Doch damit wäre das Problem natürlich gelöst, aber ob vorher oder hinter, wenn ich weiß, was ich tue, wo ist das Problem? Wohl gemerkt: wenn ich weiß, was ich tue. Das mit dem Raum sehe ich natürlich genauso, das nur als Beispiel, um immer tiefer in die Argumentation einzusteigen. Es lässt sich halt nur sehr einfach sagen, ein färbender Preamp sei Unsinn, wenn man ihn bei seiner eigenen Arbeit einfach nicht benötigt, er für andere bei deren Arbeit aber hilfreich sein kann. Ich bin müde. Und das um halb zwei Mittags...
Ich weiß nicht wie alt der Verstärker ist. Es gibt allgemein im Profibereich die Forderung, daß Ersatzteile 10 Jahre nach Auslieferung des letzten Gerätes einer Serie noch erhältlich sein müssen. Da dürfte es bei den Telefunken-Verstärkern heute schwierig werden.
Claus, Juppy hat mir schon die Antwort abgenommen (danke Juppy :-) ). Mir ging es dabei um einen anderen Punkt. Du schreibst, daß Du auch Ingenieur bist - O.K. - schön. Experimentieren ist ja auch für den Ingenieur keineswegs verboten. Nur: Wir Ingenieure haben doch aufgrund unseres Studiums eine solide wissenschaftliche Grundlage und sind es daher gewohnt, nach wissenschaftlichen Methoden und systematisch vorzugehen. Genau das aber beherrscht der Laie nicht. Laien ohne diese Grundlagen experimentieren dann munter darauf los, ohne Systematik - nach dem Motto "stecken wir mal die Strippe rein, wenn's knallt oder brennt war's falsch!". Daß sie gelegentlich mal zu einem plausiblen Ergebnis kommen, soll ja nicht bestritten werden (das blinde Huhn das auch mal ein Korn findet...). Nur hat man es einfacher wenn man mit dem entsprechenden Hintergrundwissen systematisch vorgeht. Genau das will ich dem Kollegen Blaubar hier nahe legen. Ich mache immer wieder die Erfahrung, daß gerade Musiker eine solche unsystematische Vorgehensweise hegen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, daß ein Musiker solche Experimente mit seinem Instrument machen würde indem er mal daran herum doktert und dann hört wie es klingt. Wenn, dann macht er das auch systematisch. Nur als Beispiel: Probieren einer anderen Stimmung als die bekannte gleichschwebende Temperatur. Das geht nicht ohne die Grundlagen der Harmoniestrukturen zu beherrschen. Ich hatte da einen Bekannten, der mich immer wieder anrief und sagte: "ich habe nun..... dies und das gemacht..... und jetzt klingt es besser - viiiieeel besser!". Ich habe ihn dann mal gefragt, wann es denn mal "gut" klingt... Er hat - nach seinen Beschreibungen seiner Experimente - einfach unsystematisch herumgedoktert und allen Mist nachgemacht den er in einschlägigen Glanzblättern die Hifi-Presse las. Zum Schluß konnte man sagen: Der Kaiser ist immer noch nackt! (Kein Märchen paßt so gut auf die Audiotechnik wie "Des Kaisers neue Kleider"). Als ich ihn mal besucht hatte und er mir seine Superlautsprecher - die einige Tausend DM gekostet haben - vorführte war ich überrascht, wie gut doch dagegen meine kleinen Heco A 2000k ( die ich allerdings nur als Kommando-Lautsprecher nehme) klangen. Vor lauter Hifi-Experimente und KW-Empfängereuphorie hat dieser Mann allerdings seine Arbeit als Musiker sehr vernachlässigt was ihm letztlich die Kündigung durch seinen Arbeitgeber einbrachte. Soweit sollte es hier nicht kommen. Unsystematisches Basteln führt in den seltensten Fällen zu brauchbaren Ergebnissen. Da sind wir Ingenieuere den Laien voraus.
Noch ergänzend zu Juppys Antwort: Ich suche mir sehr wohl die Räumlichkeiten aus, wo ich meine Produktionen mache. Säle die eine miserable Akustik haben kommen nicht infrage. Aber ich fange nicht an, technische Unzulänglichkeiten von elektrischen Geräten einzubeziehen, da nehme ich etwas was diese Mängel nicht hat und der gewünschte Klang wird mit entsprechenden Effektgeräten erzeugt die speziell dafür konzipiert sind. Mit einem entsprechenden EQ kann man mehr machen als mit einem verfärbenden Mikrofon oder verfärbenden Verstärker. Mit letzteren beiden ist man festgelegt, während mit Effektgeräten viel mehr Möglichkeiten bestehen.
