Ich wollte nur mal fragen, ob es eine gebräuchliche Methode ist, das Signal von Raummikrofonen einseitig verpolt dem Stereosignal hinzuzufügen. Wenn die Mikrofone einen mittleren Abstand haben, sind ja zumindest extrem tiefe Frequenzen noch koheränt. Würde man einen Kanal verpolen, wäre gewährleistet, daß zumindest diese tiefen Anteile gegenphasig sind (Quasi-Stereoverbreiterung). Der Effekt würde mit steigender Inkoheränz des Primär-Raumsignals bzw. Raummikrofonabstand immer schwächer werden und letztendlich verwinden. Man könnten theoretisch damit experimentieren und den Effekt regulieren. Gibt es sowas oder sind das Erdie´s Hirngespinste = reif für die Tonne? -Erdie
Es kommt darauf an, wie hoch der Korrelationsgrad der Raumsignale ist. Wenn Du Raummikrofone stellt zwecks zumischung von natürlichem Hall, dann sollte der Korrelationsgrad der Raumsignale Null sein, wenn die Mikrofone in genügendem Abstand zur Schallquelle stehen. Dann ist es auch egal wie die Polung ist. Je höher aber der Korrelationsgrad ist, desto mehr bekommst Du Auslöschungen bei tiefen Frequenzen wenn Du die Raumsignale verpolst. Auch bei einem guten Hallgerät, was eine gute Diffusität des Halls simuliert, kann man die Ausgangssignale durchaus auch verpolen.
Hallo Rainer, ich hatte daran gedacht, dieses gezielt Effekt zu nutzen wenn der Korrelationsgrad nicht ganz Null ist. Sicher sind die Meinungen da geteilt aber IMHO wird ein kleiner Teil gegenphasiger Signale auf den Kanälen als Weite empfunden, die u. U über die Lautsprecherbasis hinausgeht. Und wenn es sich hier um Anteile des Raumschalls handelt, würde das Stereobild nicht zerstört. Und ich habe mich gefragt, ob solche Effekte gelegentlich eingesetzt oder strikt abgelehnt werden. Grüße Erdie
Nehmen wir mal nur ein ORTF-Hauptmikrofon an, das wir hart L und R pannen. 2 bis 3 m dahinter sind zwei Raummikrofone (mit etwa einer eben solchen Mikrofonbasis), die auch hart L und R gepannt werden. Wenn man beide Signale der Raummikrofone dem Hauptsignal gleichphasig hinzufügt, dann hört man eine schöne Räumlichkeit mit vollen tiefen Frequenzen. Es ist üblich, dass der Pegel der Raummikrofone ähnlich hoch in der Mischung ist, wie der Pegel der Hauptmikrofone. Schaltet man bei beiden Raummikrofonen die Verpolungsschalter ein, dann hört man, wie die ganz tiefen Frequenzen weniger werden. Das L-Direktsignal und das L-Raumsignal löschen sich durch die Verpolung in den tiefen Frequenzen aus. Besonders, was oft vorkommt, wenn die Raummikrofone eine druckvolle Gesamtwirkung geben sollen und sie nicht 20 m im Saal entfernt stehen. Was links passiert, passiert rechts auch. Nur ein Raummikrofon zu verpolen ist nicht gut, dann bekommt man ein unsymmetrisches Klangfarbbild zwischen den Lautsprechern. Das meinst du wohl mit "Signal von Raummikrofonen einseitig verpolt dem Stereosignal hinzuzufügen".
Hast Du schon mal probiert die Raummikrofone so weit entfernt vom Hauptmikrofon aufzustellen, daß die Signale einander völlig unähnlich sind? Würde sich eine verpolung EINES Raumkanals dann immernoch destruktiv auswirken? -Erdie
Bei schwacher -10 dB-Zumischung von verpolten 15 m entfernten Raumsignalen, wird das hörmäßig bei den sehr tiefen verpolten Frequenzen wohl nicht merklich auffallen. Aber hat das noch einen Nutzen? Den Verpolungseffekt bei Raumsignalen würde ich nicht haben wollen, weder zwischen links und rechts noch zwischen Haupt- und Raummikrofonen. Komisch klingt *ein* Mono-Raumsignal (oder *ein* Rückweg des Hallgeräts), das man gleichzeitig auf zwei Regler gibt, einen nach L und den anderen nach R pannt und dann einen Kanal davon verpolt. Das ist ein reines S-Signal. Das ergibt für tiefe Frequenzen ein "Überbasissignal" jenseits der Lautsprecher mit hörbar unangenehmen Druck auf die Ohren. Probier's mal aus.