Totgemastert :-(

Erstellt 18 Antworten19 Beiträge
Startbeitrag#1
Hallo,
habe das Mastering-Freigabeexemplar einer von mir gemischten CD erhalten. Der Inhalt ist Rockmusik mit großer Dynamik, es gibt also innerhalb der Stücke viele leise Passagen, gefolgt von lauten. Das ist durch das Mastering auch kaum beeinträchtigt worden. Allerdings gibt es bei 75Hz eine vermutlich für das sporadische Dröhnen verantwortliche Ahebung um 4dB, die vorher nicht da war und die Bassdrum erscheint, wahrscheinlich durch die starke Kompression, im Ausklingen angehoben und damit nervig fett. Ich nehme an, das lässt sich leicht ändern.
Was mich aber wirklich bedenklich stimmt ist, dass viele kleine Feinheiten futsch sind. Z.B. Betonungen auf dem Ridebecken oder ausgefadeter Gesang, der nun nicht mehr ausgefadet ist sondern abrupt endet.
Für den unbedarften Hörer geht das sicherlich in Ordnung, mich stört es aber sehr, da ich sehr viel Zeit und Mühe verwendet habe, eben all das so zu gestalten und es mitunter auch die musikalische Absicht zerstört (z. B. wenn Akzente nicht mehr erkennbar sind).
Ist Eurer Erfahrung nach eine Lautheitsanhebung überhaupt möglich ohne diese Sachen zu beeinträchtigen? Ich denke ernsthaft darüber nach, explizit keine Kompression zu fordern.
Ich bin kein Vertreter der Solautwiemöglichfraktion, auch wenn es sich um Rockmusik handelt. Ich bitte darum, einschlägige Kommentare zu unterlassen.
Für Erfahrungsberichte und dergleichen bin ich dagegen sehr dankbar!
Beste Grüße
Claus
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Antwort#2
Wie Du schon geschrieben hast, Du hast das Freigabemaster und es gefällt Dir nicht. Also nicht freigeben sondern zurückschicken mit deinen Anmerkungen der Dir negativ aufgefallenen Dinge. Wenn du heute was an ein Masteringstudio ohne Kommentar schickst, drücken die meißtens alles bis unter die Decke und da geht halt jegliche Dynamik verloren.
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Antwort#3
Wenn du heute was an ein Masteringstudio ohne Kommentar schickst, drücken die
meistens alles bis unter die Decke und da geht halt jegliche Dynamik verloren.

Da scheint es doch nur entweder ... oder zu geben. Was sollen die denn machen, wenn die Mehrzahl der Kunden nur einen Wunsch hat, lauter als die Konkurrenz zu sein, so wie das Waschmittel ja auch immer weißer, als die Konkurrenz sein muss.
Entweder platt wie eine Fluder - immer laute Soße und ohne Dynamik, oder mit Dynamik und dafür mit weniger mittlerer Lautstärke, wozu man dann den Lautstärkereger eben noch ein bisschen höher drehen muss. Das soll ja ein Nachteil für die heiße Qualität sein.
Dass Titel hinten angehoben laut enden und im Ausklang nicht ausklingen sondern abreißen ist ein Ergebnis, wenn der Mastering-Man nicht von Hand am Ende den Fader mitfährt und das zeigt auch, dass fast 20 dB komprimiert wurde und das noch Multiband.
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Antwort#4
Claus, da du offenkundig von dem Material mehr verstehst, als der "Master of Compression" und Du zudem eine exakte zielvorstellung von dem zu habe scheinst, was Du haben willst, dann muss ich fragen, wozu Du das Material weggibst?
Mach es selber oder gehe wenigstens hin zu ihm ins Studio und erkläre ihm, was Du anders haben willst.
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Antwort#5
Hallo studio69
warum man Material weggibt?
um den anderen Kontext zu haben. Aber die Idee mit dem hingehen zum Mastern ist sehr gut.
Auf alle Fälle sollte man dem Masterer sagen was man will oder nicht.
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Antwort#6
Studio 69 sagt: Auf alle Fälle sollte man dem Masterer sagen was man will oder nicht.
Das ist einklich klar, mach es so laut du kannst, aber mach dabei nicht die Dynamik kleiner und verbiege mir nicht den Klang mit dem Multiband-Dingens.

Du möchtest unbedingt im Wasser schwimmen, dabei aber nur nicht nass werden.
Quadratur des Kreises.
