Alternative zu Tascam / Kaufempfehlung

Erstellt 7 Antworten8 Beiträge
Startbeitrag#1
Hi!
Ich bin gerade auf dieses Forum gestoßen und hab mich schon mit Suchfunktion etc. informiert, hätte aber gerne noch detailliertere Meinungen von euch:
Ich arbeite im Studio zur Zeit mit dem Tascam M600 (seit ca. 15 Jahren hier in Betrieb und jedenfalls in diese Zeit nicht generalüberholt soweit ich weiß) und wandle über 3 Digidesign 16bit-888er in's Protools. Ich habe ausserdem die Möglichkeit den 2-Kanal Focusrite Red 8 Preamp zu nutzen plus einem Urei 1178 Stereokompressor.
Jetzt also folgendes Problem: Ich bin mit der Kombination M600 / 888 nicht wirklich zufrieden. Abgesehen von einigen Brumm-Kanälen und dem obligatorischen, relativ starken Rauschen klingen die Höhen wahnsinnig kalt und klirrig, es fehlt immer das letzte Quentchen Druck und Attack, etc...
Unterm Strich endet es eigentlich immer damit, dass alles zu klein, zu kalt, zu wenig breit, zu wenig tief usw. wirkt.
Mit der Kombination Focusrite / Urei ist's deutlich besser (ich könnte also das Pult umgehen), aber da fehlt mir der bei der Aufnahme der EQ. Das funktioniert zwar auch digital im ProTools, aber das ist ja nicht der Sinn der Sache.
Jetzt ist die Frage, womit man Verbesserung erzielen könnte.
Hab mich jetzt mal umgesehen und mir überlegt, ob's 1-2 Channelstrips plus einem 1-2 Kanal A/D-Wandler (Drumrecording lass ich mal aussen vor, weil es für 8-12 Kanäle gerade finanziell nicht ausreicht) auch täten? Sollte sich dann natürlich schon auf SSL / Neve / Prism Niveau bewegen, damit der Unterschied zu Tascam / 888 auch hörbar ist und man wirklich qualitätsmässig ein Level höher kommt.
So, lange Rede kurzer Sinn. Ich hoffe auf eure Meinungen und Antworten.
Wie gut ist das Tascam bzw. die Digidesign-Wandler wirklich? Lohnt sich ein Umstieg auf einen hochwertigen Channelstrip / Wandler, um wenigstens einen oder zwei sehr gute Signalwege zu haben? Welche wären vor allem zu empfehlen?
Ich weiss, es sind viele Fragen...
Ich bedanke mich im Vorraus und wünsche eine gute Nacht!
Die besten Grüße,
Chris
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Antwort#2
Hallo Chris,
sehr komplexe Frage, ich versuchs mal.
Du hast Zugriff auf einen guten Pre (Red8) und einen sehr guten Kompressor (1178).
Also kommt ein Channelstrip nicht wirklich in Frage es sei denn Du möchstest unbedingt etwas mit Röhren, dann lohnt sich aber nur die Preisklasse Pendulum Audio-Quartet oder Manley Voxbox.
Wenn Dir ein EQ zum Tracken fehlt, dann wäre die Frage:
Fehlt Dir nicht schon ein richtig gutes Mikro?
EQing beim Remix ist obligatorisch, bei der Aufnahme muß das doch eher weniger sein. Gute Stand-Alone EQs gibt es in jeder Preisklasse, die Frage ist hier:
Budget und Klangvorstellung? Zur Ergänzung des eher neutralen Red8 würde sich sicher ein Röhren-EQ als "Effektgerät" anbieten. Wenn es für die High-End-Fraktion (MassivePassive & Co.) nicht reicht, könnte der SPL Qure vielleicht ein Tip sein (eigentlich sind das alle SPL-Geräte ;-)
Zum Pult: Das M600 ist sicher nicht schlecht - aber es kann eben nicht mit einem sehr gutem Channelstrip (bzw. dessen einzelnen Komponenten) mithalten.
Wenn Dir der Sound nicht mehr gefällt - weg damit.
Das ist doch das sicherste Indiz.
Ich würde auch nicht damit aufnehmen wollen.
Zu den Wandlern: Die alten Digi-Wandler begründen den alten Ruf von ProToys als schlechtklingendes System! (Und bevor sich die DIGI-Jünger jetzt aufregen: Ihr wisst es besser als ich...) Ich denke sie lassen sich mit den alten ADAT-Wanlern vergleichen - weg damit!
Auch damit lässt sich Arbeiten, aber wenn das Budget da ist, gönn Dir mal was Neues, z.B. von RME. Leider gibt es keine so gute Auswahl an reinen, bezahlbaren AD/DA Wandlern.
Ggf. kann ein 01V96/DMx000 eine gute Alternative sein, denn dann kannst Du das Trashcan-Pult ganz ausmisten, hast viele gute Wandler, >12 Preamps für Drums etc. und gleich noch etwas EQ/Dynamics sowie zwei sehr gute Effekte miteingekauft.
Versuch nochmal Deine genauen Vorstellungen zu verdeutlichen, vielleicht fällt mir noch was ein.
Gruß,
Christopher
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Antwort#3
Hi Christopher,
vielen Dank erstmal für die schnelle und ausführliche Antwort!
Bzgl. Channelstrip / EQ usw:
