Rainer hat schon erklärt, warum die Meinungen über Surround-Sound so extrem auseinander gehen. Das IRT bevorzugt dafür sogar den Namen "3/2-Stereo", um darauf hinzuweisen, dass wir vorne die "Bühne" in Dreikanal-Stereo haben sollen und uns von hinten eine Räumlichkeit umhüllen sollte. Ich unterstütze diese "Politik" nicht, denn ich fühle mich dadurch unnötig eingeengt.
Viele Fragen sind noch nicht geklärt, z.B. welche Signale wir in den Center-Lautsprecher tun sollen und was zu einer angenehmen räumlichen Klangumhüllung führt. Die bei Stereo oft angegebene Verzögerung der Stützmikrofonsignale wirkt so in Surround nicht. Man muss sich durch Anhören von DVD-A oder SACD-Surround eine eigene Meinung bilden. Dolby Prologic und andere Surround-Matrixsysteme schließe ich aus. Ich spreche nur von diskreten 5.1 Kanälen. So mag ich nicht die häufig anzutreffende Wirkung von Dreikanal-Stereo vorne, also ein Orchester, das nur hart vom linken zum rechten Lautsprecher geht, der Klang auf den Seiten von vorne nach hinten nicht vorhanden ist, und hinten sich eine eher störende Hallklangwolke befindet. Das ist ärgerlich.
Die Surround-Panning-Displays zeigen bei den digitalen Mischpulten jeden Punkt zwischen den Lautsprechern wunderschön an, den man mit den Panpots anfahren kann. Das sieht gut aus, aber stimmt wenig mit der wirklich lokalisierten Schallrichtung überein. Vorne geht es gerade noch so. Merke: Nicht alles glauben, was uns digtal und bunt angezeigt wird - was für viele Displays gilt.
Wer etwas zu den seitlichen Phantomschallquellen wissen will, der gehe zu:
http://www.sengpielaudio.com/SeitlichePhantomschallquellen.pdfAls weitere Grundgedanken zum Surround-Sound kann ich anbieten:
http://www.sengpielaudio.com/OffeneFragenZumSurround-Sound.pdfWer etwas über den Center-Lautsprecher bei einer Klavieraufnahme lesen will, gehe zu:
http://www.sengpielaudio.com/Center-Lautsprsign.pdfUnd hier ist ein Interview zum Surround-Sound aus den Tonmeister-Informationen:
http://www.sengpielaudio.com/InterviewSurround-Sound.pdfÜber weitere Fragen sollte man nachdenken, wie z.B.: Brauchen wir ein Surround-Hauptmikrofon (wenigstens für die Front)? Was machen wir mit dem LFE-Kanal?
Theoretische Abhandlungen zur "Mehrkanal-Stereofonie" sollte man kritisch lesen, besonders wenn das Wort "natürlich" dabei vorkommt, denn unsere Aufnahmen sollten eher natürlich klingen, als ein natürliches Schallfeld 1:1 übertragen. Wir Tonleute gestalten und schaffen eine Klangillusion, auf die wir stolz sind! Und das tun nicht die Hausmeister!
"Multichannel Natural Music Recording Based on Psychoacoustic Principles" von G.Theile:
http://www.irt.de/IRT/FuE/as/multi-mr-ext.pdfIch habe das Glück gehabt, Opern, Symphonien und eine 5-Mann Percussion Group in Surround auf 96 kHz / 24 bit für DVD-A aufzunehmen zu dürfen und konnte dabei viel Erfahrungen sammeln. Vorher habe ich von "alten" 44,1 kHz 16 bit 24-Spurbändern geübt, was man in Surround so machen kann. Dazu gehört auch das Einspielen von Signalen in einen leeren Saal und das Hinzumischen von diesen wieder aufgenommenen Signalen. Auch das Surround-Halleffektgerät Lexicon 960 habe ich schätzen gelernt.
Ich glaube, jeder muss noch mehr als bei Stereo eigene Erfahrungen sammeln. Die daraus gezogenen Schlüsse sind auch nicht fest, sondern sie müssen sehr variabel sein. Die immer "gewünschten" Kochrezepte dazu kann es hier erst recht nicht geben. Eigene Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen und kann nicht gelehrt werden. Und wissenschaftliche Erkenntnisse können hierbei nur bedingt hilfreich sein. Wir müssen Ideen entwickeln, viel probieren und hinhören, vergleichen und entscheiden.
Viele Grüße
ebs
Forum für Mikrofonaufnahme und Tonstudiotechnik