Saxophon- und Flügelaufnahme

Erstellt 22 Antworten23 Beiträge
Antwort#21
Moin...
"Der Ausgangspunkt hier sind Musiker mit natürlichen Instrumenten, die eine Komposition zum Besten geben und aufgenommen werden sollen. Dieses hat niemals zu verschiedenen Zeiten in verschieden Räumen zu geschehen."
Genau das habe ich gesagt.
"Es soll das gemeinsame Musizieren aufgenommen werden und nicht eine roboterhafte entmenschlichte Maschinenmusik, die der Klickspur folgt.
Sicher darf man dabei auch eine Mehrspuraufnahme machen. Nur darf man nicht die Musiker der Aufnahmemaschine Untertan machen, indem man den Musikern Kopfhörer aufsetzt und alles in Schallkabinen sperrt."
Auch da habe ich genau das gesagt. Nur: Bei dieser Variante würde ich "niemals nie" sagen. Für den musikalischen Ausdruck ist IMHO das gleichzeitige Spiel das allerwichtigste. Ob die Musiker sich "in real" oder über Kopfhörer hören, ist zumindest bei Pop/Rock (ich weiß, ist hier nicht das Thema) zweitrangig. Da handelt man sich durch die bessere Übersprechdämpfung der getrennten Kabinen mehr Vor- als Nachteile ein, wenn die Musiker grundsätzlich mit KH-Monitoring klarkommen und sich durch scheiben sehen können. Bei Naturinstrumenten wie hier würde ich das aber wie gesagt auch nicht empfehlen und nur im äußersten Notfall (Platzgründe) erwägen.
"Oft wird durch die Anwesenheit der Mehrspumaschine die Aufnahme verdorben, weil man dabei vergisst, an den fertigen Klang zu denken. Wir machen das schon später bei der Mischung, ist die falsche Rangehensweise."
Wenn du meinen Beitrag aufmerksam gelesen hast, ist dir sicher aufgefallen, dass ich durchaus für die Erstellung eines Mixes plädiert habe. Damit eben nicht im Studio die Ernüchterung kommt, dass die Spuren zwar einzeln alle toll klingen, sich aber nicht zufriedenstellend zusammenfügen lassen.
Jens
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Antwort#22
"... die technischen Möglichkeiten da sind, diese alle getrennt aufzuzeichnen, muss mir erstmal jemand plausibel erklären, was dagegen sricht, dies auch zu tun. "
Es spricht nichts dagegen, nur ist der Aufwand relativ hoch und zu hast zusätzliche Schritte, die wenig zusätzliche Qualität bringen. Wesentliche Änderungen erreicht man nicht durch das Umbasteln von Einzelspuren, und wenn diese erfoderlich sind, dann doch meist aus dem Grund, daß ein Spielfeheler vorliegt, der sowieso wiederholt wird und nicht aufwändig weggebastelt wird. Wichtiger und effektiver ist eine andere Mikroeinstellung vorort.
Klar, Du kannst Dir das Pegeln bis später aufheben, obwohl Du weisst, daß die Fader im Prinzip stimmten, aber wird es auch gemacht? Seien wir mal ehrlich: Wie häufig kommt es vor, daß Kunden tatsächlich Stunden für das Ausbessern kleiner Passage bezahlen wollen?
Was die Investition angeht, so steht mancher auf dem Standpukt lieber ein Spitzenanalogpult mit einem Top-Zweikanalwandler einzusetzen, als ein gleich teures 16-Spur-System mit 16 Wandlern geringerer Qualität. Die, welche wie ich mit eben jenen Systemen arbeiten, haben wiederum vorwiegend Kunden, die aufs Geld schauen und möglichst preiswert produzieren wollen.
Ein Teil dieser Preisbewussten Kundschaft, leiht sich inzwischen die Systeme oder schafft sich etwas Billiges an. Und dann stossen wir auf den bereits erwähnten Punkt: Das Mehrspurverfahren verführt dazu, sich die wichtige Einstellarbeit voort zu sparen.
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Antwort#23
Moin...
"Es spricht nichts dagegen, nur ist der Aufwand relativ hoch und zu hast zusätzliche Schritte, die wenig zusätzliche Qualität bringen. Wesentliche Änderungen erreicht man nicht durch das Umbasteln von Einzelspuren,..."
Ich meine ausdrücklich nicht "basteln", also Editieren, Schneiden etc. Ich habe nur den Unterschied Direktmix und Einzelspuraufnahme vor Augen.
