Neuaufnahme vom thread: Wie haben die alten Meister das bloß gemacht? Dank für alle Reaktionen auf meinem Artikel. Es fällt mir auf das on diesem Tontechniker-Forum viele Reaktionen negativ sind. "Zu indirekt aufgenommen" usw. Diesem Artikel ist publiciert worden beim Trierer Orgelpunkt und bei Organist.nl; beide sind websites die frequentiert werden von Liebhaber von Orgelmusik, und hier ist die Stimmung gans anders. Nur ein Paar Beispiele: "Vielen Dank für die CD! ich habe sie schon einmal ganz gehört, und ich bin wirklich begeistert! Es ist eine der CDs, von der ich immer sage, dass sie "Spaß" macht zu hören... Die Aufnahmetechnik erscheint mir wirklich sehr überzeugend, und ich kann im Vergleich mit meiner (nicht zu kleinen) CD-Sammlung sagen, dass sie absoluten Seltenheitswert hat! Eckhard Jakob, Webmaster Trierer Orgelpunkt" "Gisteravond nog iemand je opname laten horen! Niets gezegd en gekeken.. RAZEND enthousiast! Dit had ie nog nooit gehoord! G. van Betlehem, Webmaster Organist.nl " (Möchten sie eine übersetzung, sage es mir) Und so habe ich noch viele. Zwei Sachen kommen hier nach vorne: Erstens, Orgelaufnahmen machen, direkt oder Indirekt, es ist reine Geschmackssache. Zweitens, ich spüre hier eine unendlich große Diskrepanz zwischen einerseits Aufnahmetechniker und andererseits Orgelliebhaber. Für wem machen Sie eigentlich Ihre Aufnahmen ??? Und sind Sie nicht zu perfektionistisch tätig, als Sie Aufnahmen machen die technisch perfekt sind, aber künstlerisch uninteressant? Fokke Reiding
ich mache Orgelaufnahmen für meine Kunden. Aber was mich nicht befriedigt, mute ich auch keinem Kunden zu. Eine indirekt aufgenommene Orgel läßt musikalische Details untergehen und ich habe noch nie das Attribut "Durchhörbarkeit" als Negativkritik bekommen. Wer einfach nur auf "Sound" abfährt, wird mit der Qualtiät einer im diffusen Schallfeld aufgenommenen Orgelaufnahem immer zufrieden sein. Wer aber auf musikalische Details Wert legt, verlangt mehr als nur "Sound". Und ich produziere für solche, von denen ich 100%-ig weiß, daß sie musikalische Kompetenz besitzen.
Es trifft sicher zu, dass der Klangeindruck einer Orgelaufnahme Geschmacksache ist, daher die positiven Beurteilungen. Jedoch sind Mikrofone im diffusen Schallfeld sehr gut geeignet, musikalische Unzulänglichkeiten des Organisten zu kaschieren, Schwächen der Intonation unhörbar werden zu lassen und das Instrument somit nur sehr wenig differenziert abzubilden. In der Tat: es gibt für meinen 'Geschmack' sehr wenig zufriedenstellende Orgelaufnahmen. Die akustischen Bedingungen in Kirchen werden oft in ihrer Komplexität unterschätzt. Ist hier jemand im Forum, der mit Surroundanordnungen Erfahrung hat? Ich sehe da einen Ansatz, anstatt mit der unzulänglichen Stereofonie, einiges zu verbessern. Surroundaufnahmen in Kirchen sind da allerdings nichts triviales, da bin ich mir sicher... :)
Hallo auch, da ich den "Vorteil" habe sowohl Organist, als auch (angehender) Tonmeister zu sein, kenne ich mich ein wenig mit der Materie aus. Orgeln haben als einzigen Vorteil, daß man sie ganz nett mit einem Stereopaar schön pauschal aufnehmen kann, ohen daß es wirklich weh tut. Leider geht hier für ein richtig gute Aufnahme einiges verloren an besagter Durchhörbarkeit, die man aber bei Orgeln meiner Meinung nach nicht übertreiben sollte. Ein Großteil der Aufnahmen, die ich habe gehören leider in die Kategorie pauschal. Das andere Extrem sind die Aufnahmen, die den Raum, in dem sie stehen, völlig ausblenden und man den Eindruck hat, die Mikros hängen in der Pfeife (siehe unten, Lübeck St, Marien Ernst Erich Stender). Genau hier fängt die Crux von guten Orgelaufnahmen an. Der Raum gehört zur Orgel