Sowohl bei meiner Stereoanlage als auch den neu erstandenen Monitoren (Genelec 8020A) klappt die Stereolokalisation an sich sehr gut d. h. man kann bei entsprechend guten Aufnahmen einzelne Schallquellen ziemlich gut auf der Stereobasis lokalisieren. Jetzt wollte ich bei meinen neuen Monitoren mal die Pegel kalibrieren und habe die mit einem Monosignal beschickt. Dabei ist mir (auch vorher schon) aufgefallen, daß das Signal, egal ob Sprache oder Musik, zwar aus der Mitte kommt, aber nicht wirklich exakt lokalisierbar ist. Es erscheint irgendwie schon in der Mitte aber dort nach rechts und links verschmiert. Die Lokalisation scheint überhaupt prinzipiell besser zu klappen, wenn die Phantomschallquelle nicht ganz mittig, sondern etwas rechts oder links steht. Stößt man hier auf die Grenzen der 2 Kanal Stereofonie oder liegt es an dem komplexen Monosignal, was ich nicht exakt in die Mitte quetschen läßt. Oder sind die Lautsprecher verbesserungsbedürftig? Was sind Eure Erfahrungen? Ist das "normal" ? Erdie
Ich würde sagen, daß die L quantitativ generell besser ist, je mehr (realer) eine Quelle direkt aus dem Lautsprecher kommt und je weniger sie vom Phantomeffekt "Gebrauch macht". Für geringe Elongationen aus der Mitte sollte sich das aber gleich bleiben: Ich sehe nichts Nachteiliges an einem exakten 50:%0-Signalverhaltnis. Was machen denn Wände in Deinem Abhörraum ?
Hallo Erdie, Phasenlage richtig? (Rosa Rauschen, einen Kanal pultmäßig in der Phase drehen, richtige Einstellung ist diejenige die mehr Baß erzeugt. Wenn Ergebnis unklar, beide Boxen mit Abstand 5cm (Face to Face), Test wiederholen). Wenn ja, Lautsprecherpositionierung O.K.? Oftmals wird die Stereobasis zu breit gewählt, weil die Boxen auf dem 3m breiten Pult außen besser aussehen...... Ganz oft handelst du dir Reflexionen durch die Pult/Arbeitstischplatte ein, Bereich meistens so zwischen 200...500Hz, das läßt die Lokalisation schlechter werden. Gruß M. Hein
Naja, es ist eine Wand 30cm hinter den Lautsprechern und auf der rechten Seite eine Wand in etwa 1 m Entfernung - auf der linken Seite ist die nächste Wand 2,5 m entfernt. In meinem Wohnzimmer ist die Situation (und die Lautsprecher) anders, der Eindruck aber ähnlich. Was ich eigentlich sagen wollte: Wenn ich eine Stereoaufnahme höre, lassen sich Schallquellen in der Mitte schon recht gut lokalisieren - wenn ich aber ein Monosignal auf beide Boxen geben, dann ist die Musik eine breite Wolke in der Mitte zwischen den Lautsprechern und zwar weniger scharf als die Phantomschallquelle in dem Stereosignal. Vielleicht bin ich auch eine Täuschung erlegen .. Gruß Erdie
Ich habe mir eine Tonaufnahme von einem großen lauten Woolworth-Wecker gemacht und dieses Tick-Tack ist mein Testsignal für das Stereo-Center. Das Stereo-Center ist bei bei meiner üblichen Lautsprecherbasis zwischen 2,50 m und 3,00 m immer schön scharf. Genauso scharf wie es halblinks oder auch halbrechts ist. Wenn das nicht so ist, dann liegt das an Problemen in einem der Mehrwege-Lautsprecher, die nicht genau paarig in den Übergangsfrequenzen sind, auch kommt eine Verpolung in einem Lautsprecherfrequenzbereich vor oder es gibt schiefe Seitenreflexionen oder es gibt Reflexionen mit dem Mischpult, die hier schon genannt wurden. Eine Ausnahme konnte ich bei den "schönen" Quad-Elektrostaten-Lautsprechern erleben. Da bekommt man nie ein scharfes Center bei dem Tick-Tack. Das liegt an der nicht punktförmigen Abstrahlung der Lautsprecherfläche. Ich verstehe nicht, wie jemand überhaupt mit Elektrostaten als Aufnahmemonitore arbeiten kann. Selbst Mono im Center ist schon leicht breites "Stereo".
