Studioamp

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Antwort#41
Betrachte es mal folgendermaßen:
Eine Membran hat eine Resonanz. Die Resonanz wird mechanisch bedämpft (durch "mechanische Widerstände", Feder-Masse-System etc...), und dadurch ändert sich der Phasengang (banalstes Beispiel: Reflexion --> 180° Phasenänderung)
Oder sie wird *im Mikrofon* elektrisch durch Widerstände, Kondensatoren, Spulen bedämpft, wobei sich der Phasengang ändert.
Es geht beides, und es hat beides seine Vor- und Nachteile. Denn: auch eine mechanische Entzerrung ist nicht physikalisch ideal! In beiden Fällen ist es aber eine Bekämpfung der Symptome. (Die Resonanz ist ja das Symptom, dessen Ursache Größe, Form, Masse, ... der Membran sind! Eine Bekämpfung der Ursache sieht anders aus: die Membran unendlich klein machen.)
Und weil eben jedes unserer Systeme in irgendeiner Weise nichtlinear ist, gibt es ja verschiedene Mikrofone für verschiedene Anwendungen. Wie der jeweilige Eigenklang zustande kommt, ist aber eigentlich relativ egal, solang das Ergebnis sinnvoll verwendbar ist.
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Antwort#42
Beispiel Membran + Resonanz:
Du kannst 2 Dinge tun: Entweder die Resonanz mechanisch bedämpfen, diese hätte auch ein besseres Impulsverhalten zur Folge weil sich die Schwingungseigenschaften (Q-Faktor) der Membran ändern.
Oder Du kannst den sich durch die Resonanz ergebenen Peak im Spektrum mit einen eletrischen Filter ganz woanders in der Übertragungskette glätten. Der Q-Fakter und das schlecht Impulsverhalten der Membranresonaz bliebe erhalten allerdings ohne den den Peak im Spektrum / Frequenzgang.
Erdie
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Antwort#43
Moin...
"Eine Membran hat eine Resonanz. Die Resonanz wird mechanisch bedämpft (durch "mechanische Widerstände", Feder-Masse-System etc...), und dadurch ändert sich der Phasengang (banalstes Beispiel: Reflexion --> 180° Phasenänderung)"
Da kann man jetzt philosophisch werden, ob eine Resonanz, die mechanisch durch Veränderung des schwingenden Systems egalisiert wird, überhaupt noch eine Resonanz ist oder nicht.
"Oder sie wird *im Mikrofon* elektrisch durch Widerstände, Kondensatoren, Spulen bedämpft, wobei sich der Phasengang ändert."
Wenn das ganze noch VOR jeglichem Impedanzwandler, Vorverstärker etc. passiert, wenn also die elektrische Entzerrung auf die Kapsel rückwirkt, DANN (und NUR dann) gebe ich dir recht. Ein gutes Beispiel ist die Entzerrung einer Lautsprecherbox - wo man ja auch mechanisch (z.B. Volumen, Bassreflexöffnungen etc.) wie auch elektrisch durch Spulen, Kondensatoren etc. eingreifen kann. In dem Fall wird die Membran bei einer vorher gewesenen Resonanz keine Amplitudenüberhöhung zeigen.
Im Falle einer Mikrofonmembran, die erst nach dem ersten Impedanzwandler entzerrt wird, hingegen schon.
Ich muss glaube ich nicht erwähnen, dass "reale" Resonanzphänomene (also nicht der akademische 1-dimensionale sinusgetriebene Oszillator) i.d.R. schon sehr deutliche Nichtlinearitäten zeigen? Inklusive Reaktion auf Harmonische und Subharmonische, nichtlinearer Zusammenhang zwischen Anregungsamplitude und resultierender Resonanzamplitude - im übrigen auch dann, wenn außerhalb der Resonanz alles schön linear ist...
"Es geht beides, und es hat beides seine Vor- und Nachteile. Denn: auch eine mechanische Entzerrung ist nicht physikalisch ideal!"
Zum x-ten Mal: das habe ich auch nie behauptet! Ich habe auch nie gesagt, dass die mechanische Entzerrung "besser" sei.
