"Ich bezweifle nicht den Sinn der Regelungen in den Pflichtenheften. Nichtsdestotrotz sind sie eben für Rundfunk und nicht für Tonstudios gemacht." Das ist deine Meinung. Die muss nicht stimmen. Kleine Studios denken so wie du. Das hat auch seinen Grund. Ich denke, das Pflichtenheft ist gut für Studios anwendbar. Kleine Abweichungen kann man sich ja leisten, aber im ganzen gesehen sicher nicht.
Mich stört dieses Standesdünkel hier Profi vs. Consumer, Klassik vs. Rock, Anfänger vs. Profi.
Was heißt hier "Standesdünkel"? Natürlich gibt es gewaltige Unterschiede, ob ich ein Klavierquintett aufnehme und das ganze Material schneide oder ob jemand Pop/Rock in seinem Studio per overdub und MIDI produziert. Ich habe Hochachtung vor Leuten, die aus z.B. mittelmäßigen Stimmen gute PopProduktionen machen können - ich kann das nicht. Aber dafür maße ich mir im Gegenzug schon an zu behaupten, daß meine Klassikschnitte im Endergebnis musikalisch sehr gut sind - diese Arbeit möchte ich nicht unbedingt von einem kleinen Rock-/Popstudio hören. In meinen Anfangstagen habe ich teilwese auch mit billigem SemiZeug gearbeitet. Nach den Problemen mit Unzuverlässigkeiten und unnötigen Artefakten habe ich solche Produkte nur so schnell wie möglich wieder abgestoßen. In einen großen Kombi paßt zwar ein Havarie-Recorder und ein Vorverstärker als Reserve gemütlich hinein, aber ich habe keine Lust, für jedes zweite Teil Ersatz mit zu schleppen. Im übrigen bin ich gerne bereit, in meinem Umkreis einem Anfänger auch persönliche Hilfestellungen zu geben. Der Frust aus meinen Basteljahren ist noch in guter Erinnerung. ;-)
Ich denke du weisst was ich meine. Falls nicht, dann liess mal hier eine Weile mit. Früher oder später kommt eine abfällige Bemerkung über den jeweils anderen genannten Part. Nicht von dir. Das gabs komischerweise vor ein paar Jahren hier noch nicht.
Früher oder später kommt eine abfällige Bemerkung über den jeweils anderen genannten Part. Nicht von dir.
Och ... Von mir kam auch schon einiges ... Ich erinnere mich an die Frage nach Geigenmikrofonen, Richter Audio als unqualifizierten Vertrieb chinesischer Mikrofone in drei Selektionsklassen und zu guter Letzt den Erfinder des Gabor-Links, den - so fürchte ich - meine Person aus dem Forum vertrieben hat. Stolz bin ich deshalb nicht unbedingt - aber in den Fällen ging es m.E. weniger um die Suche nach Hilfestellungen oder Erfahrungsaustausch ... Ansonsten finde ich den Ton in diesem Forum recht kollegial, nachdem ich die Giftereien in dem alten Forum der hdk berlin gelesen habe. >:->
Ja, ich denke, das Pflichtenheft ist gut für Studios anwendbar. Kleine Abweichungen kann man sich ja leisten. Überwiegend ist das Plichtenheft dort anwendbar. Man muss dem gewaltigen Qualitätsniedergang, wie z.B. durch die "Chinaware", etwas entgegensetzen.
"Meine Frage war, ob Gerätschaften die nicht dem Pflichtenheft entsprechen automatisch als "unprofessionell" gelten sollen?" Ich würde sagen ja. Man kann doch auch mit nicht professionellen Geräten arbeiten. Man muss nur den Mut haben, sich das einzugestehen, dass es so ist. Das macht doch nichts Oder? Mit Neid schaue ich auf Geräte, die das Pflichtenheft erfüllen. Gut, dass es so ein Pflichtenheft gibt. Maini2
Du mußt bedenken, die Pflichtenhefte des IRT sind nur bindend für Hersteller die direkt Anlagen für die Rundfunkanstalten liefern. Ausländische Hersteller z.B., die nur zu einem Bruchteil in den Rundfunk liefern, sind nicht unbedingt an diese Spezifikationen gebunden und es ist eine Frage der Kosten, ob man ein Gerät nach den Pflichtenheften des IRT baut oder nicht, wenn auch gemäßigtere Anforderungen professionellen Ansprüchen genügen, vor allem dann wenn nur ein Bruchteil ist was an den Rundfunk verkauft wird. Natürlich ist ein Hersteller der sich an die Vorgaben der Pflichtenhefte hält immer auf der sicheren Seite. Aber es ist eine Frage der Kosten. Ich