Warum beginnt die Tonleiter mit "C" und wie kommt das "H" hinein?

Erstellt 71 Antworten72 Beiträge
Startbeitrag#1
Weiß jemand darauf eine Antwort, warum man die Taste auf dem Klavier die man "C" nennt nicht mit "A" benannt hat und dann nach dem ABC durchbenamt hat?
Das "H" kommt meines Wissens durch einen Schreibfehler in früheren Jahrhunderten und wird in den angelsächsischen Ländern ohnehin als "B" bezeichnet.
Aber warum beginnt man nicht mit "A" sondern mit "C"?

MfG
Rainer
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Antwort#2
Würde ich auch gerne mal wissen.
Meines Wissens sind die heute so beliebten Tonarten wie Moll (Äolisch)und Dur (Ionisch) vergleichsweise neu. Geht man von den Tönen aus die im Deutschen nach dem Alphabet benannten sind, also A, B, C, D, E, F, G, A erhält man genau die phrygische Skala. Zufall? Dann wäre H also der Buchstabe den man nehmen musste um die neuen Grundtonarten Dur und Moll mit ganzen Buchstaben durchzunummerieren. Man den Ausgangspunkt irgendwie in den ursprünglichen Kirchentonarten suchen. Vielleicht weiss da jemand anderes mehr.
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Antwort#3
Wie du schon sagtest: in den Angelsächsischen Ländern ist das "B" drinnen, was auf die richtige Form hindeutet: ABCDEFG - und das ist die a-moll Tonleiter, schön alphabetisch! super oder? Wer sagt denn dass C-Dur "die" Tonleiter sein muss!
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Antwort#4
...und warum fängt das Alphabet mit ABC an?
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Antwort#5
Der Grund für das H in der Tonleiter liegt in einer Art Druckfehler Ende des Mittelalters. Im damaligen Tonvorrat (mehrere aufeinanderfolgende Hexakorde) gab es das sogenannte b-molle ("weiches" B weil rund geschrieben), das unserem heutigen B entspricht und das b-durum ("hartes" B weil eckig geschrieben, daraus hat sich das Auflösungszeichen gebildet). Durch eine fehlerhafte Drucktype wurde aus diesem b ein h (unterer Strich fehlte).
Hermann
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Antwort#6
Das müsstest du die Phönizier fragen. Denn auf deren Alphabet geht das lateinische (über das griechische) zurück.
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Antwort#7
Moin...
"Aber warum beginnt man nicht mit "A" sondern mit "C"?"
Ich denke, das ist - wenn man so will - eine "neumodische" Erscheinung. Die Zuordnung weiße/schwarze Tasten zu den Tönen (bzw. deren eher willkürliche Einteilung in Ganz- und Halbtöne) ist erstmal so, wie sie ist. Nun wird man aus didaktischen Gründen jedem Musik-Anfänger zunächst mal das Spiel auf den weißen Tasten beibringen (zumal ohne Kreuze und bs auch das Notenlesen einfacher ist). Und damit das auch Spaß macht, wird man wohl eher mit Stückchen in Dur als in Moll beginnen (siehe viele Kinderlieder, aber auch einfache Etüden etc.). So erklärt sich in meinen Augen am ehesten, warum sich C-Dur als "die" Tonleiter durchgesetzt hat.
Warum allerdings ausgerechnet a-Moll bzw. C-Dur ohne Vorzeichen und schwarze Tasten auskommen, bleibt dabei unklar. Ich glaube allerdings nicht, dass es dafür irgendeinen (einzelnen) "harten" Grund gibt - das wird vielmehr historisch gewachsen sein und eine Vielzahl von Gründen haben (vielleicht typische verwendete Kirchentonarten zur Zeit der Entstehung der modernen Notenschrift bzw. Tasteninstrumenten, in Kombination mit einer vom Durchschnittssänger "einfach" zu singenden Tonlage, etc....)
Jens
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Antwort#8
Die Frage ist, warum du die C-Dur Tonleiter ins Zentrum stellst und nicht die a-moll äolische Leiter.
So würde die Leiter A-B(hier H)-C-D-E-F-G lauten.
in der Rennaissance waren diese Moll-Leitern (äolische, dorische, phrygische) doch sehr gängig.
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Antwort#9
Natürlich nicht die phrygische, sondern die äolische Leiter. Phrygisch beginnt (auf den weissen Tasten) auf dem E.
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Antwort#10
Sorry, es gäbe natürlich die phryische mit einem B. Aber das ist ja bekanntlich eben ein Schreibfehler. Also wäre es eben doch die äolische.