In einer Lautsprecherbox, wo mechanische und elektrische Entzerrung i.d.R. nebeneinander angewendet werden, und wo sie noch dazu an der selben Stelle in der Signalkette auftreten (es gibt da kein "vorher" und "nachher", weil beides eng miteinander wechselwirkt), da sehe ich auch keinen Unterschied.
Ebensowenig würde ich einen sehen, wenn tatsächlich die elektrische Entzerrung einer Mikrofonkapsel den mechanischen Hub der Membran verändern würde.
Das tut sie aber in der Regel nicht. Ein parallel geschalteter Kondensator etwa bei einem dynamischen Mikrofon übt seinerseits über den Stromfluss auf die Spule und damit auf die Membran aus.
Eine kurzgeschlossene Spule beim "Dynamiker" würde z.B. auch stärker bedämpft sein (was sich auch in der mechanischen Auslenkung äußert!) als eine unbelastete.
Zwischenfrage: Wie soll das Äquivalent dazu beim Kondensatormikrofon aussehen? Wie würdest du z.B. erreichen wollen (durch eine elektrische Schaltung!), dass die _Membran_ bei ihrer Resonanz eine geringere Amplitude aufweist?
Wenn die elektrische Entzerrung erst nach dem Impedanzwandler kommt (beim Pult-EQ ist das leicht einsehbar, bei einer im Mikrofon eingebauten Vorverstärkerschaltung müsste man sich das SEHR genau ansehen), dann fehlt jede Rückwirkung auf den eigentlichen Sensor, die Membran, und die elektrische und mechanische Entzerrung sind physikalisch eben NICHT gleichwertig.
Über die Praxisrelevanz im übrigen brauchen wir uns nicht zu streiten: Ob man jetzt eine leichte Höhenanhebung von 2-3dB mechanisch oder elektrisch realisiert, dürfte fern von jeder Hörbarkeit liegen.
Ich wehre mich nur gegen die Behauptung, dass die mechanische und elektrische Entzerrung in jedem Fall physikalisch äquivalent sind. Bei oberflächlicher Betrachtung stimmt das zwar, aber man muss eben auch davon ausgehen dürfen, dass die mechanische resp. elektrische Entzerrung an der selben Stelle im Signalweg passieren - und das ist eben hier IMHO nicht gegeben.
Nochmal: Es geht mir nicht um elektrisch vs. mechanisch. Es geht mir um die Stelle in der Signalkette, in der das passiert. Um das zu verdeutlichen:
Bei dem oben schon angesprochenen Beispiel mit der Lautsprecherbox ist es egal, ob ich den Frequenzgang mechanisch durch anderes Volumen oder elektrisch durch eine Filterschaltung manipuliere.
Es ist aber wiederum NICHT egal, ob ich die letztere Schaltung in die Box einbaue (wo sie unmittelbar mit dem Chassis und dem Luftvolumen wechselwirkt), oder ob ich dieselbe Schaltung VOR den Verstärker setze.
Mach mal den Versuch und nimm eine passive Frequenzweiche aus einer Lautsprecherbox (alte Hifi-Box z.B.) und setze diese ohne jede Modifikation vor den Verstärker. Ob das wohl GANZ anders klingt?
"In beiden Fällen ist es aber eine Bekämpfung der Symptome. (Die Resonanz ist ja das Symptom, dessen Ursache Größe, Form, Masse, ... der Membran sind!"
Jetzt widersprichst du dir selbst: hier sagst du, dass die Ursache der Resonanz sind ihre mechanischen Eigenschaften: Masse, Elastizität, Spannung etc. Was willst du denn "mechanisch entzerren", wenn nicht genau diese Eigenschaften verändern?
Und genau da sind wir am Punkt:
Mit einer mechanischen Entzerrung verändert man das schwingende System selbst!
Das System hat dann INTRINSISCH einen ganz anderen Frequenzgang, es tritt überhaupt keine Resonanz mehr auf. DAS ist der Unterschied.
"Eine Bekämpfung der Ursache sieht anders aus: die Membran unendlich klein machen."
DAS ist ein ganz anderes Kapitel...
