kugelschallsysteme-klangsäulen-raumwirkung

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Startbeitrag#1
so-wird wahrscheinlich wieder ein streitthread... ;-))
a)was denkt ihr über diese kugeschalllautsprecher?
b) mit welchen argumenten tritt man einem tontechniker entgegen, der einem selbige als ultimative weisheit verkaufen will, da in der natur sich schall ja auch kugelförmig ausbreitet...
c) wie beurteilt ihr eine raumbeschallung im vergleich klangsäule-normale lautsprecher? (livemusik)
d) hat dieses system wirklich am markt für furore gesorgt? wenn ja, warum wird es nicht weiter ausgebaut (um z.b. sowas wie 5.1. eigentlich unnötig zu machen?)
danke für eure meinungen. evtl. kann mit jemand erklären, was bei diesen kugelschalllautsprechern eigentlich passiert in bezug darauf, wie dieses system mit der räumlichen information umgeht.
lg matthias
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Antwort#2
Moin...
Ich frage mich gerade selber, was da alles gemeint sein könnte? Geht es nun um Livebeschallung, oder um Hifi?
Meine Vermutung wäre ja, dass hier schlicht der Unterschied gemeint ist "Konventionelle Konuslautsprecher" vs. "Line-Array".
Erstere sind ja (pro Chassis) in recht guter Näherung Kugelstrahler, sofern nicht durch Hörner etc. nachgeholfen wird. Jedenfalls in der Haupt-Schallausbreitungsrichtung.
"Klangsäule" klingt mir mehr nach Linienstrahler (=Line-Array). Findet in Kirchen o.ä. für Sprachbeschallung in vereinfachter Form schon lange Anwendung, ist im Beschallungssektor gerade mehr als Hip, und findet, wie es scheint, in die Hifi-szene auch langsam Einzug.
Nun gut: Bei der Beschallung hat man einfach den Riesenvorteil der gleichmäßigeren "Ausleuchtung" in die hinteren Reihen. Man hat da aber durchaus noch mit diversen Problemen zu kämpfen, das wurde auch im Production-Partner-Sonderheft zur Musikmesse ausführlich diskutiert. Ein Beispiel ist das typische Tiefmittenloch, und auch die Kohärenz der Hochtöner lässt wohl zu wünschen übrig. Also weit entfernt von "High-Fideltity" im positiven Sinne.
Da das aber keine prinzipiellen, sondern eher konstruktiv bedingte Probleme sind, sehe ich den Entwicklungen da gespannt entgegen.
Für den Heimbereich oder als Studiomonitore ist IMHO einfach der Aufwand zu groß und es bleiben gegenüber konventionellen Systemen auch nach Lösung aller Probleme eigentlich keine Vorteile.
Wenn mit "Kugelstrahler" tatsächlich ein omnidirektional abstrahlendes System gemeint sein sollte, dann sehe ich in dem Argument "der Schall breite sich ja in der Natur auch kugelförmig (also auch nach oben, zur Seite, nach hinten) aus" eigentlich ein Nullargument. Das würde bestenfalls funktionieren, wenn man für jedes Instrument einen solchen Kugelstrahler aufstellte, aus der dazugehörigen (Mehrkanal-)Aufnahme den Raumanteil des urprünglichen Raums eliminierte und sich somit quasi die Band/das Orchester virtuell "ins Wohnzimmer stellt". Stereo-Lautsprecherwiedergabe hat ja mit der "Natur" nicht viel zu tun, und da will man eigentlich eben NICHT auch noch die Rückwand und die Decke beschallen und sich so zusätzliche Reflexionen einfangen.
Das passiert zwar trotzdem, aber den Effekt würde man vernünftigerweise nicht auch noch absichtlich verstärken wollen.
Da muss man sich einfach im Klaren darüber sein, dass Stereo-LS-Wiedergabe letztendlich nichts anderes ist als eine rudimentäre Form der (zweidimensionalen) Wellenfeldsynthese, und dass es eigentlich erstaunlich ist, dass dies in aller Einfachheit so gut funktioniert.