kenne einen Fall, wo ein bekannter Hersteller von großen Mischpulten an eine deutsche Rundfunkanstalt geliefert hat (möchte den Hersteller und die Rfk-Anstalt nicht nennen) und das Mischpult entsprach nicht den Pflichtenheftvorgaben. Was war das ein Kampf bis das Ding an die peripheren Anlagen des Rundfunks angepaßt war. Vor allem die Pegel. Die Störabstände entsprchen auch nicht den Forderungen wie sie der Rundfunk sonst stellt. Warum man sich in dieser Rundfunkanstalt gerade für dieses Pult entschieden hat weiß ich nicht. Die Wege des Rundfunks sind bekanntlich unergründlich... Andererseits werden auch durchaus manche "Heimgeräte" mit Erfolg in Rundfunkstudios eingesetzt. Dies Klassifizierung über die Du Dich hier beschwerst (einschließlich "E-Musik, U-Musik), hat sich leider im Laufe der Jahre und Jahrzehnte so eingebürgert und ist in den den Köpfen so verwurzelt, daß sie nicht mehr herauszubringen ist - auch wenn wir noch so große Klimmzüge machen. Wir müssen halt damit leben. Genauso wie so manche Worte wie: "Mitschnitt" (stammt aus der Zeit der Schallfoliengeräte - vor dem 2 WK), oder auch die synonyme Bezeichnung "Tontechniker" für alle die sich irgendwie beruflich mit der Tontechnik befassen. Man sollte hier nicht päpstlicher als der Papst sein. Nur bei falschen Begriffen die sich versuchen einzubürgern ist es schon eher angebracht, gegenzusteuern. Z.B. die immer wieder zu hörende Formulierung mit den "180° Phasenverschiebung" wenn man die Gegenphase meint. DAS ist technisch definitiv falsch. Und da weise ich auch unsere Studenten immer wieder darauf hin. Aber die Klassifizierung "Heimton", "Studio...." oder "Profigerät" würde ich nicht soooo pingenlig betrachten. Für mich sind "Heimgeräte" eben solche, die man als Privatmann zu Hause verwendet und mit denen man nicht den Anspruch erhebt, Geld zu verdienen. "Profigeräte" dagegen sind alle solche, die gewerblich verwendet werden und - wie Stefan schon sagte - Investitionsgüter darstellen mit denen dann auch gewerblich gearbeitet wird.
Juppy, ich kann Deine Aussagen voll bestätigen. ICH selbst habe keinen emotionalen Bezug zur Pop-Musik. Daher lasse ich die Finger von derartigen Produktionen. Ich würde mich wahrscheinlich nur lächerlich machen. "Mein" Musikmetier ist die sog. "Klassiche Musik" und die Sakrale Musik. Aber auch Aufträge für alles was Militätmusik im weitesten Sinne ist nehme ich gerne an. Also sowohl Beethovens "Neunte" als auch Bach's "Matthäuspassion", aber auch "Preußens Gloria" sind mein Metier. Und Feuerwehrkapellen sind bei mir auch willkommene Kunden. Rock- und Pop-Bands schicke ich nicht verächtlich weg, sondern verweise sie an andere Studios und Kollegen die sich auf dieses Metier spezialisiert haben. Ich habe da keine Angst zu sagen: Ist nicht mein Metier, habe da keine Erfahrung mit. Das ist immer noch besser, als wenn man mit aller Gewalt einen Auftrag an sich reißt, nur um des Geldes wegen, aber dann sich mit einer Produktion voller technischer Unzulänglichkeiten zu blamieren. Andererseits kenne ich auch Aufnahmen von Klassischen oder Sakralen Werken die von Pop-Studios gemacht wurden, die sich grauenhaft anhören. Ich habe in meinen Anfangstagen (ich glaube ich erwähnte es schon mal) angefangen mit einem "Uher Royal de Luxe", einem kleinen Uher-Mischpult "Stereo Mix 5" und ein paar billigen Uher-Mikrofonen (dynamische). Das erste größere Werk was ich damit gemacht habe war Bach's Johannes-Passion. Das war Karfreitag 1971 ! War meine erste Aufnahme mit Oratorienbesetzung überhaupt. Die Aufnahem habe ich heute noch und sie hat die Archiv-Nummer "1" in meinem Archiv. Inzwischen sind es so an die 150 Oratorienaufnahmen (bzw. solche mit Oratorienbesetzung) die ich seit dieser Zeit produziert habe.
"Meine Frage war, ob Gerätschaften die nicht dem Pflichtenheft entsprechen >>automatisch als "unprofessionell" gelten sollen?"
Ich würde sagen ja.