Jens
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Antwort#44
Hallo, hab mich mal noch etwas in das Thema vertieft...
... es sieht wohl so aus (soweit mein nicht besonders grosser Mathematik-Sachverstand das beurteilen kann):
Wenn man Nichtlinearitäten und Rauschen ausser Acht lässt, kann man mit der Dekonvolution tatsächlich nachträglich das "Original-Signal" berechnen, im Fall man die exakte Impulsantwort hat (da geht es aber schon los...). Rein Analog geht das wohl kaum, auch nicht mit "analogen" Digital-Methoden (EQing und Phasenentzerrung z.B.).
Wg. der Nichtlinearitäten ist die Impulsantwort selber bereits pegelabhängig, das heisst man könnte vielleicht mit einem dynamisch veränderlichen Faltungskern entfalten, und das ist wohl echtes Neuland (konnte darüber nun nichts mehr finden, ausserdem scheint mir der Ansatz auch theoretisch zweifelhaft: wie bestimmt man denn, welche Impulsantwort jetzt zu nehmen ist?). Und Rauschen macht ebenfalls arge Probleme.
Mein Fazit: Theoretisch (unter idealisierten Bedingungen) ist eine Dekonvolution einer akustischen Entzerrung völlig gleichwertig, aber eine blosse normale nachträgliche Pegel- und Phasen-korrektur schon nicht mehr.
Praktisch machen einem die Dreckeffekte einen Strich durch die theoretische Rechnung, genauso jedoch ist der Unterschied der Methoden bei realen Mics irrelevant (wenn das Mikro an sich kein Murks ist und die Entzerrung nicht übertrieben sein muss).
Zu dem Thema fällt mir noch ein, dass eben die Nichtlinearitäten IMHO der wesentliche Grund sind, warum man Phasenverschiebungen (d.h. Allpässe) doch hört: Man hört nicht die Phasenverschiebung selbst, sondern die dadurch anderen Dreckeffekte (vor allem weil die LS-Membran sich eben anders bewegt).
Grüsse, Klaus S
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Antwort#45
... und vielleicht bald ein Marek Design RS1.
Du Glücklicher !
Neidvolle Grüße
Torsten


conanima
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Antwort#46
Da sind wir uns einig.
Genau das sage ich ja: ein praxistaugliches Mikrofon ist ausreichend linear. Muß nicht so stark entzerrt werden, daß es schrill oder matschig klingt...:)
Wäre aber wirklich mal interessant, wenn jemand es schaffen würde, eine Dekonvolution so weit zu kriegen, daß man sie wirklich anwenden kann...
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Antwort#47
Ich habe mich vielleicht nicht klar genug ausgedrückt: ich meine mit der "mechanischen Entzerrung" eventuelle akustische Modifikationen, wie sie z.B. bei DPA-Mikros in schwarz und silber existieren.
Du, .Jens, hast freilich nie behauptet daß mechanische Entzerrung besser wäre. Aber andere hier.
Der Vergleich Lautsprecher-Mikrofon ist hier leider nicht ganz treffend, denn es macht einen Unterschied, in welche Richtung sich das Signal bewegt. Wird es ERST elektrisch verändert und DANN auf die Membran geschickt, haben wir einen Lautsprecher. Kommt es von der Membran und wird DANN elektrisch verändert, so haben wir ein Mikrofon. Die Analogie wäre z.B. eine Änderung der Kondensatorspannung (denn diese ändert ja die Kräfte, die zwischen Membran und Gegenelektrode wirken, und damit auch die Auswirkungen einer Schwingung, die auf die ansonsten unveränderte Membran trifft!)
Die elektrische Entzerrung kommt meines Wissens (aber bitte korrigiert mich, wenn es nicht so sein sollte!) z.b. in den Colette-Kapseln vor dem Impedanzwandler (der ja im CMC-Teil sitzt).
