Hm, ich muss zugeben, dass ich immer wieder ein bisschen Schmunzeln muss, wenn ich irgendwo lese "...und Differentialgleichungen haben wir auch schon gemacht..."; das ist naemlich ein Riesengebiet und eine Lebensaufgabe...:-)
Also als erster Schritt taugt Dein Wissen, aber es ist noch ein sehr weiter Weg. Wirklich!
OK, wenn man's wirklich verstehen will, sind aus mathematischer Sicht absolute Grundlage
(ich erschlage Dich jetzt mal):
1., mehrdimensionale Analysis
zumindest mehrdimensionale Differential- und Integralrechnung, Koordinatentransformationen, Integralsaetze (Gauss, Green, Stokes), Parameterintegrale.
Warum?
Es handelt sich meist um Modelle der Kontinuummechanik. Der Grundsatz der Modellbildung ist:
Die zeitliche Aenderung einer physikalischen Groesse (extensive Groesse der Thermodynamik) in einem Volumen ergibt sich aus dem, was im Volumen produziert/vernichtet wird und dem was ueber den Rand des Volumens ausgetauscht wird (zufliesst/abfliesst). Daraus ergeben sich sog. Bilanzgleichungen in Integralform, aus denen man dann die Differentialgleichungen herleitet.
Bei der ueblichen Raumakustik - ich meine "Klang im Inneren", weniger Koerperschall, Daemmung etc. - handelt es sich meist um Luftvolumina. Um Akustik zu verstehen, ist es notwendig, die Physik von Luftvolumina zu verstehen.
Man muss mathematisch somit in der Lage sein, Oberflaechenintegrale in Volumsintegrale umzuwandeln, und mit der Zeitableitung, die vor dem Integral steht, mit dem ggf. zeitabhaengigem Volumensrand und Integranden umgehen zu koennen. Und in verschiedenen Koordinaten. Da ein Raum ein mehrdimensionales Gebilde ist, geht ohne mehrdimensionale Analysis mal gar nichts. Vektorfelder gehoeren natuerlich auch dazu, Vektoranalysis (grad, div, rot...).
Fuer die Numerik spaeter ist es auch wichtig zu wissen, was ein normierter Vektorraum ist. Denn die Fehler, die bei Berechnungen auftreten, werden so gut wie alle mit Normen gemessen - da muss man zumindest wissen, was das aussagt.
2., lineare Algebra
Nicht nur bei Koordinatentransformationen muss man mit Matrizen und Determinanten umgehen koennen; erst recht dann, wenn man irgendwelche Gleichungen selber naeherungsweise am Computer loesen will ("Numerik").
3., Kontinuummechanik bzw. Thermodynamik
Bilanziert wie unter 1., werden thermodynamische Groessen. Man muss also wissen, was spezifische Groessen sind, was Dichten sind, wie sie zueinander in Verbindung stehen, was sie bedeuten.
Es bringt nichts, ueber irgendwelche Schallpegel zu reden, wenn man nicht weiss, was zB. eine Leistungsdichte ist, oder was Druck ist.
Irgendwann muss man zB. auf die Wellengleichung kommen und verstehen, wie und was sie aussagt.
4., Fuer den letzten Teil, den ich in meiner kurzen Ausfuehrung geschrieben habe, benoetigt man Funktionentheorie ("Komplexe Analysis"), um die Lage von Nullstellen analytischer Funktionen bestimmen zu koennen bzw. Formeln fuer die Nullstellen zu erhalten. Dazu gehoeren der Cauchy'sche Integralsatz und der Satz vom logarithmischen Residuum ("Anzahlformel fuer Null- und Polstellen"); fuer die Naeherungsweise Abschaetzung der Satz von Rouche. Konforme Abbildungen von Polygongebieten auf den Einheitskreis kann man "konsturieren", aber auch das braucht Funktionentheorie. Das ist aber alles schon ein bisschen spezieller auf die von mir geschilderte "Methode von Hand" zugeschnitten.
5., Fuer die naehrungsweise Berechnung am Computer benoetigt man Numerik. Da ist es heutzutage sowieso nicht verkehrt, sich auszukennen. Deshalb empfehle ich dazu gleich mal ein Buch: Plato, R.: "Numerische Mathematik kompakt", Vieweg 2000.
Die Grundlage fuer die Numerik von Differentialgleichungen, wie zB. Finite Elemente, Randelemente etc., ist die Angewandte Funktionalanalsis. Carsten Carstensen (dieser hier:
http://www.math.hu-berlin.de/~cc/) sagt immer "man muss den Ingenieuren Funktionalanalysis beibringen" - Recht hat er!
Leider gibt es fuer die von mir erwaehnten und in der Akustik weit verbreiteten Randelementverfahren ("BEM") kein brauchbares Lehrbuch...
Um diese zu implementieren, muss man jede Menge singulaerer Integrale auswerten; heutzutage fuer den Fachmann Standard, aber fuer den Laien moeglicherweise abschreckend.
Buchtipp zB.: Grossmann/Roos: Numerik partieller Differentialgleichungen, Teubner.
Vielleicht faellt mir aber noch etwas wesentlich Kuerzeres ein.
6., Partielle Differentialgleichungen
Zumindest Laplace-Gleichung, Wellengleichung.
Dazu eine andere Nachricht.
Gruss,
Mathematiker