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Antwort#11
Wie schon HermannP angesetzt hat, ist das hexachordische (nicht hexakordisch) Denken dafür verantwortlich. Ein nicht transponierter Modus hat drei Hexachorde, beginnend auf G, C und F. Diese werden hexachordum durum, hexachordum naturale und hexachordum molle genannt. Ein Hexachord hat immer die Tonfolge: Ganzton-Ganzton-Halbton-Ganzton-Ganzton.
Deshalb gibt es im Hexachordum molle ein "b" statt dem "h". Guido von Arezzo hat das so im Musiktraktat Micrologus (~1080 n.Chr.) festgesetzt. Somit war das "Gamma Ut" (ist das heutige große G), aus dem griechischen abgeleitet, theoretisch - und auch meistens praktisch der tiefste Ton des Tonvorrats.
Der Modus auf C hat lediglich die geringste Anzahl an Tonartvorzeichen. Dass heutzutage die Tonsysteme auf "c" als "Basis" verstanden werden, führe ich darauf zurück. Die meisten Stücke aus der Zeit der Renaissance, die sich auch die Antike rückbesinnt, stehen in C, G oder F (also nur ein Vorzeichen durch die Transposition). Weitere transpositionen, z.B. nach E gibt es zwar, aber sie sind sehr, sehr selten.
Dieses renaissance-musikalische Denken basiert entgegen unserem heutigen auf Sechston-Gruppen (eben Hexachorde). Zwar wird auch von der Oktavidentität ausgegangen, aber in den jeweiligen Modi wurde in den drei Hexachorden gedacht. Die Art, zu singen zu lernen (auf G.v.Arezzos Solimsationssilben "ut, re, mi, fa, sol, la") ist in der Literatur aus der Zeit (Tinctoris, Gaffurio, Lampadius, Zarlino, Salinas, Pareja, Cochlaeus, ...) vielfach belegt.
Grüße,
Hermann
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Antwort#12
Ich vergaß:
In der Renaissance-Zeit gab es nur ein "b", und kein "h". Jedoch zwei Arten von "b":
Das "b auf mi" (b durum) und das "b auf fa" (b mollis) respektive für heute das "b" und das "h". "B mollis" heißt "weiches b" (=b) und "b durum" heißt "hartes b" (=h).
Weil die Hexachorde _immer_ die Struktur: Ganzton-Ganzton-Halbton-Ganzton-Ganzton besitzen, muss also in dem Hexachord auf G ein "h" (b durum) eingefügt werden. Das "b quadratum" wurde mit "eckigem Bauch" geschrieben, sodass es fast so aussieht wie unser heutiges "h". Das "b rontundum" wurde mit weichem Bauch, wie das heutige "b" gezeichnet. Aufgrund der Dur/Moll-Tonalität, die mit Monteverdis Seconda prattica (frühes 17. Jh.) aufkam, wurden beide Töne unabhängig voneinander benutzt. Daher wurden Sie dann im deutschsprachigen Raum getrennt benannt. Die englischsprachige Literatur verwendet heute übrigens immer noch "Bb" für "b" (also "weiches b") und "B" für "h" ("hartes, erhöhtes" h).
Hexachord auf C:
C
D (GT)
E (GT)
F (HT)
G (GT)
A (GT)
Hexachord auf F:
F
G (GT)
A (GT)
B (HT)
C (GT)
D (GT)
Hexachord auf G:
G
A (GT)
H (GT)
C (HT)
D (GT)
E (GT)
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Antwort#13
Der Modus auf C hat lediglich die geringste Anzahl an Tonartvorzeichen. Dass heutzutage die Tonsysteme auf "c" als "Basis" verstanden werden, führe ich darauf zurück.
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Antwort#14
Ich sehe in der üblichen Notation eine reine, historisch bedingte Altlast, die den systematischen Zugang und die Arbeit mit Tonleitern völlig unnötig verkompliziert -- bis auf erste Anfänge im Kindesalter, wo die herkömmliche Notation und die Einschränkung auf bestimmte Tonleitern wie C-Dur natürlich zunächst sinnvoll sind. Das ganze Verständnis von Harmonien, die Akkordschreibweisen, die Intervallbezeichnungen, das Transponieren etc wird durch die Beschränkungen des 5-Linien-Notensystems und dessen feste Bezugspunkte auf bestimmte Frequenzen stark behindert, zumindest für mathematisch/wissenschaftlich begabte Menschen, wie soll man denn da die ja vorhandene Systematik einfach erkennen? Spätestens bei der Einführung der gleichmäßig temperierten Tonleiter mit ihren 12 gleichen Halbtonschritten pro Oktave und beliebigem Startpunkt hätte man das ändern müssen. Nicht umsonst wird die gesamte Musiktheorie von Aussenseitern als eine Art Geheimwissen betrachtet, was aber mE vor allem durch die unglückliche, verkomplizierende Art der Notation bedingt ist. Wenn man versucht, den Tonraum von 12-Halbtönen mit nur 7 absoluten Symbolen zu verarbeiten, diese dann mit # und b hinbiegt, wobei wieder Beschränkungen zu beachten sind... so wie dass z.B. ein A und ein A# nicht in der selben Tonleiter vorkommen dürfen, und überhaupt dieser ganze Wasserkopf mit den #en und bs... dann sind solche mE unnötigen Diskussionen ja kein Wunder:
...