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Antwort#48
""In der idealen Physik wäre alles so schön einfach, im wirklichen Leben aber müssen wir mit unidealen Bauteilen kämpfen - Widerstände haben Kapazitäten und Induktivitäten, Kapazitäten haben Widerstände und Induktivitäten - und gerade weil das so ist, klingen viele Verstärker mit "gleichem" Frequenzgang anders, klingen auch Mikrofone mit gleicher Kapsel unterschiedlich. Aber gerade diese Vielfalt ist es, die uns Tontechnikern und Musikern so viele Möglichkeiten beschert kreativ zu sein. Was wäre unsere Musikwelt, wenn wir alle mit dem gleichen Messmikrofon und dem gleichen trockenen Preamp aufnehmen würden? Ich denke, das wäre furchtbar langweilig. Und weil ich keine Lust auf Langeweile habe, benutze ich mal ein U87, mal ein Brauner, mal ein furchtbar krummes U47, mal ein AKG, wenn ich denke es passt auch mal ein Dynamisches... und vielleicht bald ein Marek Design RS1. ""
Nein!
Die Eigeninduktivitäten von R's und C's sowie die Eigenkapazitäten von L's und R's sind bei den in der Audiotechnik vorkommenden Frequenzen vernachlässigbar.
Wenn Verstärker gleichen Frequenzgangs unterschiedlich "klingen" dann hängt das nicht an obigen Phänomenen, sondern daran, daß außerdem noch nichtlineare Effekte (Klirrfaktor und Differenztonverzerrungen) vorhanden sind.
Und: Ich bedarf keiner Audiogeräte mit "Eigenklang" - weder Mikrofone noch sonstige Geräte, sondern für Gestaltung gibt es Effektgeräte bei der nach Belieben alle möglichen Gestaltungen eingestellt werden können.
""Der Grund für die Phasenverschiebung ist die Selbstinduktion der Spule. Der Grund ist, dass die Selbstinduktionsspannung der angelegten Spannung entgegenwirkt und der Stromfluss verzögert wird.""
Diese "Schulweisheit" ist ein nicht auszurottender Unsinn!
Die (Selbst)induktionsspannung tritt nur dann auf, wenn auch ein Strom durch die Spule fließt der sich zeitlich ändert. Beim Anlegen eines Spannungssprungs an die Spule fließt aber beim Anlegen der Spannung noch kein Strom. Also kann auch noch keine Selbstinduktionsspannung vorhanden sein. Folglich müßte also doch Strom fließen. Dann aber tritt eine Selbstinduktionsspannung auf, die wiederum den Stromfluß verhindert.
Du siehst: Durchdenkt man diesen Satz mal genau, dreht man sich im Kreis!. Dieser Lehrsatz stammt aus einer Zeit, als man über Blindwiderstände noch nichts wußte.

Grüße
Rainer
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Antwort#49
Sennheiser entzerrt seine neue Mikrofonserie (die MKH 80 etc.) IM Mikrofon rein elektrisch! Schoeps nicht, die machen es mechanisch.

Grüße
Rainer
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Antwort#50
""Bei dem oben schon angesprochenen Beispiel mit der Lautsprecherbox ist es egal, ob ich den Frequenzgang mechanisch durch anderes Volumen oder elektrisch durch eine Filterschaltung manipuliere.
Es ist aber wiederum NICHT egal, ob ich die letztere Schaltung in die Box einbaue (wo sie unmittelbar mit dem Chassis und dem Luftvolumen wechselwirkt), oder ob ich dieselbe Schaltung VOR den Verstärker setze.
Mach mal den Versuch und nimm eine passive Frequenzweiche aus einer Lautsprecherbox (alte Hifi-Box z.B.) und setze diese ohne jede Modifikation vor den Verstärker. Ob das wohl GANZ anders klingt? ""

Hallo Jens,

vielleicht wird der Sachverhalt einmal klarer, wenn man sich vorstellt, daß wir es mit Vierpolen zu tun haben.