Jens
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Antwort#3
Eben, bei Stereowiedergabe braucht es keine Spezialausbreitung der Wellen. Man sitzt als Hörer im Stereodreieick, bekommt den Direktschall sowie dessen REfelxionen von den Wänden ab. Sicher macht es einen Unterschied, wie ein LS ausserhalb der Hauptrichtung (also in Richtung meiner Ohren) strahlt, da je nach Wand, ich diese Wellen mithöre. Legt man aber dieses Prinzip zugrunde, so müsste ein idealer Lautsprecher dorthin garnichts abstrahlen, damit ich nichts von der Seite doppelt höre. Ergo hat ein guter Lautsprecher eine extrem fokussierte Richtungsabstrahlung, sodaß nur das, was an meinem Ohr vorbeigeht von den hinteren Wänden wiederkommt. Ein derat reflexionsarmes Gebilde käme dem näher, wofür wir abmischen, oder?
Selbstrenden bekommt das arme Hifi-Schweincehn, daß 50cm links von mir sitzt, nix ordentliches mehr ab. Und gfs bringen die Kugelstrahler genau dafür einen Vorteil: Ich kann mich an einen Bericht über Lautsprecher eines Herrn Mechow (o.ä.) errinnern, der zwei je Speaker je zwei Systeme (Tweeter + Bass) übereinander anordnet und gegeneinander arbeiten lässt: Bei LS strahlen von oben und unten auf einen Doppelkegel, der die Wellen dann horizonal abstrahlt. Man erhält ein sehr viel breitere Stereonutzungsfeld in der horizontalen, dafür ein miniertes in der Vertikalen als bei üblichen LS.
Es ist also egal, wo Du auf dem Sofa sitzt, Du darfst nur nicht aufstehen ...
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Antwort#4
Moin...
"Ergo hat ein guter Lautsprecher eine extrem fokussierte Richtungsabstrahlung, sodaß nur das, was an meinem Ohr vorbeigeht von den hinteren Wänden wiederkommt."
Mit "Rückwand" meinte ich die Wand hinter dem Lautsprecher, nicht hinter dem Zuhörer.
Und: Nein, denn...
"Ein derat reflexionsarmes Gebilde käme dem näher, wofür wir abmischen, oder?"
Ein Reflexionsarmes Gebilde ja, ein scharfer Keulenstrahler wohl eher nein (wie du selbst sagst). Ein idealer Halb-, Viertel- oder Achtelraumstrahler (je nach Aufstellungsort) wäre wohl das Optimum. In Richtung der (mehrerer) Zuhörer eine Kugelwelle, in Richtung jeglicher Wände gar nichts.
Oder man muss eben die Reflexionen verhindern. Sei es durch Absorption oder Wandschlüssigen Einbau, etc. pp. Genau deswegen macht man doch solche Dinge.
Jens
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Antwort#5
ich meine diese dinger von phönix (staßfurt) wo ein lautsprecher(der in einer röhre sitzt) gegen einen hyperbolischen kegel strahlt.
ich hatte eine schwierige diskussion mit nem tontechniker, der mir weismachen wollte man könne nur mit seinen tollen system wirklich räumlichkeit erzielen. meine argumente der sensoren im schallfeld (mikrofone) und der darausfolgenden konkrten information die systembezogen wieder abgespielt werden muß, ließ er irgendwie nicht gelten.... da ich noch spielen mußte (mit ihm) hab ich dann drauf verzichtet, recht haben zu wollen. ehrlich gesagt (um an dieser stelle mal zu heulen) war es sehr nervig wieder mal nen techniker zu haben, der dem musiker fachchinesisch vor der mugge klar machen muß, daß sein system und seine methode eigentlich die beste ist....
trotzdem muß man sagen, klang der sound sehr gut. habe ich das jetzt richtig verstanden, daß der "räumlichere" effekt allein dadurch zustande kommt, daß die stereoinformation breiter gestreut wird?
lg matthias
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Antwort#6
"Oder man muss eben die Reflexionen verhindern"
Logisch, aber das hat mit den LAS nix mehr zu tun. Die LS-Bauer protzen ja mit Ihren eigenen Konstruktionsleistungen.
