Klangänderung bei Dynamikbearbeitung

Erstellt 4 Antworten5 Beiträge
Startbeitrag#1
Habe folgende Frage:
Wie stark kann man nachträglich die Dynamik anheben, ohne den Klang zu beeinflussen? Gibt es da Erfahrungswerte?
Ich bin gestern über folgendes gestolpert:
Habe das erste Stück einer Live-Aufnahme mit Cembalo sehr untersteuert aufgenommen (es gab vorher keine Anspielprobe, musste schnell gehen, also viel Angst ...) und nachträglich bei der Bearbeitung stark angehoben.
Vergleiche ich beide Varianten bei etwa gleicher Wiedergabelautstärke, dann klingt die angehobene Variante anders, irgendwie "metallischer" und nicht so "weich" wie das untersteuerte Original.
Kann ich mir dadurch erklären, dass die Diskretisierungsstufen (in dem Fall waren es 24Bit) stark auseinandergezogen sind und die stärkere Stufung dann bei der DA-Wandlung eben den Klang verändert. Stimmt das?
Wenn ich dann die Dynamik des angehobenen Materials in einem weiteren Bearbeitungsschritt wieder etwas reduziere, erhalte ich dann wieder exakt das gleiche Original? Sollte ja doch so sein. Gestern beim Hören war ich mir dann nicht mehr so sicher...
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Antwort#2
Hallo,
Du sprichst da ein sehr interessantes Thema an. Klarstellen sollte man jedoch, dass Du nicht die Dynamik veränderst - denn die bleibt ja gleich - lediglich den Pegel in Relation zur Aufnahme.
Im optimalen Falle ist die maximale Amplitude der Modulation natürlich auch die maximal mögliche Aussteuerung des Aufnahmesystems (oder knapp darunter, je nach dem). Theoretisch sollte unterschiedliches Aussteuern bei AD/Convertern keinen klanglichen Unterschied zur Folge haben (abgesehen vom Rauschen), es zeigt sich aber, dass gerade dies sehr deutlich hörbare Unterschiede hervorruft.
Bei der Pegeländerung nach der Aufnahme liegt es sehr am verwendeten System, wie sich dies äussert. Jede Workstation hat so sein eigenes Konzept, was die Signalverarbeitung angeht. Es ist in der Praxis leider nicht so, dass eine gravierende Pegeländerung auf jedem System gleich klingt. Demnach wäre es vor allem interessant, welches System Du verwendest.
Gr.
Dirk
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Antwort#3
Hi,
Wenn ich dich richtig verstanden habe, meintest du mit "Dynamikbearbeitung" in diesem Fall Lautstärken (bzw. Pegel-) Änderung, oder hast du mit einem Kompressor wirklich die DYNAMIK bearbeitet?
Im letzteren Fall hängt natürlich das sich ergebende Klangbild sehr vom Kompressor selbst ab, möglicherweise wird bei minderwertigen Softwarekompressoeren hinterher der Klang etwas metallischer.
Wenn du daraufhin mit einem Expander die Dynamik wieder auf ca. den Ausgangswert erhöhst, dann unterscheidet sich natürlich das bearbeitete vom nicht bearbeiteten Signal, es ist ja durch zwei (wenn auch virtuelle) Maschinen geschickt worden, die ihrerseits den Klang verändern.
Wenn du gemeint hast, du hättest das (stark unterpegelige) Signal nachher einfach nur lauter gemacht, um in etwa Vollaussteuerung zu erreichen, und dabei sind metallische Artefakte aufgetaucht, so würde das heißen, du hast sozusagen durch "Dehnung" des digitalen Signals das Quantisierungsrauschen hörbar mitverstärkt. Das kann natürlich sein, bei 24 bit müsste das Signal allerdings schon sehr niedrig eingepegelt worden sein, damit sich dieser Effekt derart drastisch auswirkt. Beim normalen Einpegeln "auf der sicheren Seite", bei dem die Signalspitzen Werte von ca. -6dB nicht überschreiten, sollte so etwas überhaupt kein Problem sein.
Abgesehen davon: Wenn du danach wieder den ursprünglichen Pegel herstellst, solltest du genau das gleiche hören wie am Anfang, das Signal wird ja nicht bei jeder Pegelanhebung komplett neu berechnet. Demnach hättest du ja schon bei jedem Mischvorgang erhebliche Einbußen nur weil du ein paar mal den Fader schiebst.
Ich hoffe, dir ein wenig weitergeholfen zu haben, in Zukunft vermeidest du solche Probleme am besten durch ein etwas größeres Zeitfenster beim Aufnehmen: Ein Gerät, das durch Zeitnot verbockte Aufnahmen rettet, gibts noch nicht, zum Glück, denn gut Ding braucht nun mal Weile, und wenn der Cellist an jenem Abend die Zeit nicht hat, muss halt vertagt werden....
lg Vasco
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Antwort#4
Entschuldigung, war unpräszise. Ich habe natürlich nur den Pegel bzw. Lautstärke verändert, und zwar über normalisieren oder direkte Angabe. Verwendet habe ich Steinberg WaveLab (was andres hab ich nicht).
Ich muss zu Hause noch mal nachschauen, wie viel es war, habe es jetzt nicht im Kopf (schätzungsweise eine Pegelerhöhung um +18dB).
Gibt es eine Faustregel, wie weit man den Pegel von Aufnahmematerial (24Bit) ohne Bedenken erhöhen kann?
Das ich mit einem Kompressor den Klang verändere ist mir klar.
Logisch dass ich das bei einem Cembalo nie tun würde, auch sonst bei
Kammermusik nicht.
(Ich habe jetzt erstmalig für einen kurzen Abschnitt einen Kompressor verwendet,
um einen deutlichen Huster zu unterdrücken, fand das Ergebnis ziemlich gut.)
Das mit dem sich Zeit nehmen ist immer schön und gut, aber bei Live-Aufnahmen nicht immer möglich. Das Cembalo wurde bis kurz vorm Konzert gestimmt, und
dann gings schon los. Im Laufe der Zeit wird es mit wachsender Erfahrung natürlich besser mit dem abschätzen. Zur Zeit experimentiere ich aber noch viel mit unter-
schiedlichen Mikrofonaufstellungen rum.
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Antwort#5
Wavelab ist eigentlich ok - vielleicht irgendwas falsch eingestellt? Oder der Wandler bei der Aufnahme war mäßig?
Eine generelle Faustregel läßt sich wohl nicht aufstellen. Aber mal gerechnet: 18dB entsprechen 3 bit - d.h. dein Signal müßte in etwa so klingen wie ein "21-bit-Signal" (deutlich exakter als CD also).
Bei Stützmikrofonen habe ich auch schonmal 30dB untersteuert, weil der Mic/Line-Umschalter am Eingang zwischendrin gewackelt hat. Das war in dem Fall ok, da das Mikrofon sowieso nur sehr leise zugemischt wurde. Für ein Hauptsystem allerdings nicht zu empfehlen...
Wenn das Cembalo bis kurz vorher gestimmt wurde, dann wäre das doch eigentlich der ideale Ausgangspunkt zum Pegeln gewesen...???
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