Nimmt man 2 Vierpole (egal ob elektrisch oder mechanisch) und schaltet sie in Kette, dann multiplizieren sich ihre A-Matritzen. Dann aber ist das Gesamtverhalten wieder anders als wenn man sich mit einem entkoppelnden Verstärker bzw. Impedanzwandler in Kette schaltet. Ein Hochpaß und ein mit spiegelbildlich dazu verlaufenden Frequenzgang in direkter Kette geschalteter Tiefpaß wird keinen linearen Frequenz- und Phasengang ergeben, weil beide Gebilde wechselwirken (beispiel: Passive Weiche in Lautsprecherbox). Es wird aber ein linearer Frequenzgang entstehen, wenn ein entkoppelnder Impedanzwandler dazwischen ist (Beispiel: Schneidkennlinienentzerrung bei der Schallplatte oder beim Magnetkopf im Tonbandgerät).
Kurz gesagt: Zwei im Frequenzgang zueinander inverse Vierpole werden in direkter Kettenschaltung durch ihre gegenseitige Wechselwirkung sich anders verhalten als wenn sie durch einen entkoppelndes Glied voneinander getrennt sind wo sie sich nicht gegenseitig beeinflussen können. Ich denke da etwas mehr in den Regeln der Vierpoltheorie.
Und im letzteren Zusammenhang spielt es keine Rolle, ob eine Frequenzgangbeeinflussung rein mechanisch oder rein elektrisch erfolgt.
Vielleicht wird jetzt der Sachverhalt für manchen etwas deutlicher (nehme an, daß es das auch ist was Du und Erdie ausdrückem wolltet).

Grüße
Rainer
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Antwort#51
Ja, genau das wollte ich sagen. Elektrisch oder mechanisch -> spielt keine Rolle. Kopplung ja oder nein -> spielt eine Rolle.
Beispiel: Bei gekoppelten Schwingkreisen, bei denen der eine Schwinkreis das Übertragungsverhalten des anderen linearisiert oder entzerrt, entzerrt sich sozusagen auch das Impulsverhalten. Sind die Schwingkreise entkoppelt, gilt das nicht. Allerdings müßten diese auch anders dimensioniert sind, damit sich das Übertragungsverhalten gleichermaßen entzerrt.
Erdie
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Antwort#52
Die elektrische Entzerrung kommt meines Wissens (aber bitte korrigiert
mich, wenn es nicht so sein sollte!) z.b. in den Colette-Kapseln vor dem
Impedanzwandler (der ja im CMC-Teil sitzt).
Eine elektrische Entzerrung zum Frequenzgang verbessern kommt im CMC-
Impedanzwandler nicht vor. Alle Mikrofonkapseln müssen ja darüber laufen.
Anders ist es bei den Mikrofonen von Sennheiser MKH20, MKH30 usw.
Da gibt es keine austauschbaren Kapseln. Daher wird dort jede
Mikrofonkapsel im elektrischen Teil auch speziell entzerrt.
Siehe den Link unten: "Frequenzgang der gewaltigen Entzerrer-Schaltung"



Frequenzgang der gewaltigen Entzerrer-Schaltung
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Antwort#53
Moin...
"Der Vergleich Lautsprecher-Mikrofon ist hier leider nicht ganz treffend, denn es macht einen Unterschied, in welche Richtung sich das Signal bewegt. Wird es ERST elektrisch verändert und DANN auf die Membran geschickt, haben wir einen Lautsprecher. Kommt es von der Membran und wird DANN elektrisch verändert, so haben wir ein Mikrofon. "
Dazu ein klares "Jein". Natürlich hast du recht, dass es eine Rolle spielt, in welche Richtung sich das Signal bewegt.
Aber genau das ist der Knackpunkt, auf den ich die ganze Zeit hinauswill: Beim Mikrofon wird tatsächlich das Signal ERST von der Kapsel gewandelt und DANN elektrisch entzerrt (wie gesagt: Beim dynamischen Mikrofon wäre auch eine "wechselwirkende" Entzerrung denkbar). Beim Lautsprecher allerdings (solange wir von einer passiven Frequenzweiche reden) gibt es diese klare Trennung nicht. Die Spannungen und Ströme in der Weiche sind dort eben nicht unabhängig von der aktuellen Position und Geschwindigkeit der Membran.