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Antwort#7
studio96 schrieb: "Ergo hat ein guter Lautsprecher eine extrem fokussierte Richtungsabstrahlung, sodaß nur das, was an meinem Ohr vorbeigeht von den hinteren Wänden wiederkommt."
Man denke an die Home-THX-Norm: Die Frontlautsprecher müssen vertikal symmetrisch aufgebaut sein (MT, darunter HT, darunter MT), was den D'Apolito-Effekt ergibt. Entsprechend wird horizontal breit abgestrahlt, an Boden und Decke kommt wenig. Diese Reflektionen werden damit verringert, während mehrere Hörer gut beschallt werden.
Bekannt ist aber auch, daß diese Boxen klanglich nicht sehr schön sind, für Film (Dialoge, Effektortung) ist das OK, für Musik aber weniger. Darum wurden diese Vorschriften in der THX Ultra2-Norm verändert (weiß gerade nicht wie), damit Musik vernünftig klingt.
Genauso denke man an THX-Surround-Boxen: Die müssen Dipole sein, also gegenphasig nach vorn und hinten strahlen, und werden seitlich vom Hörer aufgehängt. Direkt zum Hörer dürfen nur die Tieftöner spielen. Der Effekt ist deutlich: Die Boxen sind nicht zu orten, der Klang sehr diffus und räumlich, eben wie für Atmos gewünscht, die nicht vom Bild ablenken sollen. Schwierig ist das bei direktionalen Effekten (Ballerei, Flugobjekte, Stimmen hinten), die sind u.U. zu diffus. Aber dafür hat die Marketing-Abteilung ja die Rear-Center-Kanäle erfunden...
AndyS
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Antwort#8
Hallo,
diskrete Reflexionen sollten wiedergabeseitig soweit als möglich unterbunden werden, um Mehrräumigkeit zu vermeiden.
Von daher ist der ideale Lautsprecher sicher kein Kugelstrahler 0. Ordnung. In SSF-01 kann man das auch nachlesen, wo ein Bündelungsmaß von 8dB +/- 2dB zwischen 250Hz und 10kHz gefordert wird.
Der ideale Lautsprecher für Heimtonanlagen sollte aus meiner Sicht frequenzneutral und kräftig bündeln. Da man bei der Gestaltung der Raumakustik im Wohnzimmer wenig Freiheitsgrade hat, sollte bereits der Lautsprecher den Wiedergaberaum möglichst gut ausblenden.
Halbraumstrahler sind zwar leicht zu bauen und man bekommt ein sehr frequenzneutrales Bündelungsmaß, jedoch sind die Ansprüche an die Raumakustik hoch, wenn Reflexionen 20dB gegenüber dem Direktschall gedämpft werden sollen. Außerdem ist der Hallradius vergleichsweise klein, weshalb Halbraumstrahler nur geringe Hörabstände zulassen, wenn ein sinnvolles r/d-Verhältnis am Hörplatz angestrebt wird.
Halbraumstrahler als Nahfeldlautsprecher ideal, kurioserweise werden sie kaum für diesen Zweck angeboten.
Hersteller von hifi-LS versuchen dagegen oft, durch ein geringes Bündelungsmaß eine Pseudoräumlichkeit zu erzeugen, was wieder damit zusammenhängen dürfte, daß der Großteil der Konsumenten Tonaufnahmen mit einer unnatürlichen und daher nicht der Erwartungshaltung entsprechenden Raumwirkung hört (ich nenne das "Monopunkt-Aufweichungs-Lautsprecher"). Und da beißt sich die Katze dann in den Schwanz.