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Antwort#7
Nein. Beim Schwimmen lappt mein Bauch über die Badehose.
Ich habe vorher natürlich gesagt, was ich will und habe selbiges auch niedergeschrieben. Lautmachen hab ich aber nicht gefordert.
Nur bin ich der Mastering-Erfahrung relativ unbedarft und zahle hier wohl im wahrsten Sinne des Wortes Lehrgeld.
Da sich noch keiner konkret geäussert hat: ist meine Erfahrung nun typisch? Hätte ich gar nichts anderes erwarten dürfen?
Gruß
Claus
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Antwort#8
Hätte ich gar nichts anderes erwarten dürfen?
Wenn das Schwert "Junge, mach *l a u t* !" immer über dem Mastering-Ingenieur schwebt, so kann einfach nichts anderes zu erwarten sein.
Bob Katz hat Ohren und Technik. Er macht aber seine Ohren immer ganz groß auf.
Bei ihm wäre das nicht passiert. Er gibt aber zu, dass er dadurch "verirrte" Großmaul-Kunden (sprich Lautstärke-Fetischisten) verloren habe. Es sei aber nicht Schade drum.
Die Meinung von Bob Katz von Digital Domain (digido) zum Mastering ist wirklich lesenswert. Siehe sein Buch: "Mastering Art - The sound and the science".
Mir gefällt der schlichte, ausdrucksvolle Betreff dieses Threads mit dem :-( dahinter.


Mastering Bob Katz Digital Domain
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Antwort#9
Lars schrieb:
Mir gefällt der schlichte, ausdrucksvolle Betreff dieses Threads mit dem :-( dahinter.
Weshalb?
Vermutlich bewegt sich bei Rockmusik die Hand des Masterers sofort die Hand krampfhaft zum Kompressor, auch wenn nicht gewünscht (wie in meinem Fall). Ich danke demütig.
Claus
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Antwort#10
Es wurden keine 20dB komprimiert. Was nicht ausfadet, das sind z.B. Gesangslinien innerhalb der Stücke, dort kommt denn der MBC in voller Pracht zum Tragen.
Gruß
Claus
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Antwort#11
Lars schrieb: Mir gefällt der schlichte, ausdrucksvolle Betreff dieses Threads mit dem :-( dahinter.
Weshalb? Vermutlich bewegt sich bei Rockmusik die Hand des Masterers sofort die Hand krampfhaft
zum Kompressor, auch wenn nicht gewünscht (wie in meinem Fall). Ich danke demütig.
Auch wenn mir deine "Geschichte" Leid tut, finde ich es richtig, dass das obige Thema angesprochen
und nicht still hingenommen wird. Darum meine Zustimmung zum Thema mit dem prägnanten Betreff.
Gruß
Lars
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Antwort#12
Wegen der "Kreisquadratur": Man muss sich mal ganz offen fragen, was das Mastern eigentlich soll: Lassen wir mal den Umstand beiseite, daß man dabei früher ein Band gelesen, bearbeitet, gepegelt, PQ-editiert und das Ergebnis in ein Premaster verwandelt hat, was handwerklich heute jeder am Rechner selber kann, so bleibt eigentlich nur ein Aspekt über:
Eine vom Mischer individuell angefertige Klangkonstellation dem anzupassen, was das SOLL ist, bzw allgemein für ein Solches gehalten wird, was man dem Mischer nicht unbedingt zutraut, oder er sich z.B. selber nicht zutraut.
Das ist logisch und sinnvoll, wenn man davon ausgeht, daß dieser Mastermann nur dies tut und genau weiss, wie eine Mischung klingen muss. Gebe ich also meine Klassikaufnahme einem Klassikspezialisten, so erwarte ich als Studio, daß dieser (m)eine Klassikaufnahme besser hindreht, als ich. Gebe ich wiederum als Musiker meine Eigenarrangements in Sachen electronic einem Electrofachmann, so passt dieser meinen Kram auf die anzufertigende Trancecompilation des Labels XYZ (huch, hab ich mich doch ein bischen vertippt) an.
Fakt ist aber: Von mir abgelieferte Endversionen in Sachen Trance (sowohl eigenes als auch fremdes Material) WURDEN von Masteringstudios bearbeitet und landeten in veränderter Form auch auf CD, jedoch war ich in beiden Fällen der Ansicht, daß die Klangqualität musikalisch gelitten habe und dies nicht nur wegen der Kompression. Ich hatte aus Sich des Musikers eben meine Vorstellung, wie es klingen soll, schließlich hatte zuvor ja auch Zeit investiert, die Synthiklänge zu erzeugen und feinzustimmen. Der Kunde war in seiner Angelegenheit ähnlicher Meinung und veröffentlicht inzwischen mit einem anderen Label, das ihm diesbezüglich Mitsprache einräumt.
