Sprechermikrofonanordnung

Erstellt 18 Antworten19 Beiträge
Startbeitrag#1
Mich interessieren die Typen von Mikrofonen an Sprecherpulten und deren Verschaltung: Bekannt ist die Überlagerung zweier paralleler Mikros - nun sehe ich aber in einem Fernsehbericht (Bundestag) deren drei: In der Tat sind 3 identische Mikros in einem Abstand von weniger als 10cm zueinander parallel ausgericht. Sind die alle gleich gepegelt und voll überlagert? Die Anordnung war an mehreren Pulten identisch vorzufinden ...
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Antwort#2
Drei Mikrofone sind für die Frontkanäle beim Surround-Sound. Siehe: http://www.spl-usa.com/Atmos/T_D_Production0Partner1_E.html
Dann sind alle drei Mikrofone immer angeschaltet.
Wenn es nicht in Surround-Sound ist, dann ist immer nur das den höchsten Pegel abbekommende Mikrofon eingeschaltet - die anderen sind ge-gateted.
Das muss gemacht werden, damit es nicht zu den scheußlich hörbaren Kammfiltereffekten kommt.
Hier sieht man zwei Mikrofone im Bundestag (als Kreuz):
http://www.bundestag.de/bp/2001/bp0101/0101070.html
Im Deutschen Bundestag, am Rednerpult des Plenarsaals im Berliner Reichstag, findet man zwei KEMs 970 (Kardioid-Ebenen-Mikrofone). Lizenznehmer ist Microtech Gefell GmbH.
http://www.irt.de/IRT/produkte/akprodukte.htm
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Antwort#3
Ne, Surround ist es ganz sicher nicht. Eher schon trifft Deine Vermutung zu, daß die mikros gegated werden, wobei ich mir das nicht so einfach vorstelle.(?)
Ich meine wirklich 3 sehr nahe stehende Mikros in winzigem Abstand. Mal sehen, ob ich ein Bild auftreiben kann. Das von Dir ebenfalls gelinkte Kreuz ist es jedenfalls nicht.
Ausserdem beschreibst Du das Kardioid - Ebenen - Mikrofon. Das kannte ich schon von der Gefellwebseite. Sehr interessant das!
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Antwort#4
Hallo Jürgen,
welche 3 Mikrofone im Bundestag meinst du?
Ich habe immer nur zwei Mikrofone gesehen. Links und rechts am Rednerpult die teuren Gefell KEMs.
Darius
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Antwort#5
Nein, genau die meinte ich diesmal nicht. Es war kurz im Fernsehen zu sehen (Merkel glaube ich). Ich meinte, es war der Bundestag. Es waren definitiv 3 Mikros, recht klein, graue runde Windschütze.
Ich frage mich, wie man die mischen will. Habe mir das mit dem gaten nochmal überlegt: Irgendwie kann es das nicht sein.
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Antwort#6
Der Bundestag ist / war (zumindest früher) SCHOEPS-Mikrofone ausgestattet:
Die Kapseln auf den "aktiven Rohren" RCxxx mit dem Standard-Spuckschutz.
Bei zwei Mikrofone wird eins ein Havarie-Mikrofon sein, drei kann ich mir nur
mit verschiedene Übertragungswegen erklären:
Plenarsaal-Beschallung und Übertragung - z.B. für das Bundestagsfernsehen.
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Antwort#7
Der Bundestag ist ausgestattet mit je zwei KEM 970 Spezial-Richtmikrofonen am Rednerpult. Das Kardioid-Ebenen-Mikrofon heißt darum KEM.
Richtcharakteristik: horizontal nierenförmig, vertikal keulenförmig, Erfassungswinkel horizontal 120°, vertikal 30°.
Damit das auch das nicht einfach an 48 Volt Phantomspeisung mit normalem 3 pol XLR-Stecker anzuschließen geht, braucht man dazu ein spezielles Netzanschlussgerät N 970 mit Anschlussarmaturen als 7pol.Tuchel-Einbauflanschstecker.
