"Klassik" - was ist das eigentlich?

Erstellt 24 Antworten25 Beiträge
Startbeitrag#1
"Klassische Musik" - oft bezeichnet als "Musik für Alte Leute".
Tatsächlich gibt es Leute deren musikalischer Horizont bei J.S.Bach beginnt und bei G.F.Händel endet.
Aber diese Spezies kann kein Maßstab sein.
"Klassische Musik" im eigentlichen Sinne ist m. Verständnis nach eher all jene Musik, die mit konventionellen Instrumenten gemacht wird, im Gegensatz zu jener bei der die Elektronik ein Teil der Instrumente ist, und die dann den charakteristischen Sound erzeugt.
Letztlich gehört auch der Jazz zur "Klassischen Musik". Kein Geringerer als unser VDT-Vorstandsmitglied Carlos Albrecht betonte dies kürzlich auf unserer Gruppensitzung, als wir nach dieser uns noch zum gemütlichen Beisammensein in der Cafeteria des HR trafen.
Nur mal so als Anregung zum Nachdenken.

MfG
Rainer
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Antwort#2
noch kürzer:
klangerzeugung, die keinen strom braucht. :D
unterschied:
selber gespielt oder sample-library...
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Antwort#3
....aber wie sieht es bei Jazz mit Gitarreninstrumentierung aus (z.B. Wes Montgomery - ist doch "klassischen" Jazz zuzuordnen, obwohl hier ein elektromagnetisches Tonabnehmer-System eindeutig einen charakteristischen Sound erzeugt.)
Man müsste dann also in diesem Fall Jazzmusik derselben Epoche und ggf. Stilrichtung rein nach elektromagnetischen Gesichtspunkten auftrennen, was sich doch als künstlerisch fragwürdig darstellt, oder?
mfG, Vasco
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Antwort#4
und was ist dann mit der berühmten Wandergitarre am Lagerfeuer? Ist das dann auch Klassik?
liebe Grüße
kreisel
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Antwort#5
Sobald man versucht, eine Definition für "Klassische Musik" zu finden, begibt man sich auf Glatteis - es lassen sich zu viele Ausnahmen aufführen.
Allein der Jazz - von einem VDT-Vorstandsmitglied in die Ecke "Klassik" geschoben - widerspricht Deinem Verständnis von "mit konventionellen Instrumenten gemacht"er Musik: Kaum noch ein Jazzkonzert ohne Saalbeschallung, einhergehend mit klangbeeinflussenden Verstärkern ung gar Effektgeräten, insbesondere, wenn Gitarren und auch E-Bässe in der Combo mitwirken. Und Ragtime würde ich nun wirklich nicht zu "Klassik" zählen. Aber - was zum Teufel - ist mit Werken wie z.B. der Suite no. 2 für Jazz-Orchester von Schostakovich und vergleichbaren Stücken anderer Komponisten?
Die Definition "mit konventionellen Instrumenten gemacht" kann entweder überhaupt nicht greifen oder sie schließt zeitgenössische und "moderne" Musik aus.
Die Frage drängt sich auf, in welche Schublade Du z.B. Stockhausens "Mantra - für zwei Klaviere und Ringmodulator" stecken würdest? Nach den Werken, die im "Studio für elektronsiche Musik" vom WDR produziert wurden, und bei Eimert oder auch gemäßigteren Komponisten wie Luigi Nono wage ich erst gar nicht nachzuhaken.
"Klassische Musik" war damals das, was für uns heute z.T. die FuMu oder Unterhaltungsmusik darstellt. Selbst die Goldberg-Variationen sollten einen schlaflosen Fürsten unterhalten ...