In Sachen Klassik ist es genauso. Nur ein Beispiel: Klaviermehrtagesproduktion, mit dem Kunden zusammen abgemischt und klanglich fein eingestellt, sogar einmal auf seiner eigenen Anlage gegengehört, wandert zu einem Label, das nach Ansicht der Demo veröffentlichungsfreudig ist und von mir die 24-Bit-Versionen als WAV zum Mastern bekommt. Der Klavierspieler, er ist Dozent für dieses Instrument, was Klangbeurteilungsfähigkeit angeht sicher nicht ganz unbedarft und sein Klavier war ein DM 150.000-Flügel, solle die gemasterte Endversion freigeben und bemängelte ein leichtes Dröhnen des Flügels, der im Original gar nicht präsent sei. Ferner habe man wohl einige laute Anschläge, die "Akzente" wie er sagt, etwas zurückgenommen und damit "seine individuelle Interpretation des Stücks verunziert". Das Studio dürfte IMHO einen Limiter benutzt haben, denn ich bemerkte einen um teilweise 4dB höheren Durchschnittspegel auf allen Stücken. Es ging dann letztlich das in Produktion, was ich mit ihm gemeinsam eingestellt hatte.
Im Prinzip ist natürlich nichts dagegen zu sagen, seine eigenen Unzulänglichkeiten von Profis kompensieren zu lassen, besonders, wenn man diesbezüglich unsicher ist- sei es nun als Abmischer oder Aufführender, aber es muss dann bitte eben auch ein Profi sein. Besonders sollte er ein Fachmann für diese Musikrichtung sein und da sehe ich ein Problem: Bei der kommeziellen Situation der klassischen Musik heute, kann es sich kein durchschnittliches Label erlauben, aufwändig Spezialstudios einzuschalten, wo jeweils ein Masteringspezialist ist, der Klavierkonzerte hindreht. Vielfach ist es doch so, daß auch dort nur ein Universalmischer sitzt, der Allesmögliche mixt und da hat ein guter Musiker gerade in Sachen Interpretation klassischer Musik oft eine detaillierte Vorstellung!
Fazit:
Wieso also als Musiker einen anderen an den Klang dranlassen, wenn man sich selber genug zutraut bzw. in jedem Fall seinen subjektiv als richtig empfundenen Klang durchsetzen will? Wenn ein Maler ein Bild malt, dann gibt er dieses ja auch nicht nochmal zum Immendorf, um einige Kontraste nachzeichnen zu lassen, oder?
Wieso als Studio ein Masteringstudio beauftragen, das den eingestellten Klang gfs wieder von dem entfertn, was der Kunde will? Ich weise den Kunden auf die Problematik hin und erlasse es ihm, den Mix weiterverarbeiten zu lassen. Wenn die Kollegen den Klang angehört haben und genügend sich widersprechende Beurteilugen aufgekommen sind, dann wissen die meisten schon, daß sie ganz gut liegen und verlassen sich dann lieber auf den eigenen Geschmack.
Klar, ist, daß man in der Lage sein muss, seine Klangvorstellung zu äussern und der Produzierende in der Lage sein muss, dies aufzunehmen zu verstehen und die nötigen Schritte zu unternehmen und da komme ich recht rasch wieder zu dem Punkt, daß dies schon bei der Aufnahme zu geschehen hat. (?)
Wie auch immer: Wenn ich heute ein Studio beauftrage, auf den heute üblichen Klang hinzumastern, dann bekomme ich eben genau diesen! Und in Sachen Pop und Rock wissen wir ja inzwischen, wie der ausschaut. Will man z.B. gegen den bereits mehrfach beschriebenen Kompressionswahn angehen, dann darf man wahrscheinlich gar kein Masterstudio beauftragen ...
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Antwort#13
Danke, Jürgen.
Unsicherheit - macht sich breit.
Das ist wohl die Haupt-Triebfeder, um unbedingt in ein Mastering-Studio gehen zu müssen.
Bei der klassischen Musik ist das eher unüblich, denn die Beteiligten hatten immer die Möglichkeit klangliche Wünsche vorzubringen.
