Re: Faltung

Erstellt 10 Antworten11 Beiträge
Startbeitrag#1
"Die Geräusche gehören zwar dazu, aber ein Klavierbauer wird sich bei
der Intonation u.a. darum bemühen, diese Geräusche gering zu halten."
Das ist irgendwo ein Widerspruch in sich.
Ich behaupte nach wie vor: Wenn man GANZ ohne die Geräusche könnte (bzw. von Anfang an gekonnt hätte), würde sie heute niemand vermissen. Das ist nichts weiter als Hörerfahrung.
Jens
ZitierenPost melden
Antwort#2
Das ist irgendwo ein Widerspruch in sich. Ich behaupte: Wenn man GANZ ohne
die Geräusche könnte (bzw. von Anfang an gekonnt hätte), würde sie heute
niemand vermissen. Das ist nichts weiter als Hörerfahrung.
Das kann ich mir bei der Entwicklung eines anderen wichtigen Musikinstrumnets, der Geige und ihres Klangs aber nicht vorstellen.
ZitierenPost melden
Antwort#3
Moin...
Wo bitte hast du denn bei der Geige Mechanikgeräusche?
Wohlgemerkt: Wir reden (auch beim Klavier) hier NICHT vom Anschlaggeräusch des Hammer(kopfes), was bei der Violine etwa dem Anstreichgeräusch entspräche. DAS sind selbstverständlich Geräusche, die den Ton eines Instruments mitdefinieren. Klappernde Mechaniken, Geräusche der Pedalmechanik oder das Zurückfallen der Hämmer ins Bett halte ich nicht für im positiven Sinne klangformende Geräusche...
Ebenso bei der Gitarre: Das Anschlaggeräusch des Fingers/Nagels/Plektrums ist klangbestimmend. Scheppernde Saiten bei zu niedriger Saitenlage oder das Rutschen der Greifhand (umsponnene Saiten) sollte man (ausser bewusst als Effekt eingesetzt) eigentlich nicht hören müssen.
Jens
ZitierenPost melden
Antwort#4
Wo bitte hast du denn bei der Geige Mechanikgeräusche?
Der Geigenbogen mit den Pferdehaaren und die Geigenseite sind quasi vergleichbar mit rutschenden Bremsbacken an der Felge. Wenn das keine mechanischen Geräusche macht. Viel mehr Geräusch als reiner Ton. Ganz besonders bei der Geige! Ein "sauberer" Geigenton ohne dieses Geräusch klingt nicht nach Geige.
Die Saite wird durch den Bogen des Spielers ausgelenkt. Die Bogenhaare sind mit Kolophonium versehen und bewirken, dass die Saite am Bogen haftet. Diese Verbindung bleibt so lange bestehen, bis der Widerstand der Saite gegen die Auslenkung größer ist als die Haftreibung des Bogens. Die Saite schnellt zurück und wird erneut vom Bogen erfasst.
Das Kolophonium wirkt in der Haftphase als Kleber, und in der Rückschnellphase als Gleitmittel. Die dabei entstehende Schwingungsform bezeichnet man als
Sägezahnschwingung: Die Amplituden der Obertöne verhalten sich reziprok zu ihrer Ordnungszahl.
Die Form des Sägezahns ist auch von der Anstrichstelle abhängig und kann als direktes Abbild der realen Streckenteilung durch des Bogen gesehen werden. Je näher der Bogen Richtung Steg kommt, desto kürzer wird auch die Rückschnellphase, der Ton wird obertonreicher.