Wenn man mal etwas mathematischer ausholt, dass muss man sich das in etwa so vorstellen: Eine Membran (Mikro oder Lautsprecher) wird in guter Näherung durch einen dreidimensionalen Vektor beschrieben: Auslenkung, Geschwindigkeit und Beschleunigung (bzw. Kraft, die Masse ist ja konstant). Zusätzlich haben wir in der Weiche oder einer Entzerrerschaltung mehrere Ströme und Spannungen zu berücksichtigen.
Wenn man jetzt das Entzerrungsnetzwerk als einen komplexen Gesamtwiderstand formuliert, hat man i.A. ein System von 5 gekoppelten Differentialgleichungen (die drei mechanischen Größen sowie Strom und Spannung an der "Membran" (also Kapsel oder LS).
Sitzt jetzt irgendwo ein Impedanzwandler dazwischen oder ist bauartbedingt (Kondensatorkapsel) die Rückwirkung von Strom und Spannung auf die mechanischen Größen gering bis nicht vorhanden, dann passiert folgendes: Der 3-5-dimensionale Bewegungsvektor wird auf eine eindimensionale Größe (unser elektrisches Signal) projeziert. Dabei gehen Informationen verloren - was für das Signal selbst nicht schlimm ist, die brauchen wir im folgenden nicht. Aber das Vorhandensein einer solchen Projektion zwischen zwei Filtern sorgt dafür, dass das Resultat ein ganz anderes wird:
Zwei Filter (können auch beides elektrische sein), die miteinander direkt wechselwirken können, haben - wenn sie komplementär zueinander aufgebaut sind - z.B. einen "glatten" Frequenzgang und eine "perfekte" Impulsantwort. Wird zwischen diesen beiden eine Projektion durchgeführt, KANN der Frequenzgang nachher immer noch glatt sein (muss aber nicht), und die Impulsantwort ist die Faltung aus den beiden Einzel-Impulsantworten - die beiden Filter "wissen" nichts voneinander...
Wie schon gesagt: Bei der elektrischen Entzerrung IN der Kapsel (vor oder "im" Impedanzwandler) müsste man sich mal sehr genau ansehen, ob und wie es eine Rückwirkung der elektrischen Schaltung auf das mechanische Verhalten der Membran gibt. Und nur dann darf man guten Gewissens davon reden, dass die elektrische und mechanische Entzerrung "physikalisch äquivalent" sind.
Die Tatsache, dass man mechanische Dämpfung, Massen etc. ebenfalls als Impedanzen formulieren kann, verleitet leider dazu, dass man die Sachverhalte als identisch ansieht. Das sind sie nicht.
Sie folgen bezüglich der Widerstände denselben Gesetzen, aber sie werden in einem elektrisch-mechanischen "Hybridsystem" an verschiedenen Stellen angewandt und haben so auch unterschiedliche Wirkung.
Wie gesagt: wir haben i.d.R. 5 Größen, die zu betrachten wären. Und da ist es nicht zwangsläufig egal, ob ich einen komplexen Widerstand in die Gleichungen für Geschwindigkeit und Beschleunigung "einbaue" oder in diejenigen für Strom und Spannung. Was nämlich von der Wirkung dieses Widerstandes in der letztlich interessanten Größe der Spannung "ankommt", hängt ganz entscheidend von der Struktur der Gleichungen ab. Im übrigen auch dann, wenn alle diese Gleichungen für sich genommen linear sind...
Jens
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Antwort#54
Moin.
"Diese "Schulweisheit" ist ein nicht auszurottender Unsinn!"
Rainer, da muss ich dir heftig widersprechen!
"Die (Selbst)induktionsspannung tritt nur dann auf, wenn auch ein Strom durch die Spule fließt der sich zeitlich ändert."
Richtig. Das macht den von mark zitierten Satz aber nicht falsch. Éine "Phasenverschiebung" gibt es nur bei zeitlich veränderlichen Strömen.
"Beim Anlegen eines Spannungssprungs an die Spule fließt aber beim Anlegen der Spannung noch kein Strom. Also kann auch noch keine Selbstinduktionsspannung vorhanden sein. Folglich müßte also doch Strom fließen. Dann aber tritt eine Selbstinduktionsspannung auf, die wiederum den Stromfluß verhindert.