Die Unsicherheit der Pop-Produzenten und auch Pestigedenken und die einrastende Werbung von manchen Mastering-Gurus wirken hier zusammen.
Die Mastering-Studios sind einmal entstanden, um den Tonbandklang so zu verbiegen, dass es nach dem problematischen Schallplattenschnitt zuletzt so klingt, wie es gewünscht wird.
Als die CD herauskam , war damit die Grundlage der Mastering-Studios nicht mehr vorhanden. Diese waren nicht untätig und haben die Unsicherheit der Kunden clever benutzt, um weiter ihren Broterwerb zu haben. Psychologie und Seelenmassage gehören unbedingt dazu.
Darum hat sich das Mastern jetzt fast nur noch auf "Lautmachen" reduziert. Das war beim Plattenschneiden nicht das Thema, denn der Platten-Ritzer machte den Endpegel, je nach Spielzeit der Platte und den Schnittmöglichkeiten. So gut wie immer war damals der Mastering-Ingenieur auch noch der Platten-Ritzer, was ja zu empfehlen ist. Heute kommt sein Endprodukt eins zu eins auf die CD.
Brauchen wir einen Mastering-Ingenieur? Jein.
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Antwort#14
Die Platten sind ein gutes Stichwort. Heute gibt es immer noch einigermassen Anwendung für vinyltaugliche Mischungen, sei es Bass-Problem oder Monokompatibilität. Ein Hoch auf die DJs, die gerade im HipHop und artverwandeten Stilen nach wie vor mit trockenen Monotracks und überhaupt mit Platten arbeiten. Dies ist doch ein schönes Refugium für Masteringingeniure!
Es gibt ja Leute die behaupten, daß es die Masteringstudios waren, die den Hiphop etabliert haben, um die Vinylindustrie am Laufen zu halten und damit Arbeitsplätze zu sichern :-)
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Antwort#15
Nicht zu vergessen ist folgender Umstand: Gerade Musiker aus der zweiten Reihe, die zwar vollberuflich Musik machen aber noch nicht über genug Renomee und folglich auch nicht über ein hohes Einkommen aus der Musik verfügen, haben kaum Geld - sparen aber leider oft am falschen Ende:
Da wird in aller Eile billigst produziert, möglichst noch mit Leihausstattung, und dann selber geschnitten und abgemischt. Das kannst du dann hin-und hermastern wie Du willst: Da kommt nichts Perfektes bei raus! Man wird den auf diese Weise eng gesteckten Spielraum kaum noch verlassen können oder wie studio96 treffend schreibt:
... besser ist es, Zeit und Geld in eine aufwändigere Produktion zu investieren. Mastering und Finalizing sind der letzte Schliff, der aus einem sehr guten Aufnahme- und Mischergebis ein Spitzenprodukt macht. Fehlerkorrektur und Klangeinstellung erfolgen vorher!
.. und daraus folgt unbetreitbar, daß sich dies nur bei wenigen Topproduktionen lohnt und anders herum gesehen, im betreffenden Tonstudio auch die entsprechende Erfahrung vorliegen muss- samt des nötigen Equipments versteht sich.
Kann mir wer ein gutes Studio nennen, das z.B. Aufnahmen von Streichorchestern mastern kann?
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Antwort#16
Hallo Claus,
welche Verbesserung hattest Du vom "Mastering" erhofft?
Meine Ansicht: Mastering ist überflüssig, wenn du dein Handwerk verstehst. Außer für werbliche Zwecke ("mastered by Guru Guru") nutzt es nichts und wenn es was nutzt, solltest du selbst dein Handwerk verfeinern. Gute Hörbedingungen brauchst Du auch und gerade zum mixen und eine Einschätzung des Klangbildes unter zielgruppenspezifischen Hörbedingungen ist auch keine Hexerei.
Das Klangbild machst Du gemeinsam mit den Musikern, da würde ich niemanden am Ende reinpfuschen lassen.
Heiner
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Antwort#17
Zur Frage, ob man nichts anderes erwarten kann:
Kürzlich begab es sich ... :-) ... daß eine Band mit mir zu einem einschlägig bekannten Meister des Masterns fuhr, um das Demo dort mastern zu lassen.
Ein wirklich netter Mensch, dessen Referenz-Liste sich sehr gut liest und der auch in Gesprächen einen sehr kompetenten Eindruck machte.