Hier sind die Technischen Unterlagen dazu mit Polardiagrammen und Frequenzgang:
http://www.microtechgefell.de/eng/Downloads/StudioCondenser%20Mics/KEM%20970%20eng_In.pdf



Das KEM 970 Kardioid-Ebenen-Mikrofon
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Antwort#9
Dieses KEM entstand wohl aus der gleichen Überlegung heraus, dass man mit der Zusammenschaltung von Wandler-Zeilen horizontal immer eine andere Richtcharakteristik erhält, als vertikal. Also, gleiches (altes) Prinzip, wie z.B. die Lautsprecherzeilen in einer Kirche, in der sich aufgrund der heiklen Akustik nicht so ohne weiteres konventionelle Lautsprecher verteilen lassen. Und Line-Arrays für PA's sind ja auch nichts anderes. Oder irre ich mich da?
Dass MG auf die Idee gekommen ist, das Prinzip, was bislang nur für Lautsprecher angewandt wurde, für Mikrofone zu nutzen ist wirklich mal innovativ (erstaunlich, dass offenbar niemand vorher drauf gekommen ist).
Als Chorstütze hinter einem Orchester könnte ich mir die durchaus mal vorstellen. Eigentlich zu viel schade, nur für Bundestagsreden...
:)
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Antwort#10
... tatsächlich eignet sich das KEM hervorragend als Chorstütze sowie auch für Beschallungen (eben z.B. Chor). Kaum Rückkopplungsprobleme. Nur leider nicht ganz billig ;-).
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Antwort#11
Kann das das Rednerpult des US-Präsidenten gewesen sein? Bis vor einiger Zeit waren es regelmäßig drei Shure SM57 (Info nach einem älteren Thread aus rec.audio.pro), neuerdings sind es nur noch zwei.
In der Newsgroup schrieb jemand, dass dort eins der Mikros verwendet wird für die Beschallung und das andere (oder die beiden anderen, je nach Größe der Veranstaltung) kommen an Verteilerkästen, wo die Journalisten ihre Aufnahmegeräte anschließen können. Aus Sicherheitsgründen wird das Pult mitsamt Mikrofonen beim Secret Service verwahrt und niemend sonst darf da ein Mikrofon hinstellen - könnte ja mal kein echtes Mikro sein ;-)
So weit, was ich vor einigen Jahren (lange vor "9/11") mal bei rec.audio.pro gelesen hab. Irgendwie ist das haften geblieben.
Viele Grüße
Michael H.
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Antwort#12
Dass MG auf die Idee gekommen ist, das Prinzip, was bislang nur für Lautsprecher
angewandt wurde, für Mikrofone zu nutzen ist wirklich mal innovativ (erstaunlich,
dass offenbar niemand vorher drauf gekommen ist).
Microtech Gefell ist nicht auf diese Mikrofonart gekommen. MG baut diese KEM 970 Spezial-Richtmikrofone in Lizenz.
Mit dem Kardioid-Ebenen-Mikrofon (KEM), hat das Institut für Rundfunktechnik, München (IRT) einen neuen Mikrofontyp mit einer scheibenförmigen Richtcharakteristik ? vergleichbar der einer Lautsprecherzeile ? entwickelt.
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Antwort#13
Stefan meint: Als Chorstütze hinter einem Orchester könnte ich mir die durchaus mal vorstellen. Eigentlich zu viel schade, nur für Bundestagsreden...
:)
Swen meint: ... tatsächlich eignet sich das KEM hervorragend als Chorstütze sowie auch für Beschallungen (eben z.B. Chor).
Für Chor hinter starken Perkussionsinstrumenten kann das ein Vorteil sein.
Gute Tonmeister kennen aber die klanglichen Grenzen dieser Mikrofone. Darum hält sich der Jubel über eine "hervorragende" Chorstütze in Grenzen. Auch wegen des Preises, den sich wohl nur unsere Volksvertreter leisten können, sieht man diese Array-Mikrofone höchst selten im Einsatz.
Man sollte auf die nicht veröffentlichten Aussagen der Anwender hören. Dann wird man sich überlegen, ob man sich diese sehr teueren Lizenz-Mikrofone (KEM 970) in den Schrank legen kann.
