Hallo zusammen, bei Aufnahmen einer Opernstimme (hoher Sopran) ist das Ergebnis nicht gerade berückend geworden obwohl ich, so glaube ich, nichts technisch falsch gemacht habe... Die Stimme klingt auf der Aufnahme, anders als natura, sehr "agressiv", mit einem hoher Klirrfaktor (genau wie das Zeug, das man mit einem De-Esser wegzuschneiden versucht). Wohlgemerkt: Kein Hintergrundgeräusch, sondern eine fiese Überbetonung der Obertöne in der Stimme... Equipment: Pro-Tools 6.9 auf Mac, Focusite-Preamps, Oktava-Kleinmembrankondensatoren(ORTF) + ein BPM-Grossmembran-Mikro (nah dran). Hat jemand eine Idee, ob etwas technisches dahinterstecken könnte?
... aus Erfahrung mit dem Hersteller würde ich das "Mikrofon ganz nah dran" überprüfen. Aber wieso nimmst Du einen Sopran mit Mikrofon direkt vor'm Mund auf?
Geh mal auf einen Abstand von 1 Meter....1,50 Meter! Dann wird auch die Stimme nicht verzerrt. Wahrscheinlich hat die Sängering die Mikrofonkapsel schon übersteuert, und zwar dadurch, daß durch die extreme Nahbesprechung Atemluft auf die Membrane traf. Dann ist die Kapsel natürlich hoffnungslos übersteuert.
yo he, da übersteuerst du sicher das mikro. vielleicht passt aber auch das mikro nicht zu dieser sängerin. schwäche doch mal den bereich um die 8 - 16 khz mit nem equalizer ab. damit kannst du unter umständen auch schon einiges von dem klirren weg bringen.
Da ich selber Opern- Konzertsänger bin, kenne ich dieses Problem etwas. Eine Opernstimme braucht in erster Linie sehr viel Raum. Es wird garantiert schwierig eine Sopranistin (ausser vielleicht bei Liedern) in einem normalen Studio-Raum aufzunehmen. Da muss einfach ein Saal her. Zweitens würde ich die Mikrofone niemals näher als einen Meter platzieren. Ideal wäre ev.1m und dann noch in 5 oder so Metern, je nach Raum. Warum ist das so? Als Opernsänger trainiert man die Stimme so, dass sie möglichst grosse Räume füllen kann. Dies ist aus energietechnischer Sicht nur möglich, wenn der Sänger versucht, den Obertongehalt (die Formanten um ca. 2 kHz) zu verstärken. Diese Resonanzen brauchen im Idealfall wenig Energie und können z.B. ein Orchester leicht überstrahlen, da letzteres genau dort (2 kHz) keinen Peak hat (normalerweise... wenn das Blech aufdreht, sieht es schon anders aus...). Es sind diese hohen Resonanzen, die tragen im Raum, nicht die mittleren und tiefen. Ich könnte einige erlebte Beispiele erzählen. Deswegen ist es also auch nicht verwunderlich, dass in nahem Abstand die Stimme einer Sopranistin "giftig" oder so tönt. Meiner Erfahrung nach, kann man eine Opernsängerin oder -sänger nur in einem normalen Studioraum vernünftig aufnehmen, wenn er oder sie die Stimme massiv zurücknimmt. Und dies ist fast nur bei Liedern der Fall. Fazit: Halt doch einen Saal mieten und weit mikrofonieren. Wie du das jetztige Resultat retten kannst, werden die wahrscheinlich die erfahrenen Techniker hier sagen können...
Hi Blaubar, welches Stimmfach bist Du denn? Ich bin eher so mittel-tief und habe letzten Sonntag im Pfalzbau Ludwigshafen den Sprecher in der Zauberflöte gesungen. Mein letztes Konzert war im Dezember: Weihnachtsoratorium Bariton Partie von Saint Saens in Münster. Leider komme ich zu selten zum Singen wegen meines normalen Berufes. Ich würde es am liebsten jeden Tag tun. Das Leben ist zum Singen einfach zu kurz. Erdie
Nochwas: Es gibt tatsächlich Opernstimmen, die auch in kleineren Räumen toll klingen, da sie extrem sauber geführt sind (wie z.B. Nicolai Gedda) und die Formanten nicht so rausfallen. Das ist aber doch ein grosser Ausnahmefall (und zeichnet wohl den Genius aus). Die meisten Opernstimmen klingen in der Nähe einfach grässlich, besonders, wenn man es mit mittelmässigen Sängern zu tun hat.