Gruß
Andreas
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Antwort#9
wie "mehrräumigkeit"? könntest du das noch konkretisieren?
könnte man also sagen, daß durch kugelschallwandler eine starke zumischung des abspielraumes erfolgt (quasi faltung mit der abspielraumakustik) und dadurch natürlich immer dieser wunderbar einhüllenden räumliche effekt da ist?
nur: wird jetzt die rauminformation generell ausgelöscht, oder wird nur die konkrete "ortung"/lokalisation (hihi...) dadurch unmöglich gemacht (also monopunktaufweichung)? ich meine das jetzt so: man kann zwar nicht mehr sagen, die geige kommt von links oben, aber trotzdem klingts ganz räumlich, weil die rauminfo ja da ist, nur durcheinandergewürfelt... kann man so denken? oder habsch nen denkfehler?
wie siehts außerdem bei der geschichte mit laufzeitdifferenzne aus? (also bei livebeschallungsdingen)
lg matthias
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Antwort#10
wie "mehrräumigkeit"? könntest du das noch konkretisieren?

könnte man also sagen, daß durch kugelschallwandler eine starke zumischung
des abspielraumes erfolgt (quasi faltung mit der abspielraumakustik) und
dadurch natürlich immer dieser wunderbar einhüllenden räumliche effekt da ist?
Es gibt / gab eine HiFi-Lautsprecherhersteller (war's Pfleiderer?), der ernstlich forderte, daß Aufnahmen absolut "trocken" gemacht werden, um den Klangkörper in die Akustik eines Wohnzimmers zu verlagern.
Der Lautsprecher war darauf ausgelegt, durch Abstrahlung nach oben viel Diffusschall zu produzieren.
Man stelle sich ein Sinfonie-Orchester in einer Stube von 4 * 5 * 2,5 m hoch 3 mit Polstermöbeln, dickem Teppich und klirrenden Gläsern in der Vitrine vor.
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Antwort#11
Hallo Matthias,
"wie "mehrräumigkeit"? könntest du das noch konkretisieren?"
Mehrräumigkeit meint die Überlagerung der aufnahmeseitigen Rauminformation durch eine Raumwirkung, die aus der Wechselwirkung von Lautsprecher und Hörraum herrührt. Anschaulich: Wiener Philharmoniker im Musikvereinsaal im Wohnzimmer. Dies ist insofern von Bedeutung, da der "Ursprungsraum" (z.B. Konzertsaal) oft "akustisch groß" ist, während der Hörraum "akustisch klein" ist.
Die Tonaufnahme enthält daher ein ganz anderes Muster an diskreten Reflexionen (wenn sie es denn enthält, also z.B. konventionelle Aufnahme mit einem Stereo-Hauptmikrophon, keine Nahaufnahme), wobei das ITDG des Ursprungsraumes viel größer ist, als beim kleinen Hörraum.
Das initial time delay gap ist sehr wichtig für die empfundene Raumgröße. Ein geringes ITDG und ein hoher Pegel der ersten Reflexionen machen den Klang dicht und weniger transparent.
"könnte man also sagen, daß durch kugelschallwandler eine starke zumischung des abspielraumes erfolgt (quasi faltung mit der abspielraumakustik) und dadurch natürlich immer dieser wunderbar einhüllenden räumliche effekt da ist?"
Ja, das kann man so sagen.
"nur: wird jetzt die rauminformation generell ausgelöscht, oder wird nur die konkrete "ortung"/lokalisation (hihi...) dadurch unmöglich gemacht (also monopunktaufweichung)? ich meine das jetzt so: man kann zwar nicht mehr sagen, die geige kommt von links oben, aber trotzdem klingts ganz räumlich, weil die rauminfo ja da ist, nur durcheinandergewürfelt..."
Das habe ich nicht ganz verstanden. Kugelstrahler erzeugen eine diffuse Pseudoräumlichkeit durch Interaktion mit dem Hörraum. Damit wird dann jede Tonaufnahme überzogen, wie mit einer Generalsauce. Die Phantomschallquellen werden erheblich größer und verschwommener, die Lokalisation wird beeinträchtigt.
Zudem "siegt" in der Wahrnehmung das ITDG des Hörraumes gegenüber dem Ursprungsraum, so daß man immer den Eindruck hat, in einem akustisch kleinen Raum zu sein. Man hat nicht die Möglichkeit, in den Ursprungsraum (wenn denn aufnahmeseitig vorhanden) "hineinzuhören".