Vielleicht sollte ich es auch mal mit einem "Tick Tack" probieren. Das erscheint mir doch etwas wesentlich anderes zu sein als eine komplette Musik- oder Sprachaufnahme. Hast du schon mal probiert, ob die die Schärfe so bleibt wenn Du irgendetwas als Mono auf die Lautsprecher gibst? Erdie BTW: Tick Tack ist echt ne gute Idee ..
Hallo Erdie, ich muss mit der Reise-Aufnahmeapparatur ständig am Aufnahmeort, meistens in einem "Green-Room", einen neuen Regieraum zaubern, mit mitgebrachtem Teppich, den B&W-Lautsprechern und RPG Acoustical Treatment, wie Bass Trapps und Abfusors. Da wird vermessen und der letzte Zentimeter wird mit dem Wecker-Geräusch am Lautsprecher geschoben, bis am Hörort das Centergeräusch auch scharf im Center liegt. Erst wenn das stimmt, höre ich mir eine bekannte CD als Klangtest und zum Einstimmen in Stereo an. Diese interessiert mich dann in Mono als Centersignal nicht. Jedes mit dem Panpot eingestellte Monosignal bleibt immer gleich scharf auf der ganzen Lautsprecherbasis. Nur wenn das Signal fast von der Seite hart aus einem Lautsprecher kommt, gibt es eine Änderung (Schärfe und Klangänderung). Da gibt es doch bei Ebs einen guten Überblick wie scharf man auf der Lautsprecherbasis hören sollte und das stimmt auch so! Stereo-Abbildung und Lokalisationsschärfe: http://www.sengpielaudio.com/StereoAbbildungLokalisationsschaerfe.pdf Lokalisationsschärfe der Hörereignisse auf der Lautsprecherbasis bei verschiedenen Stereofonie-Aufnahmeverfahren: http://www.sengpielaudio.com/Lokalisationsschaerfe.pdf
Hallo Erdie, das hängt auch davon ab, ob die Phantomschallquelle mittels Pegeldifferenzen, Laufzeitdifferenzen oder gleichsinnigen Pegel- und Laufzeitdifferenzen ausgelenkt wird. Bei Laufzeitstereophonie ist die Phantomschallquelle bei 0% Auslenkung am wenigsten ausgedehnt und dehnt sich mit zunehmender Auslenkung auf der Stereobasis weiter aus. Bei Intensitätsstereophonie ist es umgekehrt. Wie so oft gibt es bei Sengpiel eine Graphik dazu: http://www.sengpielaudio.com/Lokalisationsschaerfe.pdf Allerdings sollte man Artefakte der Wiedergabe vorher ausschließen. Meine Erfahrung geht dahin, daß gute Hörbedingungen nur mit großem Aufwand zu erzielen sind, insbesondere, was die Unterdrückung diskreter Reflexionen angeht. Diese unter die Hörschwelle zu bringen, ist recht schwer und gelingt i.d.R. nur unzureichend, was die Phantomschallquellenbildung schwer beeinträchtigt. Gruß Andreas
Hallo Dieter, die Erfahrung, daß der Quad auch mono schon immer "stereo-artig" klingt, habe ich auch gemacht. Vor allem bei höheren Frequenzen (kleinen Wellenlängen) klingt er "räumlich ausgedehnt und phasig". Ob das allerdings nur an der nicht "punktförmigen Abstrahlung der Lautsprecherfläche" liegt, verdient eine genauere Betrachtung. Meiner Ansicht nach erzeugt das Ding frequenzabhängige und richtungsabhängige Pegel- und Laufzeitdifferenzen gegenüber einem Kugelstrahler 0. Ordnung. Das sieht man im Amplitudenfrequenzgang, der zu höheren Frequenzen recht wellig und stark winkelabhängig wird, ähnlich wie bei einem DML-Lautsprecher. Würde das Gerät nur eine ebene, nicht sphärische Wellenfront emittieren, dürfte die Lokalisation darunter aber nicht leiden. Eine "punktförmige" Abstrahlung (Kugelstrahler 0. Ordnung) sehe ich nicht als notwendige Voraussetzung für die Stereophonie. Überhaupt ist die Krümmung der Wellenfront bisher nicht hinreichend definiert, gemäß Leckschat soll sie immerhin einen Einfluß auf das