So wird auch die "Moderne Musik" Staub ansetzen und in ein paar Jahrzehnten ebenso "Klassik" sein wie das damals von Stravinsky veranstaltete Geschepper. ;-)
Für mich gilt als ein Kriterium, wie weit ein Werk ausgearbeitet und notiert ist, sodaß der Notentext eine eindeutige Reproduzierbarkeit ergibt. Aber auch bei diesem Kriterium gibt es beinahe mehr Ausnahmen als Regeln. In der Klassik gehören freie Kadenzen wie auch die Aleatorik - insbesondere in der "Moderne" - zu den kompositorischen Stilmitteln. Andererseits ist in der Popularmusik mit den Veröffentlichungen von Songbooks genau diese Reproduzierbarkeit gegeben. Soll keiner sagen, dies seien verstümmelte Arangements und somit Vereinfachungen für den "Hausgebrauch" - in der Klassik gibt es genügend Bearbeitungen von Originalen für kleinere wie auch größere Besetzungen. Dies nicht erst seit Busoni oder Kreisler & Co, sondern schon seit Bach ...
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Antwort#6
und was ist dann mit der berühmten Wandergitarre am Lagerfeuer?
Ist das dann auch Klassik?
Ich betrachte das traditionelle Volksmusikgut (nicht das "volkstümelnde") durchaus auch als Klassik.
Egal, ob "Am Brunnen vor dem Tore" im Original oder in der von Schubert aufgepeppten Fassung.
Die spielerischen Fähigkeiten des "Wandergitarristen" bleiben als Kriterium erst einmal außen vor.
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Antwort#7
Frag einfach die Gema!
Die müssen es wissen teilen sie doch in E- und U-Musik ein.
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Antwort#8
klangerzeugung, die keinen strom braucht. :D
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Antwort#9
... Rainer begibt sich gerade auf das Niveau der HiFi-Gläubigen, wenn er den Begriff der "klassischen Musik" gebraucht. :-))
Jeder mag eine Vorstellung davon haben, was hiermit gemeint sein kann. Bei "Musik der Klassik" (als Epoche) wird das schon anders aussehen ... ;-)
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Antwort#11
Also sind Cage, Kagel, Schönberg oder Heiner Goebbels "Klassiker" und ein "Ensemble Moderne" macht klassische Musik?
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Antwort#12
naja, aber ich kann auf der Wandergitarre auch einen Song von den Rolling Stones spielen, und das würde dann laut Rainers Definition auch Klassik sein.
liebe Grüße
kreisel
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Antwort#13
klangerzeugung, die keinen strom braucht. :D ...dann fällt ja die Kirchenorgel schonmal nicht in diese Kategorie
Nicht zwangsläufig. Z.B. bei trouby in St. Petri Freiberg lässt sich die Silberfrau auch ohne weiteres mit körperlichem Einsatz zum Singen bewegen..
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Antwort#14
"klassisch" = "mit Klasse", "gut", "von hoher Qualität", weiter gefaßt auch "zu einem Bildungskanon gehörend"
Nur: diese Definition bringt uns nicht weiter. Denn: Beatles gehören auch zum Bildungskanon und haben durchaus eine gewisse "Klasse".
Der strenggefaßte Begriff der "Klassik" als Epoche, die *klick* 1750 anfängt und *klack* 1827 endet, ist Schwachsinn. So einen Epochen-Schalter gibt es eben nicht, und die Übergänge sind nun einmal fließend. Schubert soll in der "Zeit der Romantik" gelebt haben, Beethoven in der "Zeit der Klassik"???!!!??? Eben.
Widerstandsfähiger ist da der Begriff "Wiener Klassik", der im allgemeinen Sprachgebrauch Haydn, Mozart, Beethoven meint und sonst niemanden. Daß diese Leute natürlich unter dem Einfluß C.P.E. Bachs stehen, sollte allerdings beachtet werden.
Jazz wird ja gerne als "Amerikas Klassik" bezeichnet, und dieser Begriff läßt dann Leute wie A. Copland außen vor. Aber: Jazz besitzt einen wesentlich höheren Improvisationsanteil als selbst Generalbaßmusik.
Wie soll man "Klassik" eigentlich nach hinten abgrenzen? Ist Monteverdi "Klassik"? Palestrina? Josquin? Gregorianik?