Es wäre mir wichtig, dass es eben mit einem neuen Channelstrip nochmal einen ordentlichen Sprung zur Kombination Red8 / Urei gibt. Wäre halt super, wenn man 1-2 sehr, sehr hochwertige Channelstrips hätte (für Vocals, Gitarren und alle Einzelinstrumente) und diese dann fürs Drum-Recording auf Bassdrum/Snare verwenden könnte und dann zusätzlich den Red8 / Urei für die Overheads verwendet. Damit wäre dann schonmal einiges abgedeckt und man könnte für die 3-4 wichtigsten Kanäle das Tascam vermeiden.
Das wäre mir im Endeffekt lieber, als "nur" einen zusätzlichen Röhren-EQ zu kaufen und nur zwei vollwertige Signalwege zu haben, weil ich z.b. bei den Overheads noch am ehesten auf den EQ beim Tracking verzichten könnte (dann eben nur durch Red8/Urei). Ich hoffe du verstehst was ich meine, ist vielleicht etwas kompliziert ausgedrückt :)
Beim Channelstrip wäre mir eben sehr wichtig, dass er wirklich hochwertige Komponenten besitzt und definitiv ein Kompressor integriert ist, dann aber auch auf Urei-Niveau, sonst hilft es mir nichts.
Mikromässig verfügen wir über die üblichen Verdächtigen. Abgesehen von Shure und Konsorten hauptsächlich C414, MD 441/421, Gefell, Neumann TLM usw. Also nicht oberste klasse, aber ordentlich. Sollte ja als Quelle reichen, oder?
Pult weg und austauschen würd ich gerne, geht aber leider nicht. Da fehlt das Geld und ausserdem bin ich nicht der Besitzer des Studios. Leider ;) Das Tascam muss deshalb bleiben. Es geht mehr darum, das optimale aus den Gegebenheiten rauszukitzeln und zu ergänzen.
Bzgl. Wandler:
Da hast du mich jetzt wirklich bestätigt. Anscheinend sind die Dinger wirklich so "schlecht", wie ich sie empfinde. Da muss definitiv eine Alternative her. Auch hier wär's mir wieder wichtig, dass der Unterschied dann auch wirklich hörbar ist. Vielleicht gibt's ja da noch den ein oder anderen Tip? Das Problem bleibt allerdings, dass die 888er nur 16-Bit machen, ich also den neuen Wandler auch nur auf 16-Bit laufen lassen könnte, weil ich ja in der Protools-Session keine 24- und 16-Bit-Files kombinieren kann. Wie man sieht, da beisst sich die Katze in den Schwanz.
Bzgl Budget hatte ich erst gedacht, es ginge evtl. in der Preisklasse der neuen "Neve Channel In A Box" (gibts da Meinungen dazu?), also so um die 1.000?, aber ich denke da werd ich mit Channelstrip und Wandler nicht mehr landen :)
Obergrenze kann ich schwer sagen. Wenn es sich wirklich lohnt, wäre auch mehr drin. Hi-End kostet eben, das ist mir klar.
Und eine letzte Frage:
Würde sich eine Generalüberholung des Tascam "hörbar" lohnen nach 15-20 Jahren?
Ich sage erneut Danke und viele Grüße,
Chris
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Antwort#5
Hallo nochmals,
eine Generalüberholung lohnt sich, wenn diverse Fader/Potis/Schalter nicht mehr richtig funktionieren oder das Pult sonstwie starke Nebengeräusche produziert.
Klingen wird es danach kaum besser - höchstens "sauberer".
Desweiteren ließe sich das Pult hier und da von einem versiertem Techniker verbessern mit rauschärmeren OP-Amps z.B.
Aber das ist alles nur in der Theorie. Ob sich das bei dem Pult wirklich lohnt ist fraglich... Nur wenn man es wirklich mag - vielleicht...
Du möchtest also 2 Kanäle vollwertigen Channelstrip?
Es gibt kaum zweikanalige, bis auf den Mindprint DTC.
Ich würde eher eine Kombination aus verschiedenen Geräten vorziehen.
Wenn Geld keine allzu große Rolle spielt:
PENDULUM Audio Quartet (x2) = 6000 EUR.
Ich kenne keinen "Neve Chanel in a Box" - Du meinst sicher den AMEK ("by R. Neve") C.I.B. - den habe ich selbst - SEHR gutes Gerät, speziell der Pre und der EQ.
Ist aber neu fast nicht mehr zu bekommen - Harman hat AMEK liquidiert.
Hier also ein paar Empfehlungen zum "Googeln" :
Pre: Neve Portico (!) , SPL Gainstation (!), Pendulum MDP-1, Focusrite ISA 428
Komp.: Drawmer 1968/1969, Empirical Labs Distressor (!), SPL Kultube/Dynamaxx, DBX160a (Hammer für Kick&Snare!), Pendulum OCL-2, Manley Variable "MU"
EQs: Empirical Labs LilFrEQ (!), SPL Qure, Manley Massive Passive
Nicht vom Stuhl fallen, fast alles SEHR teuer ;-) All diese Geräte verfolgen unterschiedliche Konzepte, werden aber allgemein sehr gelobt (ich kenne sie leider nicht alle selbst...).
Günstiger: 2x SPL Channel1 /Track1 (aber mit Übertrager-Option!), Mindprint DTC,
oder, falls noch zu bekommen (bei MS Köln?): den AMEK DMCL (ST-Pre-Comp) + ein sep. EQ.
Sehr gutes Forum zu diesem Thema: http://gearslutz.com/board/