unabdingbar dazu, da die sie in der Regel für den jeweiligen Raum gemacht sind. Daher erfordert schon die Positionierung des Hauptmikrophons ein gutes Gespür für den Raum, die Orgel und(!) die aufzunehmende Musik. Deutsche oder französische Romantik verträgt deutlich Raum, brauch ihn sogar, um das ihr innewohnende rauschhafte zu vermitteln. Einen Bach sollte man dagegen nicht aus 30 Meter Entfernung verschwimmen lassen, aber halt auch nicht jede Pfeife einzeln hören. Ich selber versuche mich ersteinmal in den Raum hineinzuhören und habe bisher immer noch eine ganz akzeptable Position für ein AB o.ä. gefunden, nichts desto trotz werde ich nach Möglichkeit auch stützen, um das ein oder andere etwas griffiger zu bekommen, vor allem, wenn die Anordnung der Orgel ungünstig ist. Ein Rückpositiv kann bei einer sonst guten Position des AB für den Rest der Orgel schon zu direkt sein, auch wenn dies ein wenig die Funktion ist. Dies ist aber auch alles tatsächlich Geschmacksfrage. Nächster Streit: nimmt die Orgel aus Richtung des Zuhörers auf (also Orgel im Rücken) oder mit Blick auf die Orgel?!? Ich schaue bei Aufnahmen immer auf die Orgel. Zu alledem könnte sich hier sicherlich auch Hans Joachim noch fundierter äußern Herzlichen Gruß Markus Przybilla
Eine Surround-Sound-Aufnahme einer Solo-Orgel, die genau aus der Originalrichtung bei der Suround-Wiedergabe von hinten kommt, würde ich als falsche Aufnahme empfinden. Alle Stereo-Aufnahmen von Orgeln werden wenigstens mit der Mikrofonausrichtung auf die Pfeifen gemacht. Dann kommt sie wenigsten bei meiner Stereo-Lautsprecher-Wiedergabe von vorne. Bei Live-Orgelkonzerten will ich die Orgel immer sehen. Da, wo ich sie sehe ist vorne.
Der reale Hörplatz ist nur sehr selten der ideale Aufnahmeort. Auch und gerade für Puristen in Sachen Authentizität. Virtuose Orgelmusik (z.B. Hakim) droht so zur Schleimorgie zu verkommen. Denn etwas fehlt im Wohnzimmer: die optische Information, die aktustische Zusatz-Information durch die Bewegung des Kopfes und die sensorische Information durch die Schwingung der Bänke und des Bodens! Das darf man nicht unterschätzten. Unübertroffen fantastisch klingt bei der Orgel der gute alte Decca-Tree mit zwei diffusfeldenzerrten und einem freifeldentzerrten Kugelmikrofon. Aufgestellt knapp innerhalb der Grenze des Hallradius auf einem Hochstativ (nicht auf der Höhe der Labien!). Wenn gestützt wird, müssen die Stützen mit genügend DELAY etwas NACH (!!) dem Hauptsignal eingeordnet werden und dürfen niemals herauszuhören sein (das ist in der Tat schrecklich aber leider oft zu hören). Ich verzichte oft auf die Stützen und verwende anstatt der mittigen Kugel eine Niere, Hyperniere oder Keule, tönt oft sogar noch besser. Der gute alte Decca-TRee ist in meinen Augen bei der Orgel auch die ideale Basis für eine Surround-Mischung: Er wird durch zwei nach hinten gerichtete Nieren ergänzt. Für mich bis heute unübertroffen. Balthasar
Hallo Balthasar, es ging hier zwar -glaube ich - nicht um Surroundaufnahmen von Orgel, aber ich finde deinen Ansatz mit dem Decca-Tree für die Orgel nicht uninteressant, sollte ich vielleicht mal ausprobieren. Das andere Thema ist ein langer Streit, ob man Stützen verzögern soll oder nicht. Dies macht meiner Meinung nach erst dann Sinn, wenn die Laufzeiten so groß werden, daß man sie als Echo hört. Ansonsten haben Stützen doch schon den Sinn, ein Signal, da direkt, etwas nach vorne holen zu können (wenn der Pegel hoch ist) oder halt ein wenig griffiger, präziser zu bekommen (da brauchts dann nicht viel Pegel). Bei einer Orgelaufnahme gilt -denke ich- eher das letztere, um in den "Schwamm" des Hauptsystems ein wenig Deutlichkeit zu bekommen. Gruß Markus Przybilla