Im durchschnittlichen Tonträgerfachhandel findet man "Klassik" neben "Pop/Rock" und "Jazz". Da ist offenbar "durchkomponierte Musik" im Gegensatz zu "Songs" gemeint.
Was in Partitur oder für nur ein Instrument allein geschrieben ist, sämtliche Noten genau festgelegt, das muß dann wohl "Klassik" sein. Denn Pop und Jazz wird meist nur in "Leadsheets" notiert mit Melodie und Akkorden. Und in MIDI-Daten, die noch viel genauer festlegen, wie die Musik klingen soll, als das mit unserer Notenschrift möglich ist.
Moderne "E-Musik" verwendet auch MIDI und Samples. Ist das dann noch "Klassik" oder eher - strapazierter Begriff - "Crossover"?
Etwas polemisierend, aber dafür vermutlich sehr treffend:
Klassische Musik ist die, die von Leuten im Frack im Konzertsaal gemacht wird.
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Antwort#15
"Klassische Musik" war damals das, was für uns heute z.T. die FuMu oder Unterhaltungsmusik darstellt. Selbst die Goldberg-Variationen sollten einen schlaflosen Fürsten unterhalten ...
So wird auch die "Moderne Musik" Staub ansetzen und in ein paar Jahrzehnten ebenso "Klassik" sein wie das damals von Stravinsky veranstaltete Geschepper. ;-)
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Antwort#16
Eure Antworten bestätigen die These:
Jede Kategorisierung hat einen Todfeind: Die Kategorisierung !
Es grüßt RainerK
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Antwort#17
lol - früher wurden blasebälge dafür mit füssen getreten.
stromlos bezog sich eher auf die klangerzeugung :)
yo, mann muss die silberfrau zur richtigen zeit an der richtigen pfeife am labium kraulen, dann singt sie wie von selbst :D
frei nach bach :P
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Antwort#18
Moin,
es gab von Dirk Wedell mal vor vielen Jahren einen Beitrag im Fachblatt(?) über klassische Musik Es ging irgendwie um E- und U Musik und. Leider habe ich den Text nicht mehr, kann mich aber erinnern daß er fürchterlich gelästert hat. Ich erinnere mich noch an "Museumsmusik" und daß diese ohne die Rockmusik gar nicht leben könnte weil die Plattenindurstrie längst pleite wäre.
Kann sich von den Älteren jemand erinnern oder hat gar den Text?
Gruß Mikroguenni
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Antwort#19
Hollo.
Ein paar treffende Defnitionspartekel für Klassik:
1. "Klassik ist das was als Klassik kommuniziert wird." Dieser Satz gilt universell.
Intendiert ein Musiker klassik zu spielen, so spielt er Klassik.
Sagt ein Orchester von sich klassische Musik zu spielen, spielen sie Klassik
Sagt ein schwachsinniger Hip-Hoper Depeche Mode sei Klassik... ist das Klassik.
Ich würde dazu die Definition, die so - frei nach Luhmann - gilt, wie folgt mit eigenen Thesen verengen:
Klassik muss hochkulturaffin sein und Hochkultur ist elitär.
Die Zugehörigkeit zu dieser Hochkultur wird durch Herkunft
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Antwort#20
Was sind denn "konventionelle Instrumente??" Durch die Menschheitsgeschichte hindurch gab es doch zu jeder Zeit zig Instrumente, die der entsprechenden Epoche entsprechen und sich quer durch die Kulturen auch noch gründlich unterscheiden.
Als "Klassik" bezeichnet so ein Durchschnittsbürger wie ich gerne mal alles, was konzertant mit Instrumenten, die vor ca. 1900 entstanden sind, vorgetragen wird.
Aber zurück zu den "konventionellen Instrumenten". Wodurch sind die denn charakterisiert? Für mich passt das nicht ganz, ich finde eine B3 oder eine E-Gitarre auch sehr konventionell.
Aber eigentlich zu mühselig, die ganze Diskussion, oder? Reden wir doch von Orchestermusik, Kammermusik, Liedern etc.
Claus
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