Über das Schwingungsverhalten bei Geigen
ZitierenPost melden
Antwort#5
Ich zitiere mal:
"Der Geigenton soll keine nennenswerten Energieanteile über 3600Hz aufweisen."
Und folgere: also reicht ein dynamisches Mikro völlig aus und alle Diskussion um Chinamikro vs. Schoeps und Neumann erscheinen in einem völlig anderen Licht...
ZitierenPost melden
Antwort#6
Moin...
Du wirst lachen: ich weiß, wie eine Geige funktioniert. Trotzdem danke für die Erklärung.
Aber: liest du die Beiträge, auf die du antwortest? Anscheinend nicht, denn dann wäre dir aufgefallen, dass ich mir um Geräusche, die DIREKT mit der Tonbildung zu tun haben, überhaupt keine Gedanken mache. Sondern NUR um solche, die von irgendeiner Peripherie kommen (Mechanik, Trakturen etc.).
Jens
ZitierenPost melden
Antwort#7
"Der Geigenton soll keine nennenswerten Energieanteile über 3600Hz aufweisen."
ThomasT folgert folgert: also reicht ein dynamisches Mikro völlig aus und alle Diskussion um Chinamikro vs. Schoeps und Neumann erscheinen in einem völlig anderen Licht...
Wenn man sich klar ist was "nennenstwerte Anteile" heißt und nicht das hörbare Impulsverhalten unterschlägst. Damit erkenne ich deine Ironie. :-)
Was aber zu den Höhen gesagt werden muss: Am Zuhörerplatz sind keine "nennenswerte" Geigenanteile über 4 kHz vorhanden. Nur nehmen wir aus der Nähe einige Höhen auf und bilden somit nicht genau das Klangbild am Zuhörerplatz nach. Die Stereoaufnahme ist ein eigenes künstliches und künstlerisches Medium.
Interessant ist im Geigen-Aufsatz:
F. Winckel (1967) beschreibt folgende Merkmale für eine klanglich herausragende Violine: Der Geigenton soll keine "nennenswerten" Energieanteile über 3600 Hertz aufweisen. (An welchem Ort?) Bis 500-600 Herz sollen keine erheblichen Resonanzen auftreten. Der Ä-Formant im Bereich von 600-700Hz und 1300-2000Hz soll vermieden werden, da das Instrument sonst nasal klingt. C. Hutchins und F. Saunders (Hutchins 1976:71) stellen nach einem Vergleich von fünf Stradivariviolinen folgende Merkmale einer guten Geige fest: Die Hauptholzresonanz und die Luftresonanz liegen etwa 7 Halbtöne oder eine Quint auseinander. (Als Hauptholzresonanz (main wood) bezeichnet C. Hutchins die stärkste Resonanz des Korpus, die nur bei gestrichenen Tönen erscheint und als Luftresonanz die tiefste Eigenfrequenz des eingeschlossenen Luftvolumens.)
Das kennen auch die Tontechniker:
Darüber hinaus muss der Geigenbauer auch noch auf die "Wünsche seines Klienten" eingehen, kann also nicht nur nach seinen subjektiven Kriterien urteilen.
Er unterscheidet 3 Gruppen von Kritikern:
1.) Die Gruppe der Geigenbauer. Diese beurteilen besonders die handwerkliche Ausführung des Instruments, die Herkunft und den Namen des Herstellers. Die akustischen Kriterien lauten: Tragfähigkeit, Ansprache, Ausgeglichenheit, Ansprache, Klangfarbe und Modulationsfähigkeit.
2.) Für Instrumentalisten gelten ähnlich Punkte. Die Gewichtung der Punkte hängt aber ganz erheblich von spieltechnischen Niveau ab: für Anfänger ist die leichte Spielbarkeit und gute Ansprache wesentlich wichtiger als für Berufsmusiker. Ihnen ist die Klangfarbe und Modulationsfähigkeit des Instruments wichtiger und bestimmt auch den zukünftigen Einsatz des Instruments. Die Lautstärke und Durchsetzungsvermögen sind für den Anfänger zweitrangig, während diese Kriterien von professionellen Spielern an erster Stelle genannt werden.
3.) Die dritte Gruppe, die Zuhörer können Instrumente nur bedingt beurteilen. Ihre Bewertung besitzt weniger Aussagekraft als das der vorher genannten.
ZitierenPost melden
Antwort#8
Die Plug-In-Geräte, die "Spielgeräusche" beseitigen, sind nicht so intelligent, um Geräusche zu unterschieden, die DIREKT mit der Tonbildung oder indirekt damit zu tun haben.
ZitierenPost melden
Antwort#9
Allerdings hätte ich noch eine ernsthafte Frage:
Als Hauptholzresonanz (main wood) bezeichnet C. Hutchins die stärkste Resonanz des Korpus, die nur bei gestrichenen Tönen erscheint und als Luftresonanz die tiefste Eigenfrequenz des eingeschlossenen Luftvolumens.
Wieso erscheint die Hauptholzresonanz nur bei gestrichenen Tönen?
Also nicht bei Pizzicato?
ZitierenPost melden
Antwort#10
Auch für dich gilt: lesen?
Wir hatten über Plugins zur Beseitung von Spielgeräuschen überhaupt nicht gesprochen. Es ging um das "Fehlen" der Mechanikgeräusche bei gesampelten Instrumenten.
Jens
ZitierenPost melden
Antwort#11
Warum werden Kammfiltereffekte nur bei langen Tönen hörbar auffällig und nicht bei Perkussion?
Warum werden dröhnende Raummoden nur bei längeren Anregungen hörbar?
Die Kammfilter Löcher und die Dröhnresonanzen der tiefen Raummoden können sich nur psychoakustisch "hörbar" auswirken, wenn die Anregungsenergie nicht kurz, sondern eben lang ist.
Man kann sich auch zur hörbaren Rückkopplung bei kurzen Impulsen und bei längerer Anregung Gedanken machen.
ZitierenPost melden

Deine Antwort

Du kannst ohne Anmeldung schreiben.