Gruß
Andreas
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Antwort#12
Erschütternde Vorstellung, in der Tat. Aber wie verhält es sich mit der anscheinen logischen Forderung, den Abhörraum akustisch tot zu machen, um eben nur den Raum aus der Aufnahme zu hören? Manche sagen, daß auch dies nicht das Richtige sei. Wieso?
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Antwort#13
zitat: "...Das habe ich nicht ganz verstanden. Kugelstrahler erzeugen eine diffuse Pseudoräumlichkeit durch Interaktion mit dem Hörraum. Damit wird dann jede Tonaufnahme überzogen, wie mit einer Generalsauce. Die Phantomschallquellen werden erheblich größer und verschwommener, die Lokalisation wird beeinträchtigt.
Zudem "siegt" in der Wahrnehmung das ITDG des Hörraumes gegenüber dem Ursprungsraum, so daß man immer den Eindruck hat, in einem akustisch kleinen Raum zu sein. Man hat nicht die Möglichkeit, in den Ursprungsraum (wenn denn aufnahmeseitig vorhanden) "hineinzuhören"...."

ja- darum gehts mir ein bisschen! in welche richtung wird die rauminfo verfärbt... danke für den interessanten hinweis, daß man als ergebnis immer "kleine räume" hört. also, um noch konkreter zu werden: ich will von dem phänomen ne konkrete vorstellung. allerdings nicht um handels-CD´s abzuspielen.
mir gehts eher darum: situation: livekonzert in einem großen raum (wenig nachhall) mit eben diesen kugelwandlern. wie muß ich nun zuspielbänder effektmäßig (speziell hall) gestalten, daß das gut im sinne großräumig klingt? oder anders: ist es günstig den "einproduzierten hall" sozusagen ähnlich der live vorhandenen raumgröße zu gestalten? so daß die echos und reflexionen ein bißchen in beziehung stehen?
oder anders: verwirrt es das gehirn, wenn also die Abspielmediumrauminformation eine völlig andere raumgröße simuliert, als dann live "dazugemixt" wird?
ist es günstig daß predelay der aufnahme vor dem "raumpredelay" oder dahinter zu setzen?
damit ihr mich nicht falsch versteht: mir gehts nicht um konservenabspielmöglichkeiten fertig produzierter musikCD´s. klar, daß hier der reflexionsarme raum besser ist. aber wie kann ich unter obigen gesichtspunkten zuspielbänder daraufhin optimieren, daß sie quasi unter einbeziehung der realroomfaltung gut klingen?
idee: wäre es also denkbar/sinnvoll z.b. die aufnahmen mit dem Raumimpuls des konzertraumes (oder wo halt der gig stattfindet) schon mal zu falten, um zu kontrollieren wies dann klingt? quasi einfach in samplitude das material 2 x falten um das ergebnis einschätzen zu können... müßte doch eigentlich gehen, oder?
idee2 (völlig verrückt) : beim abhören im konzert selbst (über kopfhörer) den mix in realtime in samplitude mit der impulsantwort des raumes falten, um sozusagen akustisch das konzert vom hörer aus zu steuern?...(ich gehe jetzt davon aus, daß man als spieler selbstredend immer was völlig anderes hört, als die leute und man meistens nicht wirklich das hört, was die leute hören (bei verstärkter musik).
hui-ich glaub ich übertreibe gerade :-)
lg matthias
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Antwort#14
Hallo,
ganz tot sollte man den Raum nicht machen, zumindest wenn es um Zweikanalstereophonie geht. Sonst treten systeminhärente Mängel (nur Frontalbeschallung, wirkt unnatürlich) zu stark ans Licht, zudem fühlen sich Menschen im reflexionsarmen Raum nicht wohl.
Es sollte daher ein Diffusfeld vorhanden sein, welches gerade ausreicht, um das Unwohlsein zu vermeiden, dabei allerdings Klangfarbe und Phantomschallquellenbildung so wenig als möglich beeinträchtigt (gegenüber Freifeldbedingungen).