Ich bin bereits entsprechend ausgerüstet. Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass die Kette frei von jeglichen Klangfärbungen ist, obschon KM, IRT-Preamp, IRT Abhöre. Das ist wirklich illusorisch... Mit der Raumakustik experimentiere ich selbstverständlich. Ebensogerne experimentiere ich mit Grossmembranmikrofonen und arbeite nicht ausschliesslich mit KMs. Warum? Weil ich nicht will.
eine ausführliche Antwort habe ich ja in einem Posting an Juppy schon gegeben. Nur noch eines: MACHEN kann man alles, oder zumindest fast alles. Aber nicht alles ist auch bezahlbar. Und: Auch viele Entdeckungen wurden durch einen Zufall oder Fehler gemacht. Z.B. die hochfrequente Vormagnetisierung bei der analogen Tonbandaufzeichnung. Oder: Die Entdeckung des Penicillins ist mehr oder weniger ein Zufall/Fehler gewesen. Aber auf die Dauer wird wohl der ingenieurmäßige Sachverstand mehr hervorbringen als einfach nur laienhaftes basteln (sonst bräuchten wir ja nicht zu studieren...).
Ich bin nicht einverstanden, dass man immer systematisch vorgehen soll. Ich spreche da eher von Intuition. Zudem finde ich, dass an einer guten Produktion immer Musiker u n d Ing. beteiligt sein sollen (besonders, wenn es nicht einfach ein Klassikmitschnitt ist). Das ist meine Strategie. Zuerst selber mischen (denn ich habe Zeit), dann gegen Schluss Leute beiziehen. Meine Erfahrung zeigt, dass ich sehr geübt bin im Hören, was ich nicht von jedem ING behaupten kann (aus Erfahrung, auch mit bekannten Grössen). Also gebe ich die Kontrolle über meine Musik ungerne ganz aus der Hand. Der Musiker ist halt vielleicht mehr am Resultat als am Weg dazu interssiert. Dies reicht doch völlig aus, wenn man das Resultat hinkriegt. Im Übrigen kann sich auch ein Musiker mit Technik auskennen, nachdem er sich eingehend damit befasst, oder?
Nun, die Abhöre ist immer noch der größte Schwachpunkt in der Kette. Denn den absolut perfekten Lautsprecher gibt es nicht, solange bewegte Massen elektrische Energie in Schallenergie umwandeln müssen. Das wird auch für immer so bleiben.
Intuition sollte auch immer im Spiel sein. Der Terminus "Ingenieuer" kommt ja daher "Ingenius" heißt "Einfälle" (Lateiner mögen mich bitte korrigieren). Nur, was ich ablehne, ist unsystematisches und gedankenloses herumdoktern. Das ist wie Roulette spielen gegenüber Schach spielen.
Hallo Rainer, da bin ich ja genau Deiner Meinung. Und wie Du ja hoffentlich weiter oben bei mir gelesen hast, fasziniert mich genau der Bereich der systematischen, analytischen Problemlösung. Abstraktion ist etwas, das jeder können sollte, dann würde es viele Probleme auf der Welt nicht geben. Jetzt Schluss. Claus
ich mache in elektroakustik, audiomesstechnik und signalverarbeitung. hat eigentlich weniger direkt etwas mit musik oder kunst im weitesten sinne zu tun. kannst ja bei gelegenheit mal mailen, vielleicht klappts ja mal auf 1 bier oder so :) zoom(ät)gmx(punkt)net
Hallo ihr lieben Ingenieure. Ich finde es witztig, wie immer die Tontechniker über technische Themen lamentieren, oder immer das "wissenschaftliche", "exakte", "methodisch koscherer" Arbeiten am Mikrofon am Klangkörper am Klangrahmen (Raum) unterstreichen. Ich meine im Ernst: Rein ingenieurstechnisch ist die Aufnahme, oder auch Abnahme von Musik und deren Nachbearbeitung trivial, meist gestützt auf Technologien der 1930er! Darum soviel aufhebens? Mein Gott ich kenn "echte" Ingenieure, die echte Probleme lösen, wie zum Beispiel die Ausarbeitung von neueartigen Verbundsstoffen für den Teilchenbeschleuniger in Padua. Das ist Hochtechnologie. Aus Russland kenne ich noch einen avionik Ingenieur, der mitunter an Trägerraketen gearbeitet hat. Da seh ich den Nimbus dann schon. Nur bei - herrgottnochmal - Tontechnikern?? Ingenieure deren wahre Problemstellung meist in der Überwindung unzulänglicher "Laborbedingungen" durch Improvisation liegt! Ich finde blaubar hat Recht: Eine Arbeit an Musik und an der "schönen Kunst" MUSS in auch hermeneutisch