... dies zeigt, daß man gerade bei Klavieraufnahmen mit "Kochrezepten" kaum weiter kommt.
Zu sehr muß man auf das Instrument wie auch die Räumlichkeit - mitunter sogar auf den Pianisten und das Repertoire sowieso - eingehen. Manche, sogar gute Flügel, liefern bei einer nahen Mikrofonierung beim Diskant lediglich einen scheppernden Ton - und das routiniert über den Baßsteg montierte Mikrofon nimmt auch nicht immer einen "runden, ausgeglichenen Baß" auf ...
Ohne besagte Aufnahme zu kennen - spaßeshalber habe ich diese Aufstellung für eine Konzertaufzeichnung einmal nachgebaut (mit SCHOEPS CMC62H statt dpa/B&K und CMC54 statt TLM170, neuer und frisch intonierter sowie justierter Steingraeber-Flügel mit 205 cm statt Steinway D).
Bei der ersten Aufstellung klang das "noch ganz nett", doch zu dem Konzert mußte der Flügel mitsamt der Anordnung drumrum um 90° gedreht werden - das klangliche Ergebnis war unsäglich.
Letztendlich kam eine Anordnung ähnlich Abb. 6
http://www.sengpielaudio.com/Klavier3.pdf, ergänzt um zwei Mikrofone, ähnlich positioniert die Mikrofone 1 & 2 (hier aber zwei CMC54) wie in Abb. 1 aus
http://www.sengpielaudio.com/Klavier1.pdf als bestmöglicher Kompromiß heraus.
Im Vergleich zu den Örtlichkeiten aus
http://www.sengpielaudio.com/Klavier1.pdf hat dieser Raum lediglich ein Viertel des Volumens, obendrein noch ausgeprägte Resonanzen im Bereich von 160, 240 und 960 Hz, dazu ist das Publikums im Halbkreis um die Bühne angeordnet.
Der Flügel selbst klang in dem Raum ausgesprochen hart und spitz - auch in den Hauptmikrofonen. Eine Anordnung der Stützen wie Mikrofon 3 & 4 - unabhängig von deren Richtcharakteristik - aus
http://www.sengpielaudio.com/Klavier1.pdf hätte diese Härte nur verstärkt, ohne Gewinn an Klangfarben. Das Zumischen der Mikrofone 1 & 2 gab dem Flügel wenigstens eine gewisse "Weichheit" und "Wärme", böse Zungen würden allerdings auch von "Wummerigkeit" und "Verwaschenheit" sprechen.
Bemerkenswerterweise hat jedoch bei einem alten und fast abgespieltem Flügel im gleichen Raum eine SCHOEPS Kugelfläche bei Mikrofonproben ein sehr viel differnziertes Klangbild mit viel mehr "Athmosphäre" geliefert. Schade, daß ich bei der Steingraeber-Aufnahme das KFM nicht zum Vergleich zur Verfügung hatte ...