Dies ist besonders dann gegeben, wenn der hintere Raumteil für diffuse Reflexion genutzt wird, während der vordere Raumteil absorbierend ausgelegt ist. Zudem muß die Nachhallzeit des Raumes als Funktion der Frequenz so konstant wie möglich sein, was auch für das Bündelungsmaß des LS gilt. Diskrete Reflexionen sollten so gut als möglich unterdrückt werden, am besten unter eine Schwelle von - 20dB gegenüber dem Direktschall.
Wenn der Hörplatz dann noch etwas, aber nicht zu weit innerhalb des Hallradius liegt, sieht es meiner Erfahrung nach gut aus. Bündelungsmaß des LS, Nachhallzeit des Hörraumes und Hörabstand kann man dabei ineinander umtauschen.
Wenn man z.B. die Nachhallzeit des Raumes nicht kurz machen kann oder will, weil man trockene Akustik nicht mag, muß das Bündelungsmaß des Lautsprechers entsprechend hoch gewählt werden oder der Hörabstand gering.
Gruß
Andreas
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Antwort#15
Hallo Matthias,
"ja- darum gehts mir ein bisschen! in welche richtung wird die rauminfo verfärbt... "
Das hängt sehr stark vom Wiedergaberaum ab. Je nachdem wie dessen Raumakustik ist.....
"situation: livekonzert in einem großen raum (wenig nachhall) mit eben diesen kugelwandlern. wie muß ich nun zuspielbänder effektmäßig (speziell hall) gestalten, daß das gut im sinne großräumig klingt?"
Wenns ein großer Raum ist, dann klingen die Kugelstrahler schon von selbst großräumig. Gut, daß der Raum wenig Nachhall hat, ansonsten hättest Du keine Aussicht auf Erfolg. Dennoch dürften die Musiker auf der Bühne wenig Freude daran haben.
"oder anders: ist es günstig den "einproduzierten hall" sozusagen ähnlich der live vorhandenen raumgröße zu gestalten? so daß die echos und reflexionen ein bißchen in beziehung stehen?"
Du wirst vermutlich nicht so viel Hall zumischen müssen, wie bei Lautsprechern mit höherem Bündelungsmaß. Die Nachhallzeit als Funktion der Frequenz hängt zudem ja nicht nur von der Raumgröße, sondern auch den Baumaterialien ab.
"oder anders: verwirrt es das gehirn, wenn also die Abspielmediumrauminformation eine völlig andere raumgröße simuliert, als dann live "dazugemixt" wird?"
Gewiß. Die Frage ist, ob diese Verwirrung als "toller Effekt" oder unangenehm empfunden wird. Das hängt wiederum von der Art der Verwirrung ab.
"ist es günstig daß predelay der aufnahme vor dem "raumpredelay" oder dahinter zu setzen?"
Normalerweise wird man es größer machen, als das ITDG des Raumes. Letzteres ist wiederum auch von der Position des Hörers und der Schallquellen im Raum abhängig.
"aber wie kann ich unter obigen gesichtspunkten zuspielbänder daraufhin optimieren, daß sie quasi unter einbeziehung der realroomfaltung gut klingen?"
Sicher. Wie, hängt sehr von der Akustik des Wiedergaberaumes ab.
"idee: wäre es also denkbar/sinnvoll z.b. die aufnahmen mit dem Raumimpuls des konzertraumes (oder wo halt der gig stattfindet) schon mal zu falten, um zu kontrollieren wies dann klingt?"
Ist sinnvoll, läßt aber nur begrenzt Rückschlüsse zu, da der Raum ja dreidimensional ist, die Simulation aber nicht.
"idee2 (völlig verrückt) : beim abhören im konzert selbst (über kopfhörer) den mix in realtime in samplitude mit der impulsantwort des raumes falten, um sozusagen akustisch das konzert vom hörer aus zu steuern?...(ich gehe jetzt davon aus, daß man als spieler selbstredend immer was völlig anderes hört, als die leute und man meistens nicht wirklich das hört, was die leute hören (bei verstärkter musik)."
