Antwort#41
Stimmt, heute wird ein Stützmikrofon eher gerne ganz nah an Einzelinstrumente gestellt und das klingt dann ganz anders als das Hauptmikrofon. Das hat auch seine Probleme.
Bei der Minimaltechnik besonders mit MS- oder XY-Aufnahmetechnik (Koinzidenz) werden um die Lautsprecher-Stereobasis nicht so eng erscheinen zu lassen, links und rechts vom Onepoint-Mikrofonsystem gerne noch 'support microphones' positioniert, die man auch outriggers nennt. Das sind Zumischmikrofone, die auch als Hilfs-Stützen anzusehen sind. Mit Stereostützen geht man nicht so dicht an Klanggruppen ran.
Zwischen Stützmikrofonen, die stark mit zum Hauptmikrofonsystem gemischt werden, und die dann fast keine Stützen sind, sondern auch Hauptmikrofone - bis hin zu den popmäßigen Nahmikrofonierungen, die dann eindeutige Stützmikrofone sind - gibt es viele Schattierungen.
Folgende Gründe können vorliegen, wenn man Stützmikrofone einsetzt:
Man möchte "Präsenz" mit geringem Mikrofonabstand herstellen. Präsenz ist Näheeindruck, Brillanz, Kontur, Deutlichkeit.
Diese Technik kann so weit getrieben werden, dass nur noch die Stützmikrofone wirken. Das ist dann Polymikrofonie.
Dichter Mikrofonabstand blendet den Diffusschall aus und das wirkt daher trocken und nah klingend. Die Deutlichkeit wird erhöht, auch weil diese Stützsignale schön früh kommen.
Sehr gut ist mit Stützmikrofonen die nicht vorhandene richtige Klangbalance zwischen den Intrumenten auszugleichen. Besonders bei zeitgenössischer Musik ist hier einige Hilfe nötig. Bei Haydn und Mozart ist das eher unnötig.
Mit Stützikrofonen kann die Richtungslokalisation erhöht werden. Das geht besonders gut bei einer Kontrabassstütze.
Achten muss man darauf, dass die zu starke Stüztechnik die wunderbare Tiefenstaffelung kaputt machen kann.
Es gibt keine Regeln, dass die überwiegend als Nierenmikrofone verwendeten Stützen nicht auch andere Richtcharakteristiken haben könnten. Z. B. Achter bei der DGG und wie wir hier schon hörten, Kugeln bei Pauken und Kontrabass.
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