Ich muss noch etwas präzisieren: Wenn ein Sänger perfekt singt, dann klingt seine Stimme ausgeglichen. Viele versuchen aber möglichst laut zu sein und trimmen diese Sängerformante zu sehr. Dann ist zwar der Obertongehalt hoch, aber nicht schön. Sprich laut aber hässlich. Es gibt famose Beispiele, die auch in einer Schuhschachtel gut klingen, da alles extrem ausgeglichen ist (wie z.B.Nicolai Gedda) und immer noch einen sehr hohen Obertongehalt haben... Es ist dann so, dass man in der Nähe denkt, das ist ja gar nicht so laut, aber es ist so ein schwirren in der Luft. Hört man in dann im grossen Konzertsaal hat man in der hintersten Reihe immer noch das gleiche Gefühl... Umgekehrt kenne ich Sänger, bei denen man in der Nähe das Gefühl hat, dass ein Jumbo durchstartet, im Saal ist die Stimme aber plötzlich sehr klein. Soprane haben aber tatsächlich etwas die Tendenz zum klirren, was im grossen Saal nicht störend sein muss.
Ich bin Tenor. Allerdings ist für mich das Leben nicht zu kurz zum Singen, da ich davon lebe. Ich singe vor allem das Konzertfach (WO SaintSaens habe ich vor einem Monat gesungen) und Oper, ich war am Stadttheater Bern während ein paar Jahren.
Hallo, danke Euch für Eure Antworten. Muss allerdings wohl mal ein paar Missverständnisse ausräumen: 1) Ich habe die Sängerin nicht nur mit EINEM Mikro "ganz nah dran" aufgenommen, sondern mit insgesamt drei Mikros: Zwei für den Raum-Sound (10 Meter Abstand) und eines für die Sprachverständlichkeit (1,5 Meter weg). 2) Wir haben in einem guten Raum (Konzertsaal) aufgenommen, nicht in einer Studio-Box 3) Die fragliche Sängerin ist gut (Deutsche Oper unter den Linden, Theater Basel, Wiener Festwochen) und hat KEINE schrille Stimme, wobei ich mir bewusst bin, dass Sopranstimmen gerne ins schrille tendieren... Ich habe eher das Gefühl, dass es mit der Mikrophon-Platzierung zu tun hat. Hat irgendjemand Erfahrung mit diesem speziellen Fall "Opernstimme"? Wie macht sich da die M/S-Technik? Oder ist es besser (wie ich's gemacht habe), zwei Kugeln im Raum aufzustellen und eine Niere näher dran? Bin für jeden Tip dankbar! philoton
Kannst Du mal genauer beschreiben in welcher Höhe Du das Mikrofon vor die Sängerin gestellt hast? Ich stelle meine Solistenmikrofone gewöhnlich so auf, daß die Sänger es nicht direkt in gerader Linie ansingen, sondern etwa in der Höhe zwischen Mund und Brustkorb, sodaß der Sänger/-in das Mikrofon etwas schräg ansingt. Ich habe sowohl mit Groß- als auch mit Kleinmembranigen Mikrofonen gute Ergebnisse. Mein Tip: Verwende mal eine kleinmembranige Kugel (Druckempfänger) als Gesangsstütze. Ich habe das mal probehalber mit einem Neumann KM 83 gemacht und war überrascht von dem hervorragenden Ergebnis - besser als mit Nieren. Wenn Du es von der Aukustik her und dem akustischen Übersprechen her Dir erlauben kannst eine Kugel zu nehmen, dann mach es. M/S bringt da keine Vorteile gegenüber ORTF oder XY. Ich verwende für Solisten mit guten Erfolg Neumann KM 140, U87, U89 und SM 69fet. Letzeres in XY mit Superniere auf beiden Systemen. In diesem Fall singen die Sänger das Mikrofon auch nicht auf der Hauptachse an sondern von der Seite. Das nimmt dann auf Grund der frequenzabhängigen Richtcharakteristik der Stimme etwas Obertongehalt weg, aber dezent, sodaß diese "Agressivität" nicht auftritt.