sein, MUSS den intendierten Zufall enthalten! Und ihr... zieht euch stattdessen Kittel an und setzt Schutzbrillen auf und weigert euch künstlerische Essenzen ebenso stringent heraus zu arbeiten wie eine Mikrofonanordnung! Rainer.. wenn ich dich so reden höre; Ich würde nicht bei dir aufnehmen wollen, als Musiker ich würde denken du verstehst meine Intention nicht: Aber NEIN! Ich denke, dass auch du ein sehr umgänglicher Kunstinteressierter, vielleicht Kunstversierter Mensch bist... there's still good in you ;) und du hast es sicher drauf Nur kommt das in deinen (euren) Posts nicht raus. Ich an deiner Stelle würde nicht die "exakte Naturwisseschaft" bemühen um Korpora zu erfassen die einen geisteswissenschaftlichen Herangang AUCH erfordern. die Seele des Diskurses steckt aber in der Tatsache, dass die Aufstellung eines Mikrofons ZUR GLEICHEN ZEIT (und meiner Meinung nach zu GLEICHEN TEILEN) eine technische UND eine musikalische Handlung ist. Ich denke es gibt defizite bei "normalen" Tontechnikern dies "sauber" zu erkennen. So haben die meisten "Klangbastler", die meisten (ich simplifiziere und unterstelle symbolisch) "blaubars" dieser Welt irgendwie erwachsenere und genauere Vorstellungen von den künstlerisch - sozilogischen Zusammnehängen von Musikprodukt und Musikproduktion. Einfach ausgedrückt: Während der Technikus sich fragt, wie er eine "lineare Übertragung", eine "genaue Lokalisation", oder "Monokompatibilität" erreicht, fragt sich Klangbastler (Klangentdecker), wie er zum Beipiel bei einer elektronischen Nummer, den ästhetisch gewollten "Eindruck einer entmenschlichten Subjektivität" erreicht, oder wie er die "androgyne und cyborghafte Ästhetik" des im Techno "tanzenden Allwesens" erreicht. Das sagt euch rainen "Technikern" (ich simplifiziere) nischt! Die Crux ist nur, dass wir alle für beide Seiten dieser Musikalischen Medaille BEZAHLT werden! Also öffnet eure Augen! Ich mein allein diese irre Diskussion um "KMs sind aber technisch viel besser und Verstärker sollen nicht klingen das wäre untechnisch" - das sagt ihr und meint "unwissenschaftlich". DAS IST QUATSCH. Seht ihr denn nicht: Der Klangbastler sieht in seiner Handlung das Transzendentale also MUSS seine Methodik metaphysisch sein!!!!!!!!! (Er MUSS den färbenden Voodoverstärker A am GM mit Wunderkabel B benutzen) Und der "Klangbastler" IST einfach ein Teil eures Berufes Zur gleichen Zeit muss man aber dann doch Technikus bleiben um seine Ziele - wie ihr schon sagt - zeilgerichtet, ökonomisch, effizient zu erreichen. Ich plädiere nur für einen offen Geist, der sowohl das Mirkrofon , ALS AUCH das SPIEL auf einer Geige, ALS AUCH die scheinbar infatile instrumentalisierung des Mikrofons als Artefakte menschlicher Technologien betrachten kann. Wir / Ihr seid die technologischen Transformatoren zwischen dem auratischen Ereignis und dem stilisierten Produkt ihr müsstet all das beherrschen. Und gerade von Wissenschaftlern darf man das doch erwarten. Die professionalität des Tontechnikers besteht eben in einem solchen ganzheitlichen Blick, denke ich, obwohl ich mir weissgott nicht anmaße diesen zu haben. Nur allzuoft stehen quereingestiegene nicht-naturwissenschaftler (verhinderte Mucker und beatbastler), quereingestiegenen nicht-geisteswissenschaftlern (verhinderte Nachrichtentechniker) gegenüber und gucken sich an von gegenüberliegenden Tellerrändern. Eigenartig ist das und unproduktiv. Absolut nichts für ungut bitte, vor allem Rainer ich wollte dich nicht so persönlich angreifen ich halte dich für vollkommen fähig das Problem zu sehen. Ansonste hoffe ich, ich hab euch nicht schon wieder gelangweilt. Ihr könnt jetzt wieder über Mikrovorverstärker reden :) Viele Grüße Nikita
Werde mich mal melden. Im Moment bin krank. : ( Für ein USA-Visum (für eine Tournee) musste ich vor der AMI-Botschaft eine Stunde (schon erkältet) anstehen, was mir nebst dem Ärger den Rest gegeben hat. Du bist doch wohl nicht bei den Strauss-Lautsprechern angestellt, oder?
