Regieraum Akustik

Erstellt 4 Antworten5 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo,
ich habe mir in meinem Haus einen kleinen Arbeitsplatz eingerichtet um einige Studioproduktionen zu Hause mischen zu können.
Was micht verwundert war, dass dieser Raum tatsächlich "besser" klingt als der Regieraum in meinem Studio. Wohlgemerkt, ich höre über die kleichen Monitore ab.
Der Raum ist etwas grö�er (v.a. höhere Raumhöhe) und unsymetrisch. Die Wand in meinem Rücken steht etwa 10 Grad schräg. Ich habe bis jetzt noch keine echten akustischen Massnahmen ergriffen und trotzdem klingt der Raum sehr "rund" und "offen" - ohne störende Echos. Mein Studioregieraum ist zwar auch unsymetrisch (Dachschräge im Rücken) aber dort klingt alles recht trocken und unspektakulär. Interessanter Weise werden die Bässe in meinem neuen Regieraum deutlich lauter wiedergegeben als in meinem Studio.
Die Frage, die ich micht stelle, ist natürlich, wie ich das einordnen soll.
Scheinbar hat meine Home-Regie ein sehr angenehme Akustik, wahrscheinlich (nicht nachgemessen) auch eine höhere Nachhallzeit. Ist es besser diese Akustik mit entsprechenden baulichen Ma�nahmen wieder zu neutralisieren oder ist es besser sich an diesen Klang zu gewöhnen. Ich habe etwas Angst, dass mein neuer Raum den Klang etwas schönfärbt.
GruÃ?,
Lars
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Antwort#2
Hallo Lars,
eine Tonregie sollte dazu dienen, die Tonaufnahmen beurteilen zu können. Dazu ist es notwendig, bestimmte akustische Parameter einzuhalten, um eine hörbare Verfälschung der Wiedergabe möglichst gering zu halten. Hierzu zählt eine hinreichende Unterdrückung diskreter Reflexionen, eine möglichst frequenzneutrale Nachhallzeit, die so lang ist, daß sich mit dem Bündelungsmaß des LS ein Hörabstand in der Nähe des Hallradius (zumindest bei mittleren Frequenzen) ergibt.
Besonders günstig sind Raumkonzepte, wo der vordere Raumteil stark bedämpft, der hintere diffus reflektierend ist. Solche Räume beeinträchtigen Klangfarbe und Phantomschallquellenbildung kaum und sind dennoch angenehm.
Ob eine Mischung auch unter mangelhaften Hörbedingungen (z.B. Wohnraum) funktioniert, sollte man dann getrennt herausfinden. Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, die Tonregie akustisch ebenso schlecht zu machen. Sonst mischt Du am Ende z.B. Aufnahmen mit zu geringem Raumanteil, weil Dir die Tonregie etwas vorgaukelt, was gar nicht vorhanden ist.
Bei manchen Tonaufnahmen (insbesondere Nahaufnahmen) kann ich mir das extrem direkte Klangbild auch nicht anders erklären, als auf Basis mangelhafter Abhörbedingungen entstanden.
Gruß
Andreas
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Antwort#3
"Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, die Tonregie akustisch ebenso schlecht zu machen"
Genau, wobei zu klären ist, was "schlecht machen" bedeutet. Das ist nämlich genau der Punkt:
Es gibt unendlich viele von der Norm abweichende Räume, die in Winzelfällen bei bestimmten Tonmaterial, Abhörmonitoren und Ohren(!!!) viel besser klingen, als ein standardisierter Raum, aber es gibt eben nur einen einzigen standardisierten Raum: Den refelxionsfreien Regieraum mit lineare Akusitk.
Mithin haben wir dieselbe unnütze Diskusison wie bei Mikrofonen und Lautsprechern: Sicher mögen einzelne verfärmende mikros ihren Sinn haben und Hifi-Lautsprecher mit Boom-Bass super klingen - aber nur lineare Systeme, die keine unnötigen Oberwellen produzieren sind ein beurteilbares System von dem man ausgehen - und das man einschätzen kann.
Alles anders ist Forschen und Messen in der Wiese !!!!!
Zu dem Regieproblem: Man muss sich eben reinhören, wie man auf Abhörmonis zu mischen hat und da ist es von großem Vorteil, das Gemsichte in verschiedenen Räumen und verschiedenen "Boxen" mal gegen zu testen um einen Eindruck zu gewinnen, was wo Problem macht und was wo besonders gut klingt und wie man es gfs auf seinen Monis vorbeurteilen kann. Die Transferleistung Akustik1 gegen Akustik2 ist eben immer im Kopf zu erbringen
Die Vorstellung, man baut einen optimal klingen Abhörmonitor für Techno oder einen Regierraum für Klassik ist schlichtweg Unfug.
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Antwort#4
Hallo,
ich stimme Dir zu, daß es nur gute und schlechte Regieräume gibt. Neutrale Hörbedingungen sind die Grundvoraussetzung zur ästhetischen Beurteilung einer Tonaufnahme - und um die Beurteilung der Tonaufnahme geht es ja.
Die Transferleistung von neutralen Bedingungen auf die Hörbedingungen der Kunden sollte dann abstrakt erfolgen, nur so ist es möglich, systematisch und dem Kausalitätsprinzip folgend Entscheidungen zu treffen.
Alles andere wäre trial and error. Mit einem großen Anteil error ;)
Du schreibst, daß einzig "reflexionsfreie" Bedingungen korrekt wären. Dabei ist nicht ganz klar, was Du mit "reflexionsfrei" meinst. Ein reflexionsarmer ("schalltoter") Raum wird i.d.R. als Hörraum abgelehnt, weil der Aufenthalt darin wirklich nicht besonders angenehm ist. Dennoch empfehle ich Tonschaffenden das gelegentliche Abhören ihrer Aufnahmen auch im reflexionsarmen Raum, weil man daraus etwas lernen kann.
Ich selber halte es mit der Definition, daß ein guter Abhörraum bezüglich der subjektiven Parameter "Klangfarbe" und "Abbildungsqualität" Freifeldbedingungen nahekommen sollte, ohne jedoch die Nachteile eines reflexionsarmen Raumes (Unwohlsein....) aufzuweisen.
Der Weg dorthin ist meiner Erfahrung nach gar nicht so schwer. Diskrete Reflexionen müssen hinreichend unterdrückt werden (mindestens -20dB gegenüber dem Direktschall, bei Reflexionen von hinten reichen auch -10dB) und die Nachhallzeit sollte frequenzneutral sein. Die erwünschte Länge der NHZ ergibt sich aus dem Bündelungsmaß des LS und dem Hörabstand: Am Hörplatz sollte meiner Erfahrung nach der Direktschall leicht überwiegen, also der Hörplatz geringfügig innerhalb des Hallradius liegen. Der Aufenthalt in einem solchen Raum ist noch nicht unangenehm, aber er färbt die Wiedergabe kaum.
Gruß
Andreas
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Antwort#5
Moin...
"Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, die Tonregie akustisch ebenso schlecht zu machen."
Ich glaube, das war hier auch gar nicht gemeint. Die Frage verstehe ich so: "Lohnt es sich, gesteigerten Aufwand in die akustische Verbesserung des _schlechteren_ Raums zu investieren, oder lässt sich auch mit genügend "Hörerfahrung" daraus etwas machen?"
Der "gute" Raum im Studio soll - so wie ich das verstehe - gar nicht angetaset werden...
Jens
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