Binaural/"Echtkopf"-Aufname: Equalizing von Mikro und Kopfhörer,Vorne/Hinten Lok

Erstellt 6 Antworten7 Beiträge
Startbeitrag#1
Hi!
Zur Zeit mache ich meine Diplomarbeit, bei der einige Aufnahmen mit In-Ohr Mikrofonen gemacht werden. Ich verwende Miniatur-Elektret Kapseln, die in den Gehörgang eingebracht werden. Die Fläche mit dem Filz schließt von außen gesehen den Gehörgang gerade ab. Der Gehörgang dahinter wird mit einem Stückchen Oropax gedämpft, um Reflektionen und Resonanzen des Gehörgangs und Trommelfells aus der Aufnahme auszuschliessen. (Diese kommen ja bei Wiedergabe hinzu und sollen nicht 2 mal drin sein)
Mein Problem: Die Vorne-Hinten Lokalisation.
Equalizing:
Ich platziere die Mikros im Ohr und setze den Kopfhörer (Stax Intraaural SRM-001) auf. Nun mache ich etwa mit Rauschen/MLS/Sweep einen minimalphasigen Filter, der das System Kopfhörer - Ohr - Mikro linearisiert.
Das ist doch die richtige Vorgehensweise, oder? Was muss ich wegen der Phase beachten? Mir ist das nicht ganz klar, wie ich die Phasenlinearität überprüfen oder herstellen kann, und was sie für eine Rolle für die Lokalisation spielt.
Reicht es, aus dem gemessenen Frequenzgang einen Filter abzleiten, der diesen einfach linearisiert, oder muss ich tatsächlich mit Wiener oder was auch immer einen Inversen Filter aufgrund der Impulsantwort herleiten?
Es stellt sich überhaupt keine Vorne-Lokalisation ein, alles wird nach hinten projiziert. Selbst mit immobilisiertem Kopf (festbeißen auf eine Art Beißbrett) ist das nicht anders.
Der Klirr der beteiligten Komponenten ist verschwindend gering.
Was mache ich falsch? Es klingt ja alles sehr räumlich, zur Seite hin werden sogar auch Entfernungen bei Aufnahme eines Shakers realistisch Wiedergegeben. Aber es kommt eben nichts von Vorne.
Die Vorne-Distanz ist immer null. Wenn ich den Shaker vom Kopf weg nach vorne wegbewege ändert sich deutlich die Klangfarbe, aber es stellt sich keine Räumlichkeit, keine Distanz ein, es bleibt alles in der Mittes des Kopfes.
Natürlich ist mir klar, dass etwa die Kopfbewegungen eine große Rolle spielen für die Trennung von Vorne und Hinten. Aber mit immobilisiertem Kopf höre ich doch auch zuverlässig vorne vorne und nicht hinten, warum dann bei Wiedergabe der Aufnahme nicht?
Fällt euch etwas ein? Mach ich das Equalizing richtig?
Jeder Hinweis wäre mir eine große Hilfe. Es wäre auch Interessant was Ihr für Erfahrungen mit Vorne-Hinten Lokalisation bei Kunstkopf oder Eigenkopf Aufnahmen gemacht habt.
Vielen Dank!
mfg Tom
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Antwort#2
Hallo Tom,

das Problem mit der Vorne-Lokalisation war von eh und je her schon DAS Problem der KK-Technik. Auch der erste Neumann-KK hatte dieses Problem. Das ganze Ü-System zu linearisieren ist nicht die richtige Lösung.
Suche mal im www unter den Stichworten "Diffusfeldentzerrung beim Kunstkopf, Vorne-Ortung, Vornelokalisation" nach. Es sind da im Laufe der Jahre einige Forschungsarbeiten gemacht worden.
Geh auch mal auf die Seiten von Eberhard Sengpiel, dort wirst Du bestimmt fündig sowie auf die Seiten der Firma Georg Neumann und deren Aufsätze.
Ich habe mich schon sehr lange nicht mehr mit der KK-Technik befaßt, sodaß ich da keine näheren technischen Auskünfte geben kann.
Auch an der RWTH Aachen sind m.W. Forschungsarbeiten gelaufen die sich mit diesem Problem befaßten.