Zunächst Deine Frage, Blaubar (heißt Du eigentlich wirklich so, oder ist das Dein Künstlername, wenn letzteres deshalb meine Umschreibung neulich mit "Bär"). Ich bin zwar vorwiegend in der klassischen Musik tätig, aber ich mache auch durchaus Aufnahmen moderner Musik, oder auch solche wie Militärmusik wenn ich einen derartigen Auftrag bekomme oder auch "Dicke-Backe-Musik". Mein Standpunkt ist nur der, daß alles technische Gerät was mir bei der Aufnahme von vornherein einen Eigenklang hinterläßt (seien es verfärbende Mikrofone, oder verfärbende Verstärker, oder ein ungeeigneter Aufnahmeraum) die nachfolgende Arbeit nur erschweren. Solche Eigenklänge sind nur schwer oder überhaupt nicht wieder heraus zu bekommen. Deshalb nehme ich Geräte die von vornherein mir so wenig wie technisch möglich verfälschen und alles andere was ich an "Sound" wünsche hinterher mit der Nachbearbeitung erzeuge bzw. entsprechend Effektgeräte einsetze. Je mehr man sich von Anfang an festlegt, desto unflexibler ist man im weiteren Produktionsverlauf. Einen bestimmten "Sound" erzeugen und dazu unbedingt ein Großmembranmikrofon zu benutzen - davon halte ich nicht viel. Das kann man mit entsprechenden Effektgeräten viel gezielter und vielfältiger. @ Nikita Du schreibst: ""Rainer.. wenn ich dich so reden höre; Ich würde nicht bei dir aufnehmen wollen, als Musiker ich würde denken du verstehst meine Intention nicht: Aber NEIN! Ich denke, dass auch du ein sehr umgänglicher Kunstinteressierter, vielleicht Kunstversierter Mensch bist... there's still good in you ;) und du hast es sicher drauf"" Ich kann dazu nur sagen: Ich mache seit 1970 Tonaufnahmen, und seit 1976 diese professionell. Bisher hatte ich immer zufriedene Kunden. Ich rede denen nicht drein wenn es um die Umsetzung ihrer musikalischen Wünsche geht - lasse mir allerdings auch nicht dreinreden wie ich das technisch umsetze bzw. meine Vorstellungen von bestimmten Klangbildern realisieren möchte. Zwar gibt es vereinzelt solche die immer alles besser wissen wollen - und so einen hatte ich auch schon - mir vorschreiben wollten wie ich die Mikrofone aufzustellen habe und allerlei weitere Mätzchen - aber die sind mit nichts zufrieden. Die machen heute ihre Aufnahmen im Studio X, morgen im Studio Y und übermorgen im Studio Z und sind nirgendwo zufrieden und nörgeln überall herum und zuletzt entscheiden sie sich für die Laienaufnahme die ein Amateur während eines Livekonzertes von ihrem Ensemble gemacht hat - mit selbstgebauten 4-Marks-Elektretmikrofonen vom Elekronik-Bastelladen um die Ecke und auf Compact-Cassettte - und sind auch noch stolz auf den Murks wo man vor lauter Verzerrungen, Verfärbungen und ein Brei von Hall - weil das Mikrofon im diffusen Schallfeld stand - den gesungenen Text nicht mehr versteht. Einen solchen Kunden hatte ich tatsächlich mal gehabt - aber der kam nur einmal und inzwischen gibt es dieses Ensemble nicht mehr. Und bei mir steht bei Aufnahmen klassicher Musik nicht nur das realisierte Klangbild als solches im Mittelpunkt, sondern ich passe dieses dem dramaturgischen Inhalt der Musik an. Wenn z.B. in Beethovens 9.Sinfonie die Stelle kommt "seid umschlungen Millionen", da möchte ich ein breit ausgedehntes Klangbild des Chores haben was mehr räumliche Tiefe hat, als ein enges, sehr vordergründiges Klangbild. Oder in Bach's Matthäuspassion wo dann der Chor singt: "Sind Blitze sind Donner in Wolken verschwunden..." - da muß der Zuhörer nachher auch wirklich das Erdbeben nachempfinden können was der Komponist mit musikalischen Bildern zu malen gedacht hat. Wer da einfach nur "laut" macht ohne solides Baßfundament, der hat etwas gewaltig mißverstanden.
daß alles technische Gerät was mir bei der Aufnahme von vornherein einen Eigenklang hinterläßt Ich rede denen nicht drein wenn es um die Umsetzung ihrer musikalischen Wünsche geht - lasse mir allerdings auch nicht dreinreden wie ich das technisch umsetze bzw. meine Vorstellungen von bestimmten Klangbildern realisieren möchte.