Gruß,
Christopher


http://gearslutz.com/board/
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Antwort#6
... hei, ich muss dir ma kurz in einem punkt massiv widersprechen:
a) die adat wandler klingen besonders gut finde ich und auch andere kollegen sagen das immer wieder, zumindest die XT serie-Wandler, die ja auch nicht gerade neu sind.
b) die neueren ProTools systeme rauschen immer noch wien wasserfall, in einem AB-Vergleich, den ich kürzlich gemacht habe haben sogar UBFX vorverstärker besser abgeschnitten (also jetz ma nur so vom rausch anteil).
grüsse

dB
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Antwort#7
.... hei nomma hier kann ich mich wiederum nur anschliessen, den Channel in a box hab ich auch und bin absolut begeistert davon, hab auch einen DMCL der zwar keinen EQ, aber eine ausgebaute Dynamik-Sektion hat. Ist auch zu empfehlen.
Grüsse

dB
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Antwort#8
""a) die adat wandler klingen besonders gut finde ich und auch andere kollegen sagen das immer wieder, zumindest die XT serie-Wandler, die ja auch nicht gerade neu sind.""
Ich meinte allerdings die "Blackface"-ADATS von 1991...
Selber habe ich noch einen LX20 - ich denke auch das die 1997er XT/LX schon deutlich bessere (20 Bit-) Wandler besitzt. Aber mal davon ab: Wer behauptet selbst mit den alten könne man nichts (mehr) Anfangen, der irrt. Viele große Produktionen sind in den 90ern damit gemacht worden, auch Gute, und das auch noch mit 16 Bit, mein Gott, unvorstellbar ;-)
Kurz: Diese ganzen A/D-D/A Diskussionen betreffen vielleicht 2% des Klanggeschehens...

""b) die neueren ProTools systeme rauschen immer noch wien wasserfall, in einem AB-Vergleich, den ich kürzlich gemacht habe haben sogar UBFX vorverstärker besser abgeschnitten (also jetz ma nur so vom rausch anteil).""
Etwas vager Vergleich, aber auch so: Das kann ich mir kaum vorstellen - und ich bin wahrlich kein Fan von diesem System (man kann 16 u. 24-Bit-Files im Projekt nicht mischen? Lächerliche Vorkriegstechnik ;-) .
Von dem Rauschtechnisch jedenfalls so wär, wer würde sich das dann noch kaufen??
Außerdem: Rauschen ist heutzutage so ziemlich das letzte Problem (deswegen Rauschen ja auch die Bäringer-Sachen fast gar nicht), es sei denn man bricht sämtliche Pegelregeln oder will mit einem Bändchenmikro eine Armbanduhr aufnehmen... Ich denke an dem PT-System war was nicht OK.
Gruß,
Christopher
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