Hallo zusammen, habe ein Requiem live mitgeschnitten. Der Chor ist sehr groß (100 Choristen) und steht auf einem steilen Chorpodest. Die Kopfhöhe der Choristen in der obersten Reihe liegt bei ca. 4m. Gestützt habe ich leider nur mit drei Mikros. Allesamt Kleinmembrannieren direkt vor dem Chor in ca 3,5m Höhe. Über die hinteren Reihen des Chorfeldes konnte ich mit meinen großen Stativen aus Platzgründen keine zwei zusätzlichen Stützen positionieren. Direkt vor dem CHor steht das Blech, dass bei "f" bis "ff" den Chor teilweise überdeckt. Nun, lange Rede kurzer Sinn. Die Männerstimmen sind nicht präsent genug und der Chorklang laut Kunde unbefriedigend, so dass die Aufahme abgelehnt wurde.ICh hänge etwas in der LUft, weil ich niemanden kenne, der sich das anhört und kritik üben könnte. Gruß Jörg
Hallo Jörg, wenn man dicht hinter dem Orchester den Chor zu stehen hat, dann ist es immer ein Problem, den Chor gut einzufangen. Vor den Chor kann man oft nicht gehen, da kommt die ganze Perkussion laut mit rein. Da muss man schon über den Chor gehen. Auch müssen die drei Mikrofone nicht in gleicher Höhe stehen. Die immer schwachen Männerstimmen musst man schon bevorzugen. Die Mikrofone müssen auch nicht schön in einer Reihe stehen. Es gilt nicht "Flächendeckung". Es gilt gezielte "Manndeckung", um es fußballmäßig auszudrücken. Auch drei Mikrofone können ein flexibles Mikrofonsystem sein, natürlich nicht für Puristen, die wollen M/S oder XY. Es ist ein großes Problem, wenn ein Kunde vermutlich zu Recht die Männerstimmen als nicht präsent genug empfindet und den Chorklang als unbefriedigend und dann das Produkt nicht haben und bezahlen will. Ärgerlich. Und das den "Grünschsll"-Anhängern ins Stammbuch, die so gerne argumentieren: Wir haben zwei Ohren und zwei Lautsprecher, darum brauchen wir auch nur... So ein Unsinn. Damit meine ich nicht den armen Poster Jörg.
Immer wieder hat man die Hoffung, einen Chor vorzufinden (oder ein anderes Ensemble) der ganz natürlich akustisch ausgeglichen singt. Wenn man den Chorleiter fragt, dann sagt er, er hätte einen sauber ausgeglichen singenden Chor. Wie schön ist sein Wunschdenken und er glaubt das wirklich. Er kennt doch seinen Chor. Dann kommt da ein "blöder" Tontechniker, der den Chor unausgeglichen aufnimmt. Der ist jetzt allein Schuld, dass man seine Aufnahme ihm nicht abkauft. Ich habe es noch nie erlebt dass eine Musikgruppe musikalisch immer ausgeglichen klingt. Aber die Hoffnung bleibt. Ein Koinzidenzmikrofon sagt dann die ehrliche Wahrheit über die Unausgeglichenheit, die aber die Musiker nicht hören wollen. Tontechniker müssen immer sehr flexibel sein und auf eine "natürliche" akustische Ausgeglichenheit kann nur gehofft werden. Sie wird nie eintreffen. Leider.
......es ist beileibe nicht der erste CHor, dem ich Mikrofone vor die Nase halte. Was du beschreibst, erlebe auch ich immer wieder. Was mir bei dieser Aufnahme widerfahren ist verstehe ich irgendwie nicht. Das einzige was sich in meinem Setup geändert hat ist die Abhöre. Ich hab Genelc 8040 Monitore. Bin jetzt nach 3 Monaten Intensivnutzung nicht so glücklich damit. Werde im Vergleich nochmal die K+K O100 probieren.
Ich kenne das Problem mit den Chören auch, die nicht glauben wollen wie unausgeglichen sie singen. In diesem Fall gibt es eine brutale Methode: Man holt einen Sänger/-in nach dem anderen aus dem Chor und läßt ihn mal in der Mitte des Raumes mit geschlossenen Augen hören!. Dann werden manchem die " akustischen Augen" aufgehen.
Hallo Jörg, auch wenn du sagst es wäre nicht deine erste Aufnahme, hast du dir die einzelnen Mikrofone einmal auf Polungsgleichheit angesehen? Bitte Vielleicht hast du einen Verpoler und deshalb ist der Klang bei den Männern nicht stabil. Eventuell hilft dir hier ein 4 oder 6 bändiger Multibandkompressor, um die Männer anzuheben. Ich würde versuchen, die in Frage kommenden Spuren auf dem Rechner zu duplizieren und gezielt für die Männerstimmen nachentzerren und komprimieren, keine falschen Hemmungen, du kannst jetzt nur noch gewinnen! Achtung bei den Multiandkommpressoren solltest du die Einzelbänder voneinander entkoppeln und im Stimmenbereich der Männer mit höherem Kompressionsfaktor arbeiten als bei den restlichen Bändern. Teste auch einfach einmal an, die weiblichen Bänder stummzuschalten. Da die Männer meisten hinten stehen, gehe ich immer mit meinem K&M oder Neumann Großgalgen von hinten über die Reihen und hänge meist einen Druckempfänger genau dorthin, das funktioniert sehr zuverlässig. Gruß M. Hein
Exakt. Man muss den Leuten manchmal den Zahn ziehen. Ich lasse mir den klang nach dem Einrichten des Systemes jedesmal abnehmen. Dann muss der Chorlieter oder Diri eben entscheiden, ob er mir erlabut, den Chor zu verschieben, um noch Mikros hinstellen zu können.
....keine Verpoler.... Habs nochmal überprüft. Dank auch für den Hinweis bezüglich Multibandkompression. Mal sehen, was sich da rausholen lässt, auch wenn ich nicht viel Hoffung habe. Aber wie du schon sagtest, ich kann höchstens gewinnen.... Gruß