Frage zu Hauptmikrofonsystem

Erstellt 4 Antworten5 Beiträge
Startbeitrag#1
Ich habe kürzlich folgenden Aufbau eines Hauptmikrofonsystems gesehen
(mittelgroße Kirche, Streichorchester 20 Personen; Klassik):
je 2 Mikrofone (Kugel und Niere) übereinander, Abstand ca. 70 cm und leicht nach außen gedreht (Achsenwinkel etwa 35-40 Grad).
Auf mein Nachfragen sagte mir der Aufnehmende er könne so durch das Beimischen der Nieren das Orchester mehr oder weniger präsent machen.
Frage: Ist das eine übliche Aufnahmetechnik. Oder wäre es besser wie gewohnt als AB die Kugeln parallel auszurichten und die Nieren (auf der gleichen Traverse) mit einem entsprechenden Achsenwinkel und dem daraus resultierenden Aufnahmewinkel dazwischen zu positionieren. Beide Aufnahmewinkel sollen sich dann entsprechen.
Vielen Dank für Antworten
AndreasK
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Antwort#2
Hallo Andreas,

das ist ein "Straus-Paket" was der Kollege da gemacht hat. Man kann durch die Summierung der Kugel und Niere die Richtcharakteristik auf eine Zwischenposition zwischen Kugel und Niere einstellen. Es gibt aber heute Mikrofone mit "Breite Niere", die eine solche Anordnung i.d.R. überflüssig machen. Es sei denn, der Anwender will den Übergang zwischen Kugel und Niere fein dosiert einstellen können. Habe ich auch schon gemacht. Man vereinigt damit die Vorteile der Kugel (Druckempfänger) mit denen der Niere.
Allerdings ist bei 70 cm gegeseitigem Abstand das Drehen nach außen nicht notwendig.

MfG
Rainer
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Antwort#3
Danke für die Antwort Rainer.
Ist es auch nicht empfehlendswert bei diesem Abstand oder bei etwa 60cm Basisbreite nach außen zu drehen. (Kugeln richte ich immer parallel aus)
Gruß
AndreasK
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Antwort#4
Zu Rainers Posting möchte ich etwas ergänzen. Es ist schon richtig, dass ein Kleinmembranmikrofon KM83 (Kugel) und ein Kleinmembranmikrofon (KM84 (Niere) zusammengepackt "Straus"-Paket genannt wird. Aber das gilt nur für diese Mikrofontypen, die nicht elektronisch-symmetrisch am Ausgang sind, sondern trafosymmetrisch erdfrei! Die Idee hatte Volker Straus jedoch zu einer Zeit, als es die Richtcharakteristik "Breite Niere" als Kleinmikrofon nicht im Handel gab. Er brauchte diese Richtcharakteristik aber für seine vielen Stützmikrofone. Ich wiederhole: Er brauchte sie ausschließlich als Stützmikrofone. Als es dann breite Nieren gab, hat er sein Pakete nicht mehr verwendet. Das taten dann aber eifrig seine "Jünger" weiterhin.
Dieser bekannte Tonmeister hat seine Pakete nie (!) bei einem Haupmikrofonsystem angewendet. Da wir dieses Thema hier schon hatten, verweise ich im Link auf ein Posting: "Die Erfahrungen mit den Straus-Paket".
Viele Grüße
Eberhard Sengpiel
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik
http://www.sengpielaudio.com


Erfahrungen mit den 'Straus-Paket'
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Antwort#5
Bei einer AB-Kugel-Mikrofonanordung mit Mikrofonabständen untereinander = Mikrofonbasis größer als einen Meter werden diese Mikrofone eher zu so etwas wie Einzel-Mono-Mikrofone und der Stereo-"Zusammenhang" wird immer geringer. Darum dürfen zum Beispiel bei Mikrofonabständen von 2 Metern und mehr die Mikrofone völlig bedenkenlos und frei nach Belieben hingewinkelt werden, wohin man will, ohne dass sich unerwünschte Spektraldifferenzen (frequenzabhängige Pegeldifferenzen) ausbilden. Etwas anderes sind die beliebten Kugeln in etwa 30 cm Abstand, die kräftig nach außen gewinkelt sind. Die erzeugen dann die unschön-färbenden Spektraldifferenzen, die im Schallfeld am Aufstellungsort dort wirklich nicht vorhanden sind.
Noch etwas zu dem immer wieder erwähnten Straus-Paket. Ich habe bei Straus gelernt. Er schreibt sich wirklich mit einem "s". Niemals hat er eine Kugel auf einen Regler gegeben und eine Niere auf einen anderen und dann das Verhältnis von Niere zu Kugel geregelt, auch wenn man das ja machen kann.
Was in Vorlesungen von "unbedarften" Vortragenden oft erzählt wird, dass Volker Straus seine beiden Paket-Mikrofone parallel-geschaltet hätte. Das ist recht falsch, denn er hat das nie getan. Das wäre auch blödsinnig.
Er hatte etwa 30 Mikrofon-Kabel-Peitschen zur jeweiligen Serienschaltung (Reihenschaltung) seiner beiden Mikrofone, die immer KM 83 und KM84 waren.
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