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Antwort#14
... naja, DER überirdische Problemlöser ala "Eierlegende Wollmilchsau" ist das KEM natürlich nicht. Nur sollte man als Tonverantwortlicher meiner Meinung nach schon wissen, dass es dieses Spezialmikrofon gibt, welches in bestimmten Situationen durchaus Dinge kann, die mit anderen, "herkömmlichen" Mikrofonanordnungen kaum oder eben nur wesentlich komplizierter in den Griff zu bekommen sind. Ich sehe die Vorteile auch klar im Beschallungsbereich, weniger für Aufnahmen. Das eine derartige Kapselanordnung auch Probleme mit sich bringt, ist klar.
Ich habe übrigens selbst auch kein KEM ... wenn man sich aber den internen Aufwand (Kapseln, Konstruktion, ...) ansieht, mit dem dieses Mikrofon gebaut wird, ist der Preis durchaus gerechtfertigt. Wer es günstiger will, kann sich ja aus 8 B*- Billigkapseln eine ähnliche Anordnung basteln - die Verschaltung ist ja keine große Wissenschaft - vielleicht wird es ja ein Renner! /%Sarkasmus aus/
Swen
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Antwort#16
... wobei das Bild "Einsatz im Konzerthaus Berlin" abgebildete Mik alleine sicher nicht reicht, da der Chor flach steht. Ergo läsuft es wieder auf Mehrfachstützen hinaus. Der Vorteil scheint mir zu sein, dam das Mikro oder eine Kette derselben tatsächlich im Wesentlichen diese Ebene aufnimmt. Ich glaube aber nicht, daß die durch den komplexen Aufbau des mikros selber erzielte Wirkung in Überlagerung weiterer Mikros deselben Types so goßartig und unproblematisch ist. (?)
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Antwort#17
Wenn Du in Deinem Leben mal Beschallung machst, wirst Du merken, daß
"klangliche Grenzen" des Mikrofones kaum eine Rolle spielen - dafür ihre Praxistauglichkeit.
Ich frage mich übrigens ob der Jubel der "Tonmeister" größer wäre,
wenn dieses Mikrofon von Schoeps gebaut würde und nicht von einer Firma aus "dem Osten"...
Ach ja: Tonmeister machen keine Beschallung - - - - - - oder gibts es da B-Ware ;-) ??
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Antwort#18
Microtech Gefell ist nicht auf diese Mikrofonart gekommen.
MG baut diese KEM 970 Spezial-Richtmikrofone in Lizenz.
Bei dem Preis von dem KEM (ebenso beim SCHOEPS KFM6) stelle ich mir
am Rande die Frage, ob diese Mikrofone so teuer sind, weil die Lizenzgebühren
so hoch sind, oder ob die Lizenzgebühren nur der Anlaß sind, diese Mikrofone
so teuer zu verkaufen?
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Antwort#19
Ich frage mich übrigens ob der Jubel der "Tonmeister" größer wäre,
wenn dieses Mikrofon von Schoeps gebaut würde und nicht von einer
Firma aus "dem Osten" ...
Bestimmt! ;-))
Jedoch sehen die Daten von dem Mikrofon eigentlich sehr gut aus und es gibt sicherlich
eine Reihe von Fällen, wo eine "untertassenförmige" Richtcharakteristik sinnvoll wäre.
Nur allein der Preis ist derart hoch, daß ich mir kein Pärchen zum Ausprobieren leisten
kann, wenn ich davon ausgehe, daß diese Mikrofone nur selten einsetzen werde.
Zugegeben, die Daten der Kleinmembranmikrofone können mich nicht so recht begeistern.
Nett dagegen finde ich die Großmembranmikrofone M9x0, allerdings braucht man nicht
schon wieder die (unsinnige) Diskussion um GM und KM zu starten.
Das Zubehör bei MG finde ich bei weitem nicht so vielseitig wie bei der Firma aus Karlsruhe.
Obendrein sind gerade diese Teile bei MG verdammt teuer ...
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