Naja, im Endeffekt, sei es durch den Mangel an Zeit oder mein Ausgangsmaterial, konnten wir von dem gemasterten Endmaterial nur einen Teil benutzen.
Einige Songs klangen vor dem Mastern besser als danach, einige hatten durch das Mastering "gewonnen".
Ich denke, es hängt davon ab, ob man schon während der Mischung das Mastering einplant, oder nicht. (Das beziehe ich jetzt auf Pop- und Rockmusik)
Ein bereits in der Summe stark bearbeiteter Mix wird durch das Mastering wahrscheinlich nicht viel besser.
Es hängt auch davon ab, ob man nur den Stereomix zum Mastern abgibt, oder ob man z.B. Drums, Gitarren, Bass, Gesang als einzelne Submixes abgeben kann.
Bei letzterer Option kann der Mastering-Engineer um einiges effizienter arbeiten und sowohl beim "Loudness Race" als auch bei einer Art "künstlerischem" Mastering kann dies sinnvoll sein.
Was man auch nicht vergessen darf ist, daß in vielen "projektorientierten" Studios eben keine optimalen Abhörbedingungen bestehen, so daß bestimmte Frequenz-Überbetonungen am Arbeitsplatz vielleicht gar nicht hörbar sind.
Im oben beschriebenen Fall hatten alle Mixes eine "Beule" zwischen 100-200 Hz, was wirklich niemandem vorher aufgefallen ist...im Mastering konnte dies korrigiert werden.
In einem anderen Fall, bei dem ich eine Art unterstützende Funktion beim Mastering hatte ("Geschmackspolizei") und weder mit dem vorherigen Recording noch mit dem Mix etwas zu tun hatte, war das Mischpult des Mix-Engineers defekt und alle Mischungen hatten einen starken "Rechtsdrall".
Wäre diese Liveproduktion nicht zum Mastern geschickt worden, bestünde eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß dieser Fehler vielleicht niemandem aufgefallen wäre (selbst der Mastering-Engineer hatte es nicht gleich bemerkt bzw. wäre beinahe - etwas verwundert - davon ausgegangen, daß die L-R-Verteilung so beabsichtigt ist).
Durch diese beiden Erfahrungen (meine einzigen Mastering-Erfahrungen) habe ich für mich die (vorläufige) Sichtweise erlangt, daß
a) Mastering als letzte Kontrollinstanz im Bereich Pop/Rock auf jeden Fall seine Existenzberechtigung hat
b) Man aber nicht blind (taub) darauf vertrauen kann, daß der Mastering Engineer automatisch alles "richtig" bzw. im Sinne der Produktion machen kann.
(Wie auch? Er beschäftigt sich im Höchstfall einige Tage mit dem Material, an dem man u.U. mehrere Monate gearbeitet hat).
Es ist also mehr als sinnvoll, diesen letzten Schritt der Produktion zu begleiten. Es handelt sich ja nicht zuletzt auch um eine interessante Erfahrung.
Und zum Schluß noch folgende Bemerkung (völlig wertfrei):
Viele junge Bands im Pop-Rock-Bereich WOLLEN ein lautes Endprodukt! Und ich kann es (als Musiker) auch irgendwie verstehen ... in einer normalen Mix-Umgebung sind dem "Lautmachen" aber irgendwann Grenzen gesetzt. Es fehlt meistens sowohl an passendem Equipment als auch an Erfahrung. Darum ist der Besuch eines Mastering-Studios in diesen Fällen (meiner Meinung nach) oft unumgänglich.
.... (nach Korrekturlesen).....
Was aber nicht heißen soll, daß man in einer günstigen Arbeitsumgebung und entsprechender Erfahrung nicht auch selbst die letzten Schritte durchführen kann, noch, daß man nicht einen Mix machen kann, der schlicht kein Mastering benötigt - diese Posting also bitte nicht als Plädoyer für Mastering als solches mißverstehen.
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Antwort#18
Macht es eigentlich Sinn, immer besonders laut zu sein? Im Radio hauen sie ja doch nochmal einen Kompressor rein, der einen mittleren zu lauten Pegel wieder runterzieht. Damit bringt das doch garnichts, oder?
Wäre es nicht besser, das Werk dynamisch zu halten, um den gesendeten Mittenpegel hochziehen zu lassen und ab und an den Kompressor mit einem ordentlichen Haui zu überraschen?
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Antwort#19
Das kommt in meine Zitatesammlung ;-)
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