"Das Mehrspurverfahren verführt dazu, sich die wichtige Einstellarbeit voort zu sparen."
"Wichtiger und effektiver ist eine andere Mikroeinstellung vorort."
Wie schon gesagt, die muss natürlich stimmen, und was das "hinausschieben" nach später angeht, sind wir uns doch völlig einig. Man muss schon vor Ort in etwa wissen (und sich das auch mal anhören), wie der fertige Endmix auszusehen hat und ob die Mikrofonstellung dafür taugt. DIESE Spielwiese können wir also getrost verlassen.
Und BTW: ein Jemand, der in der Lage ist, vor Ort schon so zu mischen, dass es hinterher garantiert passt, lässt sich auch nicht zu irgendwas "verführen", gell?
"Klar, Du kannst Dir das Pegeln bis später aufheben, obwohl Du weisst, daß die Fader im Prinzip stimmten, aber wird es auch gemacht?"
Es geht mir nicht nur ums Pegeln. Insbesondere denke ich da an EQ-Nachbearbeitung, an evtl. getrennte Hallpegel usw. Und zwar denke ich daran gerade in der hier vorliegenden Situation. Wir haben einen akustisch "schwierigen" Aufnahmeraum. Also mit größter Wahrscheinlichkeit auch keine guten Abhörbedingungen. Vielleicht gar nur Kopfhörer, denn im selben Raum kann ich sicher auf Monitoren nicht beim Liveeinspiel die Einstellungen beurteilen. In einer durchschnittlichen Wohnung auch nicht im Nebenraum bei geschlossener Tür (nicht bei Flügel und Saxophon).
Also bleibt nur: Probeaufnehmen, anschließend Probehören, Einstellungen verändern, und dann von vorn.
Zudem war ja schon die Rede davon, dass hier künstlich verhallt werden muss. Erst recht da stelle ich es mir beliebig schwierig vor, unter ungünstigen Abhörbedingungen einen realistisch klingenden Raum zu erzielen. Weiter Panorama etc.
All das kann ein routinierter Ingenieur sicher auch im Feld, keine Frage. Aber einfacher und mit besserem Ergebnis geht das sicher in der gewohnten Umgebung mit vernünftigen Abhörbedingungen.
"Was die Investition angeht, so steht mancher auf dem Standpukt lieber ein Spitzenanalogpult mit einem Top-Zweikanalwandler einzusetzen, als ein gleich teures 16-Spur-System mit 16 Wandlern geringerer Qualität."
Das ist sicher richtig. Aber da ist dann die nächste Frage, Ob das "Spitzenanalogpult" sich genausogut transportieren lässt wie der PC mit dem Interface. Ich gehe doch mal stark davon aus, dass jene, die lieber mit höchstwertiger Analogtechnik arbeiten, in der Regel für den mobilen Einsatz ein zweites, kompakteres Pult einsetzen.
Aber da sind wir wieder beim Preis, oder bei den Möglichkeiten. Ich schrieb ja eingangs "Wenn die Möglichkeit besteht, mehrere Spuren einzeln aufzuzeichnen..." . Klar, wenn ich z.B. nur einen DAT-Recorder habe oder einsetzen möchte, dann erübrigt sich auch die Diskussion, die wir hier führen. Aber z.B. eine 8-Spur nur im Stereobetrieb laufen zu lassen, weil man den Mix ja "als routinierter Tech vor Ort schon machen kann", halte ich für unsinnig. Warum dann nicht auch noch die Einzelsignale mitaufzeichnen?
Versteh mich nicht falsch: ich möchte keineswegs die Mehrspuraufnahme als "das einzig wahre" postulieren. Ich sehe es lediglich nicht ein, darauf nur aus "Ideologie" oder "Eitelkeit" zu verzichten (wenn also alle Möglichkeiten vorhanden wären). Wenn es dagegen gute (z.B. Material-)gründe gibt, das nicht zu tun, dann immer los...
Was den Arbeitsaufwand betrifft (Nachbearbeitung), so spricht in meinen Augen nichts dagegen, gleich einen guten Mix mitaufzuzeichnen. Wenn der dann tatsächlich tadellos ist, dann werden die Einzelspuren eben wieder verworfen und man hat Arbeit gespart. Wenn aber auf einer guten Abhöre hinterher sich kleinere Fehler offenbaren, die man auf dem KH falsch eingeschätzt hat, wird man froh sein, noch kleinere Änderungen durchführen zu können.
Jens
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