Hallo zusammen, ich wollte mal fragen, ob hier jemand Erfahrungen gemacht hat, in dem er für ein M/S-Setup ein Grossmembran-Mikrofon (z.B. U87) als S-Mikrofon eingesetzt hat? Ist die weniger perfekte Symmetrie der Doppelmembran (verglichen mit einem dem Ideal näheren Klein-/Einzelmembranmembran 8-er Mikrofon) für die Praxis relevant? Gruss Stefan
Die U87 eignen sich als M/S-Mikrofone rein vom Mechanischen her nicht, der Aufbau ist orang-utanartig. Das bekannteste Großmembran-Stereomikrofon aus dem Hause Neumann ist das SM 69. Es enthät die Kapseln des damaligen U67, die ähnlich der Kapsel des U87 sind. Das SM 69 kling in M/S mit Kugel-Acht schöner als als X/Y mit 2 Nieren oder 2 Supernieren. Trotzdem rate ich, es zu entzerren, indem der Präsenzbereich zwischen 1000 und 5000 Hz so ca. 2 dB abgeschwächt wird. Das Mikrofon klingt dann nicht so "blechern". Das SM 69 ist von der Handhabe und von der Bedienung her (Richtcharakteristiken sind fernumschaltbar von Kugel bis Acht) recht bequem, vom Klang aber mit Vorsicht zu genießen.
vielen Dank, Rainer - vielleicht war das eine ungewöhnliche Frage, aber es ist denkbar, dass ich mangels Kleinmembran-8 mal in die Verlegenheit komme auf eine GM-8 zurückzugreifen zu wollen und zu wenig Zeit für Experimente habe - wie das immer so ist :) Dass sich so eine M/S-Anordnung optisch nicht schön macht, ist offensichtlich und dass akustisch nicht das rauskommt, was man erwartet ist halt zu befürchten. Mit GM-Achten habe ich halt noch nie etwas ausprobiert, es kann ja mal einen Versuch wert sein.
hab heute morgen noch M/S mit 2 u87 aufgebaut. und daneben s180 mit 2 oktava 012. und ich muss sagen, das die abbildungsschärfe vom m/s-system echt mieserabel war, die andere dagegen hat mir sehr zugesagt (obwohl es da mit den höhen nich sooo doll war, aber das kann man ja mit dem eq korrigiern). und tatsächlich auch ich hab mir beim aufbau einen abgebrochen, ständer mit ordentlich gegengewicht und die spinnengelenke sind ja bei so schweren mics auch immer toll in schuss ;O))
Als ich noch nichts von den Nachteilen der GM wusste, habe ich mit unserem damaligen 414er Päärchen mal eine MS-Aufnahme gemacht. (Kugel+Acht). Naja, ich wollte eben mal die Umschaltfähigkeit des 414 nutzen. :)
Das Problem bei den U87 liegt mit Sicherheit daran, daß die Systeme zu weit voneinander entfernt sind. Wichtig bei M/S ist nämlich, daß zwischen M und S keine Laufzeiten auftreten. Treten Laufzeiten auf, so erfolgt im dematrizierten L/R-Signal ein Übersprechen, wobei die übersprechenden Signale 90° (!) Phasenverschiebung zueinander haben. Die Folge ist dann ein unsauberes Klangbild, bei dem die Lokalisation der Phantomschallquellen unbefriedigend ist.
Ich denke, die unerwünschten Laufzeiten sind beim U87 und anderen Ungetümen dieses Kalibers in diesem speziellen Fall das eigentliche Problem. Ich wollte aber eine GM-8 nur für das S-signal versuchen und nicht wie hier beschrieben 2xU87. Ich hab da aber auch noch ein MG UMT70s, das horizontal betrieben werden könnte, und auf das mit einer Doppelklammer eine KM-Kugel oder Niere aufgesteckt werden kann. Aber -wie gesagt- die Verwendung von so einer GM-8 war halt nur so eine Idee für den 'Notfall'. Wenn ich dazu komme, werde ich mal von diesem Experiment berichten.
Hallo Rainer, klar ist, dass durch Laufzeiten zwischen den MS-Mikrofonen im dematrizierten L/R-Signal ein Übersprechen auftritt, woraus verwaschene Phantomschallquellen resultieren. Schwierigkeiten habe ich bei der Vorstellung von 90° (!) Phasenverschiebung der übersprechenden Signale. Angenommen man nimmt zwei Mikrofone in AB-Laufzeitstereofonie mit 2 m Abstand voneinander und nennt ein Mikrofon M und das andere S und matriziert es nach L/R, wie kommt es da zu 90° Phasenverschiebung? Sind bei den übersprechenden Signalen nicht alle ständig wechselnden Phasenlagen vorhanden? Gruß Ulf
hei, das ganze iss natürlich frequenzabhängig, ich dachte so: also weiter als 2,5cm kriegt man die beiden kapseln nich zusammen, was dann wohl bei frequenzen um 4khz schon zu um die 90grad führen könnte, also da das mit den ständern auch so blöd ging waren es bei mir bestimmt 4cm, was schon um die 2khz die 90 grad überwiegend auftreten lässt. bitte korrigieren, wenn ich irre gruuhs
Das ist anschaulich etwas schwer vorstellbar, man muß es sich rechnerisch vor Augen führen. Es gibt sowohl gleichphasige Signale die übersprechen als auch zusätzliche Quadratursignale (90°). Man muß hier rechnen: M + (S * exp[-sT]). exp(-sT) ist die Laplacetransformierte für eine Laufzeit, wobie "s" als "jOmega" einzusetzen ist und "T" ist die Laufzeit. Löst man diesen Ausdruck auf, entsteht eine Cosinus- und eine Sinuskomponente. Daher die 90° Phasenverschiebung.
Das Problem bei den U87 liegt mit Sicherheit daran, daß die Systeme zu weit voneinander entfernt sind.
Warum gibt dann so viele Grossmembran-8er-Mikros? Ich wundere mich, dass es neben Neumann und Schoeps kaum ein Kleinmembran-8er-Mikro gibt (Sennheiser baut eins). Gruss Christian-B
Ausgesprochene "Nur-Achter" habe ich noch keine großmembranigen gesehen, sondern nur kleinmembranige. Bei Neumann das KM 120 und bei Schoeps das CMC 58 bzw. CMC 68. Aber es ist nun mal die Problematik aller großmembraniger Stereomikrofone daß der Kapselabstand relativ groß ist und das schränkt die Verwendbarkeit ein. Problematisch wird es nämlich dann, wenn der Schall nicht rechtwinklig zur Mikrofonachse einfällt sondern schräg. Dann treten bei hohen Frequenzen zwangsläufig Laufzeiten zwischen M und S auf, die zu unkontrollierten Phasenproblemem führen können. Ich habe da bei Orgelaufnahmen mit dem SM 69 schon seltsame Effekte erlebt.
Ausser Neumann und Schoeps baut auch MBHO eine sehr schöne 8'ter Kapsel (KA800) in Kleinmembranbausweise (nur 1 Membran - also keine Doppelniere). Nicht ganz billig (~ 400?) http://www.amptec.de/test/Images/pdf/500+800.pdf viele grüsse und ein schönes Wochenende GerhardS
... es ist sicher eine ernstzunehmende Konkurrenz zum KM-120 und dem MK-8 mit CMCx oder dem CCM8. Ich habe mich am Ende dafuer entschieden, weil es am besten zu meinen anderen MKHs passt - eine MK-8 hatte ich schon, aber sie mag feuchte Luft bei Aussenaufnahmen (Videoton fuer Doku-'ambience') noch weniger gerne als das MKH... Gruss Micha ---