes Jahr schafft es der Bolero in die 750 gespielten Songs, und wird natürlich auch durch den Optimode gejagt. Der Anfang ist grauenhaft verrauscht und dem Ende fehlt jeder Biss. 2. Das erreichen der Clipping-Grenze heißt ja nicht, daß es nicht noch lauter wird, wenn man weiter verstärkt! Deswegen wird Popmusik ja nicht nur an die Aussteuerungsgrenze, sondern noch zig dB höher gefahren, eben weil es immer lauter wird. Beim Ravel ist eine leise Stelle dadurch bei ca. -50 dB statt -60, aber die laute ist subjektiv bei +10! Geringer geworden ist die gesamte Dynamik also keineswegs. Und umso erbärmlicher wäre der Tonmeister, der auf diese Weise die Orchesterdynamik wohnzimmertauglich machen wollte, anstatt von Hand ganz behutsam und musikalisch nachzuregeln. Digitale Übersteuerung ist in jedem Fall das schlechteste Mittel, und von der DG hätte ich es nicht erwartet. Es ist ja hinlänglich bekannt, daß die 16 bit-Dynamik schon aus technischen Gründen praktisch nie ausgenutzt wird. Mit heutigen 24-bit-Geräten und passender hochwertiger Analogtechnik ist das technisch möglich, wird aber aus inhaltlichen/praktischen/ästhetischen Gründen nicht gemacht. Aber bitte, wo wenn nicht bei Ravel können und dürfen wir maximale Dynamik fahren?? Den ernsthaften, evtl. "audiophilen" Hörer wirds genauso freuen wie den Tonmeister, und Dirigent und Komponist hätten bestimmt nichts dagagen. Da fällt mir noch eine Stümperei ein, leider schon wieder Sinopoli bei DG, aber mit NYP (nicht übersteuert, Dynamik gegen 60 dB), Strauss Zarathustra: Entweder, das Orchester hat nicht nach der Orgel gestimmt, oder diese ist in sich nicht gestimmt worden. Bei einigen heiklen, leisen Stellen in "Von den Sehnsüchten" ist sie gut einen Viertelton zu hoch, es zieht einem die Schuhe aus.
Ein halber Halbton? Wahnsinn! Sowas ist mir aber auch schon aufgefallen: In der E-Musik und der "Klassik" wird oft wesentlich schlechter gespielt als in der Volksmusik. Und die akustische Musik, die man im Radio hört, ist normalerweise sowieso bloß ein Stillentöter. Da höre ich mir lieber ein Froschkonzert an.
Moin... "Gehört bei E-Musik aber nicht zum feinen Ton, denke ich. " Nun ja, die Frage ist: Hört man es oder nicht? Wenn lediglich ein paar Transienten mal in die Übersteuerung jagen, dann wohl kaum. Die Alternative wäre ja, das ganze um x dB leiser zu fahren und somit in den leisen Stelle auf Auflösung zu verzichten (bzw. die SNR zu verschlechtern), was man u.U. deutlicher hört. Wer sich mal was richtig übles zu Gemüte führen will, der schaue und höre sich mal die Wellenformen der "Red Hot Chili Peppers - Californication" an. Da graust es einem wirklich, und vor allem hört man da selbst als Laie das Kratzen, Zerren und Knacken. Das gehört selbst in der U-Musik nicht mehr zum feinen Ton (wobei diese Unterscheidung IMHO Blödsinn ist in diesen Fragen. E- wie U-Musik gehört technisch sauber produziert). Jens