Das bekommst Du besser und bequemer hin, wenn Du ein Kunstkopfmikrophon unter die Zuhörer mischt und das Signal über freifeldentzerrte Kopfhörer abhörst. Ich halte die Idee keineswegs für verrückt, sondern für sehr praktisch. Man könnte sogar mehrere Kunstköpfe an verschiedenen Stellen positionieren und dann hören, wie der Sound vom Ort im Raum abhängt.
Gruß
Andreas
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Antwort#16
Hallo Andreas,
ich dachte, Mehrraeumigkeit bezieht sich ueberhaupt nicht auf die Wechselwirkung mit dem Wiedergaberaum. Der Begriff wurde in meiner Gegenwart immer verwendet im Zusammenhang mit verschiedenen Raeumlichkeitswirkungen der Aufnahme, also wenn z.B. be einer Violinsonate die Geige in einem anderen Raum zu stehen scheint als das Klavier.
Gr.
Dirk
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Antwort#17
Hallo Dirk,
ich habe den Begriff in der von mir verwendeten Bedeutung bei Gerhard Steinke gefunden, siehe z.B. "Thesen zur stereophonen Wiedergabe", Rundfunktechnische Mitteilungen 1982 (?).
Eine aufnahmeseitige Mehrräumigkeit gibt es natürlich auch. Wenn es musikalisch unvermeidlich ist, sollte man sie in Kauf nehmen, ansonsten aus meiner Sicht vermeiden.
Gruß
Andreas
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Antwort#18
Eine aufnahmeseitige Mehrräumigkeit gibt es natürlich auch.
Wenn es musikalisch unvermeidlich ist, sollte man sie in Kauf nehmen,
Leider gibt es eine ganze Reihe von Aufnahmen, wo der Solist (besonders gerne bei Gesang) in einen künstlichen halligeren Raum gesetzt wird als das Orchester.
Fällt es bei mittelmäßigen Sängern, die medienwirksam gepuscht werden - schon unter "musikalisch unvermeidlich" wenn den Stimmen durch solche Tricks mehr Volumen, Durchsetzuingsvermögen und Präsenz gegenüber dem Orchester bekommen?
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Antwort#19
Hallo Juppy,
wenn du von klassischer Musik sprichst, dann wird meistens bei Aufnahmen von Klavier und einem Sänger- oder Instrumental-Solisten der Solist recht nah gestützt und dann die zu trockene Nahaufnahme mit künstlichem Hall "etwas" angepasst. Es liegt nun am Können und den Ohren des Technikers, wie er das hinkriegt und ob nicht eventuell doch etwas entferntere Stützmikrofone die bessere Lösung bringen. Bei Solisten (Anne Sophie Mutter) vor dem Orchster ist es genauso.
Es gibt keine eindeutige Aussage, was "musikalisch unvermeidlich" bei einer aufnahmeseitigen Mehrräumigkeit ist.
Der Solist will immer dabei viel mitreden. Ich erinnere an die pauschale Schelte von René Kollo an alle Tontechniker, der ein Verschwörung aller Techniker gegen seine Stimme sah.
Mach mich über alle Maßen laut, präsent, durchdringend - aber mit schönem warmen vollklingenden Hall, den ihr doch dahabt.
Bei Pop gilt meistens der Anfang dieses Satzes.
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Antwort#20
Es geht nicht um eine Angleichung (!) von Stützmikrofonen an das "Gesamtklangbild" im Sinne einer "homogenen" Abmischung, sondern um eine bewußte Hervorhebung des Solisten.
Stellvertretend für viele sei den Aufnahme "Symphonie der Klagelieder" mit Dawn Upshaw genannt. Upshow ist m.E. eine der völlig überbewerteten, typisch amerikanischen Gesangsstimmen ohne besonderen Eigencharakter.
Armer Herr Kollo - aber um eine Aufnahme mit ihm risse ich mich auch nicht.
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