Ich habe neulich mit einem Orchestermusiker gesprochen, der über eine Verstimmung (Tonhöhenwahrnehmnung) eines Fernorchesters berichtete, obwohl die Musiker des Fernorchesters Ihre Stimmung überprüft haben und meinten, dass diese korrekt sei und mit der Stimmung des Hauptorchesters übereinstimme. Kann die Entfernung eines feststehenden (also kein Doppler-Effekt) Instruments zum Hörer die Tonhöhenwahrnehmnung beeinflussen?
das kann ich nicht so recht glauben. Es wäre mal interessant zu wissen, wie die denn die Stimmung gegenseitig überprüft haben. Tatsache ist nur ein psychoakustischer Effekt: Nimmt man von einem Tongenerator einen einzelnen Ton (z.B. 1000 Hz) und macht diesen ganz leise und zieht dann den Pegel sehr stark hoch, empfindet man eine leichte Tonhöhenänderung. Vielleicht haben die diesen Effekt versprürt.
Kann die Entfernung eines feststehenden (also kein Doppler-Effekt) Instruments zum Hörer die Tonhöhenwahrnehmung beeinflussen?
Üblicherweise kommt das nicht vor und ist auch bei Aufnahmen der Banda (Opern-Fernorcherster) nicht aufgefallen. Das ist seltsam. Was sein kann ist, dass bei der Einstimmung im warmen Raum und beim Platznehmen im kalten Keller die Geigen dann höher und die Holzbläser tiefer klingen. Mit einem Temperaturunterschied kann das schon zu tun haben.
Bevor man hier mit Psychoakustik spekuliert (denn physikalisch kann ich mir das nicht erklären), sollte man erstmal diesen Widerspruch erkennen: Fernorchester stimmt und stimmt mit Hauptorchester überein - so die Aussage. Hauptorchester stimmt und (vermutlich der Dirigent) meint, das Fernorchester stimmt nicht. Wer hört denn da nicht richtig?
Der Dirigent meint, das Fernorchester stimmt nicht. Wer hört denn da nicht richtig? Gar keine Frage: "Der Dirigent hat immer Recht." Ich arbeite häufig mit großen Dirigenten zusammen. Es hat noch nie eine Ausnahme gegeben. Außerdem klingt das interessant, wenn dabei eine leichte Schwebung ist. Oft sollen doch solche abgesetzten kleinen Musikgruppen Straßenkapellen darstellen. Die können gar nicht stimmen. In jeder Hinsicht. Kannst dir aussuchen wie's gemeint ist.
meine ähnliche erfahrung: an einem spinett war der kielabgebrochen, so daß die saite nur ganz leise, zart und obertonreich erklang wenn sie gespielt wurde. es war das g´. spielte man nun einen e-moll akkord, so hörte man eindeutig e-dur (also mit gis)!! habs sofort überprüft, sowohl akustisch (mit oktave g-hier stimmte alles), als auch mit stimmgerät. interessant in dem fall, daß sich das "zu hoch hören" hier eher im zusammenhang mit terzen, sexten, septimen (also intervallen, die in der normalen hörgewohnheit klein und groß vorkommen)auftrat, als bei "reinen" intervallen. für mich also durchaus denkbar daß,wenn das hauptorchester z.b. als bordun ne leere quinte stehen läßt und im fernorchester "darüber" gespielt wird, gerade dann bei terzen, sexten, septimen hier auch dieser effekt auftreten könnte, denn das spektrum von entfernteren instrumenten verschiebt sich ja auch in richtung obertönig (bzw. die grundtöne sind oft in natura nicht die schallstärksten teiltöne bei akust. instrumenten, so daß sie eher abfallen).
Hallo Rainer, ich konnte mir es auch nicht physikalisch erklären. Der Musiker auch nicht, sprach aber von etwas vielleicht ähnlichem wie bei der "Heisenbergschen Unschärferelation" :-). Tja, vielleicht haben die Orchestermusiker an diesem Tag den falschen Beta-Blocker genommen. Wolfgang
"Straßenkapelle" fiktive Anweisung Mahler´s in der 2.Symph.: Das Fernorchester hat stets eine kleine Sekunde unter oder über dem Orchester zur Simulation meiner schmerzhaften Kindheitserinnerung an böhmische Militärkapellen zu spielen...
das kann man so pauschal nicht sagen. von der ferne orgelmusik gehört, würde ich schon sagen daß da die grundtöne tiefen und bässe gehörig rausgedreht sind. es geht mir ja mehr um das entfernungsabhängige frequenzspektrum von instrumenten etc. was durch mensur (der instrumente) und sich daraus ergebender wirklicher schallstärke der einzelnen töne beeinflußt wird! (orgelmusik von weiten: hörst du hier nur grundtöne? ;-) das das ohr tonhöhe auch im zusammenhang mit klangfarbe bewertet, zeigt ja mein beispiel. und gerade im direkten vergleich hauptorchester/fernorchester ist möglicherweise hier auch täuschungspotential fürs ohr gegeben. inwieweit welcher schall über welche entfernung absorbiert wird, ist imho sehr unterschiedlich. lg matthias
"Der Dirigent hat immer recht" - soziologisch ja, aber nur deshalb, weil die Musiker sich nicht verbal wehren. Es gibt aber auch genug Orchester bzw. Dirigenten, wo der Betriebsrat dem "Fuchtler" hinterher seine Meinung sagt. Stimmung und Intonation ist immer ein psychoakustisches Phaenomen - wegen der Obertoene und der Raumakustik. Wenn es "unstimmig" klingt, kann es auch schlicht eine klangliche Dysbalance sein. Ach ja: Gestimmt wird immer nur fuer den ersten Akkord. Die restliche Entwicklung ist Gehoerssache.