MfG
Rainer
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Antwort#3
Du hast zu große Erwartungen an die KK-Technik ! Du must beachten, daß im realen Falle, alle aus dem dreidimensionalen Raum kommenden Signale auch durch die Schädeldecke, die Augenhöhlen etc. eindringen und auf den Gehörgang wirken. Diese elementaren und vor allem individuellen Informationen fehlen der KK-Aufnahme. Die Köpfe sind i.d.R: nur aussen kopfähnlich gestaltet. Innen fehlen Schädelbasis, harter Gaumen und vor allem das wasserenthaltende - und damit gut schallleitende Hirn. Und selbst wenn man einen optimalen Kopf nachbaut, so hat man doch immer nur eine Membran an einer Stelle und niemals den dreiddimensionalen Gehörgang, der Schall aus ebenfalls den o.g. Nebenrichtungen aufnimmt. Das kann man wohl niemals nachbilden und damit auch niemals zu einem echten 3D-Feld mit nur 2-2D-Signalen aus Hörern gelangen.
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Antwort#4
moin!
hat mal jemand versucht ein mittenmikrofon in die stirn zu "implantieren"?
;)
*duck*
grüße

hi hi hi
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Antwort#5
Aber er schreibt doch nicht von einer KK-*Nachbildung*, sondern von "realistischer" In-Ear-Mikrofonierung, insofern sind die anatomischen Voraussetzungen, was Schalleitung angeht, doch gegeben? (Oder habe ich da etwas falsch verstanden?)
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Antwort#6
Aber er schreibt doch nicht von einer KK-*Nachbildung*, sondern von "realistischer" In-Ear-Mikrofonierung, insofern sind die anatomischen Voraussetzungen, was Schalleitung angeht, doch gegeben? (Oder habe ich da etwas falsch verstanden?)
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Antwort#7
Hi!
Du sprichst da einen interessanten Punkt an.
Nach Blauert sind diese Effekte ja alle zu vernachlässigen, genauso wie Blauert schreibt, es könne auch mit 30dB SNR noch eine hundertprozentige Lokalisierung mit aufgenommenen Echt-Kopf-Signalen erreicht werden, so wie er es gemacht hat.
Man konnte meines Wissens nachweisen, dass alle Schallkomponenten, die nicht über das Trommelfell ins Innenohr gelangen mehr als 40 dB unter den Ohrsignalen liegen.
Soweit ich weiß wurden im Holophonic Kunstkopf die Schädelhöhlen nachgebildet, aber es wurde auch nur an den Ohren abgenommen. Ich denke das waren aber nur diejenigen die Luft enthalten, also Mund Nase Rachen etc.
Der Gehörgang dürfte wenig relevant sein, da eine Röhre mit diesem Durchmesser praktisch nur 1-dimensional Schall leitet, zumindest den, den wir hören können. Es gibt Zahlreiche Untersuchungen zu diesem Thema. Denk mal an die Wellenlängen und den Gehörgangsdurchmesser.
Die Frage ist natürlich, wo kann ich Blauert glauben und wo nicht.
Ich glaube ihm mal soweit, dass die Knochenleitung, die taktilen Theorien etc. nicht weiter führen und praktisch keinen Einfluss auf die Lokalisierung haben.
Wenn ich es nicht täte könnte ich doch nichts unternehmen, da hast du recht.
Es dürfte aber einen Konsens in der Forschung geben, dass beispielsweise die Knochenleitung vernachlässigbar ist.
Interessant bleiben für mich also nur all diejenigen Aspekte, die sich auf die Ohrsignale beziehen.
Für mich wäre insbesondere Interessant wie ich einen sauberen inversen Filter für das System Mikro/Kopfhörer bekomme.
Für mich wäre interessant wie ich überprüfen kann, ob dieses System zusammen mit meinem inversen Filter die Phase unangetastet lässt.
Ich muss davon ausgehen, dass die Mikrofone die ich verwende nicht identisch sind, deshalb könnte ich mir vorstellen, dass hier Probleme auftauchen.
Momentan hab ich einfach mal 8 günstige Kapseln gekauft und die 2 die am besten zusammenpassen gepaart.
Vielleicht hat auch jemand einen Tip was für Mikros man verwenden sollte. Ich weiss, dass es von B&K ein Binaural-Mikro gibt, in einer Dissertation wurde dann wieder vorgeschlagen zwei mini Sennheiser Kapseln zu verwenden (Typ kann ich bei Gelegenheit nachschauen). Diese sind natürlich auch nicht geschenkt zu haben, deshalb wären auch an dieser Stelle Erfahrungen interessant.
Es wäre mir sehr Recht wenn ich nicht 800 Euro in Mikros investieren müsste.. :)
mfg Tom
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