Entfernungsempfinden haben. Nur in unendlicher Entfernung vom Strahler ist es näherungsweise immer eine ebene Wellenfront. Vielleicht noch eine allgemeine Anmerkung: Ich mußte die Erfahrung machen, daß ein gegen die Wellenlänge großer Strahler überraschend schnell "stereophon" klingt. Für einen 3"-Strahler (76mm) mit Kalottenmembrane tritt das schon oberhalb 2,25kHz (halbe Wellenlänge = Strahlerdurchmesser) auf. Konuslautsprecher zeigen diesen Effekt meist schon bei ka = 1 (Wellenlänge = Strahlerumfang). Ich kann aber bisher nicht zufriedenstellend begründen, woran das liegt. Ein Vorteil des Quad sollte am Schluß nicht verschwiegen werden, daß ist sein recht stetiges Bündelungsmaß im Grundton- und unteren Mittenbereich aufgrund der Tatsache, daß es sich um einen Kugelstrahler 1. Ordnung (Acht) handelt. Herkömmliche "Box"-Lautsprecher, v.a. kleine, leiden unter einem unstetigen Bündelungsmaß in diesem wichtigen Frequenzbereich, was meiner Erfahrung nach deutlich hörbar ist. Dagegen hilft nur wandbündige Montage. Gruß Andreas
Hallo Andreas, die Quad-Lautsprecher finde ich zum entspannten Anhören für zu Hause recht brauchbar und meine gemachten Aufnahmen klingen darüber nur noch besser. Probleme sehe ich, mit diesen Lautsprechern kritische Abmischeinstellungen zu machen, welche die Tiefenstaffelung, die Stereobreite und die Hallmenge für die Räumlichkeit betreffen. Ich erinnere mich an den Philips-Abhörraum in Barn, der noch von Volker Straus mit dem in einigem Abstand von der Wand aufgestellten Quad-Lautsprechern ausgestattet war, mit dem harten (!) Mauerwerk dahinter. Diese Dipole (Achtercharakteristik) klangen wunderbar. Nur ist hier der Gedanke des Erfinders entgegengesetzt dem LEDE-Prinzip mit der völligen Schalldämpfung, um die Lautsprecher herum, wie wir es gerne im Regieraum haben. Ich rede nicht vom Nearfield-Prinzip, was für mich nicht infrage kommt. Mein erstes Zusammentreffen mit den Elektrostaten-Lautsprechern war die Aufnahme des Erzählers zu einem Hörspiel. Ich dachte das Mischpult sei kaputt oder jemand hätte ein Stereomikrofon angeschlossen, weil der Sprecher so luftig klang. Das Goniometer zeigte jedoch einen sauberen dünnen Strich. Gruß Dieter
Hallo Andreas, bei einer Monoquelle handelt es sich ja per se nur um quasi Intensitäts-Stereofonie. Erstaunlicherweise ist mir das beim Hören eines Stereo Musiksignals nicht aufgefallen. Ich wollte auch fragen, ob die Lokalisationschärfe evtl auch von der spektralen Zusammensetzung des Signals und der Hüllkurve zusammenhängen könnte .. ? Gruß Erdie
"ob die Lokalisationsch�rfe evtl auch von der spektralen Zusammensetzung des Signals und der H�llkurve zusammenh�ngen k�nnte .. ?" Ersteres, denke ich, schon (es ist ein psychoakustischer Effekt, und das Ohr hoert ueber den Frequenzbereich nicht "gleichmaessig"). Ich nehme an, dass letzteres auch richtig ist. Gruss, Mathematiker
Wenn man die Frequenzachse bei folgender Abbildung betrachtet ... (und schon wieder von Ebs) "Frequenzabhängige Hörereignisrichtung" bei Stereo-Lautsprecherlokalisation http://www.sengpielaudio.com/FrequenzabhHoerereignisrichtung.pdf ... dann ist gut vorstellbar, dass man im Frequenzband des Vorne- bzw Präsenz-Bereichs von Jens Blauert Blauert eine bessere Lokalisationschärfe hat, als in den übrigen Bereichen - also schärfer bei 250 bis 500 Hz und bei 3 bis 6 kHz. Das wissen auch die Pop-Leute, die diese beiden Bereiche gut kennen, ohne von Blauert je gehört zu haben. Gruß Malte