Das ist doch mal eine Aussage. Und eigentlich die die ich im Klartext mal haben wollte. Ich bin nämlich nicht dieser Ansicht. Die Pflichtenhefte sind quasi das High-End-Qualitätsigel welches von vielen professionellen Geräten nicht erreicht wird und - das ist der Knackpunkt - auch nicht muss. Ich nannte als Beispiel die 70dB (oder waren es 75dB?) Verstärkung. Mein bester Preamp hat 65dB (http://www.sytek-audio-systems.com/products/preamps/mpx4). Die Poties stehen selten mal weiter als "12Uhr". D.h. die Ausage "erfüllt Pflichtenheft" ist gut, ist richtig. Die Gegenteilige "erfüllt Pflichtenheft nicht" ist schlecht, ist nicht richtig.
ich muß noch mal Stellung dazu nehmen. Es ist bei weitem nicht so, daß von allen Profigeräten die Spezifikationen der IRT-Pflichtenhefte eingehalen werden. Weder die des 3/5, noch die des 3/1-8/2. Wer die Inhalte der Pflichtenhefte kennt oder sie zumindest schon mal gelesen hat, weiß, daß es verdammt schwer ist, diese Bedingungen alle einzuhalten. Gerade an Mikrofonverstärkern haben sich schon manche Entwickler die Zähne ausgebissen um die Spezifikationen einzuhalten. Gerade wenn es um solche Sachen geht wie "Übersprechdämpfung" oder "HF-Einstrahlfestigkeit" wird es eklig. Fast alle käuflichen Effektgeräte erfüllen die Spezifikationen des Pflichteheft 3/5 nicht.
Hallo, was mich noch interessieren würde: werden vom IRT auch Richtlinien für digitale Geräte herausgegeben? Prinzipiell sollten die doch alle (bis auf Wandler) keine Probleme mit der Erfüllung des Pflichtenheftes haben? Grüße, tobi
... daß es verdammt schwer ist, diese Bedingungen alle einzuhalten. Gerade an Mikrofonverstärkern haben sich schon manche Entwickler die Zähne ausgebissen, um die Spezifikationen einzuhalten. Fast alle käuflichen Effektgeräte erfüllen die Spezifikationen des Pflichtenhefts 3/5 nicht.
Es ist doch gut so, dass sich Entwickler die Zähne an den IRT-Pflichtenheft-Richtlinien die Zähne ausgebissen haben. Die hohe Messlatte hat zu guten Mikrofonvorverstärkern geführt. Ohne diese Vorgabe wäre das wohl nicht passiert. Warum auch?
Das darf auch so sein, denn verdorbener Wein bedarf auch keinenem "Reinheitsgebot". Ich mag keinen Retsina, auch wenn es andere Ansichten gibt. Gruß Maini
Es sind Bestrebungen im Gange, die Digitaltechnik sukzessive in die Pflichtenhefte mit einzubinden. Das geht allerdings nicht so schnell, weil ja auch die Entwicklung dieser Technik so rasant vonstatten geht, daß man kaum noch mit irgendwelchen Festlegungen nachkommt. Das Pflichtenheft 3/6 (Aussteuerungsmesser) ist bereits um die Anforderungen für digitale Aussteuerungsmesser erweitert. Mehr kann ich momentan zu dieser Thematik nicht sagen.
Hallo Maini, na ja, daß es gute Mikrofonverstärker heute gibt, ist unbestritten. Aber auch diese entsprechen nicht in allen Daten den Vorgaben des PflH. 3/5. Der schwierigste Punkt bei Mikrofonverstärkern ist das Problem der HF-Einstrahlfestigkeit. Hier schneiden die trafosymmetrischen Eingänge am besten ab. Gerade da aber scheiden sich die Geister: Die meisten Hersteller von separaten Mikrofonverstärkern bauen elektronisch symmetrierte Eingänge ohne Übertrager. Und da sind wir genau an dem Punkt, wo ich immer für Übertrager plädiert habe. Zum anderen ist es auch verständlich, daß der Rundfunk gerade in diesem Punkt erhöhte Anforderungen stellt. Denn nirgendwo ist soviel hochfrequenzter "Elektrosmog" (ich benutze ausnahmsweise mal diese verdammte Wort was ich nicht leiden kann) um den MV herum wie beim Rundfunk.
Digitaler Aussteuerungsmesser basteln? Na, dann viel Spaß und viel Erfolg. Aussteuerungsmesser bauen hat es "in sich". Wenn Du fertig bist damit, berichte mal. Hast Du denn die Möglichkeit der Kalibrierung? Du brauchst dazu nämlich entsprechende Meßsignale und die Meßgeräte. Momentan habe ich auch ein Gerätebau-Projekt in Arbeit was ich evtl. wenn es fertig ist hier einstellen möchte. WAS es ist, wird vorerst nicht verraten...
Hi Rainer, da ich eh mit SPDIF "rein gehen" will, reduziert sich die Aufgabe darauf, die Daten in den Mikroprozessor zu bekommen, und dort die Bits ein wenig hin- und herzuschuppsen. Kalibrieren muss ich da meiner Meinung nach nichts - oder übersehe ich etwas? Grüße, tobi