Genau darum verwenden viele von Anfang an bestimmte Mikrofontypen. Ich bin noch nie einem Effektgerät o.ä. begegnet, das nachher aus einem KM140 ein MK4 gemacht hat. Dass Du lieber später entscheiden möchtest, was mit dem so unverfärbt wie möglich aufgenommenen Material passiert ist prima. Die andere Arbeitsmethode ist aber genau so berechtigt, wie Deine. Das verstehe ich nicht, wo ist denn der Unterschied? Mich erstaunt Deine Formulierung "meine Vorstellungen", denn sollte eine klassische Musikaufnahme nicht auch die Klangvorstellung der Interpreten widerspiegeln? Ich habe auch schon öfters mal die Matthäuspassion aufgenommen, u.a. während meines Studiums mit einem international sehr renommierten Dirigenten und seinem Ensemble. Seine Auffassung eines kammermusikalischen, sehr direkten Klanges war in der Aufnahme deutlich herausgearbeitet. Meine Professoren riefen damals alle, dies sei nicht wie Bach klingen sollte etc. während der Dirigent, einer der Pioniere auf dem Gebiet der werkgetreuen Aufführungspraxis, nur meinte, es könne ihm nicht direkt genug sein. Mein Punkt: Starrheit im Umgang mit Musik und Aufnahmetechnik ist der Kern des Problems. Gut und schlecht sind nebensächliche, und meist nicht zutreffende oder überhaupt interessante Auffassungen. Gr. Dirk
Zitat: "Ich rede denen nicht drein wenn es um die Umsetzung ihrer musikalischen Wünsche geht - lasse mir allerdings auch nicht dreinreden wie ich das technisch umsetze bzw. meine Vorstellungen von bestimmten Klangbildern realisieren möchte. Das verstehe ich nicht, wo ist denn der Unterschied? Mich erstaunt Deine Formulierung "meine Vorstellungen", denn sollte eine klassische Musikaufnahme nicht auch die Klangvorstellung der Interpreten widerspiegeln.
Ich meine damit, daß ich nicht den Musikern irgendwelch Vorschriften zu machen versuche, wie sie zu spielen haben. Das überlasse ich denen. Aber ich lasse mir von keinem Musiker vorschreiben WIE ich etwas technisch realisieren möchte. Es gibt da leider immer wieder solche, die meinen sie müßten einem vorschreiben, was man für Mikrofone zu nehmen hat, wie und wo man diese aufzustellen hat und/oder sich sogar noch erlauben, diese eigenmächtig zu verstellen, die Richtcharakteristikumschalter sogar eigenmächtig verstellen und vieles mehr. Wenn einer so etwas macht, lege ich mich auch ggf. lautstark mit ihm an! Ich fummele ja auch nicht an deren Instrumente herum. Es gibt für beide Seiten gewisse Tabuzonen.
Ich fummele ja auch nicht an deren Instrumente herum. Es gibt für beide Seiten gewisse Tabuzonen.
Sollte es zumindest. Ich habe mich schon oft genug über die Ignoranz und Rücksichtslosigkeit mancher Musiker gegenüber meinem Arbeitsmaterial geärgert. Aber die selben Damen und Herrren fangen an zu schreien, wenn man ihren Instrumenten auch nur zu nahe kommt.
Manche Musiker schaffen es sich einzumischen, auch ohne das Equipment anzurühren: ich hatte mal eine Altistin, die ich stützen wollte. Sie wehrte sich, übehaupt ein Mikrofon vor sich stehen zu haben und sie hatte sich dann halt einfach zur Seite gestellt und am Mikrofon vorbeigesungen. Vermutlich hätte da eine dezent-unauffällige, abgesetzte Schoeps MK(4) auf einem aktivem Rohr das Problem erst gar nicht entstehen lassen. Aber ein vernünftiges Gespräch hat hier immer noch am ehesten geholfen. Laut werden bringt nichts... Psychologisch geschickt ist es, den Dirigenten oder Ensembleleiter als Verbündeten für die eigene Vorstellung zu gewinnen, der sich nach Rücksprache um solche Konflikte kümmert.