Du siehst: Durchdenkt man diesen Satz mal genau, dreht man sich im Kreis!."
Nein, lieber Rainer, das tut man nicht. Man darf nur nicht den Fehler machen, zu denken: "ERST wird eine Spannung angelegt und DANN fließt ein Strom" - im zeitlichen Sinne. Bei einem Spannungssprung an einem rein ohmschen Widerstand fließt INSTANTAN der Strom - und nicht "danach".
Bei der Spule und dem Spannungssprung wird das mit der Anschaulichkeit sowieso schwierig, weil wir da eine unendliche Ableitung haben.
Man kann es sich aber so vorstellen: Durch die unendliche Steigung des Spannungssprungs verursacht jede infinitesimal kleine Spannungsänderung (und somit Stromänderung) quasi "sofort" eine unendlich große Induktionsspannung, die gegensteuert - wie in einer Regelschaltung. Die kann man nur nicht "außen" messen, weil eben alle Prozesse gleichzeitig und nicht nacheinander ablaufen.
Dir ist klar, nehme ich an, wie ein Impedanzwandler auf Operationsverstärkerbasis funktioniert. Das ist ein ganz ähnlicher Fall: Der (idealisierte) OpAmp hat eine nahezu "unendlich" große Verstärkung. Bei der Impedanzwandlerschaltung wirkt das Ausgangssignal mit unendlicher Verstärkung (und umgekehrtem Vorzeichen) auf den Eingang zurück. Mit deiner Argumentation ("erst Spannung, dann Strom") würde so ein Bauteil wie wild schwingen und chaotisches Verhalten entwickeln (was es im übrigen bei Einbau einer Zeitverzögerung in der Rückkopplung auch tut) - da aber alles schön instantan passiert, folgt der Ausgang ganz präzise dem Eingang und von der riesigen Verstärkung merkt man gar nichts...
"Dieser Lehrsatz stammt aus einer Zeit, als man über Blindwiderstände noch nichts wußte."
Blindwiderstände sind nur eine "handliche" Formulierung für verschiedene Effekte. Sie sind nicht die Ursache oder das Phänomen selbst. Die ist und bleibt in diesem Fall die Selbstinduktion.
Jens
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Antwort#55
Moin...
"Nimmt man 2 Vierpole (egal ob elektrisch oder mechanisch) und schaltet sie in Kette, dann multiplizieren sich ihre A-Matritzen. Dann aber ist das Gesamtverhalten wieder anders als wenn man sich mit einem entkoppelnden Verstärker bzw. Impedanzwandler in Kette schaltet."
Richtig, genau das wollte ich sagen. Das eine ist eine Matrixmultiplikation (die eine Gesamtmatrix ergibt, die man dann auf den Spannungs"vektor" loslässt), im anderen Falle wird erst die eine Matrix auf einen Zielvektor projeziert und auf diesen dann die nächste Matrix angewandt.
"Ein Hochpaß und ein mit spiegelbildlich dazu verlaufenden Frequenzgang in direkter Kette geschalteter Tiefpaß wird keinen linearen Frequenz- und Phasengang ergeben, weil beide Gebilde wechselwirken (beispiel: Passive Weiche in Lautsprecherbox)."
Nur am Rande: so etwas habe ich auch nicht mit "komplementären" Filtern gemeint. Eher so etwas wie ein Glockenfilter mit 3dB Anhebung und einer mit 3dB Absenkung, beide mit gleicher Bandbreite und Mittenfrequenz. Oder ein zwei Shelving-Filter mit gleicher Grenzfrequenz, von denen der eine anhebt und der andere dämpft...
"Kurz gesagt: Zwei im Frequenzgang zueinander inverse Vierpole werden in direkter Kettenschaltung durch ihre gegenseitige Wechselwirkung sich anders verhalten als wenn sie durch einen entkoppelndes Glied voneinander getrennt sind wo sie sich nicht gegenseitig beeinflussen können."
Jetzt ham' wir's ;)
"Und im letzteren Zusammenhang spielt es keine Rolle, ob eine Frequenzgangbeeinflussung rein mechanisch oder rein elektrisch erfolgt."