"Des moll hat 8b", da staunst Du
das "überzählige" b ist ein Doppel b. In diesenm Fall: "Hes" = "Hbb" = A
Des Es Fes Ges As Hes Ces Des
zugegeben, eine Scheisstonart, die kein Mensch spielt!! Die ist nur theoretisch so richtig. Man nutzt hier die Möglichkeit der sogenannten "Enharmonischen Verwechslung" Des = Cis !!
Cis moll:
Cis-Dis-E-Fis-Gis-A-H-Cis = 4#
...
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Antwort#17
nach alldem, was ich hier zu lesen bekam, verzichte ich auf eine in die Tiefe gehende Stellungnahme, die eigentlich bitter nötig wäre, aber in einer mittleren Musiklehre enden würde. So wenig Bach von Ockeghem zu trennen ist, so unmittelbar hat die Alte Bach-Gesamtausgabe mit Brahms zu tun. Das aufzulösen und in den musikhistortischen Orkus abzukippen sind NICHT wir aufgerufen, denn jene Bezüge sind in den Tagen unserer musikalischen Vorväter zu unumstößlichen Realität großer Sinnhaftigkeit geworden.
Gottlob gibt es in der Musik einige wenige Dinge mehr, die jenseits retrospektiver Schnapsideen unserer Tage anzusiedeln sind:
Von wegen "Altlast". Das ist die traditionelle Notenschrift so wenig, wie die Teilung der Tastatur clavierter Instrumente. Es hat ja seit Henri Arnaut de Zwolle nicht an en detail dokumentierten Versuchen gefehlt, bei der Tastatur Revisionen anzubringen. Doch wo sind sie geblieben? Aha.
Dasselbe gilt für Notenschriften, die "den Tonraum von 12-Halbtönen mit nur 7 absoluten Symbolen zu verarbeiten, diese dann mit # und b hinbiegt, wobei wieder Beschränkungen zu beachten sind..."
Also, der Kapellmeister Bach von Leipzig (21./31.3. 1685-28.7.1750) weiland verstand sich durchaus noch auf die (Orgel-)Tabulatur, die allerdings zeitgenössisch in Süddeutschland schon völlig "außer gebrauch kommen" war, wie man in einer Kremsmünsterer, Poglietti folgenden Musiklehre lesen kann.
Also 'mal nachsehen, wie die 'neuere deutsche Orgeltabulatur' aussah, die der Herr Buxtehude (sein 370. Geburts-(?) und 300. Sterbejahr feiern wir '07) auch zur platzsparenden Notation Kantatenpartituren (für Vater und Sohn Düben in Stockholm) heranzog... Diese Partituren kann man in Uppsala ansehen, der Blick ins Faksimile des Orgelbüchleins von JSB fällt leichter, da die Reise zu dessen Inaugenscheinnahme, wenn nicht an den eigenen Bücherschrank, so doch nur zur nächsten öffentlichen Bibliothek führen muss.
Hans-Joachim
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Antwort#18
Hallo Peter,
das Liniensystem ist uns erstmals genau in diesem Traktat "Micrologus" von Gudio von Arezzo, ungefähr auf 1080 datiert, überliefert. Guido von Arezzo war auch der, der das Solmisationssystem populär gemacht hat - alle Theoretiker bis ins späte 17. Jh. verweisen auf die "Guidonische Hand"
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Antwort#19
Hallo Hans-Joachim,
schön, mal wieder von Dir zu hören.
Allgemein gedacht. In der Kirchenmusik, und damit den Kirchentonleitern, hat C-Dur tatsächlich wenig zu "melden". Bekanntermaßen fängt das ganze auf d und damit in dorisch an (der I.Ton), beziehungsweise wird natürlich transponiert.
Mich würde auch mal interessieren, warum wir heutzutage von "C aus denken".
Den Knoten zwischen "b und h" haben wir hier mittlerweile gelöst, oder......?
Herzlichen Gruß
Markus Przybilla
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