Richtig. Der einzige Knackpunkt beim Mikrofon ist, dass die Wandlung mechanisch -> elektrisch (also Luftschwingung -> elektrisches Signal) schon eine gewisse Entkopplung darstellt, es also nicht ohne weiteres möglich ist, ein elektrisches Filter "an die gleiche Stelle im Signalweg zu setzen" wie ein mechanisches...
Aber angenommen, das ginge, hast du vollkommen recht...
Jens
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Antwort#56
Eine elektrische Entzerrung zum Frequenzgang verbessern kommt im CMC-
Impedanzwandler nicht vor. Alle Mikrofonkapseln müssen ja darüber laufen.
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Antwort#57
"" **Eine elektrische Entzerrung zum Frequenzgang verbessern kommt im CMC-
Impedanzwandler nicht vor. Alle Mikrofonkapseln müssen ja darüber laufen.**
Eben. ""
Um mich auch noch mal in die Wortklauberei einzubringen: Das ist kein Grund, es könnte ja eine Art Universal-Vor-Entzerrung darüber gemacht sein, und nur noch die Details werden in der Kapsel gemacht. Das es nicht so ist, wissen wir, aber als Grund ist nicht es hinreichend.
An die Mathe-Freaks: Kann jemand mal überprüfen, ob es nun tatsächlich möglich und praktikabel wäre, mit der Impulsantwort zu entfalten? Zumindest für den idealisierten Fall. Mit meiner etwas eingerosteten Ingenieursmathematik kann ich das zwar nachvollziehen, aber nicht selber herleiten...
Dann wäre nämlich klar, dass Mic-Modeller (zumindest für trockenes On-Axis-Direktfeld) sich tatsächlich auch von schlecht-->gut machen lassen...
Grüsse, Klaus S
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Antwort#58
Und dann...würden alle Leute nur noch billige Chinamics kaufen, Impuls durchjagen, und dann Schoeps, DPA, Neumann usw per Simulation draus machen? Die Vorstellung hat was. Aber die Pfründe würden wohl ziemlich neu verteilt...
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Antwort#59
Ich glaube ein Heckflügel und ein superbreiter Niederquerschnittsreifen machen aus einem VW Käfer immer noch keinen Ferrari, so sehr wir uns das theoretisch wünschen würden.
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Antwort#60
Stichwort: Wiener Filter -> Noise-Optimale Dekonvolution
In der Bildverarbeitung werden zum Teil derartige Methoden angewandt, um stark verrauschte oder "verwackelte" Bilder wiederherzustellen.
Im Audio Bereich ists nicht so spannend, es macht doch jeder Deconvolution, etwa wenn man mit dem EQ das Mikrofon so hinbiegt dass die Aufnahme wieder richtig klingt.
Grundsätzlich entstehen Probleme wenn in der ursprünglichen Übertragunsfunktion Nullstellen existieren, denn dort geht natürlich jede Information verloren. Wenn ich bei 25kHz nichts auf dem Band hab dann kann ich da auch nix mehr rausholen.
Man muss sich auch bewusst sein, dass das Signal/Rausch Verhältnis evtl. an den Stellen im Frequenzgang schlecht sein dürfte, für die sich der Sensor weniger empfindlich zeigt. Wenn ich den Frequenzgang nachher geradebiege kann das zu einem unschönen, da gefärbten Rauschen führen, da ist mir ein von vorneherein frequenzgangglattes Mikro lieber. Bei Audio fällt das nicht so ins Gewicht.
Bei Bilderns siehts da schon anders aus, wenn ich eine Kamera unschaf stelle und dann meine nachher durch einen Hochpass die Details wieder herstellen zu können werde ich normalerweise nicht viel Erfolg haben. (Man bedenke die 8 bit Auflösung pro Farbe im Gegensatz zu 16-24 bit bei Audio, die allein schon das Quantisierungsrauschen gefährlich nahe lassen, wenn dann schon die hohen Frequenzen auf die unteren 2 bit gedämpft wurden sollte jedem klar sein, dass die Rekonstruktion nicht besonders gut funktionieren wird)
Tom
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